Gegenzölle: So reagieren die führenden Industrienationen auf Trumps Zollpolitik
Durch die neuen Strafzölle ist die Verunsicherung an den Aktienmärkten groß. Indizes wie der Dax, Dow Jones oder der Nikkei 225 fielen zeitweise tief ins Minus. Denn: Seitens der USA gilt vielerorts ein pauschaler Zollaufschlag von zehn Prozent auf Exporte. Einige Nationen trifft es jedoch ab dem 9. April erheblich stärker. Ihre Unternehmen sind fortan aufgefordert, 30 Prozent und mehr an Strafzöllen zu zahlen, wenn sie Produkte in die USA exportieren wollen. Einige Nationen wollen mit Gegenzöllen ein Zeichen der Stärke setzen. Andere hoffen auf Verhandlungslösungen oder haben bereits nachgegeben. Ein Überblick über die Reaktionen.
Australien
Im Handelsstreit mit den USA hat sich Australien klar positioniert: Zwar zeigen sich führende Vertreter des Landes irritiert bis verärgert über Trumps neue Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf australische Waren. Premier Anthony Albany bezeichnete sie gegenüber der Nachrichtenagentur AP als „gänzlich ungerechtfertigt“. Gegenseitige Zölle betrachtet er als „ökonomische Selbstschädigung“. Sie seien ein Rezept für langsameres Wachstum und steigende Inflation. Australien werde sich aber auch deshalb nicht an Gegenzöllen beteiligen.
Albany äußerte sich gleichermaßen verwundert darüber, dass beispielsweise die zu Australien gehörende Norfolk-Insel mit US-Strafzöllen in Höhe von 29 Prozent belegt wurde, obwohl die 2.000 Einwohner zählende Insel kaum Handel mit den USA betreibt.
China
Zwischen China und den USA hat sich in den vergangenen Tagen ein dynamisches Hin-und-Her aus Ankündigungen und gegenseitigen Drohkulissen entwickelt.
Ursprünglich wollten die USA zusätzliche Zölle von 34 Prozent auf Chinas Importe verhängen. Sie sollten ab dem 9. April gelten. Daraufhin kündigten die Chinesen jedoch an, ab dem 10. April Gegenzölle in Höhe von 34 Prozent auf US-Importe zu verhängen. Trump drohte China, die Strafzölle abermals zu erhöhen, sollte dessen Regierung die geplante Maßnahme nicht zurücknehmen. China war dazu nicht bereit. Am 8. April hat die Trump-Administration daher angekündigt, dass ergänzend zu den bisher geplanten 34 Prozent Zölle noch einmal 50 Prozent hinzukommen.
Bereits im März hatte Trump Strafzölle von 20 Prozent auf chinesische Güter erlassen. In Summe fallen nun mindestens 104 Prozent Sonderzölle auf chinesische Produkte an. Ob China ein weiteres Mal mit Gegenzöllen reagiert, ist derzeit noch offen.
Europäische Union (EU)
Ankündigungen, neue Strafzölle gegen die EU verhängen zu wollen, gibt es schon seit Monaten. Die Vertreter der EU hatten daher stets verkündet, Listen für Gegenzölle auf US-Produkte bereitliegen zu haben. Nun hat der US-Präsident seine Drohungen in die Tat umgesetzt.
20 Prozent an Aufschlägen sollen europäische Unternehmen zahlen. In einigen Fällen sogar 25 Prozent. Für den Wirtschaftsraum ist das eine schwere Belastung. Deutschland fürchtet ein weiteres Jahr der Rezession. Die EU ist auch deshalb weiterhin interessiert an einer Verhandlungslösung. Auf den Vorschlag der EU zu einer Null-Zoll-Politik für Industrieprodukte ging Trump bisher nicht ein. Die EU sieht deshalb nun offenbar vor, Gegenzölle von bis zu 25 Prozent auf US-Produkte zu erheben. Das geht aus einem internen Papier hervor, das unter anderem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.
Beschlossen sind die Gegenzölle zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die EU-Vertreter müssen über die neuen Maßnahmen nun abstimmen. Erste konkrete Beschlüsse könnte es aber bereits am Nachmittag des 9. Aprils geben. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA). Laut EU-Kreisen geht es dabei um 25 Zölle auf Sojabohnen, Kleidungsstücke sowie Eisen-, Stahl- und Aluminiumwaren. Einige davon könnten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, schon ab nächster Woche gelten. Demnach ist ein Inkrafttreten in drei Stufen ab 15. April, 16. Mai und 1. Dezember geplant.
