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COP28Halbzeit in Dubai: Zwischen Hitze und Hochwasser

Die Staaten auf der UN-Weltklimakonferenz in Dubai einigen sich auf erstaunlich viel Wünschenswertes. Dabei missachten sie aber die Wirklichkeit. Was das Verhindern schwerer Folgen der Klimakrise angeht, dürfte erneut nur wenig geliefert werden.Cordula Tutt 06.12.2023 - 17:04 Uhr

Menschen gehen über das Gelände des COP28 UN-Klimagipfels.

Foto: AP

Seit der Weltklimakonferenz 2015 in Paris gilt: Alle Staaten haben sich verpflichtet, ihren Teil zu liefern, damit die Erde sich um nicht mehr als 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erwärmt. In den Folgejahren ging es bei den jährlichen Mammutgipfeln der Uno immer wieder darum, wie stark die Länder ihre Zusagen befolgt und umgesetzt haben.

Acht Jahre später ist klar: Die Erde wird sich spürbar stärker aufheizen, weil weltweit noch länger und mehr Treibhausgase im großen Stil ausgestoßen werden als versprochen. Die Jahre zuletzt haben die Klimakrise zudem in den Alltag der Menschen gebracht: mehr Dürren und Hitze, Starkregen und Hochwasser zeigen die Veränderung auch in Deutschland.

Und doch landet die COP28, die inzwischen 28. jährliche UN-Weltklimakonferenz mit inzwischen mehr als 70.000 Teilnehmenden, bereits wieder in einem Modus, der viel Wünschenswertes und den Willen der Beteiligten zwar festzurrt. Was Verbindlichkeit und das Verhindern schwerer Folgen der Klimakrise angeht, dürfte aber erneut nur wenig geliefert werden.

1. COP28: Was sagt die Wissenschaft für die nächsten Jahre voraus?

Pünktlich zur Halbzeit der Weltkonferenz in Dubai haben Klimawissenschaftlerinnen und-wissenschaftler dort am Mittwoch ihre neuesten Ergebnisse vorgestellt, wie sich das Klima auf der Welt in den nächsten Jahren ändert. Dabei zeichnen sie ein düsteres Bild, indem sie beschreiben, welche Kipppunkte bald erreicht sein werden. Die Fachleute beschreiben auf gut 500 Seiten Entwicklungen, die unumkehrbar sind und tiefgreifende Folgen für die Erde haben.

Negative Kipppunkte sind etwa das Abschmelzen von Eis rund um die Pole oder das Absterben von Korallen. Positive Kipppunkte können sein, wenn etwa erneuerbare Energieträger voll wettbewerbsfähig zu fossiler Energieerzeugung geworden sind oder E-Autos konkurrenzfähig und in großem Stil verkauft werden.

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Ein düsteres Bild zeichnen die beteiligten 200 Forscher der Studie auf der COP28 für fünf große Kippsysteme bereits jetzt: Das grönländische und westantarktische Eisschild schwinden, die wichtige subpolare Wirbelzirkulation im Nordatlantik dürfte zusammenbrechen, Warmwasserkorallenriffe sterben ab und Permafrost-Gebiete schmelzen. „Wenn die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius ansteigt, könnten mit borealen Wäldern, Mangroven und Seegraswiesen drei weitere Systeme in den 2030er Jahren vom Kippen bedroht sein“, fasst das beteiligte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) zusammen. Die Kernaussagen seien eindeutig und hätten „weitreichende Folgen für Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt“, so Jonathan Donges vom PIK.

2. Was haben die Verhandelnden in der ersten Hälfte der Konferenz erreicht?

Demgegenüber steht das mühsame Verhandeln auf der Weltklimakonferenz unter dem Vorsitz der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), dem Gastgeberland. Zunächst vermeldeten die Beteiligten allerdings einen Erfolg: Unter anderem Deutschland und Gastgeber VAE haben erste Millionensummen für einen Fonds zugesagt, der helfen soll, Klimaschäden in ärmeren Ländern auszugleichen. 100 Millionen Dollar sagten sie jeweils zu, andere Länder aus Europa folgten mit ähnlichen Summen.

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Dieser Fonds für „Verlust und Schäden“ (Loss and Damage) ist freilich finanziell bei weitem noch nicht so ausgestattet, um die Folgen gerade für Ärmere ausgleichen zu können, auch werden damit weitere Schäden nicht vermieden. Der Hebel mit solchen Summen ist also verhältnismäßig überschaubar, um der Krise beizukommen. Immerhin war das ein Achtungserfolg für den Konferenzpräsidenten Sultan Ahmed Al-Dschaber, der zugleich  Chef des staatlichen Ölkonzerns der VAE ist.

3. Wie handlungsfähig sind Länder wie Deutschland?

Die deutsche Delegation heftete sich in Dubai den Start des Fonds zusammen mit dem Gastgeber als eigenen Erfolg an. Doch Deutschland steht als wichtiges Industrieland selbst nicht gut da. Dafür gibt es zwei Gründe – der eine liegt in der Vergangenheit und der andere betrifft die Zukunft.

Die Regierungen, auch die Ampel, machen nicht genug, um ihre eigenen Klimaschutzziele einzuhalten, und die sind noch zu gering, um die in Paris eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. So hatte der deutsche Expertenrat im Auftrag der Regierung zuletzt festgestellt: Deutschland überschreite Jahr für Jahr seine Klimaziele vor allem, weil es beim Verkehr und beim Heizen nicht genug umsteuere. Allein bis 2030 würde sich so eine Klimaschuld von 200 Millionen Tonnen CO2 anhäufen. Das ist knapp ein Viertel dessen, was hierzulande derzeit im Jahr emittiert wird.

Dem wollte nun Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der COP28 mit positiven Plänen kontern. Er rief zusammen mit Staatsleuten aus 36 Ländern einen Klimaclub aus, der Lösungen international befördern soll, wie die Bau- oder Stahlindustrie etwa klimaneutral werden, wie Wachstum und klimaschädliche Emissionen entkoppelt werden können.

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Doch bereits in Dubai sind unter Konferenzteilnehmern Zweifel an den deutschen Ankündigungen zu vernehmen. Das Haushaltsurteil des Bundesverfassungsgerichts holt die deutsche Delegation auch in Arabien ein. Denn einen Gutteil der vom Gericht gekippten Summen hatte die Bundesregierung für den Klimaumbau der Wirtschaft vorgesehen.

4. Was machen die großen Verursacher von klimaschädlichen Emissionen?

Die mit Abstand größten Verursacher von Treibhausgasen sind China, die USA, Indien und Russland. China gibt sich oft bedeckt, was die eigenen Ambitionen angeht, die USA haben die Transformation der Wirtschaft zumindest unter der Regierung Joe Bidens als klares Ziel ausgegeben, doch stoßen pro Kopf sehr viel aus. Indien betont immer wieder, andere Länder hätten historisch viel mehr zur Erderwärmung beigetragen und beharrt darauf, erst noch in der Entwicklung aufholen zu wollen. Und Russlands Wirtschaft beruht zu einem Gutteil auf dem Geschäft mit Kohle, Gas und Öl. Diese Länder stehen bei der Konferenz in Dubai bislang nicht im Zentrum, doch ohne wasserdichte Zusagen von diesen Ländern scheinen alle Ergebnisse nur Fassade.

5. Das Ende von Kohle, Öl und Gas – wird das im Vertrag der COP28 stehen?

All diese Interessen führen zum umstrittensten Punkt der fossilen Brennstoffe, an dem die Konferenz am Ende wohl gemessen wird. Es geht um eine Festlegung, wann die Menschheit aus der fossilen Energie aussteigen soll. Ohne diesen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas wird eine klimaneutrale Wirtschaftsweise nicht möglich sein.  

Während ein Ausstieg aus der Kohle, mit einigen Einschränkungen, schon vor zwei Jahren beim Weltklimagipfel in Glasgow vereinbart wurde, gibt es noch keine Einigung, auch das Verbrennen von Öl und Gas zu beenden. Indien etwa wehrt sich gegen einen Komplettausstieg aus der Kohle, die es reichlich besitzt. Russland und Saudi-Arabien wiederum hatten sich gegen einen Ausstiegstermin für Öl und Gas gewehrt, von denen sie viel haben.

So geht es dieses Mal in Gestalt des Artikels 35 der Abschlusserklärung von Dubai ans Eingemachte. Ein erster Entwurf des geplanten Vertrages wurde zur Halbzeit nun zugänglich gemacht. Und hier ist noch alles offen:

Ein Textentwurf sieht vor, das Thema gar nicht konkret zu erwähnen. Die ehrgeizigste Variante, die zur Diskussion steht, sieht einen „geordneten und fairen Ausstieg aus fossilen Energien“ vor. Ein weiterer Vorschlag: die Anstrengungen für einen Ausstieg aus fossilen Energien zu beschleunigen und eine CO₂-neutrale Wirtschaftsweise „bis oder ungefähr zur Mitte des Jahrhunderts“ zu erreichen.

Die deutsche Klimabeauftragte Jennifer Morgan, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, sagte dazu am Mittwoch in Dubai: „Jetzt fangen wir an, die wirklichen Themen zu diskutieren, wo die Parteien noch weiter voneinander entfernt sind.“ Ihr Staatssekretärskollege Jochen Flasbarth vom Bundesentwicklungsministerium gab sich im Erdölförderstaat VAE etwas optimitischer. Flasbarth sieht bei der Konferenz „das Ende des fossilen Zeitalters“ eingeläutet. Alle gegenteiligen Nachrichten seien „das letzte Aufflackern der fossilen Welt“.

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