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Geldanlage Die besten Vermögensmanager und ihre Strategien

Nullzins auf sichere Anlagen, Aktien weit oben und immer wieder Krise: Die aktuellen Märkte verlangen Profianlegern alles ab. Unser Ranking stellt die besten Vermögensmanager, ihre Strategien und Anlagefavoriten vor.

Auf der Couch: Valsangiacomo und Pesarini (rechts) haben Zehntausende verunsicherte Sparer im Nacken, deren elf Milliarden Euro sie sicher und rentabel durch das Zeitalter von Niedrigzins und Schuldenkrise bringen sollen. Quelle: Tanja Demarmels für WirtschaftsWoche

Luca Pesarini weiß, bei wem er sich bedanken muss. „Wir sind auch Krisenprofiteure“, sagt der Wahlschweizer und strahlt mit dem Schnee vor seinem Bürofenster um die Wette. „Ohne die Schuldenkrise und die Rettungsaktionen der Zentralbanken bekämen die Leute noch fünf Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld, dann würden Geldmanager wie wir bestimmt nicht derartig mit Anlegergeld überflutet.“ Von einer Flut zu sprechen, ist nicht übertrieben: Pesarini hat seit 2002 mehr als elf Milliarden Euro angelockt; damit verwaltet er mehr Kundengeld als manche Bank.

Die besten von 400 Vermögensverwaltern im Ranking

Exklusives Ranking

Bislang konnten die Kunden zufrieden sein: 25 Prozent Rendite holten Pesarini und sein Team in drei Jahren aus ihrem größten Depot, dem Mischfonds Ethna Aktiv. Zwischenzeitlich lagen die Verluste bei maximal zwei Prozent. Im Geldmanager-Ranking der WirtschaftsWoche und des Analysehauses MMD ist das die beste Leistung in der Kategorie „Ausgewogen“. Für das Ranking haben MMD-Chef Klaus-Dieter Erdmann und sein Team mehr als 1100 reale Depots von 400 Banken und Vermögensverwaltern aus dem deutschsprachigen Raum untersucht.

Die Analyse hebt aber nicht einfach den Manager mit der größten Rendite seit dem Jahresbeginn 2012 auf den Schild. Denn „derzeit laufen viele Depots gut“, sagt Erdmann. Der Dax hat gerade bei 10 911 Punkten ein neues Hoch hingelegt, so gut wie alle Aktien bringen den Verwaltern Rückenwind – viele Aktien zu kaufen ist keine Leistung an sich. „Die Erfahrung zeigt“, warnt Erdmann, „dass die Aktien-Überflieger herbe Verluste einfahren, wenn an den Börsen der Wind dreht.“

Deshalb misst das Ranking, welches Risiko die Manager eingehen, um ihre Performance zu erreichen: Hohe Schwankungen des Depotwerts und ein großer Drawdown (theoretischer Verlust, wenn Anleger ihre Depotanteile zur ungünstigsten Zeit verkauften) bringen Negativpunkte. Auf den folgenden Seiten stellen die besten Geldmanager ihre Strategien vor, nennen ihre Lieblingsaktien und -anleihen; sie erklären, wie sie trotz Negativzinsen und Krisen rentabel anlegen – und was Anleger in den kommenden Jahren zu erwarten haben.

Die beliebtesten Geldanlagen der Deutschen
Platz 6: Unternehmensanleihen6000 von 100.000 Euro würden die Deutschen noch in Unternehmensanleihen stecken, also 6 Prozent. Für die meisten Bundesbürger kommt ein solches Investment nicht infrage: 67 Prozent würden nicht ihr Geld nicht in Firmenanleihen anlegen. Quelle: imago
Mehr als die Hälfte der Befragten können sich die Anlage in Staatsanleihen nicht vorstellen: 60 Prozent lehnen dies laut Umfrage ab. Quelle: dpa
5. Platz: StaatsanleihenZu hohes Risiko: Nur 9 Prozent von 100.000 Euro würden die Deutschen in Staatsanleihen anlegen. Quelle: dpa
Knapp zwei Drittel der Deutschen lehnt dankend ab: 63 Prozent würden kein Geld in Fonds anlegen. Quelle: dpa
Platz 4: FondsFonds als Anlage erwägen nur wenige Deutsche: 10 Prozent von 100.000 Euro würden die Befragten in Fonds stecken. Quelle: dpa
Vielen Bundesbürgern sind Aktien aber zu risikoreich: 48 Prozent der Deutschen schließen die Wertpapiere als Anlage aus. Quelle: dpa
3. Platz: AktienFür Aktien haben viele Deutsche nichts übrig: 14 Prozent von 100.000 Euro würden die Befragten in Wertpapiere investieren. Quelle: dpa

Luca Pesarini, Arnoldo Valsangiacomo: Rampensau aus Wollerau

Luca Pesarini ist ein Meister der Balance von Chancen und Risiken. Und der Selbstvermarktung: Dem charismatischen Glatzkopf fliegen die Herzen der Anleger zu, man kann es so schwülstig sagen: Auf Anlegermessen wie jüngst in Mannheim füllt er mühelos 500er-Säle, darin Rentner, Zahnärzte und Ingenieure, die an seinen Lippen hängen. So mancher Entertainer kann bei Pesarini in die Lehre gehen. Interaktives Einbinden des Publikums, kleine Witze an der richtigen Stelle, Fachwissen zeigen, aber nie langweilen: Pesarini beherrscht das ganze Repertoire der Rampensau.

Welch ein Kontrast zum anderen Pesarini, dem kühlen Analysten der Firmenbilanzen und Wertpapierprospekte. Ganz nach hinten, tief hinunter an den Südzipfel des Zürichsees hat er sich verzogen, wo die Dörfer Unterägeri heißen, Samstagern und Oberägeri und sogar die Kuhställe rote Fensterläden haben. Schwyzer Voralpen: sanfte Hügel, Bimmelbahn und Schindelhaus. Man kommt kaum hin, es gibt nur einen Taxibetrieb; bei der zweiten Fahrt ist man mit dem Fahrer per Du und kriegt den Sonderpreis bis Pfäffikon. Hier in Wollerau hat er die kurzen Wege. Sein Partner und Co-Gründer Arnoldo Valsangiacomo wohnt ums Eck, ebenso seine Frau und die fünf Kinder. Mit Valsangiacomo legte er 2001 den ersten eigenen Fonds auf.

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