Studium: Wie die Auszeit zum Karrierekick wird
Ingenieur, Model, Weltenbummler: David Tang füllt sein Gap Year mit Praktika in Shanghai, Sao Paulo und Bonn
Foto: Egill Bjarki Jónsson für WirtschaftsWocheAls Lukas Rantzau zum ersten Mal zur Reling hochsieht, werfen ein paar Seeleute in ihren Blaumännern gerade die Taue des anlegenden Frachters aus. Rantzau hat seine gelbe Reisetasche geschultert, darin ein paar Jeans, Wechselwäsche, Duschgel, Zahnbürste – das Nötigste für zweieinhalb Monate, mehr wird er nicht brauchen. Während die Kräne schon Teile der Fracht aus dem Schiff heben, besteigt er seinen neuen Arbeitsplatz: einen 266 Meter langen Stahlkoloss, mit Platz für mehr als 4000 Container. Fahrtziel: Südafrika.
Rantzau hat auf dem Containerschiff als Kadett angeheuert. Las Palmas, Port Elizabeth, Lissabon heißen die nächsten Stationen. Doch von Freizeit keine Spur. Kaum hat er am nächsten Morgen seinen Blaumann übergestreift, drückt ihm ein Kollege einen Besen in die Hand. "Wir wollen ein sauberes Schiff, denn wir leben darauf", sagt er. Rantzau fegt das gesamte Deck, den halben Tag lang.
Weit weg vom Hörsaal
Zwei Monate bestimmt der Alltag auf dem schwankenden grau-roten Frachter von nun an den Tagesablauf des 25-Jährigen: Er schrubbt das Deck, überstreicht Rostflecken, spielt Karten, lässt sich beim Schiffsfriseur die Haare raspelkurz schneiden – wie auch die meisten seiner philippinischen Kollegen. "Einen so starken Teamgeist", sagt Rantzau, "habe ich noch nie erlebt."
Mit der Fahrt auf die andere Seite der Welt schließt Rantzau sein "Gap Year" ab, das er nach dem Bachelor-Studium eingelegt hatte – neudeutsch für eine bewusst genommene Auszeit zwischen Bachelor-Abschluss und Beginn des Master-Studiums. Bis dahin verbrachte er drei Jahre an der Uni Dresden, internationale Beziehungen, saß in Seminaren zum Völkerrecht, schrieb Hausarbeiten über Geopolitik, lernte Russisch. Und hatte kaum Zeit, die abstrakte akademische Welt zu verlassen. "Im Hörsaal bekommt man kein Gefühl dafür, was in der Welt passiert", sagt er.
Mehr gelernt als im gesamten Studium
Also wollte er nach seinem Abschluss nachholen, was ihm sein Stundenplan verwehrte: Als er im September 2011 den Abschluss in der Tasche hat, geht er für zwei Monate zu Boston Consulting nach München, um Beraterluft zu schnuppern. Danach macht er ein Praktikum im Büro der grünen EU-Parlamentarierin Ska Keller und hilft bei der Organisation der Jahreskonferenz der "Global Young Greens", der internationalen Vereinigung grüner Jugendverbände – im Senegal. "Es war ganz schön anspruchsvoll, die Teilnehmer aus allen Winkeln der Welt zur gleichen Zeit nach Dakar zu kriegen", sagt er.
Schließlich heuert er auf dem Containerfrachter an. Strategieberatung, Politbetrieb, die raue See – in diesem Jahr hat Rantzau mehr über sich gelernt als im gesamten Studium.
Rantzau ist Teil einer Generation von Studenten, die zwar zügig studieren, sich aber nicht mit aller Macht sofort ins Berufsleben stürzen. Ihre Antwort auf die verschulten Turbo-Studiengänge der Bologna-Reform: eine Auszeit nach dem Abschluss.
Universität zu Köln
Die Uni Köln genießt einen guten Ruf in den Wirtschaftswissenschaften und gehört mit rund 38.000 Studenten zu den größten der Republik. Schon bei der ersten Exzellenzinitiative der Bundesregierung bekamen die Kölner mehrere Millionen aus dem Fördertopf. Mit der Ernennung zur Elite-Universität werden es noch mehr sein. Mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt hat sich die Uni bereits profiliert, wie das alljährliche WirtschaftsWoche-Ranking zeigt. Bei der aktuellsten Umfrage unter deutschen Personalchefs belegt sie in den Fächern BWL und VWL den zweiten Platz, bei Jura Platz 3 und bei Wirtschaftsinformatik Platz 5.
