Automarkt: Jahrestiefstand bei den Pkw-Zulassungen – sogar bei den Verbrennern
Die meisten neu zugelassenen Fahrzeuge stammen vom Branchenprimus VW, trotzdem sind die Zulassungszahlen rückläufig.
Foto: dpaDer deutsche Automarkt steckt in der Misere, das zeigen auch die aktuellen Zahlen der Neuzulassungen: Im August 2024 wurden in Deutschland insgesamt 197.322 Fahrzeuge neu zugelassen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Im Vorjahresmonat waren es noch über eine Viertelmillion Pkw gewesen. Das entspricht einem Rückgang von fast 28 Prozent.
Zu den knapp 200.000 im August neu zugelassenen Fahrzeugen zählen, neben Diesel- und Hybridfahrzeugen, rund 70.000 Benziner und 27.000 Elektroautos. Bei den Stromern ergibt sich damit im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar ein Minus von 68,8 Prozent.
Die neuen Zahlen markieren einen Jahrestiefstand, sowohl bei den Stromern als auch bei den Benzinern. Im Juni dieses Jahres etwa wurden immerhin noch 43.000 Stromer und über 111.000 Benziner neu zugelassen.
Stefan Bratzel, Direktor des Centers of Automotive Management (CAM), sieht dafür vor allem zwei Gründe: „Wir befinden uns in Deutschland zum einen in einer schwierigen konjunkturellen Lage“, sagt er. Zudem herrsche unter potenziellen Autokäufern große Verunsicherung. „Das betrifft übrigens auch alle Antriebsarten, die Leute fragen sich: Soll ich in meiner derzeitigen wirtschaftlichen Situation überhaupt eine große Neuanschaffung wie ein Auto tätigen – und welcher Antrieb ist, mit Blick auf die Zukunft, der richtige?“, sagt Bratzel. Das betreffe nicht nur private, sondern auch gewerbliche Kunden.
Der starke Rückgang liegt laut dem Automobilclub ADAC vor allem an der Zahl der gewerblichen Neuzulassungen. Im August vor einem Jahr seien noch knapp 65.000 gewerbliche Fahrzeuge zugelassen worden, in diesem Jahr seien es nicht mal mehr 18.000. Der ADAC führt den Hochlauf vor einem Jahr und den jetzigen Tiefpunkt darauf zurück, dass die entsprechende Förderung für diese Fahrzeuge zum ersten September 2023 auslief.
Die Zahlen der Neuzulassungen zeigen auch, dass die Nachfrage nach Stromern einbrach, nachdem die Bundesregierung im vergangenen Jahr auch die Förderung für private Käufer kassiert hat. Zwar zeichnete sich im Februar und März 2024 eine aufsteigende Tendenz ab, doch dieser Mini-Höhenflug endete schon im April wieder. Der Ausreißer nach oben im Juni diesen Jahres scheint sich laut ADAC nur als Strohfeuer zu erweisen.
Auch im August sind die privaten Stromer-Neuzulassungen weiter zurückgegangen, und zwar um ungefähr 14 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von rund 11.000 Fahrzeugen im Juli auf rund 9400 im August diesen Jahres. Sowohl die privaten als auch die gewerblichen E-Auto-Zulassungen liegen damit laut ADAC deutlich unter dem bisherigen Jahresmittelwert. Der liegt bei den privaten Zulassungen bei rund 11.400 Fahrzeugen und bei den gewerblichen bei ungefähr 18.800.
Der Gebrauchtwagenmarkt für Stromer befindet sich auf Allzeithoch
Ein anderes Bild der Stromer zeigt sich laut ADAC indes auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Rund 17.800 E-Autos haben im August den Halter gewechselt, im Vorjahresmonat waren es noch etwa 9.200. Das markiere wiederum ein neues Allzeithoch. Insgesamt machen die Stromer aber nur 3,3 Prozent aller Besitzumschreibungen in Deutschland aus.
Die meisten Stromer, die im August neu auf die Straßen kamen, stammen von VW. Der Branchenprimus steuerte rund 3335 Fahrzeuge zur Gesamtzahl hinzu. BMW, eigentlich eher im Luxus- statt Volumensegment verankert, brachte mit 3334 nur einen Wagen weniger neu auf die Straße als die Autobauer aus Wolfsburg. Für Stefan Bratzel vom CAM kommt das nicht überraschend: „Wir sehen, dass manche Hersteller, wie eben BMW, über die vergangenen acht Monate bei den Elektroautos zugelegt haben“, sagt er. „BMW hat in dem Bereich ein breites Portfolio und hält auch den Preisabstand der Stromer zu den Verbrennern geringer als andere Hersteller – so liegt BMW aktuell ein bisschen näher am Kunden.“ Auf Platz drei landet laut Kraftfahrt-Bundesamt Mercedes-Benz mit rund 2400 neu zugelassenen Stromern.
Übrigens: Vom asiatischen Konkurrenten BYD sind im August hingegen nur 200 Fahrzeuge hierzulande hinzugekommen.
Eine Besserung der Lage sei erst 2025 in Sicht
Um die Nachfrage nach den Stromern wieder anzukurbeln, plant die Bundesregierung eine neue staatliche Unterstützung. Konkret soll es stärkere steuerliche Anreize für E-Autos als Dienstwagen geben.
So soll für Unternehmen rückwirkend zum 1. Juli 2024 eine Sonderabschreibung für neu zugelassene vollelektrische und vergleichbare Nullemissionsfahrzeuge eingeführt werden. Außerdem soll bei der Dienstwagenbesteuerung für E-Fahrzeuge der sogenannte Deckel für den Brutto-Listenpreis von 70.000 Euro auf 95.000 Euro angehoben werden.
Mit einer erheblichen Besserung der Lage rechnet Bratzel aber erst im kommenden Jahr, vor allem die Elektrosparte könne es im weiteren Verlauf dieses Jahres schwierig bleiben: „Gerade bei den Neuzulassungen der Elektroautos rechnen wir 2025 mit mehr Dynamik, weil die Autohersteller die neuen CO2-Grenzen einhalten müssen und die Stromer so in den Markt gedrückt werden müssen, um keine Strafzahlungen berappen zu müssen.“
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