Unternehmerverband zur Wahl: „Unsere Unternehmen legen Wert auf Stabilität“
Eine Erfolgsgeschichte der brandenburgischen Wirtschaft: das Tesla-Werk in Grünheide.
Foto: imago imagesDie SPD bleibt in Brandenburg stärkste Kraft. Die AfD landet knapp dahinter auf Platz zwei. Die CDU und das Bündnis Sara Wagenknecht (BSW) liegen im zweistelligen Prozentbereich. Was bedeutet die Wahl für die Unternehmen in Brandenburg? Alexander Schirp, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, erklärt im Interview mit der WirtschaftsWoche, wie es am Wirtschaftsstandort Brandenburg weitergehen könnte.
WirtschaftsWoche: Herr Schirp, wie sehen Sie die Landtagswahl?
Alexander Schirp: Uns interessiert vor allem, wie es weitergeht. Unsere Unternehmen legen Wert auf Stabilität. Sie wollen, dass die großen Linien in der Wirtschaftspolitik in den kommenden Jahren nach Möglichkeit weitergeführt werden. Mit einer Regierung unter der Führung der SPD gibt es eine Chance darauf.
Alexander Schrip ist seit Oktober 2023 Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbands Berlin-Brandenburg.
Foto: PresseWieso glauben Sie, dass es eine Chance darauf gibt?
Gerade aus wirtschaftspolitischer Sicht war die letzte Legislaturperiode für Brandenburg sehr erfolgreich. Es gab viele Unternehmensansiedlungen und Brandenburg verzeichnet eine gute Entwicklung bei Wirtschaftswachstum und Beschäftigung. Wir hoffen, dass eine neue Regierungskoalition den bisherigen Kurs beibehält und zugleich die Defizite, die es in Sachen Bürokratie und Bildung gibt, in Angriff nimmt.
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Sie haben den Wirtschaftsstandort Brandenburg schon angesprochen. Was bedeutet das Ergebnis für ihn?
Es zeigt, dass der bisherige Weg richtig war. Wir freuen uns über jede Ansiedlung in Brandenburg. Und in der Vergangenheit sind überdurchschnittlich viele Industrieunternehmen nach Brandenburg gekommen.
Eine dieser Ansiedlungen ist Tesla. Wie geht es rund um Grünheide weiter?
Rund um Tesla ist ein Wertschöpfungscluster im Bereich Elektromobilität entstanden. Wir hoffen, dass es weiterhin durch gute Rahmenbedingungen flankiert wird. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Transformationsregion Lausitz. Die Region muss weiterentwickelt werden, um die Potenziale rund um den Berliner Flughafen BER zu entfalten.
Nach den Wahlen in Sachsen und Thüringen wurde bereits mehrfach berichtet, dass Fachkräfte diese Bundesländer nun meiden könnten. Auch in Brandenburg ist die AfD zweitstärkste Kraft geworden. Sehen Sie die Gefahr, dass sich der Fachkräftemangel wieder verschärfen könnte?
Zunächst einmal sind wir erleichtert, dass wir nicht mit der Schlagzeile „Rechtsextreme gewinnen die Wahl“ leben müssen. Das wäre nicht gut für das Bild Brandenburgs in der Welt gewesen. Alles andere hängt davon ab, wie gut wir es machen. Es gibt aber auch schon gute Integrationsgeschichten in Brandenburg, die wir vielleicht lauter erzählen müssen.
Welche wären das?
In vielen großen Unternehmen arbeiten viele verschiedene Nationen zusammen. Bei Tesla sind es 120. Das zeigt, dass Integration hier funktioniert. Neben der klassischen Fachkräftezuwanderung haben wir auch Flüchtlinge im Land. Und ich glaube, je schneller und besser wir diese Menschen integrieren, desto größer wird der Widerstand gegen rechtsextreme Parteien. Ich bin zuversichtlich, dass Sprachkurse greifen und Menschen aus dem Ausland bald in größerer Zahl auf den Arbeitsmarkt ankommen.
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