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GlobalisierungBrutale Konkurrenz in China

Mehr als 5000 deutsche Unternehmen sind heute in China aktiv, häufig nicht nur als Exporteure, sondern auch als Produzenten. Die meisten sind zufrieden, doch in jüngster Zeit erschwert Peking Ausländern den Markteintritt.Matthias Kamp 22.04.2012 - 06:00 Uhr

Platz 20: Knorr-Bremse

Das Unternehmen aus München stellt Fahrzeugbremsen für Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Straßen- und U-Bahnen, Lastwagen und Busse her. Der Umsatz stieg 2011 um 14 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden Euro, vor allem dank der guten Geschäfte in Nordamerika und Europa. Unter dem Strich verdiente der Konzern 329 Millionen Euro, ein Plus von knapp 38 Prozent.

Mitarbeiter in China: 2200

Foto: Screenshot

Platz 19: Heraeus

Der Edelmetall- und Technologiespezialist mit Sitz in Hanau bei Frankfurt beschäftigt weltweit knapp 13.000 Mitarbeiter. 2010 erwirtschaftete das Familienunternehmen 4,1 Milliarden Euro Produktumsatz und eine Edelmetallhandelsumsatz von 17,9 Milliarden Euro.

Mitarbeiter in China: 2750

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 18: Henkel

China soll bis zum Jahr 2015 der zweitgrößte Markt des Düsseldorfer Konsumgüterriesen werden. Derzeit liegt China im firmeninternen Länderranking auf Platz fünf, hinter Spitzenreiter USA, Deutschland, Frankreich und Russland. Rund 800 Millionen Euro setzt Henkel derzeit in China um und betreibt dort 14 Fabriken. Bei der Expansion in China setzt Henkel vor allem auf seine Klebstoffsparte, auf die schon jetzt 80 Prozent aller Umsätze in der Volksrepublik entfallen.

Mitarbeiter in China: 3600

Foto: Pressebild

Platz 17: Evonik

Den Chemiekonzern plagen derzeit Sorgen um sein Joint Venture Evonik Sanzheng Fine Chemicals. Zwar wird das Chinageschäft immer wichtiger - Evonik möchte den Umsatz in Asien bis 2015 auf vier Milliarden Euro verdoppeln - doch die Kooperation ist alles andere vorzeigbar. Man habe einen Saustall entdeckt, sagte Evonik-Chef Klaus Engel kürzlich, den es schnellstmöglich auszumisten gelte. Von Betrug ist die Rede, Bilanzmanipulation und unerklärlichen Zahlungen. Ein Sprecher des Chemiekonzerns bestätigte: "Wir wollen das Joint-Venture so schnell wie möglich beenden."

Mitarbeiter in China: 4000

Foto: Pressebild

Platz 16: Bertelsmann

Der deutsche Medienkonzern hat mit seiner Tochter Arvato 2009 ein neues Joint-Venture mit zwei chinesischen Handy-Vertriebsunternehmen geschlossen. Arvato ist ein international vernetzter Outsourcing-Dienslteister mit rund 68.000 Mitarbeitern in 35 Ländern.

Mitarbeiter in China: 4200

Foto: dapd

Platz 15: Schenker

Die Logistiksparte der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben seit über 45 Jahren in China aktiv. 2011 hat Schenker seine Präsenz nochmals ausgebaut und 15 neue Standorte eröffnet, jetzt ist der Logistikkonzern mit mehr als 50 Standorten vertreten. Seit Herbst 2011 rollt ein Containerzug mit Autoteilen aus dem BWM-Werk Leipzig direkt ins 11.000 Kilometer entfernte Werk Shenyang.

Mitarbeiter in China: 4700

Foto: dapd

Platz 14: Freudenberg

Der Automobilzulieferer unterhält unterhält seit über 100 Jahren Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Partnern in China. Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 5,500 Mitarbeiter an 70 Standorten. Im Jahr 2011 erzielte Freudenberg einen Umsatz von 3.67 Milliarden CNY.

Mitarbeiter in China: 5.723

Foto: Pressebild

Platz 13: BASF

Nach Deutschland und den USA ist China für BAS der drittgrößte Markt. BASF lagert seit Beginn des Jahres schrittweise seine Spartenzentrale Dispersionen und Pigmente nach China aus. Die Leitung des Bereichs sowie etwa 50 Stellen werden peu a peu von Basel und Ludwigshafen nach Hongkong verlagert. Die Sparte, die unter anderem Zusatzstoffe für Lacke und Lichtschutzmittel herstellt, erzielte 2010 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz - weltweit. In Asien erwirtschaftete BASF allein 25 Prozent des Gesamtumsatzes mit den Dispersionen und Pigmenten. Kürzlich korrigierte BASF-Chef Kurt Bock seine Prognose für China nach oben. Statt von einem Asienumsatz von 20 Milliarden Euro bis 2020 - wovon die Hälfte in China entstehen soll - geht er nun von 29 Milliarden Euro in Fernost aus.

Mitarbeiter in China: 7000

Foto: Pressebild

Platz 12: Metro

Der Media-Markt-Konzern möchte bis 2015 rund 100 neue Elektronikfilialen in China eröffnen. Auch Cash&Carry-Märkte - die typischen Metro-Großmärkte - hatten es bisher in der Volksrepublik schwer. Die C&C-Märkte sollen daher kleiner werden und näher am Kunden am besten prominent in den Innenstädten gelegen sein, um besser mit den traditionellen und günstigen Straßenmärkten konkurrieren zu können. Bis Ende 2011 war Metro China in 37 chinesischen Städten mit 52 Läden präsent.

