Zolldrohungen aus den USA: In diesen Branchen leiden die Aktienkurse
Aktienhändler arbeiten im Handelsraum der Deutschen Börse.
Foto: Boris Roessler/dpaUS-Präsident Donald Trump macht seine Zolldrohungen wahr. Neben den Nachbarstaaten Kanada und Mexiko dürfte bald auch die EU den Groll des Weißen Hauses zu spüren bekommen. Strafzölle gegen Europa „werden definitiv kommen“, wiederholte Trump erst am Sonntag seine Drohung.
Immer wieder verweist Trump auf das Handelsdefizit der USA gegenüber Europa: „Sie nehmen fast nichts, und wir nehmen alles.“ Einige Branchen wie die Autoindustrie, Lebensmittel und Landwirtschaft macht er explizit dafür verantwortlich. Das zeigt sich auch an der deutschen Börse.
Autoindustrie: Im Grenzlabyrinth
Ob VW, BMW, Continental oder Daimler Truck: Kaum ein Unternehmen der Automobilindustrie das nicht betroffen ist und dessen Aktien am Montag zum Handelsstart nicht deutlich ins Minus rutschten. Zwischen vier und sechs Prozent verloren die Papiere. Kein Wunder, denn die angekündigten Zölle von 25 Prozent gegenüber Mexiko und Kanada könnten den Absatz der Branche empfindlich treffen.
VW beispielsweise listet fünf Produktionsstandorte in Mexiko, fast so viele wie in den USA. Im kanadischen St. Thomas will der Konzern zudem eine Batteriefertigung aufbauen. Da Vorprodukte innerhalb eines Produktionszyklus auch mehrfach die Landesgrenzen überqueren können, wirken sich die von beiden Seiten angekündigten Zölle entsprechend stark aus.
Mit nach unten gezogen wurde auch der Chiphersteller Infineon, dessen Kurs ebenfalls um mehr als 3,5 Prozent nachgab. Für das Unternehmen ist die Automobilindustrie ein wichtiger Kunde. Aus Sicht der Analysten von Bloomberg könnten die Zölle die Nachfrage nach Chips in der Autoindustrie beeinträchtigen.
Chemiebranche: Leiden mit den Kunden
Auch im Chemiesektor dürften die Kursverluste zu Wochenbeginn zumindest teilweise auf die USA zurückzuführen sein. BASF und Bayer verloren am Morgen rund drei Prozent. Hier dürfte vor allem das Agrar- und Düngemittelgeschäft leiden.
Zu den Risiken auf dem US-Markt äußerte sich die BASF zuletzt abwartend: „Aktuell sind die Zollankündigungen seitens der US-Regierung noch zu vage und es ist noch zu früh, um verlässliche Aussagen bezüglich der Agrarbranche und unserer Geschäftstätigkeit zu geben“, sagte ein Sprecher. Da viele Produkte in den USA hergestellt werden, seien die Auswirkungen auf das Geschäft „voraussichtlich gering“.
Doch selbst wenn die Zölle keine direkten Auswirkungen haben sollten, sieht BASF Risiken auf der Kundenseite, also bei den US-Landwirten. Sowohl die Zölle gegenüber Mexiko, Kanada, der EU und China könnten die US-Landwirtschaft treffen als auch die Verschärfung des Fachkräftemangels durch Trumps Migrationspolitik gegenüber Mexiko.
Die Zölle gegen den südlichen Nachbarn sind bereits die zweite Eskalationsstufe, die harte Gangart gegen illegale Einwanderer seit Amtsantritt die erste. Das US-Landwirtschaftsministerium geht davon aus, dass fast die Hälfte der 850.000 Erntehelfer illegal in die USA eingereist ist. Die Angst vor Arbeitskräftemangel ist also berechtigt.
Wenn es ganz schlecht läuft, könnten der deutschen Chemieindustrie in den USA die Kunden schwinden. Grund dafür ist die schlechte finanzielle Situation der US-Farmer. Laut einer Umfrage der American Bankers Association von 2024 sehen Kreditgeber die US-Landwirtschaft bereits kritisch: Nur 58 Prozent der Schuldner werden in diesem Jahr profitabel arbeiten, im Vorjahr waren es noch 78 Prozent.
Die Karten in der Branche könnten also neu gemischt werden, glaubt man bei BASF: „Da die USA ein großer, exportorientierter Agrarmarkt sind, kann es zum Beispiel zu Änderungen in Lieferketten und Verschiebung von Absatzmärkten kommen.“
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