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Zschabers Börsenblick
Der Wert der Norwegischen Krone hängt stark vom Preis für Erdöl der Sorte Brent ab. Quelle: imago images

Norwegische Krone: Die etwas andere Ölwette

Norwegen ist für jene, die sich mit Geldanlage beschäftigen, ein besonders interessantes Land. Vor allem sein Staatsfonds ist legendär – und gerade in Coronazeiten auch für Währungsspekulationen besonders wichtig.

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Deutschland ist bei weitem kein ökonomischer Patient, den man bemitleiden müsste. Auch wenn Corona alle auf eine harte Bewährungsprobe stellt, geht es uns im internationalen Vergleich verhältnismäßig gut, die Wirtschaft ist grundsätzlich solide aufgestellt, in vielen Bereichen gehören wir zur Weltspitze. Und dennoch sind wir in einer Hinsicht äußerst arm. Arm an Rohstoffen. Es sei denn, man hielte Kies und Bausand für spektakulär.

Unter diesem Aspekt dürften wir mit Fug und Recht neidisch auf Norwegen sein. Ob Erdöl und -gas oder Eisen, Zink und Kupfer – im Boden des skandinavischen Landes schlummert fast alles, was im Periodensystem Rang und Namen hat und was sich für die Industrie und zur Energiegewinnung eignet. Der große Reichtum an diesen Rohstoffen spiegelt sich auch in einem monetären Reichtum wider. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit: Viele Länder Afrikas verfügen über hohe Vorkommen etwa an Edelmetallen – und dennoch sind sie und speziell ihre Bevölkerung bettelarm.

Norwegen beweist, dass es anders geht – nicht zuletzt auch dank eines Investmentvehikels, das seinesgleichen sucht: der norwegische Staatsfonds. Während woanders die Schuldenuhr tickt, läuft auf der Website des norwegischen Staatsfonds ein Ticker mit seinem kontinuierlich wachsenden Volumen. Ende vergangener Woche stand er bei 10,85 Billionen Norwegische Kronen. Das sind umgerechnet 988 Milliarden Euro oder 1,16 Billionen US-Dollar.

Das Konstrukt hat einen schon legendären Ruf. Was Warren Buffett als Anleger ist, ist der Statens Pensjonsfond utland, so sein Name in der Landessprache, als Fonds – seine Investmentphilosophie dient vielen Anlegern als Vorbild. Niemand trifft an der Börse immer die richtigen Entscheidungen. Doch dieser Fonds liegt sehr viel öfter richtig als daneben. Dass seit Anfang September der neue Chef des Fonds, Nicolai Tangen, früher verantwortlich für einen aktiv gemanagten Hedgefonds war, sich also mit Turbulenzen auskennt, sollte dem Fonds nicht zum Nachteil gereichen.



Die Erfolgsgeschichte des Fonds basiert auf einem unerwarteten Ölfund vor der norwegischen Küste gegen Ende der Sechzigerjahre. Der daraus resultierende Ölfonds bildet quasi den Grundstock des Staatsfonds. Und darin liegt das Besondere. Denn die Landeswährung, die Krone, ist eng mit der Entwicklung des Ölpreises verbunden. Steigt die Notierung von Öl, legt auch der Kurs der Krone zu – vice versa gilt dasselbe. Besonders deutlich wird das bei einem Vergleich der Kursverläufe des Währungspaares Norwegische Krone/Euro und der Ölsorte Brent, die zeitweise kongruent sind. Die norwegische Krone ist also, wenn man so will, eine Art Wette auf den Ölpreis.

Anders als der Ölpreis weist ein Investment in den Kronen-Kurs aber nun einen Corona-Puffer auf. Denn die Löcher, die die Corona-Pandemie bislang in Norwegens Kasse gerissen hat, sollen von einem Hilfspaket gestopft werden, das dem Staatsfonds entnommen wird. Höhe des Pakets: 40 Milliarden Euro, rund vier Prozent des Fondsvolumens. Diese Summe fließt der norwegischen Wirtschaft im Falle einer Verschärfung der Lage zu. Selbst wenn also der Ölpreis wegen der Weltkonjunktur schwächelt, wird eine Korrektur der Krone durch das Hilfspaket abgefedert.


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Der norwegische Leitindex OBX, mit dem ich mich an dieser Stelle schon im Sommer vergangenen Jahres beschäftigt hatte, ist und bleibt ein interessanter Index, selbst wenn – oder gerade weil – er anders als der Dax noch ein ordentliches Stück von seinem Vor-Corona-Niveau entfernt ist. Aber als Anleger spricht nichts dagegen – schon gar nicht aus Gründen der Diversifizierung –, sich auch einmal in einer Währung zu engagieren. Zumal wer auf eine Erholung des Ölpreises setzt, mit einem Investment in die Norwegische Krone über besagtes Staatsfonds-„Netz“ abgesichert ist. Und es klingt in jedem Fall besser als ein Investment in Kies und Bausand.

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss.

Mehr zum Thema: Weitere Wertpapiere und Fonds, die auch in der Coronakrise profitieren, finden Sie jeden Freitag in den Anlagetipps der Woche.

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