Chinas Konsumflaute: Xi verharmlost schwächelnde Wirtschaft – und attestiert dem Westen „geistige Armut“
Angesichts der schwächelnden Wirtschaft hat der chinesische Staatschef Xi Jinping Geduld gefordert. Er rief das Land dazu auf, „eine sozialistische Ideologie mit starkem Zusammenhalt aufzubauen“. China solle sich auf langfristige Ziele wie die Verbesserung der Bildung, der Gesundheitsversorgung und der Lebensmittelversorgung für die 1,4 Milliarden Einwohner konzentrieren, statt nur kurzfristigen materiellen Wohlstand zu verfolgen, sagte er in einer vom Parteiorgan „Qiushi“ veröffentlichten Rede. Es gehe darum, „stetige, schrittweise Fortschritte zu machen“ und „historische Geduld“ zu bewahren.
Xi riet davon ab, sich Europa und die USA zum Beispiel zu nehmen. Eine Modernisierung nach westlichem Vorbild diene den Interessen des Kapitals, „statt den Interessen der großen Mehrheit der Menschen zu dienen“. Die westlichen Länder seien wegen ihres Materialismus und ihrer „geistigen Armut“ „zunehmend in Schwierigkeiten“.
Schwache Konsumnachfrage und Probleme am Immobilienmarkt
In Europa und der USA kämpfen die Zentralbanken gegen die hohe Inflation. Das Resultat: eine Reihe von Zinsanhebungen. Die chinesische Wirtschaft hingegen kämpft gegen sinkende Preise. Verbraucher- und Erzeugerpreise sind in China im Sinkflug. Experten führen den Preisverfall in China unter anderem auf die anhaltend schwache Konsumnachfrage und Probleme am Immobilienmarkt zurück.
Insgesamt leidet China unter einer sich verschärfenden Konjunkturschwäche. Eine Umfrage im Juni ergab, dass die Arbeitslosigkeit unter den städtischen Arbeitnehmern im Alter von 16 bis 24 Jahren auf einen Rekordwert von 21,3 Prozent gestiegen ist. Nach dem Ende der Corona-Pandemie erholt sich die chinesische Wirtschaft langsamer als von den meisten Ökonomen erwartet. Denn seit dem Ende des Lockdowns 2022 konsumieren die Menschen weniger und beginnen zu sparen.
Erst vor wenigen Wochen kündigte die Volksrepublik Maßnahmen an, um den Konsum zu fördern. Die Förderung beim Kauf von Elektroautos und beim Tourismus solle ausgeweitet werden, ging damals aus einem Dokument des Staatsrats hervor. Außerdem sollen Wohnungsmieten gesenkt werden. Die „fundamentale Rolle“ des Konsums für die wirtschaftliche Entwicklung solle voll zur Geltung gebracht werden, hieß es.
Chinas Notenbank will Immobilien-Politik optimieren
Derweil will Chinas Notenbank auf die anhaltenden Turbulenzen auf dem Immobilienmarkt reagieren. Die Währungshüter würden die Immobilien-Politik bald anpassen und optimieren, teilte die People's Bank of China (PBOC) am Donnerstag in einem Bericht zur Umsetzung der Geldpolitik mit. Zudem werde sie entschlossen gegen eine zu starke Veränderung des Yuan-Wechselkurses vorgehen. Systemische Finanzrisiken würden abgewehrt. Die umsichtige Geldpolitik der Notenbank werde präzise und kraftvoll sein.
Lesen Sie auch: Fataler als der Fall Evergrande – das droht Anlegern aus China
Die Notenbank werde ihre verschiedenen geldpolitischen Werkzeuge besser nutzen und die Erholung und Entwicklung der chinesischen Wirtschaft nachdrücklich unterstützen, erklärte die PBOC. Diese sei angesichts der Gefahr einer Deglobalisierung und einer sich abschwächenden weltweiten Konjunkturerholung mit einer unzureichenden Nachfrage, schwierigen Geschäften, hohen Risiken und versteckten Gefahren in Schlüsselbereichen konfrontiert. Die Risiken werde die Notenbank genau beobachten und finanzielle Hilfen koordinieren, um lokalen Verschuldungsgefahren entgegenzutreten.
Vielversprechender Jahresauftakt verpufft
Nachdem das Land im Dezember seine strengen Corona-Beschränkungen aufhob, startete die chinesische Wirtschaft zunächst optimistisch in das neue Jahr. Seither jedoch hat sich die Erholung deutlich abgekühlt. Das Wirtschaftswachstum blieb im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurück. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt stieg im zweiten Jahresquartal um 6,3 Prozent. Damit blieben die Daten leicht hinter den Prognosen der meisten Ökonomen zurück.
Die vergleichsweise hohe Zahl kommt vor allem durch die niedrige Ausgangslage im Vorjahreszeitraum zustande, als sich die Finanzmetropole Shanghai sowie weitere Landesteile Chinas in rigiden Corona-Lockdowns befanden. Vergleicht man das Wachstum in Q2 mit dem ersten Jahresquartal, dann ist das chinesische Bruttoinlandsprodukt lediglich um 0,8 Prozent gestiegen.Auch die Gewinne der Unternehmen sind in der ersten Jahreshälfte eingebrochen. Sie fielen um 16,8 Prozent geringer aus als in den ersten sechs Monaten 2022. Überdurchschnittlich stark schrumpften dabei die Überschüsse der staatlichen Unternehmen.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr ein Wachstum von 5,2 Prozent zu, nachdem es im vergangenen Jahr wegen der strikten Corona-Beschränkungen nur zu einem Plus von 3,0 Prozent gereicht hatte.
Lesen Sie auch: Chinas Wirtschaft – der Frühling ist schon wieder vorbei