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Rohstoffe Kakao wird zum braunen Gold

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9,80 Euro für Luxus aus Südvietnam

Im Outlet-Store Smets in Strassen, am Stadtrand von Luxemburg, wabert Popmusik zwischen Schuhkartons, Kleiderständern und Achtzigerjahre-Devotionalien. Smets ist kein Schnäppchenmarkt: Trotz Rabatt kosten Schuhe von Manolo Blahnik immer noch 800 Euro. Nicht nur finanziell potent, auch schlank sollten die Kunden sein. Die eng geschnittenen Lederjacken von Dolce & Gabbana verzeihen keine Pölsterchen. Zu dumm, dass die Kunden am Eingang an der Vitrine des belgischen Chocolatiers Pierre Marcolini vorbei müssen: mit Mango gefüllte Schokotäfelchen, Karamellcreme, Macarons und Marzipan. Marcolini, dessen Familie ursprünglich aus Verona stammt, betreibt ein Franchisegeschäft im Smets.

Zahl der Termingeschäfte mit Kakao an der New Yorker Börse (zum Vergrößern bitte anklicken)

Eine Mittdreißigerin zeigt mit dem Finger auf eine silberfarbene Pappschachtel in der Vitrine: „Was genau ist das?“„Dunkle Schokolade, 75 Prozent Kakao, von einer Plantage aus Vietnam mit..., wie sagt man auf Deutsch...?“, fragt die Verkäuferin mit französischem Akzent. „...Kakaobohnensplittern“, antwortet der Begleiter der Kundin. „Wenn du so schlau bist, dann kannst du auch zahlen“, sagt die Frau im Trenchcoat. Was sich als gutes Geschäft erweist: 80 Gramm kosten 9,80 Euro. Anders jedoch als bei der billigeren Massenschokolade wissen die Käufer bei Marcolini, von welcher Farm der Kakao stammt, aus dem die Tafel gemacht ist. Im Fall Vietnam ist es die Kooperative Cho Gao aus der südlichen Provinz Tien Gang, die auf zwei Hektar Premiumkakao anbaut.

João Tavares hat den Trend zum Lifestyle-Produkt Schokolade richtig erkannt. Statt Massenware zu produzieren, konzentriert er sich auf edle Kakaosorten. Die machen zwar mehr Arbeit, bringen aber auch höhere Preise. Sein Kakao ist die Basis für Marcolinis Edelmarke Brésil.

Vom Börsenboom profitiert Tavares denn auch mehr als viele seiner Kollegen: Für seinen Edelkakao zahlen Händler derzeit einen Aufschlag von 2000 Dollar auf den Börsenpreis für Standardware, der bei 3344 Dollar liegt.

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    Wie viel Mühe er in den Kakao steckt, wird bei einem Rundgang auf seiner Farm deutlich. „Hier mache ich meinen Profit“, sagt Tavares und zeigt auf den Fermentierschuppen, wo es nach Gärung und Hefe riecht. Beim Fermentieren verlieren die Bohnen einen Teil ihrer Bitterstoffe und bekommen ihre braune Farbe. Immer wieder kontrolliert Tavares die Fermentierung, indem er 50 Bohnen penibel auf einem Brett aufschneidet, um den Reifegrad zu prüfen.

    Hinter dem Schuppen, auf dem noch das Baujahr 1945 zu sehen ist, trocknet er die Bohnen in der Sonne auf Zementboden, vor Regen geschützt durch ein Glasdach wie in einem Treibhaus. Er trocknet die Bohnen nicht über Öfen, die mit Holz beheizt werden – wie die meisten der Farmer. „Rauchspuren im Aroma bedeuten: beim Abnehmer durchgefallen“, sagt Tavares. Er kritisiert, dass die wenigsten Farmer heute noch die Sorgfalt und Geduld aufbringen würden, die es brauche, um guten Kakao herzustellen. „Die ehemals reichen Kakaobarone haben es versäumt, ihre Söhne und Töchter auf ein Leben und die Arbeit auf einer Plantage in der Provinz vorzubereiten.“

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