Mitarbeiter in China: 8000

Foto: Pressebild

Platz 11: BMW

Im Februar erschreckten Meldungen von großen Rabattaktionen auf Luxuslimousinen deutscher Autobauer wie dem BMW 7er die Anleger. Im ersten Quartal konnte BMW seinen Absatz erneut um 37 Prozent auf 80.000 verkaufte Pkw steigern. Damit dürften die Bayern die Verkaufsmarkte von 300.000 im Jahr 2012 übertreffen. Im Premiummarkt rechnet der Münchener Autobauer jedoch mit einer Abkühlung, die kleineren Segemente sollen dagegen schneller zulegen. Derzeit eröffnet BMW jede Woche einen neuen Händler in China. Bis Jahresende sollen rund 350 chinesische Händler BMWs verkaufen.

Mitarbeiter in China: 8600

Foto: Pressebild

Platz 10: Daimler

Der schwäbische Premiumautobauer verkaufte 2011 fast 200.000 Autos in China. Damit steigerten sie ihren Absatz um 35 Prozent. Daimler importiert bisher 70 Prozent seiner in China verkauften Autos aus Deutschland. Nur die C- und die E-Klasse werden in Peking gefertigt. Seit kurzem auch der GLK. Im Werk Fujian montiert Daimler die Transporter, Vito, Viano und Sprinter. Auf der Automesse in Peking hat Daimler gerade seinen neuen Elektro-Flitzer Denza enthüllt, den er gemeinsam mit Partner BYD speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat.

Mitarbeiter in China: 9000

Foto: Pressebild

Platz 9: ThyssenKrupp

Der Konzernumsatz mit Kunden in China betrug im Geschäftsjahr 2010/2011 rund zwei Milliarden Euro. Seit dem Geschäftsjahr 2006/2007 konnte ThyssenKrupp seinen Umsatz pro Jahr durchschnittlich um 13,2 Prozent steigern.

Mitarbeiter in China: 10.500

Foto: Screenshot

Platz 8: Bayer

Der Pharmakonzern betreibt zwölf Fabriken in China und erwirtschaftet inzwischen neun Prozent seines Gesamtumsatzes in China (3 Milliarden Euro). Bis 2015 möchte Konzernchef Marijn Dekkers den Umsatz in China verdoppelt haben.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: Pressebild

Platz 7: Lufthansa

Die chinesische Frachtbeteiligung Jade Cargo hat die Bilanz der Lufthansa in den letzten Jahren belastet. Damit soll nun Schluss sein, die Lufthansa will aussteigen. Seit der Gründung 2004 steckte Jade Cargo, an der die Lufthansa-Tochter Cargo noch zu 25 Prozent beteiligt ist, immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Auch eine Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen US-Dollar des Merheitseigners Shenzhen vor einem guten Jahr konnte das nicht ändern. Im zweiten Halbjahr 2012 soll Jade daher ad acta gelegt werden.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: dpa

Platz 6: Epcos

Epcos fertigt elektronische Bauelemente, Module und Systeme für die Informations- und Telekommunikationstechnik, der Automobil-Elektronik, sowie der Industrie- und Konsum-Elektronik. Seit 2005 ist der Hersteller an einem Jointventure mit den chinesischen Mischkonzern Xindeco beteiligt.

Mitarbeiter in China: 12.000

Foto: Pressebild

Platz 5: Continental

Der Automobilzulieferer investiert derzeit 35 Millionen Euro in den Bau eines zweiten Werks in Changchun, im September 2012 soll die Produktion beginnen. Continental unterhält bereits 58 Standorte in China.

Mitarbeiter in China: 15.000

Foto: Pressebild

Platz 11: DHL

"In China liegt unsere Zukunft", postuliert Deutsche Post-Chef Frank Appel. Bereits 12 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Deutsche Post DHL in China - mehr als in Deutschland.

Mitarbeiter in China: 19.000

Foto: dpa

Platz 3: Bosch

China ist hinter Deutschland und den USA der drittgrößte Markt für Bosch. 1926 eröffnete Bosch seine ersten Autowerkstatt in China. Mittlerweile ist der Konzern der drittgrößte deutsche Arbeitgebern in China. Zwischen 2005 und 2010 konnte Bosch seinen Umsatz jeweils um durchschnittlich 30 Prozent steigern. In China betrug der Jahresumsatz 2010 4,1 Milliarden Euro. Bei Kühlgeräten hält der Elektronikriese in China einen Marktanteil von 13,7 Prozent. Gerade baut der Haushaltsgerätehersteller gemeinsam mit Siemens (BSH) in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik, 2013 soll die Produktion beginnen. Bis 2015 will der Automobilzulieferer in China 50.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Mitarbeiter in China: 21.000

Foto: Pressebild

Platz 2: Siemens

Der Weltkonzern aus München unterhält 16 Forschungszentren im Reich der Mitte. Im Geschäftsjahr 2010/2011 machte er dort 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Die Geschichte von Siemens in China reicht zurück bis ins Jahr 1872, als das Unternehmen Chinas ersten Zeigertelegraphen lieferte. Bisher hat Siemens mehr als 69 Gesellschaften und 64 Zweigniederlassungen in China gegründet.

