1. Startseite
  2. Management
  3. Gründer
  4. E-Ladesäulen: BP beteiligt sich an deutschem Start-up

ElektromobilitätBP beteiligt sich an deutschem Ladesäulen-Start-up

Während viele traditionelle Elektrobetriebe ausgelastet sind, verspricht Service4Charger Unternehmenskunden eine schnelle Umsetzung von Ladeinfrastrukturprojekten. Das ruft bekannte Investoren auf den Plan.Steffen Ermisch 29.06.2023 - 18:52 Uhr

Das Start-up Service4Charger plant in diesem Jahr 4000 Ladepunkte für Elektroautos zu errichten.

Foto: PR

Für ein Berliner Start-up ist es ein untypischer Recruiting-Schwerpunkt: Statt Softwareentwickler und Vertriebler stehen für Service4Charger bei der Personalsuche Elektriker ganz oben auf der Liste. Gelockt werden die Handwerker mit flachen Hierarchen, einer Vier-Tage-Woche in Montageteams, guten Verdienstmöglichkeiten – und einem besonderen Titel: „Service4Charger Mobile Heroes“ nennt das Start-up seine Mitarbeiter im Blaumann. „Das Rückgrat der Energiewende sind Handwerker – das wird oft immer noch verkannt“, sagt Lucas Althammer, neben Fabian Paul Geschäftsführer des Unternehmens.

Gegründet im Dezember 2019, positioniert sich Service4Charger als Problemlöser bei der Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Das Start-up plant, installiert und betreibt Ladeinfrastruktur für Elektroautos – und will dabei mit einem bundesweiten Netz aus eigenen Montageteams punkten. Eine Idee, die Gründer Paul in seinem vorherigen Unternehmen kam: Das bot mobile Ladelösungen für Firmen an, tat sich aber schwer damit, vor Ort passende Elektrobetriebe zu finden. „Wir sind ein ganzheitlicher Dienstleister für Unternehmen, die einen Fachpartner in verschiedenen Regionen suchen“, sagt Althammer. Man könne bundesweit Standorte elektrifizieren und betreuen.

Das Angebot wird angenommen: Aral, die Berliner Stadtwerke und den Tankkarten-Dienstleister DKV führt das Start-up unter anderem als Kundenreferenzen auf. Auf 85 Mitarbeiter ist das Unternehmen angewachsen, etwa die Hälfte arbeitet im Elektro-Bereich. Deutschlandweit gibt es aktuell zwei Niederlassungen, die Mitarbeiter sind über 25 Städte verteilt. Laut Althammer plant das Start-up damit, in diesem Jahr 4000 Ladepunkte zu errichten – dafür soll der Handwerkerstamm deutlich wachsen. Zwei neue Regionalhubs für die Logistik sollen entstehen.

Tracking der Energiewende

Die Lösung für das Energiespeicherproblem steht längst in ihrer Garage

Seit Jahren kursiert die Idee, E-Autos als Stromspeicher ins Netz einzubinden. Jetzt ist die Technik da – und lohnt sich für viele Haushalte. Umso bitterer, dass die Speicher als Netzpuffer vorerst ungenutzt bleiben.

von Konrad Fischer

Finanzierungsrunde bringt zehn Millionen Euro ein

Geld für die Expansion kommt nun von einem der wichtigsten Kunden des Start-ups: Über seinen Wagniskapitalarm investiert der Aral-Mutterkonzern BP 7,5 Millionen Euro in Service4Charger, wie beide Unternehmen in dieser Woche bekanntgeben haben. Als weiterer Investor an der insgesamt zehn Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde ist der Schweizer Energieversorger Energie360° beteiligt.

BP  betont die strategische Bedeutung des Deals. „Durch die Investition in Service4Charger entsteht für BP eine Zusammenarbeit, die eine schnelle und zuverlässige Installation und Wartung von E-Ladepunkten in Deutschland ermöglichen kann“, wird Gareth Burns vom Wagniskapitalarm des Unternehmens in einer Pressemitteilung zitiert. Den Angaben zufolge betreibt BP unter dem Markennamen Aral pulse aktuell rund 1500 öffentliche Schnellladepunkte in Deutschland. Das Start-up soll vor allem im Geschäft mit Unternehmenskunden helfen: Aral bietet auch Ladelösungen für Firmengelände und Dienstwagenfahrer an.