Die Kölner Uni geht auf eine Handelshochschule zurück. Gegründet im Jahr 1901, wurde sie 1919 zur Universität umgewandelt. Ihre Vorgängerin wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen.
Foto: dpaHumboldt-Universität zu Berlin
Ebenfalls neu im Kreis der Elite-Universitäten ist die Berliner Humboldt-Uni (HU). Mit ihrer Neuernennung holt sie im Konkurrenzkampf mit der Freien Universität Berlin (FU) auf. Die war bereits 2007 zur Crème de la Crème der deutschen Wissenschaftslandschaft ernannt worden, während man sich Unter den Linden noch mit der "normalen" Förderung aus der Exzellenzinitiative begnügen musste. In den vergangenen Jahren konnte die HU bei Hochschul-Rankings deutlich zulegen. Im "Top Universities by Reputation 2012"-Ranking belegte sie mit Platz 64 den zweitbesten deutschen Platz.
Foto: dpaUniversität Bremen
Mit der Universität Bremen ist zum ersten Mal auch der hohe Norden Deutschlands mit dem Elite-Prädikat bedacht worden. Die Uni wurde 1971 gegründet und gehört damit zu den jüngsten staatlichen Hochschulen der Republik. Dem Standort entsprechend hat sich die Uni besonders bei der Meeres- und Klimaforschung einen Namen gemacht. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Logistikforschung. Mit der Ernennung fließen neben den bereits bewilligten Fördergeldern weitere 50 Millionen Euro nach Bremen, um zukünftige Projekte umzusetzen.
Foto: WirtschaftsWocheTechnische Universität Dresden
1821 als Technische Bildungsanstalt Dresden gegründet und 1961 zur Technischen Universität erhoben, zeigt sich auch heute im technischen Bereich die größte Kompetenz der Dresdener. Das haben sie nun auch Schwarz auf Weiß. Mit der Ernennung zur Elite-Universität ist das Prestigewelle der Wissenschaft nun auch zum ersten Mal im Osten Deutschlands angekommen. Schon bei der vergangenen Exzellenzinitiative hatte sie ein Stück vom großen Kuchen abbekommen, nun ist es ein großes Stück vom Kuchen. Auch im Ranking der WirtschaftsWoche ist die TU Dresden in den technischen Fächern überall in den Top 10 vertreten. Bei Elektrotechnik und Maschinenbau erreicht sie Platz 5, bei Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik Platz 6 und bei Naturwissenschaften Platz 8.
Foto: dpa
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
In Baden-Württemberg weiß man wohl nicht, ob man nach der Entscheidung der Jury jubeln oder trauern soll. Mit der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg und dem Karlsruher Institut für Technologie verloren gleich zwei Hochschulen im Südwesten Deutschlands den begehrten Titel. Dafür rückte die Universität Tübingen mit ihrem Konzept in den Kreis der Elite-Unis auf. Sie gehörte zu den ältesten Universitäten Deutschlands und kann eine lange Liste berühmter Absolventen vorweisen. Darunter die Philosophen Georg Friedrich Hegel und Ernst Bloch, sowie der Theologe Dietrich Bonhoeffer. In jüngerer Zeit ist die Uni beim Thema Frauenförderung aufgefallen. Rund 60 Prozent der Studierenden sind weiblich.
Foto: dpaLudwig-Maximilians-Universität München
Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier schon: Die 1472 gegründete Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie 2011 als beste deutsche Universität ausgezeichnet, beim Ranking der Shanghaier Jiao-Tong-Universität landet sie in Deutschland auf dem zweiten Platz nach der TU München. Im WirtschaftsWoche-Ranking belegt sie den ersten Platz im Fach Jura, sowie den dritten Platz bei BWL und VWL, sowie den vierten bei Naturwissenschaften.
Bei der Exzellenzinitiative konnten beide Universitäten der bayerischen Landeshauptstadt ihren Titel verteidigen.
Technische Universität München
Auf die Technische Uni München (TUM) hält die Bundesregierung große Stücke und überhäuft sie mit Fördergeldern. Schon im Jahr 2007 gehörte sie zu den ersten drei geförderten Hochschulen der Exzellenzinitiative. Außerdem ernannte sie der Bund im Rahmen der Existenzgründer-Initiative „Exist“ zur Gründerhochschule. Denn an der TUM soll nicht nur geforscht, sondern auch Geld verdient werden. Mit der UnternehmerTUM GmbH hat sie eine eigene Unternehmensberatung für ihre Studenten gegründet, die auch über einen Förder-Fonds verfügt. Mit der erneuten Ernennung zur Elite-Universität festigen die Münchener ihre Spitzenposition in der deutschen Wissenschaftslandschaft.
