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Joe BidenNo Country for Old Men – vergisst Amerika sein Gründungsversprechen?

US-Präsident Joe Biden hat sich am Mittwoch an die Nation gewendet, um seinen Rücktritt aus dem Wahlrennen zu erklären. In diesem Moment der Schwäche gelang ihm eine bemerkenswerte Rede. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Max Biederbeck 25.07.2024 - 16:07 Uhr

US-Präsident Joe Biden auf einem Monitor im Pressegesprächsraum des Weißen Hauses.

Foto: Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

Man konnte ihm noch ein letztes Mal auf die Lippen schauen. In seiner Rede an die Nation offenbarte US-Präsident Joe Biden doch ziemlich klar, warum es Zeit für seinen Rücktritt aus dem US-Rennen um die Präsidentschaft war – bittere, höchste Zeit. Der 81-Jährige verhaspelte sich, kämpfte mit dem Teleprompter, gegen Ende musste er immer wieder geräuschvoll schlucken. Die schlechte Akustik im Oval Office am Mittwoch half kaum dabei, dieses Bild eines wirklich sehr alten Herrn aufzufangen. 

Oder man könnte es einfach sein lassen. Sollte das „Wie“ jetzt nach dem Ende von Bidens Wahlkampf verzeihend ignorieren und stattdessen das „Was“ würdigen. Denn wer zuhören wollte, bekam eine durchaus bemerkenswerte Verteidigungsrede des Noch-US-Präsidenten auf die amerikanische Idee. 

Es war ein Auftritt, der die Ehre der Sachpolitik retten wollte – und damit natürlich auch Bidens eigenes Vermächtnis: Ausbau der Krankenversicherung, Förderung moderner und grüner Industrien als Job-Motor, Stärkung von Bündnissen und internationaler Ordnung, ob im Pazifik oder in Europa. Zugleich versuchte die Rede, das Gespenst eines pervertierten männlich-reaktionären Pseudo-Individualismus zu vertreiben, das die politische Debatte der USA seit Jahren paralysiert.

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Das machte Eindruck, gerade weil Bidens Worte so gebrechlich daher kamen. Weil ein buchstäblicher Elder Statesman mit 50 Jahren Erfahrung im öffentlichen Amt nun noch einmal sagen konnte, was ist – ganz ohne den starken Mann geben zu müssen, der eine Wahl gewinnen will. 

No Country for Old Men? Joseph Robinette Biden Jr., 46. Präsident der Vereinigten Staaten, redete seiner Nation ins Gewissen: Amerika drohe, sein Gründungsversprechen zu vergessen.

Immer wieder sprach der Präsident davon, die Demokratie als Freiheitsgarant retten zu wollen. Er erinnerte daran, dass in den USA eben nicht Autokraten und Diktatoren bestimmten. „Ihr seid gute Menschen“, rief der Präsident den Bürgerinnen und Bürgern zu. Um dann mit einem Benjamin Franklin-Zitat aus dem Jahr 1787 zu schließen: Die USA seien „eine Republik… wenn wir sie halten können.“

Bidens Botschaft: Nicht er selbst oder Kamala Harris ziehen da gerade in den Wahlkampf gegen Donald Trump. Sondern der amerikanische Traum gegen seinen Feind.

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