Mitarbeiter in China: 43.000

Foto: Pressebild

Platz 1: Volkswagen

VW hat 2011 rund 2,26 Millionen Autos in der Volksrepublik abgesetzt und hält damit eine Marktanteil von 17 Prozent. Bis 2016 will der Autokonzern 14 Milliarden Euro in China investieren. Volkswagen unterhält bereits die meisten Werken aller deutschen Autobauern in China. Auf der Industriemesse in Hannover haben VW-Chef Winterkorn und Chinas Premier Wen Jiabao ein Abkommen zum Bau eines neues Werks im Norwesten Chinas unterzeichnet.

Mitarbeiter in China: 48.000

Foto: Pressebild

Eine attraktive Lage ist der Nordosten Pekings sicherlich nicht. Vom nahe gelegenen Flughafen schallt ein beständiger Lärmpegel, in schnellem Takt donnern Flugzeuge über die Dächer. Links und rechts der staubigen Straßen gammeln graue Betongerippe, halb fertige Apartmenthäuser, die auf Käufer warten. Händler bieten Mopedreifen, Plastikschüsseln und Gartengeräte zum Verkauf an die wenigen Passanten.
Die Gegend wirkt trostlos, anders als die vibrierende Innenstadt mit ihren glitzernden Wolkenkratzern. Trotzdem haben sich in dieser Ödnis einige bekannte deutsche Unternehmen mit Fabriken und Büros niedergelassen, etwa der Logistikriese Schenker, der Medizintechnikhersteller Dräger und der Heizungsbauer Viessmann.

Bekannte deutsche Marken

85 Prozent der befragten chinesischen Konsumenten konnten spontan eine oder mehrere deutsche Marken aus dem Gedächtnis nennen. Vor allem die deutschen Automobilhersteller BMW, Audi und Mercedes-Benz verfügen laut globeone über einen besonders hohen Bekanntheitsgrad. In vielen Kategorien ist die Wahrnehmung deutscher Marken deutlich positiver als die von Wettbewerbern aus den USA, Japan oder Frankreich, hat die Unternehmensberatung herausgefunden. BMW ist in China nicht nur die bekannteste deutsche Marke (98% Bekanntheit), sondern auch – gemeinsam mit Mercedes Benz – die beliebteste (beide 88% Beliebtheit). Die befragten Konsumenten bewerteten deutsche Marken insbesondere in den Kategorien Qualität, Zuverlässigkeit und Leistung als außergewöhnlich.

Foto: dpa

Autos, Maschinen und Sport

Beim Vergleich der verschiedenen Unternehmenszweige liegen Automobilfirmen (78% Bekanntheit) vor dem Bereich Maschinen (57%), Fußball (47 %) , Medizintechnik (30%), Versicherungen (16 Prozent) und Mode (16%). Insgesamt wurden für die Studie über 1000 chinesische Verbraucher in Peking, Shanghai, Kanton, Wohan und Chengdu interviewt.

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Sportartikel

Das Geschäft mit Sportartikeln boomt - und das deutsche Unternehmen adidas profitiert davon kräftig. Das Jahr 2011 brachte dem Dax-Unternehmen einen Umsatz- und Gewinn-Rekord. 2012 will der Sportartikelhersteller seine Rekordjagd fortsetzen - auch dank Fußball-EM und Olympischen Spielen. Bei der Imagestudie der Kölner schnitt das Unternehmen aus Herzogenaurach als bekannteste Firma aus diesem Bereich ab. Adidas hat beim Ranking der meist benutzten Artikel aus Deutschland zudem die Nase ganz weit vorne. Mit 56 Prozent liegen die Produkte vor denen von Siemens mit 48 Prozent. Im Bereich Preis-Leistungsverhältnis sind es allerdings eher die chinesischen Unternehmen, die bei den dortigen Verbrauchern Punkten können.

Foto: dpa

Nicht-Automobilfirma

Mit einem Bekanntheitsgrad von 85 Prozent liegt Siemens weit vorne beim Ranking der Imagestudie. Das Technologieunternehmen ist das einzige Nicht-Automobilunternehmen in der Top-Fünf der bekanntesten deutschen Marken in China.

Foto: dapd

German Beer

Deutsches Bier ist weit über seine Grenzen bekannt - das weiß jeder Deutsche, der ins Ausland reist und an den unterschiedlichsten Orten deutsches Bier entdeckt. Die Marke Becks ist laut der Studie von globeone besonders bekannt (61%), nah dran reicht nur die Marke Paulaner (56%).

Foto: AP

Premiumsegment

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Anziehungskraft deutscher Marken steigt mit der Höhe des Einkommens. 77 Prozent der städtischen Konsumenten in China mit einem monatlichen Brutto-Einkommen von mehr als 4000 Euro haben eine positive Einstellung gegenüber deutschen Marken – insbesondere gegenüber deutschen Premium-Automobilherstellern. Unter den dreißig bestplazierten deutschen Firmen sind insgesamt sieben Automarken. Neben den Topplatzierten BMW, Mercedes, Audi und Porsche folgen Volkswagen (73%), Mini (71%) und Smart (60%).

