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KarriereleiterSo zerpflücken Sie genüsslich fiese Totschlag-Argumente

„Das ist ja wohl ein Totschlag-Argument“ – mit diesem Konter kommen Sie bei cleveren Rhetorikfinten oft nicht weit. Genießen Sie stattdessen, die gängigen Killer-Argumente zu zerpflücken. So geht’s.Marcus Werner 16.11.2022 - 15:47 Uhr

„Das ist ja wohl ein Totschlag-Argument“ – mit diesem Konter kommen Sie bei cleveren Rhetorikfinten oft nicht weit. Genießen Sie stattdessen, die gängigen Killer-Argumente zu zerpflücken. So geht’s.

Foto: imago images

„Qualität hat eben ihren Preis.“

„Aber Produkttests haben ergeben, dass billigere Produkte eine weit höhere Qualität bieten als Ihres.“

Gegen starke Argumente, die unsere eigene Position vor Publikum wegpusten, ist rhetorisch betrachtet nichts einzuwenden. Auch, wenn es weh tut.

Hier soll es allein um Totschlag-Rhetorik gehen. Also solche, die sich nicht direkt mit der Sache auseinandersetzt, sondern Nebenaspekte heranzieht, um die andere Position jenseits der Argumente zu diskreditieren.

Oft sind solche sprachlichen Tricks mindestens genauso überzeugend wie die inhaltlichen. Leider, wenn Sie dabei den Kürzeren ziehen. Seien Sie also drauf gefasst!

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Mal drei Beispiele:

1. „Sie verharmlosen mit Ihrer Gleichsetzung das Schlimmere.“

Diese Methode erleben wir gerade häufiger. Achten Sie mal drauf. Aktuellstes Beispiel: CSU-Landesgruppenchef im Bundestag Alexander Dobrindt hatte jüngst die auf den Straßen klebenden Umwelt-Aktivisten als „Klima-RAF“ bezeichnet. Noch vor Jahren hätte man wohl gegengehalten wie folgt:

„Durch den Vergleich mit einer Terrorgruppe, die viele Menschenleben auf dem Gewissen hat, tun Sie den Aktivisten unrecht, die sich bislang ja nur irgendwo festgeklebt oder Suppe auf Gemälde gekippt haben.“

Die Schwäche dieses öffentlichen Gegenschusses ist: Vielen betroffenen Autofahrern oder Kunstliebhabern dürfte es fern liegen, die armen Klimaaktivisten in Gedanken vor zu harten Anwürfen in Schutz zu nehmen. Noch mehr: Kritiker an Dobrindt geraten so recht leicht in den Verdacht, Freunde zumindest von Sachbeschädigung und Nötigung zu sein.

Deshalb argumentieren gut beratene Politikerinnen wie die Grünen-Parteichefin Ricarda Lang (die die Aktivisten nicht vollends von den Grünen vergraulen möchte) aus dem entgegengesetzten Blickwinkel: „Wer hier Parallelen zieht und die aktuellen Proteste mit der RAF in einem Atemzug nennt, verharmlost den damaligen Terror und verhöhnt das Leid der Opfer und Hinterbliebenen.“

Lang nimmt hier also nicht die Aktivisten in Schutz, sondern die Opfer des RAF-Terrors. Ausgerechnet die CSU soll nach Lang also die Taten der RAF verharmlosen. Autsch! Weil clever pariert: mit dem Vorwurf, mit dem harten Vergleich dem harten Vergleichssubjekt nicht gerecht zu werden.

Ähnliche Konstellationen erleben wir derzeit in Talkshows, wenn sich erste Experten erlauben, Parallelen zwischen dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und der Kriegsführung Hitlers zu ziehen, etwa was die Art der Begehung von Kriegsverbrechen an Zivilisten angeht, aber auch Vergleiche mit militärischen Schachzügen, die denen im Zweiten Weltkrieg ähneln. Hier wird von der Gegenseite oftmals nicht offensiv Russland gegen die demnach also als zu harsch empfundenen Vergleiche in Schutz genommen, sondern die Opfer der Nationalsozialisten vor der Verharmlosung.

Den Blick auf das überragende Vergleichsobjekt zu lenken, um vor Verharmlosung zu warnen, mag von Fall zu Fall so redlich wie ernst gemeint sein. In jedem Fall aber geraten alle in Bedrängnis, die mit dem Vergleich angefangen haben.

Letztendlich lässt sich die rhetorische Methode des Blickwinkelwechsels bei jedem beliebigen, selbst harmlosen Vergleich anbringen:

„Früher hat es nur die Zeitarbeiter getroffen. Jetzt trifft es selbst die Stammbelegschaft.“

„Wollen Sie damit sagen, um die Zeitarbeiter ist es nicht ganz so schade gewesen, oder was?