Im Fach Wirtschaftsinformatik verleiht die WirtschaftsWoche der TUM den ersten Platz unter der deutschen Hochschulen, bei Naturwissenschaften gibt es den zweiten Platz, bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik den dritten Platz.
RTWH Aachen
Aachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die ihren Titel als Elite-Universität verteidigen konnte. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Mit dem Geld aus der Exzellenzinitiative ist die Finanzierung für weitere fünf Jahre gesichert.
Exzellenz bescheinigt auch die WirtschaftsWoche in ihrem Uni-Ranking: Die RWTH Aachen belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz
Foto: dapdFreie Universität Berlin
Auch die Freie Universität Berlin konnte ihren Titel verteidigen. Mit ihrem Zukunftskonzept "Veritas - lustitia-Libertas. Internationale Netzwerkuniversität" konnte die Uni die Jury aus Wissenschaftlern und Politikern ein weiteres Mal überzeugen. Mit nun zwei Elite-Universitäten erwartet die Bundeshauptstadt eine Aufwertung ihres Wissenschaftsstandorts und will die besten Forscher und Wissenschaftler anlocken.
Foto: WirtschaftsWocheUniversität Heidelberg
Auch die altehrwürdige Uni Heidelberg behält ihren Titel und wartet auf weitere Millionen aus der Exzellenzinitiative. Die älteste deutsche Universität genießt auch international einen hervorragenden Ruf. Im aktuellsten "QS World University"-Ranking der britischen "Times" wurde sie als beste deutsche Universität ausgezeichnet. Bei alten Studienfächern wie Jura, Theologie bildet sie eine deutsche Hochburg, sowohl was die Lehre als auch die Forschung angeht.
Foto: APUniversität Konstanz
Die Universität Konstanz am Bodensee in Baden-Württemberg bleibt ebenfalls Elite-Uni. Sie wurde 1966 als Reformuniversität gegründet und probierte immer wieder neue Studiengänge aus, so zum Beispiel eine praktischere Juristenausbildung. Bereits bei der ersten Exzellenzinitiative erhielt sie die Spitzenförderung als Eliteuniversität. Mit ihrem "Forschungszentrum für wissenschaftlichen Nachwuchs" bekam sie bundesweit Anerkennung und wurde in den Medien als "Mini-Harvard am Bodensee" bekannt.
Foto: WirtschaftsWoche
Tausende Bachelor-Absolventen in Deutschland entscheiden sich heute für ein Gap Year. Sie gehen auf Reisen, absolvieren Praktika in Unternehmen, sie lernen eine neue Fremdsprache oder engagieren sich in sozialen Projekten in Schwarzafrika. Der Master kann warten, Erfahrung zählt mehr als die glatte Eins auf dem Zeugnis. Wenn nicht jetzt, wann dann.
"Der Trend zum Gap Year ist aus der Orientierungslosigkeit bei heutigen Studenten entstanden", sagt Andreas Schwarz, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Personalberatung Rundstedt HR Partners. In einer Welt, die aus Leistungspunkten, Anwesenheitspflichten und kurzen Regelstudienzeiten besteht, fällt es Studenten zunehmend schwer, befriedigende Antworten zu finden auf Fragen wie: Wohin will ich mit dem Studium? Wer mit 21 seinen Bachelor abschließt, kann das noch nicht unbedingt wissen.
Ein Modell macht Schule
Der Brauch, ein Gap Year einzulegen, kommt ursprünglich aus England, wo der Bildungsweg seit jeher kürzer war als hierzulande. Seit den späten Sechzigerjahren machen junge Briten nach der Schule eine Pause, um ins Ausland zu gehen, nutzen Uniabsolventen die Gelegenheit, ihre theoretischen Kenntnisse in Praktika auszuprobieren. In einer Umfrage des britischen Marktforschungsunternehmens YouGov unter britischen Personalverantwortlichen sagten kürzlich fast zwei Drittel, ein Gap Year werte eine Bewerbung auf. Hunderte Gap-Year-Programme spülen jedes Jahr Tausende britische Absolventen in alle Welt. Ein Gap Year auf dem Lebenslauf gehört dort nicht nur zum Standard. Wer sich nicht durch Pausen vom Lernen interessant macht, hat sogar einen Nachteil. Nachdem das Modell auch in anderen Ländern Schule gemacht hat, kommt das Gap Year jetzt im Bologna- und G8-geplagten Deutschland an.
