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Agrarrohstoffe Wie Anleger vom Weizenpreis profitieren

Die Dürre in den USA und Russland treiben die Preise für Agrarrohstoffe ins Unermessliche. Es droht Nahrungsmittelknappheit. Investoren können dennoch von der Preisrally bei Mais, Soja und Weizen profitieren.

Ein Sohn eines Landwirts, nimmt auf einem Weizenfeld Proben Quelle: dpa

Die USA erlebt gerade die größte Dürre seit dem Jahr 1956. Seit Mai ist der Regen vollständig ausgeblieben, weshalb große Teile der Weizen- und Maisernte ausfallen, auch die Sojaernte ist bedroht. Die Folge: Da die USA der größte Mais- und Sojaproduzent der Welt sind, ist Mais derzeit so teuer wie noch nie (acht Dollar pro Scheffel, ein Scheffel entspricht rund 24,4 Kilogramm) und auch Soja liegt mit 17,10 Dollar pro Scheffel auf Fünf-Jahres-Hoch. Auch der Getreidepreis hat derzeit mit 257,50 Euro pro Tonne den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren erreicht. Und die Situation scheint sich so schnell nicht zu verbessern:

"Eine Änderung des Wetters ist nicht absehbar", sagt Leon Leschus, Rohstoffexperte beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut. "Beim Weizen wird die Situation zusätzlich verschärft durch eine Dürre in Russland." Wie bereits im Jahr 2008 droht das Wetterphänomen El Nino die Rohstoffkrise weiter zu verschärfen. El Nino tritt in der Regel alle vier bis zwölf Jahre auf. Im Jahr 1998 starben rund 2000 Menschen an seinen Folgen. Die Schäden durch Ernteausfälle gingen damals in die Milliarden. Vor drei Jahren verzögerte El Nino den Beginn des Monsuns in Indien und trieb dadurch den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit 30 Jahren.

Bio-Ethanol lässt die Preise weiter steigen

Die Preise für die besagten Agrarrohstoffe werden nach Einschätzung von Leschus auch mittel- und langfristig eher nach oben klettern, weil die Nachfrage sich erhöht. "Die Weltbevölkerung steigt, ebenso das Risiko von Missernten durch den Klimawandel." Auch Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, sagt: "Langfristig sehen wir die Gefahr einer Verteuerung der Agrarrohstoffe." Einen wichtigen Grund für die stetig zunehmende Knappheit sieht er auch in der Produktion von Ethanol und Biodiesel, die hauptsächlich aus Mais, Zucker, Palmöl oder Sojabohnen hergestellt werden. Deshalb hat die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO den Vereinigten Staaten bereits empfohlen, die Produktion von Bio-Ethanol zu unterbrechen, um eine Hungerkatastrophe vorzubeugen. Schließlich werden rund 40 Prozent der amerikanischen Maisernte für den Biosprit verwendet.

Rohstoffaktien

Die FAO sowie diverse Nicht-Regierungsorganisationen warnen deshalb bereits vor Hungersnöten. Der von der FAO veröffentlichte Lebensmittel-Preisindex ist allein im Juli um sechs Prozent auf 213 Punkte gestiegen. Doch so bedrohlich die Situation auch ist, einige Unternehmen profitieren zumindest indirekt von der Dürre in den USA und Russland - und hier kommen Investoren ins Spiel.

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