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Was kontern wir in diesen Fällen also diejenigen, die sich mit dem Vorwurf konfrontiert sehen? Ich würde gedanklich im Hinterkopf behalten: Sofort Blick zurück auf den Sinn Ihres Vergleiches. „Mir geht es hier nicht darum, das zum Vergleich herangezogene Beispiel XY zu verharmlosen, sondern ganz im Gegenteil: Mir geht es darum, die Dramatik der aktuellen Situation zu verdeutlichen.“

Wenn Sie vorher ahnen, dass Ihr Beispiel zu einem Widerspruch nach dem Perspektiv-Wechsel-Prinzip provozieren wird, sorgen Sie vor: „Mit dem Beispiel, das ich jetzt anführe, möchte ich nicht bagatellisieren, sondern…“

Der Blickwinkelwechsel in Reinform dient letztendlich dem folgenden typischen Witz-Konstrukt, das Sie beliebig mit Leben füllen können:

„Ich finde, Stefan sieht mittlerweile aus wie Dieter Bohlen.“

„Ja, aber Dieter Bohlen redet nicht so einen Scheiß.“

2. „Wo kommen wir denn da hin?“

Wie entkräftigen Sie sie folgenden Spruch? „Wer A sagt, muss auch B sagen.“
Etwa so: „Stimmt nicht.“

Was ich damit sagen will: Hinterfragen Sie jede vermeintliche Offensichtlichkeit. Dazu gehört auch die Masche mit „Wo kommen wir denn dahin?“

Die funktioniert so:

„Wenn wir hier Tempo 30 einführen, was kommt als nächstes: Tempo 10?“

„Wenn wir in Deutschland Cannabis erlauben, erlauben wir als nächstes Kokain und Heroin?“

„Wenn wir Werbung für Alkohol verbieten, kommt dann auch das Verbot für Süßigkeitenreklame?“

„Wenn die Demokraten uns unsere Schusswaffen wegnehmen, nehmen sie uns bald auch unsere Obstmesser weg.“

Das Prinzip: Die erste Neuerung schlecht machen, indem vor einer noch weiterreichenden Konsequenz gewarnt wird. Rhetorisch clever, weil Zuhörende im Eifer der Diskussion nicht immer schnell genug erkennen können, dass das eine mit dem anderen in keinem Zusammenhang steht.

Entlarven Sie das, indem Sie sich für den Rest Ihres Lebens ein paar griffige Beispiele einprägen, die Sie den Anwendern von „Wo kommen wir denn da hin?“ entgegen schleudern können. Etwa so:

„Das eine zu tun, führt nicht dazu, Ungewolltes tun zu müssen. Sie essen ja auch keine Hunde und Katzen, nur weil Sie Schwein und Rind essen. Oder?“

„Sie zünden doch auch nicht den Wohnzimmertisch an, nur weil Sie den Kamin anzünden.“

3. „Sie stellen alle unter Generalverdacht.“

Dieser Spruch – gegen Ihren Standpunkt gewandt – ist aus meiner Sicht einer der dreistesten Totschlag-Argumente. Denn damit fühlen sich alle Zuhörenden von Ihnen angegriffen und vom anderen beschützt.

Der Spruch blüht einem immer, wenn es darum geht, ob und wie etwas kontrolliert werden soll.

Setzt man bei Corona-Testzentren auf Vertrauen, dass in der Krise ja wohl niemand die Gemeinschaft mit falschen Abrechnungen abzocken will, und es stellt sich heraus, dass das den Steuerzahler im Nachgang teuer zu stehen kommt, dann war man naiv. Will man den Missbrauch von vorneherein durch Kontrollen verhindern, droht der Vorwurf: „Sie stellen alle Anbieter unter Generalverdacht.“

Wie kontern? Indem wir wieder alles hinterfragen. Ist ein Generalverdacht wirklich so schlimm? Mein Gegenargument wäre:

„Letztendlich stellt jede Schranke an der Parkhaus-Ausfahrt uns alle unter Generalverdacht. Weil es nicht anders geht, wenn wir uns vor den wenigen schwarzen Schafen schützen wollen.“

Leiden Sie etwa unter dem generellen Verdacht, dass Sie kein Ticket haben könnten, wenn Sie ins Kino gehen und am Kartenabreißer vorbei müssen?

Ist es nicht erfrischend, dass ein Generalverdacht, der alle trifft, völlig harmlos sein kann?

Fragen Sie sich immer: Warum ist dieser rhetorische Trick so clever? Und dann wenden Sie ihn an – oder entlarven Sie ihn. Viel Erfolg!

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