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Riedls Dax-Radar
SAP und USA stützen Dax Quelle: Nico Kurth für WirtschaftsWoche

Von der Crash-Angst zur Jahresendrally

Gute Geschäftszahlen aus den USA und von führenden Unternehmen wie SAP hierzulande stützen den Dax. Bleibt es bei dem bisher schrittweisen Zinsanstieg, können Aktien in den nächsten Wochen sogar in neue Höhen vorstoßen. 

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Als erstes und eines der wichtigsten Unternehmen im Dax liefert SAP für die anstehende Zahlensaison gleich eine doppelt gute Vorlage: Erst einmal sind die Ergebnisse der Softwareschmiede schlichtweg gut. Das Cloudwachstum, das neue Kerngeschäft der Walldorfer, kommt besser voran als erwartet. Zugleich fällt der Rückgang im klassischen Lizenzgeschäft weniger heftig aus, als befürchtet. Die Ziele für Umsatz und Ergebnis werden angehoben. 

Zweiter Vorteil: Nach Bekanntgabe der Zahlen ist es in der SAP-Aktie zum stärksten kurzfristigen Anstieg seit einem Jahr gekommen. Diese positive Kursreaktion zeigt, dass der Markt der führenden deutschen Technologieaktie nicht überzogen oder sogar heiß gelaufen ist, sondern eher Nachholbedarf hat. Es ist gut möglich, dass nun nach mehreren, positiven Überraschungen die bisher zurückhaltenden Gewinnschätzungen der Banken zu SAP heraufgesetzt werden. SAP-Aktien sind zwar im Vergleich zu anderen großen Softwareherstellern wie Oracle oder Microsoft nicht mehr billig. Doch verglichen mit reinen Cloudspezialisten wie Salesforce haben sie durchaus noch Luft. 

Durch die starke Erholung der vergangenen Tage haben SAP-Aktien genau auf der steigenden 200-Tagelinie nach oben gedreht. Die letzten beiden Male, als es im Kursbild eine solche Konstellation gab (Oktober 2019, Juni 2020), kam es danach zu einem mehrmonatigen, deutlichen Anstieg. SAP-Aktien sollten kurzfristig die nächste Widerstandszone um 130 Euro anlaufen und mittelfristig dann die alten Hochs um 140 Euro testen. 

Während hierzulande die Zahlensaison nun beginnt und im Dax mit der Deutschen Börse AG und Neuling Sartorius weitergeht, ist sie in den USA schon in vollem Lauf. Vor allem die großen Banken JP Morgan, Citigroup, Bank of America, Wells Fargo oder Morgan Stanley melden deutliche Ergebnisverbesserungen. Hintergründe sind die anziehende Konjunktur, geringere Risikovorsorge und ein starkes Investmentbanking. Die Aktien amerikanischer Finanzhäuser befinden sich in langfristig starken und dynamischen Aufwärtsbewegungen. 

Auch wenn im Dax Großbanken keine wesentliche Rolle mehr spielen (eine Besonderheit des deutschen Aktienmarktes im Gegensatz zum Euro Stoxx oder zur US-Börse), sollte auch die Deutsche Bank in dem zuletzt deutlich freundlicheren Umfeld nicht schlecht abgeschnitten haben. Offiziell sind die Zahlen für den 27. Oktober angekündigt. Da die Aktie der Deutschen Bank im Vergleich zu ihren europäischen Konkurrenten unterbewertet ist, könnte schon ein mittelgutes Ergebnis zu einer positiven Kursreaktion führen. 

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    Geht es nach dem strategischen Fahrplan der Bank, soll immerhin bis nächstes Frühjahr die Sanierungsphase abgeschlossen sein und dann eine neue Phase des Wachstums beginnen. Kurstechnisch wäre ein Anstieg über den langfristigen Abwärtstrend, der aktuell bei etwa 12 Euro verläuft, ein starkes Signal. Mehr noch: Dieser Abwärtstrend reicht genau zurück bis zum Jahr 2007, also der letzten Kursspitze vor der Finanzkrise. So gesehen könnte es bei der Deutschen Bank sowohl im Aktienkurs wie auch in der großen strategischen Entwicklung 2021/2022 dazu kommen, die langen und schmerzhaften Folgen der Finanzkrise endgültig zu überwinden. Für den Geschäftsverlauf der Bank und den Kurs der Aktie ergäbe dies auf Jahre gesehen ein hohes Potenzial. Nach Risikoreduzierung, Kostenkontrolle und neuer Konzentration auf rentable Geschäftsfelder sind die Chancen der Deutschen Bank unter Chef Christian Sewing dabei besser als jemals seit der Finanzkrise. 

    Pharma ist gesund, die Agrarchemie fruchtbar 

    Zu den Hoffnungsträgern im Dax gehört Bayer. Der Niedergang der Aktie nach dem Monsanto-Debakel dauert nun schon fünf Jahre. Der nächste Quartalsbericht ist für den 9. November angesetzt. Operativ hat sich Bayer in den vergangenen Monaten gar nicht so schlecht entwickelt. Das Pharmageschäft wird durch die weltweit gute Branchenkonjunktur beflügelt, die großen Medikamente von Bayer liefern deutlich steigende Umsätze. Und die Pipeline ist für ein Pharmaunternehmen, das nicht zu den ganz großen der Branche zählt, keineswegs dünn.



