Klarna, Stada & Co.: Welche Unternehmen 2025 noch einen Börsengang planen
Im vergangenen Jahr gab es laut der Wirtschafts- und Prüfungsgesellschaft EY weltweit insgesamt 1215 Börsengänge, auch Initial Public Offering (IPO) genannt. Das sind zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Zu den größten Börsengängern von 2024 zählen unter anderem das amerikanische Unternehmen Lineage und in Europa das spanische Konsumgüterunternehmen Puig Brands. In Deutschland wagten lediglich sieben Unternehmen den Gang an die Börse, wobei der größte IPO das Listing der Parfümeriekette Douglas war.
Für 2025 zeigten sich Experten von EY und PwC zu Beginn des Jahres noch optimistisch. Nach einer positiven Jahresendrallye und geringer Volatilität erwarteten sie ein günstiges Umfeld für Börsengänge. Doch nach den kürzlich geplatzten Listings vom Online-Autoteilehändler Autodoc und dem Medizintechnik-Softwareanbieter Brainlab zeigt sich: Börsengänge in Deutschland bleiben rar.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die internationalen sowie deutschen Unternehmen, die 2025 möglicherweise noch an die Börse gehen.
Diese Unternehmen könnten 2025 an die Börse gehen
Shein
Der chinesische Online-Modehändler Shein könnte den größten internationalen Börsengang seit Jahren wagen.
Foto: REUTERSBereits im vergangenen Jahr galt der Börsengang von Shein als wahrscheinlich. Shein hat nach gescheiterten Börsengängen in den USA und London Medienberichten zufolge Anfang Juli 2025 heimlich einen IPO-Antrag in Hongkong eingereicht. Mit dem Schritt will der Online-Riese den Druck auf die Aufsichtsbehörden in London erhöhen, um doch noch eine Zustimmung zur Börsennotierung dort zu erreichen. Gleichzeitig bemüht sich Shein um die Unterstützung der chinesischen Wertpapieraufsicht (CSRC), deren Genehmigung für den IPO erforderlich ist.
Bei einer Finanzierungsrunde im Jahr 2023 wurde Shein mit rund 63 Milliarden Euro bewertet, was den bevorstehenden Börsengang zu einem der größten der vergangenen Jahre machen könnte. Der chinesische Online-Modehändler, der für seine günstigen Preise bekannt ist, produziert Kleidung in China und verkauft sie international, insbesondere in den USA und Europa.
Klarna
Der schwedische Zahlungsdienstleister hat bereits vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.
Foto: Sebastian Kahnert/dpaDer schwedische Zahlungsdienstleister Klarna plant einen Börsengang in New York. Insidern zufolge könnte dieser bereits im kommenden Monat stattfinden. Nachdem das Unternehmen bereits im November 2024 mitgeteilt hatte, vertrauliche Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) eingereicht zu haben, stoppte Klarne seine Börsengangspläne im April dieses Jahres vorerst. Grund dafür waren die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle, die für erhebliche Unsicherheit an den internationalen Märkten sorgten.
Klarna ist bekannt für seinen „Buy now, pay later“-Service, der es den Kunden ermöglicht, ihre Einkäufe sofort zu tätigen und die Bezahlung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das Unternehmen wird derzeit mit 14 Milliarden Dollar bewertet und wächst stark in den USA, wo inzwischen knapp 30 Prozent des Umsatzes erzielt werden.
Bitpanda
Der österreichische Finanzdienstleister Bitpanda ist eine Plattform, die den Handel von Kryptowährungen, Aktienderivaten und Rohstoffen ermöglicht. In einem Interview mit der Financial Times gab CEO Eric Demuth zuletzt bekannt, dass ein Börsengang in London ausgeschlossen werde. Stattdessen ziehe das Unternehmen einen IPO in Frankfurt oder New York in Erwägung. Informationen zu einem konkreten Zeitpunkt sind bislang jedoch nicht näher bekannt.
Im Fall eines IPOs könnte Bitpanda auf mindestens vier Milliarden Dollar bewertet werden. CEO Eric Demuth hatte bereits 2019 angedeutet, dass ein IPO innerhalb von fünf Jahren denkbar sei.
Discord
Spekulationen über einen möglichen Börsengang von Discord halten sich bereits seit geraumer Zeit. Obwohl ein IPO des Unternehmens bereits im vergangenen Jahr erwartet wurde, hat Discord bislang weder einen konkreten Zeitpunkt noch weitere Details dazu bekannt gegeben. Microsoft hatte sich 2021 für Discord interessiert und laut Bloomberg ein Übernahmeangebot in Höhe von mehr als zehn Milliarden US-Dollar unterbreitet. Dieses hatte Discord jedoch abgelehnt. Das Unternehmen wird derzeit mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet.
Das 2015 gegründete Unternehmen erlangte insbesondere während der Corona-Pandemie Bekanntheit, da die Plattform viele Möglichkeiten für virtuellen Austausch bietet. Sie ermöglicht unter anderem Gruppen-Chats, Telefonate, Videokonferenzen und Streaming. Es bleibt spannend, ob Discord in diesem Jahr den Schritt an die Börse wagt.
