Andrea Nahles "Keine Denke von gestern, bitte"

Gut die Hälfte der Deutschen ist mit ihrer Jobsituation unzufrieden, wie das Bundesarbeitsministerium herausgefunden hat. Im Interview mit uns spricht Arbeitsministerin Nahles über ihre Pläne für die Zukunft der Arbeit.

Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles Quelle: Werner Schuering für WirtschaftsWoche

Berufung statt Beruf? Von wegen. Viele Arbeitnehmer sind mit der eigenen Arbeitssituation unzufrieden. Das geht aus einer Studie des Bundesarbeitsministerium hervor, die an diesem Dienstag auf einer Konferenz zur Zukunft der Arbeit vorgestellt wird. Demnach entspricht nur für knapp ein Fünftel der Befragten die eigene Arbeitssituation in etwa dem persönlichen Idealbild. 45 Prozent der Befragten sehen die eigene Arbeitssituation dagegen weit davon entfernt. In den Augen der Befragten hat sich seit den 90er Jahren die reale Arbeitswelt immer weiter vom Ideal des Wünschenswerten entfernt.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will in Berlin eine Zwischenbilanz vorlegen zu dem bereits seit Monaten andauernden Projekt "Arbeit 4.0". Dabei werden Chancen und Risiken von Veränderungen der Arbeitswelt ausgelotet. Mit uns hat sie bereits vorher über ihre Pläne sowie die Hoffnungen und Ziele der deutschen Arbeitnehmer gesprochen.

WirtschaftsWoche: Frau Nahles, kommende Woche ziehen Sie Halbzeitbilanz ihrer Ideenwerkstatt Arbeiten 4.0. Sie haben untersuchen lassen, wie Deutsche ihre Berufswelt einschätzen. Wie schätzen Sie denn Ihre eigene Arbeit ein?

Andrea Nahles: (lacht) Ich ordne mich da natürlich als Höchstleisterin ein, was denken Sie denn? Aber im Ernst: Mich hat bei der Auswertung der Studie überrascht, wie positiv und wichtig die Leistungsträger in Deutschland die Rolle des Staates bewerten. Unter ihnen finden sich etwa sehr viele Befürworter eines Mindestlohnes.

Zur Person

Ihre Studie zeigt vor allem: Den einen deutschen Arbeitnehmer gibt es nicht.

„One size fits all“: Diese Denke von gestern passt nicht mehr in die moderne Arbeitswelt. Was die Bürger von ihrer Arbeit wollen, was sie sich erhoffen oder was sie fürchten, ist höchst individuell. Wir haben es mit sehr unterschiedlichen Lebenssituationen und Wertewelten zu tun. Wir Politiker müssen daraus lernen: Es gibt in vielen Themen nicht mehr die eine gesetzliche Lösung, die allen gerecht wird.

Was sich die Deutschen von ihrem Arbeitgeber wünschen - und was sie bekommen

Forscher überbieten sich gerade in Prognosen, wann der letzte Job vernichtet sein wird. Sie auch?

Mich erinnert das an Jacques Derridas schönen Satz: Die Katastrophe ist nah, doch die Apokalypse ist von langer Dauer. Natürlich verändert sich gerade vieles. Und das ist für ein Land wie Deutschland, in dem sich Menschen stark über ihren Job definieren, eine besondere Herausforderung. Aber unsere Arbeitnehmer sind dadurch weder gelähmt, noch gehen sie mit naivem Optimismus an die digitale Arbeitswelt heran.

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