    In den vergangenen Monaten kam es bei Bayer-Aktien noch einmal zu einem deutlichen Kursrückgang. Dahinter stand zum einen die Enttäuschung, dass ausgerechnet im neu ausgebauten Geschäft mit Agrarchemie die Erträge magerer ausfielen. Allerdings: Bayer wurde hier zum Opfer der lange vorherrschenden Eurostärke. Mit Monsanto hat sich Bayer einen enormen Umsatzanteil im Dollarraum und auf international wichtigen Agrarmärkten wie Südamerika eingekauft. Dementsprechend haben Währungsverluste dieses Geschäft lange Zeit belastet. Seit einigen Wochen aber zeigt der Dollar Erholungstendenzen. Zudem ziehen durch den weltweiten Rohstoffboom, der zunehmend auch auf Agrarprodukte übergreift, die verkauften Mengen bei Bayer weiter an. Unterm Strich ist das alles ein gutes Umfeld für die operativen Gewinne der Leverkusener. 

    Entscheidend für das Comeback der Aktie werden allerdings die juristischen Verhandlungen über die Altlasten des Unkrautvernichters Glyphosat, den Bayer mit Monsanto bekam. Hier könnte es bis nächstes Jahr zu einer wichtigen Entscheidung durch den Obersten Gerichtshof in den USA kommen. Fällt das Urteil für Bayer positiv aus, ist der Weg für die Aktienwende frei. Immerhin hat Bayer vor kurzem dafür extra wieder mehrere Milliarden Euro zurückgestellt um für eventuelle Belastungen, Vergleiche oder Strafen gerüstet zu sein. 

    Wenn die juristische Entscheidung für Bayer nicht mit einer völligen Katastrophe ausgeht, sollten die weiteren Folgen für den Kurs überschaubar sein. Dass sich Bayer-Aktien nach dem gefährlichen Rutsch unter die 50-Euro-Marke nun deutlich über dem Tief vom Oktober 2020 (bei 40 Euro) halten, ist ein Hoffnungszeichen. Zum Abwärtstrend der vergangenen fünf Jahre, der aktuell bei 58 Euro verläuft, ist allerdings noch reichlich Luft. So gesehen steckt die mögliche Wende der Bayer-Aktie noch in einer ziemlich frühen Entwicklungsphase, bei der Investoren weiterhin einen langen Atem brauchen.

    Fazit für den Dax: Mit 60 zu 40 wurden vor zwei Wochen die Chancen eingestuft, dass sich der Aktienmarkt nach dem schwachen Septemberschluss doch wieder erholt. Nach einem kurzen Ausflug unter die Marke von 15.000 Punkten, die sich am 6. Oktober vormittags abspielte und im Tagesverlauf wieder ausgebügelt wurde, läuft die Erholung. Wichtiger Motor dafür wären gute operative Geschäftsverläufe, wie sie von der Mehrheit der Dax-Unternehmen nun und in den nächsten Wochen ausgewiesen werden sollten. 

    Zentrales, makroökonomisches Thema bleibt die Zinsentwicklung. Angesichts hoher Inflationsraten, die derzeit besonders durch teure Energiepreise befeuert werden, wird die US-Geldpolitik langsam ihren expansiven Kurs zurücknehmen. Sowohl Aktien- wie Anleihemärkte verarbeiten dies schon seit Wochen. Dass es bei den Renditen für zehnjährige US-Anleihen nach dem schnellen Anstieg von 1,3 auf 1,6 Prozent nun seit einigen Tagen zu einer Verschnaufpause gekommen ist, hilft den Aktien. Vor allem für die bis vor kurzem gebeutelten Technologiewerte hat sich das Umfeld wieder aufgehellt. Die guten Zahlen von SAP fielen auch deshalb auf fruchtbaren Boden. Wenn sich die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen in den nächsten Wochen im Bereich zwischen 1,45 Prozent und 1,70 Prozent tendenziell aber nicht zu hektisch weiter nach oben bewegen, sollte das für die Aktien kein Problem sein.

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    Im Dax haben sich neben den Technologietiteln SAP, Infineon und Siemens zuletzt wieder die Autowerte (besonders Favorit Daimler), Dauerbrenner Linde sowie die Neulinge Symrise und Sartorius erholt. Die wieder robustere Entwicklung an den US-Börsen hilft zusätzlich. Dem Dax sollte es damit gelingen, in den nächsten Wochen weiterhin das Niveau um 15.000 Punkte zu verteidigen und sich dabei schrittweise wieder zum bisherigen Hoch um 16.000 Punkte voran zuarbeiten. Und wenn es gut läuft, könnte sich daraus sogar schon eine Jahresendrally entwickeln.

    Mehr zum Thema: Der Gesundheitsmarkt wächst, die Börsenkurse vieler Pharmariesen spiegeln das allerdings kaum wider. Für Anleger birgt das Chancen. Diese Aktien bieten solide Dividenden und gute Perspektiven auf Kursgewinne.

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