Rang 10: University of Oxford
Oxford ist die Keimzelle der Gelehrsamkeit in England und somit in der gesamten englischsprachigen Welt. Schon im 11. Jahrhundert gab es hier Bildungseinrichtungen. Die erste Charta der Universitas Oxoniensis stammt aus dem Jahr 1214. Mit Paris und Bologna gehört Oxford damit zum Gründungstrio der europäischen Universitäten.
Foto: rtrRang 9: University of Chicago
Sie wurde 1890 nach dem Vorbild deutscher Universitäten gegründet. Damals blickten amerikanische Wissenschaftler wie der Rest der Welt auf Deutschland als Zentrum der Wissenschaftlichkeit. Finanzieller Geburtshelfer der Universität war der legendäre Unternehmer John Rockefeller. Aus der Universität gingen die Vertreter der „Chicagoer Schule“ der Ökonomie hervor, zum Beispiel Milton Friedman.
Foto: JevninRang 8: Columbia University
Die 1754 vom englischen König Georg II. gegründete Privatuniversität ist die älteste und renommierteste in New York. Von Bedeutung ist an der Columbia nicht zuletzt der Fachbereich für Journalismus, der vom berühmten Verleger Joseph Pulitzer gestiftet wurde.
Foto: dpaRang 7: Princeton University
Princeton wurde als „College of New Jersey“ 1746 gegründet – von Anhängern der presbyterianischen Erweckungsbewegung. Wie die meisten anderen Spitzen-Unis der USA begann der Aufstieg der Uni an die Weltspitze des akademischen Ruhms erst im 20. Jahrhundert. Princeton wurde vor allem durch Albert Einstein berühmt, der 1932 bis 1955 hier lehrte.
Foto: dpaRang 6: California Institute of Technology (Caltech)
Caltech ist eine private Forschungsuniversität in Pasadena, die auf Natur- und Ingenieurswissenschaften spezialisiert ist. 1891 mit nur 31 Studenten gegründet ist sie auch heute mit nur etwa 2000 Studenten im Vergleich zum Rivalen MIT klein. Die meisten Studenten sind schon in der forschungsintensiven Endphase ihres Studiums.
Princeton University
Princeton wurde als „College of New Jersey“ 1746 gegründet – von Anhängern der presbyterianischen Erweckungsbewegung. Wie die meisten anderen Spitzen-Unis der USA begann der Aufstieg an die Weltspitze des akademischen Ruhms erst im 20. Jahrhundert. Princeton wurde vor allem durch Albert Einstein berühmt, der 1932 bis 1955 hier lehrte.
Rang 5: University of Cambridge
Cambridge ist der Inbegriff akademischer Gelehrsamkeit - zumindest im angelsächsischen Kulturkreis. Gegründet wurde die Universität 1209 von abtrünnigen Dozenten aus dem noch älteren Oxford. Mitglieder der Universität haben 88 Nobelpreise gewonnen, rund 70 davon waren selbst Studenten in Cambridge. Die 31 Colleges der Universität sind unabhängige Institutionen, die selbst über die Aufnahme von Studenten entscheiden.
Foto: dpaUniversity of California, Berkeley
Berkeley wurde 1868 gegründet und ist somit der älteste Campus der University of California, eines Systems staatlicher Universitäten mit mittlerweile zehn Standorten. Trotzdem wird auch die einzige staatliche Uni in dieser Liste nur noch zu etwa einem Zehntel staatlich finanziert.
Foto: dpaRang 3: Massachusetts Institute of Technology (MIT)
Trotz seines offiziösen Namens ist auch das 1861 im selben Cambridge wie die Harvard Universität gegründete MIT eine private Einrichtung, die sich durch Spenden und vor allem Studiengebühren finanziert. Die Hochschule ist Gründungsorganisation und Sitz des World Wide Web Consortium (W3C), des Standardisierungsgremiums für das Internet
Foto: Eric BaetscherRang 2: Stanford University
1891 öffnete die vom Mäzen Leland Stanford und seiner Frau Jane gegründete Universität den Lehrbetrieb in Kalifornien. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Stanford zu einem Wachstumsfaktor für die Entstehung des nahen Silicon Valley und wuchs in den Folgejahren zu einer der forschungsstärksten amerikanischen Universitäten heran.
