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Riedls Dax-Radar Die Hoffnung auf eine weltweite Aktienrally wächst

New York Stock Exchange Quelle: imago

Nach vier schwachen Wochen beflügelt die Aussicht auf ein Ende des Handelsstreits zwischen USA und China die Kurse. Die Chancen steigen, dass die Weltbörsen ihren großen Aufwärtstrend verteidigen.

Die wichtigste Nachricht für Börsianer ist derzeit die Aussicht auf ein Handelsabkommen zwischen den USA und China. Womöglich kommt es noch bis Ende des Monats zu einer Vereinbarung. US-Präsident Trump geht dabei taktisch vor wie bei seinen anderen großen Auseinandersetzungen – mit Nordkorea oder im Handelsstreit mit Kanada und Mexiko: Erst Konfrontation aufbauen und alle Parteien verunsichern, um dann die Bedingungen zu diktieren und sich als Retter darzustellen. Wahrscheinlich hat Trump auch gemerkt, dass seine rüde Handelspolitik für US-Unternehmen nachteilig geworden ist.

Die Aussicht auf einen Handelskrieg war in den vergangenen Monaten eine wirtschaftliche Hauptsorge. Die Rückwirkungen auf die großen Volkswirtschaften China und USA wurden für die Anlagemärkte immer gefährlicher. Besonders schwer waren die Kursverluste chinesischer Aktien.

Für die deutsche Wirtschaft, vor allem die international operierenden Dax-Werte, ist eine starke chinesische Wirtschaft und ein florierender Welthandel essentiell. Sollte nun mit einem Abkommen zwischen China und den USA der Grundstein für einen verträglichen Außenhandel gelegt werden, wäre das eine fundamentale Stütze für den großen Börsentrend.

Jubel im Dow Jones

Wie das auf die Anlagemärkte wirkt, zeigt sich besonders am Dow Jones, der wichtigsten Börsenkurve weltweit. Im Zuge der Entspannung hat sich der Dow wieder über die wichtige Marke von 25.000 Punkten und die (bei 25.129 Punkten) verlaufende 200-Tage-Linie gerettet. Das ist zwar noch keine endgültige Entwarnung, aber ein wichtiger Schritt zu einem möglichen positiven Szenario.

Die Entscheidung darüber wird die nächsten Monate in Anspruch nehmen. Vor allem müssen die Märkte dabei die divergierenden Entwicklungen einzelner Unternehmen verarbeiten. Derzeit gerät sogar Ikone Apple ins Wanken. Trotz zuletzt guter Geschäftszahlen sind die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft verhalten. Zudem will Apple in Zukunft weniger Einzelheiten zum Geräteabsatz veröffentlichen. Dass Apple-Aktien kurzfristig unter solchen Aussichten leiden, verwundert nicht. Allerdings ist der Kurs in den vergangenen Monaten so gut gelaufen, dass ein vorübergehender Rücksetzer kein Problem ist. Spätestens im Bereich 180 bis 200 Dollar sollte sich die Aktie wieder stabilisieren.

Intel schürt Hoffnungen, die Deutsche Bank als Objekt für Spekulanten

Auf der anderen Seite gibt es Anzeichen, dass sich eine Branche erholt, die in den vergangenen Wochen schwer unter die Räder gekommen war: die Chipaktien. Reihenweise haben Hersteller und Zulieferer ihre Prognosen gekappt. Nur Intel nicht, die Nummer eins der Branche; hier wurde die Projektion sogar heraufgesetzt. Gut für Anleger: Selbst wenn sich die Chip-Unternehmen zunächst unterschiedlich entwickeln, haben die Aktien durch die Korrektur der vergangenen Monate ein günstiges Niveau erreicht. Für schwache Aktien sind die Restrisiken überschaubar geworden, starke wie Intel könnten sich durchsetzen.

Im Dax geht es um Infineon. Als Chiphersteller und Autozulieferer ist das Unternehmen doppelt betroffen. Nun könnte es von beiden Seiten eine Erholung geben: Sollte sich die weltweite Konjunktur nicht wie erwartet eintrüben, wäre das ein großer Vorteil für die Halbleiterhersteller, deren Produkte in immer mehr Branchen eine Rolle spielen.

Auch aus der Autobranche könnten bald wieder bessere Nachrichten kommen, nachdem sich die Meldungen in den vergangenen Monaten nur auf Abgase, Absprachen und Absatzprobleme konzentriert haben. Ein heißer Kandidat wird dann Daimler. Hier dürfte mit dem neuen Chef auch eine neue Strategie präsentiert werden.

Die spannendsten Aktien der Woche

Merck und Telekom stabil

Stabil im Dax ist Pharma- und Chemiekonzern Merck. Hier mehren sich die Anzeichen, dass nach langer Durststrecke die Ergebniswende bis nächstes Jahre gelingen könnte. Zuletzt halfen mehrere Hochstufungen dem Kurs auf die Sprünge.

Gut hält sich die Deutsche Telekom. Sie profitiert besonders von der erfolgreichen Entwicklung ihrer mobilen US-Tochter. Am 8. November kommen neue Zahlen. Der Quartalsumsatz dürfte knapp 19 Milliarden Euro erreicht haben, eine stabile Entwicklung. Die Telekom bleibt ein defensiver Depotbaustein.

Bei der Deutschen Bank wird die Meldung gefeiert, dass ein Hedgefonds als neuer Großaktionär an Bord sei. „Großaktionär“ ist bei drei Prozent Anteil reichlich übertrieben; Anteilspakete von Finanzinvestoren an deutschen Unternehmen im Bereich von drei bis fünf Prozent gibt es zu hunderten. Dass der neue Aktionär die inneren Werte der Deutschen Bank preist, ist nichts anderes als Trommeln für das eigene Investment. Am Abwärtstrend der Aktie hat sich bisher nichts geändert. Dazu müsste sich der Kurs erst durch die Zone zwischen 10 bis 11 Euro nach oben hindurcharbeiten. Die Aktie der Deutschen Bank bleibt ein Fall für nervenstarke Turnaround-Spezialisten.

Einen substanziellen Rückschlag muss RWE verdauen. Das Debakel um den Hambacher Forst hat die Kurserholung der vergangenen zwei Jahre jäh abgebrochen. Nun muss sich die Aktie erst wieder neu einpendeln, wahrscheinlich in der Zone 18 bis 15 Euro.

Zwischenerholung mit Risiken

Fazit für den Dax: Dank der Stabilisierung in New York läuft an den Börsen eine Zwischenerholung. Sie sollte den Dax zumindest wieder bis in den Bereich 11.700 bis 11.800 Punkte bringen. Mittelfristig zeigt die Tendenz weiterhin abwärts. Die 200-Tage-Linie, die im August nach unten gedreht hat, verläuft derzeit bei 12.427 Punkten. Das heißt: Selbst wenn sich am Gesamtmarkt wieder ein positives Szenario durchsetzen sollte, wird der Dax dazu mehrere Monate benötigen.

Um einen tragfähigen Kursboden zu bilden, muss der Dax mindestens noch einmal eine Tiefspitze bilden; ähnlich wie in der zweiten Oktoberhälfte bei 11.000 Punkten. Die Gefahr, dass der Dax dabei in Richtung 10.000 Punkte abrutscht, ist noch nicht vom Tisch.

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