Foto: REUTERS

"deutsch"

Bei den Finanzhäusern liegt die Deutsche Bank mit einem Bekanntheitsgrad von insgesamt 35 Prozent vor der Allianz mit 27 Prozent. Beim Ranking der Firmen, bei denen die Herkunft am leichtesten zugeordnet werden kann, liegt die Deutsche Bank mit 93 Prozent auf Platz 2. Ein wichtiges Ergebnis, das die Studie hervorgebracht hat: Der Hinweis "deutsch" im Firmennamen hilft den Befragten enorm bei der Herkunftsbestimmung. So ist das beispielsweise auch bei der "Continental", die in ihrem chinesischen Namen "Deguo Taiyi" die Schriftzeichen für Deutschland trägt.

Foto: dpa

Eindeutige Herkunft

Die deutsche Telekom ist das deutsche Unternehmen, bei denen die befragten Chinesen sofort auf die Herkunft schließen (94%). Überraschend ist die gute Platzierung der Firma Zwilling (80 Prozent der Befragten konnten dem Unternehmen gleich die deutsche Herkunft zuordnen.) Weit vorne liegt beispielsweise auch MAN (77%), deren Übersetzung in China "German MAN" lautet.

Foto: dpa

Produktinformationen

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung des chinesischen Marktes hat ergeben, dass sich die dortigen Konsumenten am meisten über das Internet über ausländische Firmen informieren. 34 Prozent der 1000 befragten Verbraucher holen sich dort ihr Wissen über "foreign products". Gespräche innerhalb des Familien- oder Freundeskreises (17%) bringen die zweithäufigsten Informationen über ausländische Produkte und Unternehmen, gefolgt vom Fernsehen (16%) und den ansässigen Geschäften (12%) und Zeitungen (11%).

Foto: WirtschaftsWoche

Satte Umsatzzuwächse

Torsten Dietze leitet hier die Chinaaktivitäten von Viessmann. „Über Hongkong haben wir 1997 den Weg nach China gesucht“, erinnert er sich. Das Familienunternehmen exportierte damals Heizungsboiler. Abnehmer waren Hotels und Restaurants, auch ein paar Textilhersteller.

Inzwischen produziert Viessmann in Peking und beschäftigt gut 100 Mitarbeiter in China. Vor allem die kleinen Gaswandgeräte zum Erhitzen von Wasser und zum
Heizungsbetrieb sorgen dank des langen Baubooms für satte Umsatzzuwächse. „Wir legen in China jedes Jahr um 50 Prozent zu“, sagt Dietze und lehnt sich zufrieden in seinem Stuhl zurück, „wir sind profitabel.“

Exportmarkt China

Den meisten der rund 5000 deutschen Unternehmen in China geht es ähnlich gut. Ob Chemiekonzerne, Autohersteller oder mittelständische Maschinenbauer – ihre
Umsätze wachsen im zweistelligen Prozentbereich. Als Ende 2008 infolge der Weltfinanzkrise bei vielen Unternehmen das Geschäft in Europa und den USA über Nacht einbrach, fing China zumindest einen Teil davon auf. Dank eines massiven Konjunkturprogramms wuchs die Wirtschaft des Riesenreichs mit Raten von zehn
Prozent. Vor allem deutsche Firmen haben von der Konjunkturspritze profitiert.

Nach einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) in Peking haben zwei Drittel aller befragten deutschen Betriebe ihren Umsatz in China im ersten
Halbjahr 2011 gesteigert. Und sie bleiben optimistisch: Bis 2015 will jedes zweite Unternehmen mehr investieren. In diesem Jahr, so eine Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dürfte China erstmals Deutschlands wichtigster Exportmarkt außerhalb der EU werden und damit die USA ablösen.

Volkswagen ist schon lange in China im Geschäft

Foto: dpa

Deutsche Unternehmen in China
BSH-Waschmaschine aus Nanjing BSH (Bosch und Siemens) baut 50 Kilometer von Nanjing entfernt in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik. Produktionsstart ist 2013.Fabriken: 6, an drei Standorten (bisher)Marktanteil bei Kühlgeräten: 13,7 ProzentMitarbeiter: 21.000
Produktion Shanghai Die Leverkusener wachsen auf dem inzwischen drittgrößten Pharmamarkt der Welt kontinuierlich. 3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet der Konzern in der Volksrepublik. Bis 2015 soll der Umsatz sich verdoppeln.Fertigungsstätten: 12Mitarbeiter: 11.000
Energie in Waigaoqiao II Das von Siemens errichtete Kohlekraftwerk in Shanghai spart 2,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein.Umsatz: 6,4 Milliarden EuroForschungszentren: 16Mitarbeiter: 43.000
Shanghai läuft und läuft VW ist mit knapp 50.000 Beschäftigten größter deutscher Arbeitgeber in China. Bis 2016 will der Konzern 14 Milliarden Euro in China investieren.Verkaufte Autos 2011: 2,26 MillionenAnteil am Automobilmarkt: 17 Prozent

Waren und Dienstleistungen im Umfang von 85 Milliarden US-Dollar werden deutsche Firmen 2012 ins Reich der Mitte liefern, erwartet der DIHK. Autos, Autokomponenten und medizinisches Gerät, vor allem aber Großanlagen zur Energieerzeugung gehören zu den wichtigsten Produkten, die Deutschlands Unternehmen in das boomende Riesenreich liefern.

Doch deutsche Unternehmen nutzen es nicht nur als Absatzmarkt – sie produzieren auch in China. Mehr als 18 Milliarden US-Dollar haben die Deutschen hier bis heute in Fabrikanlagen, Lagerhäuser und Büros gesteckt. Sie fertigen hier nicht in erster Linie für den Weltmarkt, sondern für den chinesischen Markt

Voith

Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Knorr-Bremse

Um rund eine Milliarde legte der Umsatz des Zulieferers Knorr-Bremse in 2011 zu. Dank einer guten Konjunktur im Nutzfahrzeugmarkt und einer Erholung der Schienen-Sparte konnte das Unternehmen kräftig wachsen. Der Konzern hat Marktanteile von bis zu 70 Prozent bei LkW-Bremsen in Europa und rund 80 Prozent bei Bremsen für Metrozüge in China. In China betreibt Knorr-Bremse zehn Werke.

Foto: dpa

Schuler

Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Das Unternehmen aus Göppingen ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Insbesondere Asien hat dem Konzern einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) beschert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent auf 276,3 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent stammten laut Firmenangaben aus dem Fernen Osten.

Foto: dpa

Manz

Der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. besonders in China engagiert sich das Unternehmen stark. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen. Im Mai eröffnet Manz rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche. Dafür steigt die Zahl der Mitarbeiter auf 700. Der Standort soll in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.

Foto: PR

Waldrich Siegen

Die WaldrichSiegen Werkzeugmaschinen GmbH ist ein Hersteller für Großwerkzeugmaschinen in den vier Produktlinien Fräsen, Drehen, Schleifen und Texturieren. Der Schwermaschinenbauer aus Burbach in Nordrhein-Westfalen engagiert sich ebenfalls in China. Er verändert sein Geschäftsmodell für den dortigen Markt, um die chinesischen Konkurrenten abzuschütteln. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit China-Exporten gemacht. Statt nur noch hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will das Unternehmen sich künftig auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. Daher baut Waldrich nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe von Shanghai.

Foto: WirtschaftsWoche

MAG

Der Geschäftsbereiche Automotive von MAG aus Göppingen konnte das Jahr 2011 mit großen Zuwächsen und vollen Auftragsbüchern abschließen. Die Auftragseingänge im Automobil-Systemgeschäft beliefen sich auf 607 Mio. Euro, was einer Steigerung von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (2010: 318 Mio. Euro). Ein Großteil der Geschäfte wird dabei in den Wachstumsmärkten China und Indien gemacht, von dort kommen rund zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs.

Foto: WirtschaftsWoche

Lernen, wie die Verbraucher ticken

„Deutschlands Firmen haben China, anders als Koreaner oder Japaner, nie als verlängerte Werkbank betrachtet, sondern sie produzieren in China für die Chinesen“, sagt AHK-Geschäftsführerin Alexandra Voß.

Die Unternehmen mussten allerdings erst lernen, wie der chinesische Markt und seine Verbraucher ticken. Als der Heizungsbauer Viessmann 2001 seine Fabrik in Peking aufmachte, importierte er anfangs die Bausätze für die Gaswandgeräte nach China und baute sie hier zusammen. CKD, „Completely knocked down“, heißt das im Fachjargon. Doch das funktionierte nicht. „Man muss Produkte speziell für den chinesischen Konsumenten entwickeln und auch in China produzieren“, sagt
Geschäftsführer Dietze. „Die Chinesen wollen beispielsweise schicke, digitale Anzeigen auf ihren Geräten.“ Viessmann hat seine Lektion gelernt, heute unterhält das Unternehmen ein kleines Entwicklungsteam in China und kauft 95 Prozent der Komponenten vor Ort ein.

Wegbereiter VW

Vorreiter beim Chinatrip der deutschen Unternehmen war und ist Volkswagen. 1984 beauftragte der Vorstand in Wolfsburg den Manager Martin Posth damit, in China eine Autoproduktion hochzuziehen. In Shanghai fand Posth im staatlichen Autohersteller Shanghai Automotive (SAIC) den passenden Partner. Die Anfänge waren nicht leicht. In langen Nachtsitzungen lernten Posth und seine deutschen Kollegen die Besonderheiten der chinesischen Kultur kennen. Mit Erfolg: Heute ist Volkswagen mit einem Anteil von etwa 17 Prozent Marktführer und mit knapp 50.000 Mitarbeitern größter deutscher Arbeitgeber in China.

Das Gemeinschaftsunternehmen in Shanghai, das erste größere Joint Venture zwischen einem westlichen und einem chinesischen Unternehmen, sorgte dafür, dass zahlreiche deutsche Autozulieferer nach China nachkamen und hier fertigen – lange bevor sich die Konkurrenz aus Japan und Korea auf den Weg nach China machte,
darunter Bosch, der inzwischen drittgrößte deutsche Arbeitgebern im Reich der Mitte mit mehr als 20.000 Mitarbeitern.

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Foto: WirtschaftsWoche

Täglicher Griff zur Zigarette
Ungesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich.

Foto: rtr

Künstliche Tannenbäume
Klar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne.
So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China.

Foto: dpa

Schweinereich
In China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten.

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Geisterstädte im ganzen Land
In China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, …

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McDonald’s allein auf weiter Flur
… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s.

