1. Startseite
  2. Politik
  3. Deutschland
  4. Friedrich Merz & CDU: So wird die Mitte ein einsamer Ort

EditorialSo wird die Mitte ein einsamer Ort

Die Union hat einen Fehler gemacht, SPD und Grüne fallen über sie und ihren Parteichef her. Das trägt nicht dazu bei, die Gesellschaft zu einen – denn Schutz suchen viele eben nicht hinter einer Brandmauer. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Horst von Buttlar 06.02.2025 - 15:46 Uhr
Foto: Kay Nietfeld/dpa

Der Ermächtigungsfuror von SPD und Grünen, den diese seit Tagen im Land entfachen, ist schäbig. Die Empörung, die jedes Maß verloren hat, ist selbst empörend. Erst wirft SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich die Union rhetorisch aus der Mitte der Gesellschaft, um dann den Verlust eben dieser Mitte zu beklagen. „Die Mitte sind wir“, skandiert nun die SPD und „Mitte statt Merz“, und schickt den Rest durchs „Tor zu Hölle“. Medial wird über Friedrich Merz hergefallen, dass es einem den Atem verschlägt (und sogar die ehemalige Grünen-Chefin Ricarda Lang ihm zur Hilfe eilt) – während laut beklagt wird, dass die Gesellschaft gespalten ist, dass man trotz allem Kompromisse finden muss. So wird die Mitte ein einsamer Ort.

Die Union hat einen taktischen Fehler gemacht, einen schweren Fehler, und die SPD nutzt ihn aus. Das wäre in Ordnung, wenn sie sich nicht so in der deutschen Geschichte wälzen würde.

Die vergangene Woche hat noch einmal die strategische Falle deutlich gemacht, in der die Union sitzt: Sie kann nur noch Mehrheiten links der Mitte suchen und schmiedet – siehe Thüringen – immer neue, unmögliche Bündnisse, die ihren Markenkern dehnen, aushöhlen und beschädigen. So kann sie konservative Positionen, die die AfD übernommen hat, kaum noch zurückholen – während SPD und Grüne als Juniorpartner ihre Inhalte über die Union hebeln.

Lesen Sie auch: Der „unverzeihliche“ Fehler ist die Migrationspolitik

Wer auf die vergangenen 15 Jahre Sozialpolitik schaut, sieht SPD pur, vom Mindestlohn bis zu Rente mit 63. Wer auf die Energiepolitik blickt, entdeckt allein grüne Energiepolitik (und ihr Scheitern). Und was die Grünen in der Migrationsfrage nicht in der Regierung oder im Bundestag blockieren, hebeln sie über den Bundesrat aus. In der Wirtschaftspolitik der Ampel finden sich allenfalls Spurenelemente liberaler Ideen, um das Drama mal auf die FDP zu übertragen.

Die Union war nun so leichtsinnig, dem verunsicherten Volk ein bisschen „Law and Order“ in einem überflüssigen Showdown vorzuführen, um zu versichern, dass es diesmal kein Weiter-so gibt. Wäre die CDU nur bei der Wirtschaft geblieben, auf die sie nun hektisch die Aufmerksamkeit lenkt. Das Siechtum und Stagnationsstakkato liefern doch genug Gründe, den Wechsel zu wählen.

Sie sei vergangene Woche „in einem anderen Land aufgewacht“, schrieb vergangene Woche eine junge SPD-Bundestagsabgeordnete auf LinkedIn. Ich nehme ihr das Entsetzen sogar ab. „Ist das Problem nicht vielmehr“, fragte ich sie, „dass die meisten Menschen längst in einem anderen Land aufwachen, und zwar jeden Tag?“ Die Mehrheit sucht gerade nicht Schutz hinter einer Brandmauer. Sondern auf Straßen, Spielplätzen und Weihnachtsmärkten.

Lesen Sie auch: Migrationsabstimmung: Ein echter Wirtschaftswahlkampf wäre auch zu schön gewesen

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick