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Börsen-Hype Gamestop- und Bitcoin-Hype beschert deutschen Brokern Boom

Angetrieben von dem Hype um Gamestop oder die Kryptowährung Bitcoin profitieren Deutsche Brokerhäuser. Bei ihnen vervielfachte sich nicht nur das Geschäft, sondern auch der Aktienkurs. Quelle: REUTERS

Langeweile im Lockdown treibt viele junge Menschen an die Börsen statt aufs Sofa um Netflix zu schauen. Davon profitierten nun auch deutsche Brokerhäuser. Ein langfristiger Trend?

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Börse statt Netflix: Die Coronavirus-Pandemie beschert vielen Menschen zusätzliche freie Zeit und immer mehr vertreiben sich diese mit Kursspekulationen statt mit einem Serien-Marathon. Angetrieben von dem Hype um den US-Videospielehändler Gamestop oder die Kryptowährung Bitcoin rennen selbst die traditionell börsenskeptischen Deutschen Brokerhäusern die Türen ein. Bei denen vervielfachte sich nicht nur das Geschäft, sondern auch der Aktienkurs.

„So einen Boom haben wir seit dem Ende der 1990er Jahre nicht gesehen“, sagen Roger Peeters und Christoph Frank, Partner bei der Beratungsfirma pfp. Es gebe hierzulande einige Banken, Brokerhäuser und Betreiber von Handelsplattformen, die von dem Börsen-Interesse profitierten. „Die entscheidende Frage ist: Wie nachhaltig ist diese Entwicklung?“

Portfolio-Manager Michele Pedroni vom Vermögensverwalter Decalia geht davon aus, dass einige dieser neuen Kunden den Brokern langfristig erhalten bleiben. Davon werde langfristig auch die Deutsche Börse profitieren, sind sich die Experten der Bank Credit Suisse sicher. Sie stuften die Titel des Betreibers der wichtigsten deutschen Handelsplattform Xetra daher auf „Outperform“ hoch.

Gewinne sprudeln und Aktienkurse explodieren

Das Brokerhaus Lang & Schwarz verfünffachte seinen Jahresüberschuss 2020 nahezu auf knapp 31 Millionen Euro. Im Januar 2021 seien sechs Millionen Aufträge abgewickelt worden, so viel wie noch nie und mehr als im gesamten Jahr 2019. Parallel dazu hat sich der Aktienkurs des Unternehmens im Vergleich zu den Tiefs vom März 2020, als der Ausbruch der Coronavirus-Pandemie die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt hatte, mehr als verzehnfacht.

Auch Tradegate meldet für Januar neue Rekorde bei den Transaktionen. Befeuert werde dieser Boom offenbar von jüngeren Kunden, die über Online-Broker an steigenden Märkten partizipieren oder in spekulativen und volatilen Nebenwerten Handelsgewinne erzielen wollten, teilt die Handelsplattform mit. Tradegate-Aktien legten in den vergangenen Monaten rund 400 Prozent zu. Konkurrenten wie Sino oder die Baader Bank kommen im gleichen Zeitraum auf Kursgewinne von teilweise mehr als 600 Prozent.

Pandemie als Börsenboom-Verstärker

Wegen der Beschränkungen des öffentlichen Lebens haben viele Menschen nicht nur mehr Zeit, um sich mit Dingen wie der Börse zu beschäftigen. Sie haben teilweise auch Geld übrig, das sie nicht für andere Aktivitäten wie Urlaube ausgegeben haben. Da Sparbücher wegen der Nullzins-Politik der Notenbanken nichts abwerfen, wenden sich die Leute vermehrt der Börse zu. Neue Handels-Apps für Smartphones, deren Anbieter mit geringen Transaktionskosten werben, erleichtern den oft jungen Neulingen den Einstieg.

Zusätzliches Interesse weckten in den vergangenen Wochen die Kurs-Kapriolen von Gamestop. Dort hatten sich meist jüngere Kleinanleger in Internet-Foren zu konzertierten Käufen der Aktie verabredet und milliardenschwere Hedgefonds zur Auflösung ihrer Wetten auf einen Verfall der Papiere gezwungen. Einige dieser Vermögensverwalter brachte das an den Rand des Ruins. Gleichzeitig kamen die Handelssysteme von Brokern wie Trade Republic an ihre Grenzen.

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Auch bei Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum stieg so mancher Otto Normalanleger ein. Befeuert wurde die Rally unter anderem durch ermutigende Tweets von Elon Musk. Der Tesla-Chef und reichste Mann der Welt wird von vielen seiner Twitter-Follower als Börsen-Guru und „Papa Musk“ verehrt. Der Elektroauto-Bauer Tesla hat nach eigenen Angaben rund 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin gesteckt.

Mehr zum Thema: Haben sich Silicon Valley und Wall Street verbündet, um Kleinanlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen und sie noch zu verhöhnen? Spannender Stoff vor dem US-Parlamentsausschuss für Finanzdienstleistungen.

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