Foto: dpaRang 1: Harvard University
Die nach Ansicht der chinesischen Statistiker beste Uni der Welt wurde 1636 vom Prediger John Harvard im damaligen Newetowne als Ausbildungsstätte für Geistliche gegründet. Der Ort wurde zwei Jahre später in Cambridge umbenannt, nach der berühmten Universitätsstadt im englischen Mutterland. Die wissenschaftliche Erfolgsgeschichte der letzten Jahrzehnte ist eng verbunden mit der finanziellen: Die Regelstudiengebühr beträgt 52.000 Dollar pro Jahr.
Foto: dpa"Wir sehen eine große Nachfrage bei Studenten, die fehlende Praxiserfahrung nach dem Bachelor-Studium nachzuholen", sagt Jens Plinke, Chef des Employer Brandings beim Düsseldorfer Chemiekonzern Henkel. "Bei Bewerbern mit Anfang 20 stellt sich ja sowieso die Frage, ob sie nicht noch ein wenig reifer und erfahrener werden sollten."
Starker Wunsch nach mehr Praxis
Deshalb hat Henkel mit der Unternehmensberatung McKinsey, dem Versicherungskonzern Allianz und dem Medienunternehmen Bertelsmann die Initiative Gap Year ins Leben gerufen, die am ersten Oktober in die zweite Runde geht. Wer sich dort erfolgreich bewirbt, bekommt nach dem Bachelor-Studium die Chance auf bis zu drei hochkarätige Praktika bei den vier Unternehmen.
In Gesprächen mit Studenten habe er gemerkt, wie stark der Wunsch nach mehr Praxis bei den jungen Leuten ist, sagt Thomas Fritz, Recruiting-Chef bei McKinsey. Warum sie dann nicht ein Jahr Pause machten, wollte er wissen. "Die Frage hat viele erst einmal erstaunt. Von selbst haben viele sich nicht getraut", sagt Fritz.
Also halfen die Berater ihren potenziellen Top-Talenten auf die Sprünge – und im Herbst 2011 war die Idee geboren. Die drei Partnerunternehmen waren schnell begeistert, das Programm im Januar 2012 fertig, der Startschuss erfolgte im Sommer. Mehr als 800 Studenten bewarben sich – Laurens Schröder, BWL-Absolvent von der privaten WHU-Hochschule in Vallendar, ist einer der ersten, die genommen wurden. Bei der Allianz hat er gerade in einem Marketingprojekt Ansätze entwickelt, um die Kunden zufriedener zu machen. Für ein dreimonatiges Praktikum inklusive eigenem Projekt hätte er während des Studiums keine Zeit gehabt.
"Ich habe einen guten, tiefen Einblick bekommen und hatte eine viel größere Verantwortung als in Praktika zuvor", sagt der 22-Jährige. Jetzt wechselt er zu Henkel und freut sich auf weitere drei Monate in der Asien-Pazifik-Zentrale des Konzerns in Shanghai.
Unternehmen müssen die Initiative ergreifen
Hinter dem Programm steckt Kalkül: Die Unternehmen können so schon früh die besten Leute anlocken und an sich binden – denn der Kampf um die Top-Leute wird künftig nicht leichter. So sehen Unternehmen in Deutschland laut einer aktuellen Umfrage der Online-Stellenbörse monster.de unter 1000 Personalverantwortlichen inzwischen den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel als größte Einflussfaktoren bei der Personalsuche an. Und weil das Gros der Studenten ohne praktische Erfahrung ins Berufsleben einsteigt, müssen die Unternehmen selbst die Initiative ergreifen.
"Früher hatte man viel mehr Möglichkeiten, schon während des Studiums praxisrelevante Erfahrung zu sammeln", sagt Thomas Fuchs. Persönlichkeitsentwicklung und berufliche Perspektiven kämen heute zu kurz. "Nach der Bologna-Reform waren manche praxisunerfahrene Bachelor-Absolventen zu weniger zu gebrauchen als Azubis."
Fuchs hat vor 17 Jahren das Karrierenetzwerk QX Quarterly Crossing gegründet – ein exklusiver Zusammenschluss von Top-Leuten vom Studenten bis zum Vorstandsmitglied. Mehr als 1800 Mitglieder haben sich ihm angeschlossen, jedes Jahr kommen rund 50 Studenten nach. Aufgenommen werden nur die Besten. Doch auch die beklagten den Mangel an Möglichkeiten, sich schon während des Studiums praxisorientiert aufs Berufsleben vorzubereiten.