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Bauboom geht weiter
Dennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität.

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Barbie ist zu sexy
Wenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen.

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Rasantes Wachstum
China hat Japan 2010 als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Sein Bruttoinlandsprodukt beträgt 2011 fast 7,3 Billionen US-Dollar, das sind etwa 5.417 Dollar pro Chinese. Die Chinesen sind damit heute etwa viermal so reich wie vor zehn Jahren. Die Wachstumsraten, die vor 2007 jahrelang weit über 10 Prozent lagen, haben sich etwas abgeschwächt, blieben aber auch in den Krisenjahren der Weltwirtschaft beeindruckend. 2011 waren es 9,24 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der Internationale Währungsfonds 7,83 Prozent.

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Alles unter Kontrolle
Wer in chinesische Firmen investiert, investiert in der Regel auch in den chinesischen Staat. Denn die meisten großen chinesischen Aktienunternehmen sind staatlich kontrolliert. Dazu zählen etwa der größte einheimische Ölkonzern PetroChina und die Bank of China. Auch das Management der Konzerne ist mit der politischen Führung eng verwoben. Wirklich privat geführte Unternehmen haben es oft schwer, da die Staatsunternehmen privilegiert werden.

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Millionen Christen
Christen haben es in dem traditionell konfuzianistisch geprägten und seit 1949 kommunistisch - also atheistisch - regierten Land schwer. Offiziell sind es - Stand 2008 - etwa 19 Millionen. Tatsächlich dürften es aber sehr viel mehr sein und mit wachsender Tendenz. Manche Autoren schätzen bis zu 80 Millionen. Erstaunlich ist der Zulauf vor allem angesichts des Verbotes jeglicher Missionierung nach der kommunistischen Machtübernahme und der brutalen Christenverfolgung im Rahmen der Kulturrevolution in den 1960er Jahren.

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Heute ist China der größte Automarkt der Welt. Die deutschen Konzerne VW, BMW und Daimler machen hier glänzende Geschäfte. Mit den steigenden Einkommen können sich stets mehr Chinesen vor allem im Osten des Landes ein Auto leisten. Wie in Deutschland in den Sechziger- und Siebzigerjahren gilt der eigene Pkw als mit Abstand wichtigstes Statussymbol.

Volkswagen hat 2011 erneut einen Absatzrekord erzielt: 2,26 Millionen Fahrzeuge verkauften die Wolfsburger in China. Zwar erwartet Karl-Thomas Neumann, CEO bei VW in China, für die nahe Zukunft ein schwierigeres Umfeld aufgrund der etwas nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik. Dennoch will der Konzern rund 14 Milliarden Euro bis 2016 in China investieren, vor allem im Westen des Landes. Sogar tief im Nordwesten, in der Uigurenprovinz Xinjiang, will VW demnächst Autos bauen.

Besonders Industrieroboter sind in China gefragt

Foto: AP

Am liebsten die importierte S-Klasse

Auch Konkurrent Daimler profitiert vom Chinaboom. Mit 9000 Beschäftigten sind die Stuttgarter hier der achtgrößte deutsche Arbeitgeber. Um 35 Prozent steigerten sie 2011 ihren Absatz in China und verkauften hier fast 200.000 Autos. Der Renner bei den Chinesen ist allerdings die aus Deutschland importierte
S-Klasse. Gut 31.000 der teuren Karossen hat Daimler 2011 in China verkauft. Vor vier Jahren waren es gerade 12.000. Daimler importiert bislang 70 Prozent seiner in China verkauften Autos aus Deutschland. In Peking fertigt Mercedes lediglich die C- und die E-Klasse und seit einigen Monaten den GLK.

In Zukunft wollen die Schwaben ihre Produkte stärker dem chinesischen Markt anpassen und in China produzieren. Daimler hat bereits seit einem Jahr eine eigens
für den chinesischen Markt verlängerte E-Klasse im Angebot. Für die Zukunft peilt Daimler-Chef Dieter Zetsche einen Fertigungsanteil in China von 70 Prozent an.

Der gesamte Kuchen wächst

Dazu will er die Produktion weiterer Modelle nach China verlegen. In Daimler-Werken in Bremen und Rastatt geht schon die Angst um, Jobs könnten nach China
verlagert werden. Doch ist die Furcht in den meisten Fällen unbegründet. Für den überwiegenden Teil der deutschen Firmen ist das boomende Chinageschäft kein Nullsummenspiel. Die Umsätze verlagern sich nicht nach China; vielmehr wächst der gesamte Kuchen, und das solide Chinageschäft sichert am Ende oft Jobs in Deutschland, etwa in der Entwicklung oder in den Designabteilungen.

Das gilt auch für den Chemieriesen Bayer, der in China zwölf Fertigungsstätten betreibt und 11.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit rund drei Milliarden Euro erwirtschaftet er inzwischen neun Prozent seines Gesamtumsatzes in China. 2010 wuchs sein Geschäft hier um satte 40 Prozent. Vor allem die von Peking forcierte Modernisierung des Gesundheitswesens beschert Bayer glänzende Aussichten. „China hat große Probleme“, sagte Konzernchef Marijn Dekkers im vergangenen Jahr in Peking, „wir sind bereit, bei der Lösung zu helfen.“ Bis 2015 strebt Dekkers eine Verdopplung des Umsatzes auf dem inzwischen drittgrößten Pharmamarkt der Welt an. BASF, mit 7000 Beschäftigten zweitgrößter deutscher Chemiekonzern in China, korrigiert seine Prognosen für das Chinageschäft nach oben.

