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StrafzölleSo könnte Trump eine neue Euro-Schuldenkrise auslösen

Deutschland in der Rezession kann keine hohen US-Importzölle verkraften – und Frankreich und Italien nicht helfen. Das dürfte auch Donald Trumps heiß geliebte US-Aktien treffen. Ein Gastbeitrag.Desmond Lachman 06.03.2025 - 10:14 Uhr

Donald Trump

Foto: AP

Auf der ersten Kabinettssitzung seiner zweiten Amtszeit erklärte US-Präsident Donald Trump seine Absicht, einen umfassenden Zoll von 25 Prozent auf alle Importe aus der Europäischen Union zu erheben. Bevor er jedoch eine europäische Front in seinem Handelskrieg eröffnet, sollte Trump vielleicht die wirtschaftliche Misere des Kontinents bedenken: Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem anhaltenden Abschwung, während Italien und Frankreich mit ernsthaften Problemen bei der Staatsverschuldung zu kämpfen haben. Vielleicht begreift Trump dann, dass seine Zölle – die Teil seiner „America First“-Agenda sind – eine europaweite Rezession und eine weitere Schuldenkrise in der Eurozone auslösen könnten.

Viel schlimmer als Griechenland

Manche mögen argumentieren, dass Trump kein Interesse am Schicksal Europas hat. Aber wenn man bedenkt, wie sehr die griechische Schuldenkrise von 2010 die US-amerikanischen und weltweiten Finanzmärkte erschüttert hat, hätten ähnliche Krisen in Frankreich und Italien, den zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Europäischen Union (die um ein Vielfaches größer sind als die griechische), wirklich katastrophale Folgen für die Märkte und die Weltwirtschaft. Das ist das Letzte, was Trump unter seiner Präsidentschaft gebrauchen kann.

Die jüngsten wirtschaftlichen Probleme Deutschlands kommen, wie die Sorgen bei Shakespeares Hamlet, „nicht einzeln, sondern in Bataillonen“. Dazu gehören Covid-bedingte Unterbrechungen der Lieferketten, ein durch Russlands Einmarsch in der Ukraine verursachter Energieschock, ein erheblicher Rückgang der chinesischen Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern (nach dem Zusammenbruch der chinesischen Immobilienblase) und ein verstärkter Wettbewerb durch chinesische Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Automobil und grüne Energie. Unter diesen Umständen und angesichts der Tatsache, dass die Exporte fast 50 Prozent seines Bruttoinlandprodukts ausmachen, kann sich Deutschland hohe US-Importzölle kaum leisten.

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Die negativen Auswirkungen der oben genannten Schocks auf die deutsche Wirtschaft können kaum überschätzt werden. Seit dem Beginn der Pandemie im Jahr 2020 ist die US-Wirtschaft um zwölf Prozent gewachsen, während die deutsche Wirtschaft kein Produktionswachstum verzeichnete und 2023 sogar in eine Rezession fiel, von der sie sich bis heute nicht erholt hat. Nun warnt die Bundesbank, dass die von Trump vorgeschlagenen Einfuhrzölle die deutsche Wirtschaft bis 2027 um weitere 1,5 Prozent schrumpfen lassen könnten.

Deutschland ist das nächste Ziel

Leider deuten alle Anzeichen darauf hin, dass Trump Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen als nächstes Ziel seines Handelskriegs ins Visier nimmt. Nach seinen 25-prozentigen Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte erwägt Trump ähnliche Zölle auf Automobile und pharmazeutische Produkte – von denen die USA einen großen Teil aus Deutschland importieren. Er hat auch mit „reziproken“ Zöllen gedroht, die denen der amerikanischen Handelspartner entsprechen, und gleichzeitig versprochen, Länder mit großen bilateralen Handelsüberschüssen mit den USA ins Visier zu nehmen. Im Jahr 2024 wird der deutsche Handelsüberschuss mit den USA einen Rekordwert von 72 Milliarden Dollar erreichen.

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In Italien und Frankreich ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP derzeit höher als während der Staatsschuldenkrise in der Eurozone von 2010 bis 2012. Diese Regierungen haben ebenfalls unhaltbar hohe Haushaltsdefizite angehäuft, doch scheint ihnen der politische Wille zu fehlen, ihre Probleme bei den öffentlichen Finanzen anzugehen.

In der Zwangsjacke des Euro

Selbst wenn sie den politischen Willen zum Handeln aufbringen würden, wäre es für Italien und Frankreich schwierig, ihre Staatsverschuldung auf einen nachhaltigen Pfad zu bringen. In der Zwangsjacke des Euro gefangen, können diese Länder weder die Zins- noch die Wechselkurspolitik nutzen, um die Exporte oder die Verbrauchernachfrage anzukurbeln, um den kontraktiven Effekt der fiskalischen Sparmaßnahmen auf die Gesamtnachfrage auszugleichen. Darüber hinaus würde ein deutlicher Abschwung der deutschen Wirtschaft es diesen Ländern noch schwerer machen, ihre Schuldenlast zu reduzieren, da die Nachfrage nach ihren Exporten zurückgehen würde.

Europas letzte Hoffnung ist, dass Trump erkennt, bevor es zu spät ist, dass das Auslösen einer Rezession und einer Schuldenkrise in Europa nicht in Amerikas wirtschaftlichem Interesse ist.

Wie die griechische Staatsschuldenkrise gezeigt hat, ist das US-Finanzsystem in erheblichem Maße von der europäischen Wirtschaft abhängig. Gleichzeitig wäre eine Rezession in der Eurozone wahrscheinlich eine schlechte Nachricht für Trumps geliebten Aktienmarkt, da etwa 40 Prozent der Gewinne der S&P 500-Unternehmen aus ihren Auslandsgeschäften stammen.

Aber Hoffnung ist keine Strategie, vor allem nicht in einer Zeit, in der Trump sich voll und ganz einer aggressiven „America First“-Handelspolitik verschrieben zu haben scheint. Stattdessen sollten sich die europäischen Entscheidungsträger auf einen umfassenden Handelskrieg vorbereiten. Die beste Verteidigung wäre es, die Strukturreformen durchzuführen, die Mario Draghi, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, im vergangenen September vorgeschlagen hat, um die Wettbewerbsfähigkeit des Blocks wiederherzustellen.

Copyright Project Syndicate 2025

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