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Aktionärsstruktur Ausländische Investoren bauen ihre Dominanz bei Dax-Konzernen aus

Ausländische Investoren haben ihr Engagement bei den Dax-Konzernen im vergangenen Jahr nochmals gesteigert.

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Die nächsten Wochen könnten turbulent werden, befürchten einige Experten. Quelle: dpa

Düsseldorf Gut 35 Milliarden Euro werden die 30 Dax-Konzerne in diesem Jahr ihren Aktionären überweisen, die meisten jetzt im April und Mai, wenn Daimler & Co zur Hauptversammlung laden.

Doch deutsche Sparer und Anleger haben davon wenig. Sie kennen und nutzen zwar gerne Nivea, Persil, Aspirin und fahren gerne Golf und Mercedes – doch die Mitsprache und Gewinnausschüttung bei den erfolgreichen Herstellern dieser Produkte überlassen sie gerne und sogar immer stärker den ausländischen Anlegern.

Konkret heißt das: Ausländische Investoren haben ihr Engagement bei den Dax-Konzernen im vergangenen Jahr nochmals gesteigert: Zum Jahresende 2017 hielten sie nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY durchschnittlich 53,7 Prozent der Aktien – ein Jahr zuvor hatte der Anteil bei 52,4 Prozent gelegen. Das ist nahe dem Rekordniveau von 55 Prozent aus dem Jahr 2015.

Entsprechend profitieren ausländische Aktionäre in diesem Jahr überdurchschnittlich stark von den kräftig steigenden Dividendenausschüttungen der deutschen Top-Konzerne: Die Überweisungen an ausländische Aktionäre legen um 18 Prozent auf den Rekordwert von 19,4 Milliarden Euro zu, während sich die Dividendenzahlungen an inländische Aktionäre nur um neun Prozent auf 12,9 Milliarden Euro erhöhen.

Deutsche Aktionäre spielen eine immer kleinere Rolle: Sie hielten zum Jahresende 35,8 Prozent der Anteile, 2016 waren es noch 37,7 Prozent. Geografisch nicht klar zuordnen lassen sich 10,5 Prozent der Aktien. Untersucht wurde die Aktionärsstruktur. Der Anteil des Kapitals, der nicht in Stamm- und Vorzugsaktien eingeteilt ist, wie bei Merck, wurde nicht berücksichtigt.

Deutsche Konzerne wie BASF, BMW, Daimler und SAP profitieren außerordentlich vom rasanten Wachstum der Weltwirtschaft. Durchschnittlich erzielen die 30 Dax-Konzerne zwei Drittel ihrer Umsätze im Ausland. Weil 2017 mit Amerika, Asien und Europa alle drei Großregionen gleichzeitig stark gewachsen sind, fuhren die Unternehmen mit über 90 Milliarden Euro den höchsten Nettogewinn in der deutschen Wirtschaftsgeschichte ein. „Aufgrund ihres weltweiten Erfolgs liegt es nahe, dass das Interesse ausländischer Investoren an Deutschlands Top-Unternehmen weiter steigt“, urteilt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY.

Bei Adidas – gemessen am Kursgewinn einem der erfolgreichsten Dax-Konzerne der vergangenen Jahre –, Bayer, der Deutschen Börse, Infineon und Linde sind mehr als 70 Prozent der Aktien in ausländischer Hand. Neun Unternehmen sind zu mindestens 50 Prozent im Besitz ausländischer Aktionäre.

Der Einstieg von Li Shufu, dem Präsidenten des chinesischen Autokonzerns Geely, im Februar bei Daimler ist in der Analyse nicht berücksichtigt. Dabei gingen knapp zehn Prozent der Aktien in chinesische Hand über. Außer bei Daimler sind chinesische Investoren derzeit nur bei der Deutschen Bank in nennenswertem Umfang engagiert: Der Mischkonzern HNA hält über den Vermögensverwalter C-Quadrat etwa acht Prozent der Anteile.

Den geringsten Anteil ausländischer Aktionäre weisen Henkel und Covestro mit 26 und 29 Prozent aus. Grund dafür sind Ankeraktionäre: Die Henkel-Familie hält über 50 Prozent der Anteile am Düsseldorfer Markenkonzern, an der Bayer-Ausgliederung Covestro hält der Pharmakonzern noch 14 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil ausländischer Investoren bei 17 Dax-Konzernen. Besonders stark zugelegt hat er bei Thyssen-Krupp, Linde und der Commerzbank.

Immer mehr ausländische Anleger – das liegt im Trend, wie der Mehrjahresvergleich zeigt. Bei den 22 Unternehmen, von denen vergleichbare Angaben für das Jahr 2005 vorliegen, stieg der Anteil ausländischer Anteilseigner von durchschnittlich 45 Prozent im Jahr 2005 auf nun 57 Prozent im Geschäftsjahr 2017.

Anleger aus dem europäischen Ausland sind mit 28 Prozent besonders stark an den deutschen Großkonzernen engagiert. Nordamerikanische Investoren halten knapp 21 Prozent. Der Großteil befindet sich bei institutionellen Anlegern. Dazu zählen Pensions- und Investmentfonds, Versicherungen oder Kreditinstitute: Sie halten im Schnitt mehr als sechs von zehn Aktien (63 Prozent) und spielen bei der Deutschen Börse (93 Prozent), Infineon (90 Prozent) und Bayer (88 Prozent) eine besonders große Rolle.

Privatanleger haben nur eine geringe Bedeutung. Sie halten im Durchschnitt elf Prozent der Aktien – am stärksten sind sie bei der Lufthansa (47 Prozent) und BASF (29 Prozent) engagiert. Strategische Investoren wie Familien oder Unternehmen halten durchschnittlich zwölf Prozent der Aktien und sind vor allem bei Continental (46 Prozent) und BMW (43 Prozent) stark vertreten.

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