In China werden schon mal 4000 Wohnungen en bloc gebaut. Derzeit stagniert der Immobilienmarkt allerdings

Foto: dpa

Ursprünglich hatte Vorstandschef Kurt Bock bis 2020 einen Asienumsatz von 20 Milliarden Euro angepeilt, davon etwa die Hälfte in China. Nun rechnet er mit einem Umsatz von 29 Milliarden Euro in Fernost, wovon China wieder rund 50 Prozent beisteuern soll. Das Reich der Mitte ist der drittgrößte Markt für BASF nach Deutschland und den USA. Die Kunden im Bausektor und in der Autoindustrie sorgen für Wachstum. 2010 erzielte der Konzern in China, Hongkong und Taiwan einen Umsatz von 5,8 Milliarden Euro.

Seit 1990 haben die Ludwigshafener 3,8 Milliarden Euro in China investiert. Es sind vor allem die großen Konzerne, die mit ihren Milliardeninvestitionen in China Schlagzeilen in der Presse machen und deren Bosse bei Staatsbesuchen in der Regierungsmaschine mitfliegen. Doch wie in Deutschland bilden auch in China Mittelständler das Gros der deutschen Unternehmen.

Nirgendwo sonst steigt die Zahl der angemeldeten Patente so schnell wie in China, zwischen 1999 und 2009 sind die Patentanmeldungen von heimischen Erfindern in China von 3.100 auf 65.400 gestiegen. 2009 wurden in China erstmalig mehr chinesische Patente angemeldet als ausländische. Im Vergleich zu 2007 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.
Die Universitäten und Forschungseinrichtungen der Chinesen sind in den letzten Jahren weltweit konkurrenzfähig geworden. Ein weiterer Indikator für die neue Innovationskraft ist die Anzahl der wissenschaftlichen Fachartikel. Sie steigt bei den Chinesen rasant. Inzwischen veröffentlichen nur die USA noch mehr Forschungsergebnisse in internationalen wissenschaftlichen und technischen Zeitschriften.

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Mit 22.000 angemeldeten Patenten sind Innovationen von japanischen Unternehmen in China stark vertreten. Besonders in den Bereichen Elektronik zeigt sich das Land der aufgehenden Sonne innovationskräftig.

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Innovationsfreudig zeigen sich auch die USA. Mit 8.660 in China angemeldeten Patenten liegt die USA ganz weit vorne.

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Chinas Nachbarland Südkorea ließ sich 4.675 Erfindungen durch Patente schützen.

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Auch deutsche  Firmen waren 2008 mit 3.598 Patenten gut vertreten. Vor allem Firmen aus dem Bereich der Leistungselektronik wie Bosch, Conti und Siemens sind deutsche Unternehmen mit Innovationen in China führend.

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Niederländische Firmen meldeten im Jahr 2008 1.450 Innovationen beim chinesischen Patentamt an.

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1.388 Patente vergab China 2008 an Innovationen aus Frankreich.

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Die Schweiz hat im Jahr 2008 941 Patente angemeldet.

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Die Zahl der 2008 durch das chinesische Patentamt geschützten Innovationen aus Großbritannien beläuft sich auf 689.

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Italien liegt mit 512 Anmeldungen auf Platz zehn der Patentanmeldungen in China.

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Schmales Budget

Sie kommen oft mit einem schmalen Investitionsbudget von ein paar Hunderttausend Euro und einer Handvoll Mitarbeitern. Aber meistens zahlt sich ihr Engagement schnell aus. Auch Dienstleister werden in China zunehmen aktiv. Das Architekturbüro KSP Engel aus Frankfurt beispielsweise hat in Peking die neue Staatsbibliothek und das Patentamt geplant. Drees & Sommer, ein Spezialist für die Überwachung von Bauprojekten, hat gerade Büros in der chinesischen Hauptstadt eröffnet.

Jörg Höhn begleitet solche Neuankömmlinge bei ihren ersten Schritten in China. Der Geschäftsführer des German Centre in Peking hat sein Büro im elften Stock des Landmark Tower. Auf 17 Etagen bietet Höhn deutschen Mittelständlern 9000 Quadratmeter Bürofläche, von Büros mit 25 Quadratmetern bis hin zu 800 Quadratmetern. Finanzier ist die Landesbank Baden Württemberg.

Coaching vom German Centre

Das Konzept funktioniert. „China ist ein sehr komplexer Markt“, sagt Höhn, „und gerade kleinere Unternehmen sind anfangs dankbar für Tipps, Beratung und halbwegs günstige Mieten.“ Rund 250 deutsche Unternehmen hat das German Centre bis heute in den chinesischen Markt begleitet. Der Maschinenbauer Gea aus München beispielsweise hat hier einst mit einem 30 Quadratmeter großen Büro angefangen.

Heute benötigt er 800 Quadratmeter. Die Büroflächen im Landmark Tower sind meist zu mehr als 90 Prozent belegt. Gut 100 Firmen betreut Höhn, jede vierte ist ein Maschinen- und Anlagenbauer. Die Mehrheit der deutschen Maschinenbauer produziert aber nicht in China, auch aus Angst vor Plagiaten. Sie exportieren lieber.

