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Riedls Dax-RadarSoros oder Buffett – wer gewinnt die Trump-Wette?

Die Strategien großer Investoren wie George Soros oder Warren Buffett geben wertvolle Hinweise, wie Anleger mit den aktuellen Börsenrisiken umgehen können. Das können sich auch Dax-Anleger zunutze machen.Anton Riedl 17.02.2017 - 13:19 Uhr

George Soros hält die hohe Unsicherheit, die Trump für die Börse darstellt, für ein Risiko.

Foto: REUTERS

George Soros wettet mit mehr als einer halben Milliarde Dollar auf das Scheitern Trumps. Er setzt darauf, dass sich früher oder später die Realitäten an der Börse wieder durchsetzen – und die sehen in seinen Augen düster aus. Vor allem die hohe Unsicherheit, die Trump für die Börse darstellt, ist für Soros ein Risiko.

Warren Buffett sieht das offensichtlich anders. Er hat nicht nur seine Bestände im größten Aktienunternehmen der Welt aufgestockt, in Apple. Sein Engagement in Eisenbahnaktien passt genau in die neue Politik Trumps.

Soros hat eine große Abneigung gegen Trump, und dies ist ein entscheidender Grund für seine Transaktion. Schon einmal, vergangenen Sommer, startete er eine Short-Spekulation auf amerikanische Aktien, die ihm dann in der Trump-Hausse vom November schwere Verluste bescherte.

Bei ihren Preisforderungen würden die Medikamenten-Hersteller „über Leichen gehen“, sagte der designierte US-Präsident Donald Trump auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Namen nannte er nicht. Etliche Unternehmen dürfen sich dennoch angesprochen fühlen:

Foto: AP

Mylan

Der US-Konzern Mylan erhöhte den Preis für seine Allergiespritze EpiPen von 100 auf 600 Dollar. EpiPen ist ein lebenswichtiges Medikament, das im Notfall sofort verabreicht werden muss. Die Herstellungskosten dürften sich auf wenige Dollar belaufen.

Foto: AP

Gilead

Das amerikanische Biotech-Unternehmen Gilead verlangt für die Drei-Monats-Packung seines Mittels Epclusa gegen Hepatitis C insgesamt 74.760 Dollar. Allerdings ist das Mittel in der Lage, Hepatitis C tatsächlich zu heilen. Das Vorgängermedikament Sovaldi erlangte schon Preis-Berühmtheit: 1000 Dollar kostete die Einnahme einer einzigen Pille.

Foto: AP

Bayer und Roche

Auch europäische Hersteller könnten in das Visier von Trump geraten. Für Krebsmedikamente verlangen Hersteller wie Bayer oder Roche aus der Schweiz  oft mehrere tausend Euro pro Monat. Nexavar von Bayer verlängert das Überleben von Nierenkrebspatienten im Schnitt um 2,8 Monate. Mit Tarceva gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs können Patienten im Schnitt 14 Tage länger leben.

Foto: dpa

Turing Pharmaceuticals

Zur Hassfigur wurde vor gut einem Jahr Martin Shkreli, dessen Unternehmen Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim kaufte und den Preis von 13,50 auf 750 Dollar pro Pille anhob – eine Erhöhung um 5555 Prozent. Daraprim hilft unter anderem Aids-Patienten – für viele war das Medikament damit unerschwinglich geworden. Nach einem Shitstorm gelobte Shkreli jedoch, den Preis wieder zu senken.

Foto: AP

Buffett hingegen, der Trump auch nicht mag, trennt zwischen Emotionen und Geschäft. Dabei fährt Buffett mehrgleisig. Apple ist ja keine typische Trump-Aktie, sondern eine, die mit oder ohne Trump derzeit gute Anlagechancen bietet. Und auch andere Aktien wie seine geliebten Eisenbahnen oder seine Ölwerte hat Buffett nicht wegen Trump gekauft, sondern weil er zum einen mit einem steigenden Transportbedarf rechnet und zum anderen Ölwerte für ihn gute Dividendenlieferanten sind.

