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Bundestagwahl 2025Die Jörg-Schmadtke-Strategie: Wie Friedrich Merz die Wahl gewinnen kann

Noch wenige Wochen bis zur Bundestagwahl, die WirtschaftsWoche wagt den Blick von vorn zurück. Falls der CDU-Chef Kanzler wird – daran wird es gelegen haben.Benedikt Becker 02.01.2025 - 14:01 Uhr

Für Friedrich Merz scheint der Sieg sicher, das Kanzleramt so nah.

Foto: Pro Imago Life

Eine etwas gewagte Analyse im Futur II beginnt am besten mit einem Kniff, den politische Journalisten immer dann aus der Kiste kramen, wenn sie kreativ sein wollen – ihnen aber partout nichts Kreatives einfallen will. Also, Achtung, hier kommt ein Fußballvergleich.

In Köln feierten sie zum Jahreswechsel die Herbstmeisterschaft. Der FC überwintert an der Spitze der 2. Bundesliga. Und wie immer in solchen Phasen des Erfolgs, sind die Fans schon wieder ganz jeck. Saisonziel direkter Wiederaufstieg? Ach Quatsch, Europapokal! Über den DFB-Pokal kann sich der FC schließlich noch für die Europa League qualifizieren.

Ja, am Rhein werden sie schnell übermütig.

Weil das zur Tradition gehört wie der Geißbock am Spielfeldrand, griff Jörg Schmadtke in einer ähnlichen Lage vor elf Jahren zu außergewöhnlichen Mitteln. Der damalige Geschäftsführer des Vereins nahm ein Video auf, ein Beruhigungsvideo. „Lieber FC-Fan“, beschwor Schmadtke: „Ruhig, ruhig, gaaanz ruhig bleiben.“ Er wiederholte die Worte mit bedächtiger Stimme, immer und immer wieder, untermalt von asiatisch anmutenden Gitarrenklängen. Es funktionierte. Die Fans blieben entspannt – und ein paar Jahre später spielte der FC unter Geschäftsführer Schmadtke zum ersten Mal nach 25 Jahren wieder international.

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Man kann die Union in diesem Winterwahlkampf durchaus mit den FC-Fans vergleichen. Der Sieg scheint so sicher, das Kanzleramt so nah. Der Vorsprung in Umfragen ist groß, und er verfestigt sich. Wer soll da nicht schon von Pöstchen und Politikwechsel träumen? Friedrich Merz steht längst auf der Schwelle zum Kabinettssaal. Er kann sich nur noch selbst schlagen. Genau da liegt die große Gefahr. Aber bei der Union wissen sie das schon lange – und konnten sich vorbereiten.

Merz wird den „Tünkram“ hinter sich gelassen haben

Wenn Merz die Wahl gewonnen haben wird, dann vor allem aus einem Grund: Er wird die Schmadtke-Strategie verinnerlicht haben. Wird ruhig geblieben sein. Gaaanz ruhig. Der Rest wird sich dann fast von ganz allein gefügt haben.

Und das kam so:

Irgendwann liefen die Provokationen des Kanzlers ins Leere. „Fritze Merz“, der Blackrock-Lobbyist mit Privatflugzeug, der den kleinen Leuten die Rente kürzen und den Reichen die Steuern erlassen will – das war der Wahlkampfsound der SPD. Kein schlechter Sound für die eigene Klientel. Blöd nur, wenn die mit 14 Prozent inzwischen ausmobilisiert ist.

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Merz hat zu Beginn noch reagiert, hat den „Tünkram“ nicht auf sich sitzen lassen wollen. Doch irgendwann setzten sich die klügeren Berater in seinem Umfeld durch. Ihre Argumentation: Gerade er, dem seine kurze Lunte in den vergangenen drei Jahren doch so oft geschadet hat, müsse jetzt souverän bleiben. Olaf Scholz ignorieren. Robert Habeck sowieso. Sich mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen: Mit dem Krieg in der Ukraine, den ersten Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump, der Lage im Nahen Osten, den Sicherheitsrisiken in Deutschland nach Siegen und Magdeburg. Und vor allem: der Wettbewerbsfähigkeit.  

Mehr Staatsmann wagen

Kurzum, Oppositionsführer war vorgestern, Merz musste noch vor der Wahl in seine neue Rolle als Staatsmann hineinwachsen. Viele Deutsche sahen ihn schließlich schon lange als Kanzler im Wartehäuschen. Sie erwarteten von ihm, dass er auch so auftrat. Ein souveräner Staatsmann lässt sich nicht provozieren, von niemandem – erst recht nicht von einem Kanzler ohne Regierungsmehrheit.

Merz fügte sich – unter Qualen, nicht doch einen rauszuhauen –, aber er fügte sich.

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Die neue Gelassenheit war ansteckend. Entspannter Kandidat, entspannte Partei. Das galt sogar für die CSU. Markus Söder blieb brav, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ein paar Sticheleien hier, ein Seitenhieb da, aber am Ende war auch für ihn der überragende Sieg von CDU und CSU verlockender als eine weitere Machtgeste von der Rückbank seiner BMW-Dienstlimousine.

Auch inhaltlich lief alles rund. Das Programm passte zum Kandidaten. Der alte Gassenhauer, dass vor dem Verteilen das Erwirtschaften kommt, traf den Nerv vieler Deutscher, die sich um ihre Arbeitsplätze sorgen. Die jeden Tag mit der Misere in Mittelstand und Handwerk konfrontiert sind. Denen es selbst zwar ziemlich gut geht. Die aber nicht glauben, dass es mit diesem Land noch lange gut geht. Und die erst recht nicht glauben wollen, dass ein höherer Mindestlohn und neue Staatsschulden den Standort retten.  

Merz redete die Probleme nicht klein. Und er hatte ein paar Ideen, die nach Neuanfang klangen. Das reichte für 33 Prozent. Fürs Kanzleramt.

Viele Mitte-Wähler mögen nach sieben Wochen Wahlkampf vielleicht nicht völlig überzeugt sein, dass Merz wirklich Wachstum schafft und Frieden sichert. Aber sie werden zu dem Schluss gekommen sein, dass Olaf Scholz und Robert Habeck ihre Chance hatten – und keine zweite verdient haben.

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