Databricks
Databricks könnte 2025 den Sprung aufs Parkett wagen.
Foto: REUTERSZu den potenziellen Kandidaten zählt auch der US-amerikanische KI-Spezialist Databricks. Das Unternehmen ist auf Datenanalyse spezialisiert und bietet eine Plattform namens Lakehouse an. Diese vereint Datenmanagement, Analyse und KI-Funktionen in einem einzigen System, mit dem Unternehmen ihre Daten verwalten können. Databricks hat laut der Nachrichtenagentur Reuters in einer Finanzierungsrunde zuletzt zehn Milliarden US-Dollar eingesammelt und damit seine Bewertung von 43 Milliarden auf 62 Milliarden US-Dollar erhöht. Analysten spekulieren auf einen Börsengang in diesem Jahr. Ein konkreter Zeitpunkt liegt jedoch nicht vor.
Stada
Stada ist der größte Pharmakonzern für rezeptfreie Arzneimittel in Deutschland.
Foto: REUTERSStada aus Bad Vilbel ist mit einem Konzernumsatz von rund 4,1 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2024 das größte Pharmaunternehmen für frei verkäufliche Arzneimittel in Deutschland. Vorstandschef Peter Goldschmidt kündigte Ende August gegenüber der Deutschen Presse-Agentur einen Börsengang im kommenden Herbst an. Nach Handelsblatt-Informationen soll der IPO vor allem dazu dienen, die Nettoverschuldung von rund 5,5 Milliarden Euro deutlich zu senken. Goldschmidt erwartet einen Schuldenrückgang um etwa die Hälfte.
Das Unternehmen war früher bereits börsennotiert, wurde 2017 für 5,3 Milliarden Euro von den Finanzinvestoren Bain und Cinven übernommen und im Jahr 2020 wieder von der Börse genommen. Schätzungen aus Finanzkreisen zufolge könnte das deutsche Pharmaunternehmen bei einem erneuten Börsengang mit bis zu zehn Milliarden Euro bewertet werden. Es wäre der größte IPO in Europa in diesem Jahr.
Raisin
Das Berliner Fintech Raisin plant für 2025 einen Börsengang, möglicherweise an der Frankfurter Börse. Erste Gespräche mit Banken haben laut Insidern bereits begonnen, ein konkreter Zeitplan liegt jedoch noch nicht vor. Dieser hänge von der Entwicklung der Märkte ab, so das Unternehmen. Gelingt das IPO-Vorhaben, könnte Raisin mit einer Bewertung von drei bis fünf Milliarden Euro der bislang größte Börsengang eines deutschen Fintechs werden.
Das 2012 gegründete Unternehmen bietet Privatanlegern die Möglichkeit, über die Plattform „Weltsparen“ Tages- und Festgeldangebote verschiedener Banken zu vergleichen und Geld auch im Ausland anzulegen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Sparpläne auf ETFs und Kryptowährungen und betreibt die Raisin Bank.
Northern Data
Northern Data ist ein deutsches Technologieunternehmen, das sich vor allem auf die Herstellung von Kryptowährungen wie Bitcoin spezialisiert. Das Unternehmen plant, seine Cloud-Computing- und Rechenzentrumssparten Taiga und Ardent in den USA an die Börse zu bringen. Das berichtete die Agentur Bloomberg im Juli 2024. Northern Data strebt demzufolge eine Bewertung zwischen zehn bis 16 Milliarden US-Dollar an. Der Börsengang ist für das zweite Quartal 2025 an der Nasdaq geplant. Northern Data unterhält eine enge Partnerschaft mit Nvidia, die den Zugang zu hochmodernen Chips sichert. Das Unternehmen gehört zu den weltweit elf Firmen, welche die neueste Chip-Generation von Nvidia zuerst erhalten.
Continental Automotive
Der deutsche Automobilzulieferer Continental gab in einer Pressemitteilung im Dezember 2024 bekannt, seine Autosparte Automotive abzuspalten (Spin-off). Ziel ist nach eigenen Angaben, das volle Wertpotenzial des Unternehmens auszuschöpfen. Der Automobilbereich soll dabei unabhängig werden, während die Bereiche Reifen und ContiTech unter Continental bleiben würden. Es ist geplant, den Spin-off mit Börsennotierung bis Ende 2025 abzuschließen. Entsprechende Schritte würden bereits vorbereitet und sollen bis zum Ende des dritten Quartals 2025 abgeschlossen sein. Unternehmenschef Philipp von Hirschheydt sprach zuletzt von einem Börsengang im September diesen Jahres.
Revolut
Auch Revolut gehört zu den Kandidaten, die 2025 an die Börse gehen könnten. Konkrete Details zu einem möglichen Börsengang gibt es seitens des Unternehmen bislang allerdings nicht. Die Neobank wurde 2015 gegründet und hat ihren Sitz in London. Zuletzt wurde das Unternehmen nach eigenen Angaben mit 45 Milliarden Dollar bewertet.
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