Buffett nutzt das positive Trump-Umfeld für seine Anlageentscheidungen, die er ohne Trump wahrscheinlich ähnlich treffen würde. Trump ist für Buffett nur ein Beschleuniger, der ihm etwas mehr Gewinn einbringt, der ihn aber nicht bei seinen grundlegenden Trendentscheidungen beeinflusst. Buffett profitiert von der aktuellen Trump-Hysterie, ist aber nicht abhängig von ihr – und hat einen Sicherheitspuffer, auch wenn Trump scheitern sollte.

HeidelbergCement und BMW – Aktien als Spielball von Trump

Die Strategie von Buffett kann man auf den Dax übertragen. Ein typischer Trump-Wert war bisher HeidelbergCement. Über mehrere Wochen wurde spekuliert, dass die Heidelberger über ihre Tochtergesellschaften in Nordamerika ein Gewinner der Infrastrukturprojekte seien, vor allem des geplanten Mauerbaus an der mexikanischen Grenze.

Nun aber ist keineswegs sicher, inwieweit nichtamerikanische Unternehmen bei diesen Projekten bedacht werden. Bei HeidelbergCement macht sich Ernüchterung breit, die – gemeinsam mit den zuletzt weniger guten Zahlen – den Aktienkurs erst einmal dämpft.

Auf der anderen Seite gilt BMW als Opfer Trumps, weil die Bayern ausgerechnet in Mexiko ein neues Werk bauen, das ab 2019 produzieren soll. Käme es zu hohen Strafzöllen bei der Einfuhr in die USA, wäre das ohne Frage ein Nachteil für BMW. Derzeit spielen die Münchener durch, wie sie in diesem Fall die Produktionsströme verteilen könnten. Da sie in den USA selbst mit ihrem größten Autowerk Spartanburg vertreten sind und hier 8000 Mitarbeiter beschäftigen, haben sie einen Trumpf in der Hand.

Natürlich können BMW-Aktien durch die aktuelle Unsicherheit um Trump zunächst weiter belastet werden. Da sie aber jetzt schon zu den günstigsten Blue Chips weltweit gehören, sind die Kursrisiken begrenzt.

US-Präsident und die Märkte

Dollar und Dax haben den Trump-Blues

Der designierte US-Präsident Donald Trump bleibt Details zum Konjunkturprogramm bei seiner Pressekonferenz schuldig. Die Aktienmärkte reagieren verunsichert, der sichere Hafen Gold steigt auf ein Acht-Wochen-Hoch.

Im Juli und August gab es im Dax eine Reihe wichtiger Kaufsignale. Schon vor der überraschenden Wahl Trumps hatte der Dax den seit Herbst 2015 bestehenden Abwärtstrend und die 200-Tage-Linie überwunden, durch ansteigende Tiefspitzen Stärke signalisiert und damit nach klassischer Lesart den Aufwärtstrend eingeschlagen. Ganz im Sinne Buffetts wirkte Trump danach als Trendbeschleuniger, durch den dann im November die Hausse in Gang kam.

Risiko von 1000 Dax-Punkten

Für den Gesamtmarkt ist das eine beruhigende Erkenntnis. Denn sie bedeutet eigentlich, dass der Markt im großen Aufwärtstrend bleiben dürfte, egal, ob Trump nun scheitert oder nicht.

Natürlich, sollte es in Amerika zu einer plötzlichen politischen Umwälzung kommen, wären heftige Ausschläge an den Börsen die Folge, wahrscheinlich von ähnlicher Volatilität wie im November. So gesehen könnte man dieses Risiko auf rund 1000 Dax-Punkte taxieren.

In diesem Fall wäre der Dax etwa auf das Ausbruchsniveau vom vergangenen Herbst zurückgeworfen, das bei 10.800 Punkten lag. Er wäre dann immer noch innerhalb des großen Aufwärtstrendkanals, der Anfang 2016 begonnen hat und an dessen oberen Rand er aktuell angestoßen ist.

Für die Entwicklung der nächsten Tage wäre es von Vorteil, wenn der Dax nicht unter das Niveau von 11.500 rutscht. Dann hat er weiterhin die Chance, bis ins Frühjahr auf das alte Hoch bei 12.400 zu klettern – oder sogar noch ein paar hundert Punkte höher. Sollten 11.500 jedoch nicht halten, wäre eine mehrwöchige Abwärtsbewegung wahrscheinlich.

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