Ein gutes Netzwerk ist viel Wert
Fuchs reagierte darauf im Juni 2012 mit einer E-Mail, schrieb rund 700 Führungskräfte aus seinem Netzwerk an: "Wir vermitteln euch unsere besten Studenten, wenn ihr sie unter eure Fittiche nehmt." Kurzer Dienstweg, direkter Kontakt zu Top-Managern, keine aufwendigen Recruiting-Prozesse. Innerhalb von 48 Stunden quoll Fuchs’ Postfach über. Kurz darauf konnte er rund 180 konkrete Projekte in Unternehmen zusammenstellen, in denen Platz für Praktikanten an der Seite von Entscheidern ist – bei der Strategieberatung Boston Consulting in Dubai, beim Turbinenhersteller Rolls-Royce in Singapur, in der Geschäftsführung des E-Commerce-Startups just book in Köln, bei Banken, Luxusgüterherstellern, in der Automobilbranche.
Eine Vielfalt wie gemacht für David Tang. Vor fünf Jahren begann der 24-Jährige sein Bachelor-Studium der Physikalischen Technik in München – und seine Modelkarriere. Sechs Semester Ingenieur-Studium in München, immer wieder unterbrochen von zwei bis drei Monaten modeln in Brasilien, Singapur, China, zum Schluss ein Auslandssemester im australischen Queensland. Und ständig die Frage, wohin ihn das alles mal führt. Zehn Monate lang bereiste er nach dem Studium die Welt als Fotomodell, nebenbei lernte er Portugiesisch. "Ich war in einer Phase, in der ich nicht mehr genau wusste, was ich machen will", sagt er.
Nun weiß er es besser: Er will ins Management – und hat den Start seines Master-Studiums kurzerhand noch ein weiteres Jahr verschoben. Statt für Klausuren zu lernen, sitzt er jetzt in Shanghai und entwickelt das Geschäftsmodell des chinesischen Online-Versandhandels Muyingzhijia.com weiter, Seite an Seite mit den Hauptinvestoren Philipp Georgi und Ekkehard Rathgeber, früheren Managern von Axel Springer und Bertelsmann. "Ich erlebe gerade eine gigantische Lernkurve", sagt Tang.
Es geht aber auch ohne Netzwerk
Die setzt er fort: Mitte November zieht Tang weiter zu Porsche Consulting nach São Paulo, ab April 2013 folgt ein drittes Praktikum im Management der Post-Tochter DHL. "Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, was einen nach dem Studium erwartet", sagt er. Wenn er im kommenden Oktober an der TU München seinen Master in Wirtschaftsingenieurwesen beginnt, wird er es besser wissen als viele Kommilitonen. Und eins ist sicher: Es wird kein Leben in Deutschland sein.
Inès Olbrisch schaffte es auch ohne Karrierenetzwerk. Die 23-jährige Ingenieurin hat vor wenigen Wochen ihre Bachelor-Arbeit eingereicht. Bis dahin studierte sie dual, wechselte stets zwischen Hörsaal an der Krefelder Hochschule Niederrhein und der Fabrikhalle in der Kunststofftechnik bei Bayer in Dormagen. Alles lief nach Plan, jetzt könnte sie einsteigen. Ein Angebot für eine Vollzeitstelle lehnte sie aber ab.
Vielfältige Bereiche kennenlernen
"Im dualen Studium hatte ich so wenig Zeit für anderes als Arbeit und Hochschule. Ich brauche jetzt einfach eine Pause", sagt sie. Bis November gönnt sie sich Ruhe, dann zieht sie nach München und macht ein längeres Praktikum bei einem ortsansässigen Kunststoffspezialisten. Bevor sie im kommenden Sommersemester mit dem Master-Studium, Schwerpunkt Kunststofftechnik, an der Universität Paderborn beginnt, will sie neue Abläufe und neue Leute kennenlernen. "Denn gerade im Maschinenbau sind die Bereiche so vielfältig, da würde ich ohne weitere Praktika vieles gar nicht sehen."
Teilzeit-Kadett Rantzau kann das nur bestätigen. Seit September studiert er wieder, in Peking und London, Master Internationale Beziehungen. Was die in der Praxis bedeuten, weiß er durch sein Gap Year ganz genau. "Das Gesicht des Welthandels", sagt er, "habe ich in den letzten Monaten schon gesehen."