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Krieg in der UkraineSo viel Geld bräuchte es, um ausbleibende US-Hilfen zu kompensieren

Fallen die USA bei den Hilfspaketen weg, müssten andere aufstocken. Forscher fordern ohnehin, dass auch Deutschland seiner Schlüsselrolle gerechter wird.Kevin Gallant 15.04.2025 - 10:58 Uhr
Laut des IfW hat Europa der Ukraine mittlerweile insgesamt 23 Milliarden Euro mehr an Hilfen als die USA zugewiesen. Foto: IMAGO/Björn Trotzki

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 haben Staaten weltweit das Land mit milliardenschweren Hilfspaketen unterstützt. Allen voran die USA. Doch seitdem Donald Trump im Januar zum zweiten Mal das Amt des US-Präsidenten übernommen hat, hat sich der Wind gedreht – und damit die Lage der Ukraine verschärft.

Schon im Wahlkampf hatte Trump die Ukraine-Hilfen der USA infrage gestellt. Mit seinem erneuten Einzug ins Weiße Haus startete ein Hin und Her: Erst legte Trump die US-Hilfspakete nach einem Besuch Wolodymyr Selenskyjs in Washington gänzlich auf Eis. Danach kündigten die USA nach Verhandlungen in Saudi-Arabien die Wiederaufnahme der Hilfen an.

Ob die Ukraine nachhaltig auf die milliardenschweren US-Hilfen bauen kann, ist unklar. Bislang profitiert das angegriffene Land auch von Waffenlieferungen, die noch von der Biden-Administration angestoßen wurden. Anfang Januar, kurz vor dem Machtwechsel in Washington, brachte Joe Biden ein Hilfspaket im Wert von 480 Millionen Euro auf den Weg. Enthalten waren etwa Flugabwehrraketen, Luft-Boden-Raketen oder Ausrüstung für F-16-Kampfjets.

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Für die Ukraine bleibt die Lage angespannt. „Die jüngste Pause bei den US-Hilfen zeigt mögliche Unsicherheiten auf und unterstreicht die Notwendigkeit, dass Europa auf etwaige Lücken vorbereitet sein muss – insbesondere im militärischen Bereich“, betont Taro Nishikawa, Projektleiter des Ukraine Support Trackers am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

Europa vergrößert Abstand zu den USA

Der Tracker erfasst systematisch und fortlaufend den Wert der Unterstützung, die Regierungen der Ukraine seit Februar 2022 zugesagt oder schon geleistet haben. Registriert werden militärische, finanzielle und humanitäre Hilfen, solange sie öffentlich bekannt sind. Die neuen Daten des Trackers beinhalten die bis einschließlich Februar zugesagten beziehungsweise erbrachten Hilfen.

So zeigt der Tracker, dass Europa, im Gegensatz zu den USA, die Unterstützung für die Ukraine durchgehend fortgesetzt hat. So konnte Europa auch den Abstand auf die USA bei den Gesamtzuwendungen vergrößern: Laut des IfW hat Europa der Ukraine mittlerweile 23 Milliarden Euro mehr an Hilfen zugewiesen als die USA.

Im Januar und Februar stellte Großbritannien etwa 360 Millionen Euro zur Verfügung, Deutschland 450 Millionen Euro. Norwegen unterstützte mit 610 Millionen Euro, Dänemark mit 690 Millionen. Schweden durchbrach im selben Zeitraum sogar die Milliardenmarke.

Zusätzlich hat die Europäische Kommission der Ukraine erst kürzlich ein erstes Darlehen in Höhe von rund drei Milliarden Euro ausgezahlt. So habe Europa die Ukraine seit Kriegsbeginn mit rund 138 Milliarden Euro unterstützt, die USA kommen derzeit auf etwa 115 Milliarden Euro.

Die USA liegen indes nur noch im Bereich der Militärhilfen weiter vorn, wenn auch mit geringem Abstand. Laut der IfW-Forscher haben die USA seit Kriegsbeginn hier rund 65 Milliarden Euro gezahlt, Europa steuerte etwa eine Milliarde Euro weniger bei.

Nordeuropa und Baltikum unterstützen am meisten

Die neuen Daten zeigen aber auch eine große Heterogenität in Europa: Viele westeuropäische Länder leisten im Vergleich zu den nordischen und baltischen Ländern nur geringe Unterstützung – zumindest, wenn man den Anteil am Bruttoinlandsprodukt aus dem Vorkriegsjahr 2021 zum Maßstab nimmt.

Länder wie Estland oder Dänemark haben demnach mehr als zwei Prozent ihres Vorkriegs-BIP für die Ukraine vorgesehen. Deutschland und das Vereinigte Königreich hingegen etwa 0,4 bis 0,5 Prozent, Frankreich, Italien und Spanien nur 0,1 bis 0,2 Prozent. „Große Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich oder Spanien müssen ihrer Schlüsselrolle künftig besser gerecht werden“, fordert das IfW. Auch der Leiter des Ukraine Support Trackers, Christoph Trebesch, sagt: „Wenn die ‚Big Five‘ der europäischen Länder nur annähernd so viel täten wie die skandinavischen oder baltischen Staaten, könnte Europa die US-Defizite weitgehend ausgleichen, vor allem bei den finanziellen Hilfen.“

Zwar haben Deutschland und andere Länder der Ukraine weitere Militärhilfen in Milliardenhöhe für den Abwehrkampf gegen Russland zugesagt. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) kündigte etwa kürzlich bei einem Treffen der sogenannten Ramstein-Gruppe in Brüssel unter anderem die kurzfristige Lieferung von Flugabwehrraketensystemen vom Typ Iris-T sowie von Kampfpanzern, Artilleriesystemen und Aufklärungsdrohnen an.

Doch insgesamt geben die europäischen Regierungen laut IfW nur 0,1 Prozent ihres jährlichen BIP für Ukraine-Hilfen aus. Falls weitere Hilfspakete aus den USA ausbleiben, man die Unterstützung aber auf demselben Niveau halten will, müsste Europa laut des IfW seine jährliche Unterstützung verdoppeln. In absoluten Zahlen hieße das: Europa müsste von derzeit noch 44 Milliarden Euro an jährlichen Hilfen auf rund 82 Milliarden Euro aufstocken.

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