E-Mobilität

E-Tankstelle für jedermann: Autobauer treiben eigene E-Ladenetze voran

Der Bedarf an Ladesäulen und Wallboxen wächst. Knapp jeder fünfte neuzugelassene Pkw in Deutschland ist inzwischen ein reines Elektroauto – doch die Infrastruktur hält nicht Schritt. Davon profitieren Start-ups, die oft schneller als etablierte Konzerne passende Lösungen entwickeln. Bei Wallboxen etwa mischen Unternehmen wie Heimladen oder Daheimladen mit. E-Mobilitäts-Spezialisten sind zudem interessante Übernahmeziele. So hatte BP-Konkurrent Shell in den letzten Jahren gleich mehrere Ladesäulen-Start-ups aufgekauft – darunter New Motion und Ubitricity.

Verband beklagt Fachkräftemangel

Dass das Geschäft mit den Ladesäulen Fahrt aufnimmt, spiegelt sich auch bei Handwerksbetrieben wider. Nach Angaben des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sind mittlerweile fünf Prozent des Branchenumsatzes auf die Installation von Ladeinfrastruktur zurückzuführen. Die Betriebe, die unter anderem auch bei Solaranlagen stark gefragt sind, haben allerdings oft über Monate gefüllte Auftragsbücher. Laut ZVEH fehlen 81.000 Fachkräfte.

Start-up-Unternehmer Althammer setzt darauf, dass die Entwicklung ihm weiteren Kundenzulauf beschert. „Der Handwerkerengpass wird zunehmend zum Flaschenhals bei Ladeinfrastrukturprojekten“, sagt er. Service4Charger könne sowohl Komplettpakete für Unternehmenskunden anbieten als auch einzelne Fachdienstleistungen erbringen. Eigene Hardware verkauft das Start-up nicht.  Für effiziente Abläufe sollen digitale Tools sorgen: Elektriker und Monteure sind mit Smartphone und Laptops ausgestattet – viele Arbeitsschritte sind standardisiert und zentralisiert.

Ein Vorbild sind Solar-Start-ups, die ebenfalls halb Handwerksbetrieb, halb Digitalunternehmen sind. Enpal oder 1komma5° konnten sich so in vergleichsweise kurzer Zeit einen großen Kundenstamm und Milliardenbewertungen erarbeiten. Vergleichbar ist auch das Montage-Start-up Installion, das unter anderem für Stadtwerke Fotovoltaikanlagen installiert hat. Im April ist das Kölner Unternehmen von Lichtblick übernommen worden – und arbeitet nun exklusiv für den Ökostromanbieter.

Keine Berührungsängste zur Ölindustrie

Service4Charger betont, weiterhin auch Aufträge anderer Unternehmen anzunehmen. „Wir sind der Roll-out-Partner für viele KMUs sowie Hersteller von Ladeinfrastruktur und wollen mit unserem Ansatz über Deutschland hinaus wachsen“, sagt Althammer. Dass der neue Investor potenzielle Kunden mit ähnlicher Ausrichtung wie BP abschreckt, befürchtet das Start-up nicht. „Bei der Ladeinfrastruktur ist die Kooperationsbereitschaft in der Branche groß“, sagt der Gründer. Er verweist darauf, dass bei Ionity auch konkurrierende Autobauer gemeinsam investierten.

Zumindest erschweren könnte der neue Investor aber das Recruiting. Denn Service4Charger wirbt offensiv mit seiner Mission, die Energiewende voranzubringen. Mineralölkonzerne sind dabei nur bedingt glaubwürdige Partner. Zwar investieren sie stark in Erneuerbare Energien und die Elektromobilität. Gleichzeitig verdienen sie aber aktuell prächtig mit Öl und Gas – und haben es mit Klimazielen nicht allzu eilig. Kritik rief BP Anfang Februar mit der Ankündigung hervor, die Fördermengen langsamer als geplant zurückzufahren.

Althammer sagt, er habe keine Berührungsängste mit der Branche – und sehe keine Nachteile im Werben um Mitarbeiter. Schließlich helfe Service4Charger den Unternehmen bei der Transformation. 

Lesen Sie auch: Das kabellose Elektroauto-Laden kommt

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick