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Attentat auf russischen Botschafter in Ankara Besonnene Reaktion auf eine kaltblütige Tat

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18-köpfiges Ermittlerteam aus Moskau nach Ankara entsandt

Auch in Moskau bemüht man sich, die politische Bedeutung des Attentats herunterzuspielen. Präsident Wladimir Putin nannte den Vorfall eine „Provokation“, die die Wiederannäherung zwischen der Türkei und Russland, sowie den Friedensprozess in Syrien sprengen solle. Der Kremlchef vereinbarte mit Erdoğan, den Anschlag gemeinsam zu untersuchen. Moskau hat inzwischen ein 18-köpfiges Ermittlerteam nach Ankara entsandt.

Beide Partner brauchen einander. Diesen Dienstag treffen in Ankara hochrangige Vertreter aus Russland, Iran und der Türkei zusammen, um über die Lösung des Syrienkriegs zu beraten. In Moskau hofft man offenbar, dass das Autokraten-Triumvirat den Krieg im Alleingang beenden kann – ein diplomatisches Glanzstück, das westlichen Staaten nicht gelungen ist und Russland mit seinen weltpolitischen Ansprüchen international aufwerten könnte. Damit dies ansatzweise gelingen kann, müssten die Türken ganz in Putins Sinne die Herrschaft Baschar al-Assads anerkennen.

Entsprechend bemüht sich der Kreml, die Türken und ihre Sicherheitsorgane nicht mitverantwortlich zu machen für den Mord.

Die Position Erdoğans und der Türkei ist hierbei nicht konsistent. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien unterstützte Ankara die Gegner Assads. Zum Schwenk kam es in den letzten Monaten - die Türkei marschierte in den Nordirak und in den Norden Syriens ein, um dort gegen den IS und Kurdenmilizen vorzugehen. Unter allen Umständen will Ankara das Entstehen eines zusammenhängenden Kurdengebiets in Syrien verhindern. Putin schien Erdoğan gewähren zu lassen - im Austausch bekam er freie Hand in Aleppo. Die strategische Neuausrichtung droht jetzt, Präsident Erdoğan auf die Füße zu fallen.

Laut Angaben von UN-Organisationen, die auch Moskau mitträgt, beschränkt sich der russische Luftkrieg in Syrien nicht auf Attacken gegen IS-Terroristen. Vielmehr greifen die Russen an der Seite des Diktators Baschar al-Assad die Regimegegner an, was zu vielen Opfern unter Aleppos ziviler Bevölkerung führt. Zwar trat die Türkei in den letzten Wochen noch als Vermittler zwischen Assad und den Rebellengruppen auf, und konnte freies Geleit für einen Teil der Bevölkerung aushandeln.

Doch vor allem unter den religiösen Türken ist die Solidarität zu den Glaubensbrüdern in Syrien stark ausgeprägt. Auf der Istiklal-Straße in Istanbul protestierten seit Tagen Türken wie Syrer vor dem russischen Generalkonsulat gegen die Bombenangriffe auf Aleppo.

Der Attentäter schrie "Wir sterben in Aleppo, Du stirbst hier", bevor er schoss. Das klingt auch, als bekäme es das von Anschlägen dieses Jahr so gebeutelte Land neben PKK und IS mit einer dritten Terrorgruppe zu tun.

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