Dennoch gehen ihre Geschäfte gut. Anlagen im Wert von 15,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen 2011 nach China geliefert, ein Plus von 28 Prozent. Das Reich der Mitte ist der wichtigste Exportmarkt für die Hersteller aus Deutschland. Vor allem das Geschäft mit Industrierobotern boomt. In diesem Segment konnten die Deutschen ihren Absatz in China 2011 um 300 Prozent steigern. Grund: Quer durch alle Branchen rationalisieren die chinesischen Unternehmen ihre
Fertigung und setzen dabei auf Automatisierung.

Der taiwanische Hersteller Foxconn, der in China für Apple produziert, will in den nächsten Jahren rund eine Million Roboter für seine chinesischen Fabriken anschaffen. Auch der Autohersteller Chery will seine Fertigung automatisieren.

Landmaschinen gefragt

Zusätzlich bescheren die Umwälzungen in der Landwirtschaft den deutschen Maschinenbauern steigende Umsätze. Nach wie vor strömen die Chinesen vom Land in die Städte und lassen ihre Äcker und Wiesen zurück. Diese werden nun zu größeren Höfen zusammengelegt und häufig von externen Dienstleistern bewirtschaftet, die dafür leistungsfähige Landmaschinen benötigen. Um 70 Prozent konnten deutsche Hersteller von Mähdreschern, Pflügen oder Kartoffelerntemaschinen ihren
Absatz in China 2011 steigern.

Noch sind die Auftragsbücher der deutschen Maschinenbauer gut gefüllt. Doch im laufenden Jahr wird die Dynamik nachlassen, erwartet Stephanie Heydolph,
Chinarepräsentantin des Verbands der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Dennoch dürfte der Absatz in China 2012 um 15 Prozent wachsen.

Mehr für den Endkunden

Auch beim Heizungsbauer Viessmann rechnet man mit einem schwächeren Geschäft im laufenden Jahr. Bisher bekam das Unternehmen einen Großteil seiner Aufträge von Bauträgern, die schon mal 4000 Wohnungen en bloc bauen, die alle ein Gaswandgerät brauchen. Mit dem derzeit stagnierenden Immobilienmarkt dürfte in diesem Segment die Nachfrage nachlassen. Viessmann will in China darum künftig mehr Geschäfte eröffnen, um direkt an den Endkunden zu verkaufen.

Einen Einbruch beim Chinageschäft erwartet niemand unter den Deutschen. Dazu wächst die Wirtschaft des Riesenreichs immer noch zu stark. Vorbei ist es jedoch
mit den hohen zweistelligen Wachstumsraten. „Das gibt den deutschen Firmen ein wenig Zeit, die Dinge zu sortieren, die während des ganz großen Booms liegen geblieben sind“, sagt Höhn vom German Centre.

Mehr Kopfzerbrechen als die Konjunktur bereiten deutschen Unternehmen strukturelle Probleme. Seit Jahren schon klagen die Firmen über den Mangel an qualifiziertem Personal. Chinas Schulen und Universitäten bringen trotz teils weitreichender Reformen in den vergangenen Jahren viel zu wenige qualifizierte Absolventen hervor. „Vielen fehlt der Praxisbezug“, sagt Höhn. Außerdem mangelt es dem Nachwuchs an technischer Ausbildung und Fremdsprachenkenntnissen.

Steigende Arbeitskosten, die hohe Inflation und den Kostendruck durch chinesische Wettbewerber sehen deutsche Unternehmen in China derzeit als die größten
Hindernisse. Das ergibt eine aktuelle Umfrage der Münchner Beratungsgesellschaft EAC International Consulting. „Kaum Auswirkungen hat dagegen der aufwertende Yuan“, sagt Christina Stercken, Partnerin bei EAC. Grund: Deutschlands Unternehmen in China fertigen für den lokalen Markt und exportieren kaum.

Ungleichbehandlung durch Behörden

Schwierigkeiten bereitet deutschen Firmen die Politik der chinesischen Regierung, die die eigenen Firmen schützen und fördern will. „Für Unternehmen, die an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, ist es nicht immer einfach“, sagt Daimler-China-CEO Ulrich Walker diplomatisch.

Jedes zweite deutsche Unternehmen klagt laut AHK-Umfrage über Ungleichbehandlung durch chinesische Behörden. Die verlangen im Gegenzug für Investitionsgenehmigungen immer unverblümter den Transfer von Technologie.

Forschung nicht auf breiter Front nach China verlegen

Der Technologieriese Siemens etwa betreibt, auch auf Druck der Regierung hin, 16 Forschungs- und Entwicklungszentren in China. Bei einigen Projekten hat das Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2011 seinen Umsatz in China um 16 Prozent auf fast 6,4 Milliarden Euro steigern konnte, die Blaupausen gleich mitgeliefert.

So sind die Chinesen heute auch dank des Knowhow-Transfers aus München in der Lage, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Um solch unfreiwilligem Technologietransfer vorzubeugen, warnt AHK-Geschäftsführerin Voß deutsche Firmen, die Forschung auf breiter Front nach China zu verlegen. „Die Anpassung der Produkte an den lokalen Markt ist sicherlich richtig“, so Voß, „aber wichtige Innovationen sollten außerhalb des Landes bleiben.“

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