Großbritannien
Großbritannien schlägt im Handelsstreit mit den USA bislang gemischte Töne an. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds beteuerte gegenüber dem TV-Nachrichtensender „GBNews“ enttäuscht über die verkündeten US-Strafzölle zu sein. Seine Regierung werde aber zunächst nicht mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren, Ziel sei eine Vereinbarung mit Trump. Reynolds warnte zugleich, es sei aber „nichts vom Tisch“. Damit behält sich die britische Regierung vor, im Zweifel doch noch mit Gegenzöllen zu reagieren.
Japan
Für 148,2 Milliarden US-Dollar exportierte Japan im vergangenen Jahr Waren in die USA, hat das Statista Research Department ermittelt. 79,7 Milliarden Dollar machten dagegen die Exporte aus den USA nach Japan aus. Grund genug für US-Präsident Trump, zusätzlich 24 Prozent Zoll auf japanische Produkte zu erheben. Japan hatte die US-Regierung gebeten, die neuen Maßnahmen zu überdenken und machte einen potenziellen Wachstumsrückgang von 0,8 Prozent aus. Nun hat der japanische Ministerpräsident Shigeru Ishiba, wie Reuters berichtet, mit Trump telefoniert. In dem 25-Minütigen-Gespräch habe sich Trump bereit gezeigt, über die Strafzölle zu verhandeln. Trump bestätigte das Telefonat vom 8. April auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social.
Kanada
Die kanadische Regierung hat bereits auf die US-Strafzölle reagiert. Trumps Zöllen in Höhe von 25 Prozent antwortet Kanada adäquat: Der US-Nachbar verhängt Gegenzölle in Höhe von 25 Prozent. Die neuen Abgaben umfassten zahlreiche Handelswaren und reichten Bourbon Whiskey und Orangensaft über Haushaltsgüter hin zu Möbeln, erklärte Kanadas Premier Trudeau dazu. Zudem hat es Kanada auf US-Autoimporte abgesehen. So sollen Fahrzeuge, die nicht nach dem USMCA-Abkommen zwischen Mexiko, Kanada und den USA eingeführt werden, von den Zöllen betroffen sein. Insgesamt soll es US-Produkte im Volumen von 155 Milliarden Dollar treffen. Kanadas Gegenzölle gelten seit dem 8. April.
Taiwan
Taiwan gilt als bedeutender Partner großer amerikanischer Tech-Konzerne. Unter anderem bezieht der iPhone-Hersteller Apple zahlreiche Komponenten aus Taiwan. Der US-Regierung ist das ein Dorn im Auge. Deshalb hat sie nun 32 Prozent an zusätzlichen Einfuhrzöllen gegenüber Taiwan eingeführt. US-Handelsminister Howard Lutnick, der als Kopf hinter Trumps Zollpolitik gilt, erklärte gegenüber „CSNBC“, die USA wollten Taiwan die Chip- und Elektronikherstellung entziehen. Taiwans Präsident Lai Ching-te schrieb auf Facebook, die Strafzölle seien „unangemessen“. Er hofft auf eine Verhandlungslösung mit Trump, verhängt aber keine Gegenzölle.
Schweiz
Vom 9. April an zahlen Unternehmen aus der Schweiz weitere 31 Prozent an Einfuhrzöllen. Dennoch will man in der Schweiz auf Gegenzölle verzichten. „Eine Zunahme der handelspolitischen Spannungen ist nicht im Interesse der Schweiz“, heißt es in einer Erklärung der schweizerischen Regierung. Zugleich weisen die Schweizer den US-Präsidenten darauf hin, dass bereits 2024 alle Industriezölle mit den USA gefallen seien. Und dass sich bereits 99 Prozent aller Waren zollfrei aus den USA in die Schweiz importieren ließen. Ob das die US-Regierung zur Einsicht bewegt: unklar.
Indien
Die indische Regierung um Ministerpräsident Narendra Modi geht einen ungewöhnlichen Schritt. Sie plant, den USA zunächst einseitig entgegenzukommen. Die Trump-Administration hatte Indien mit Strafzöllen in Höhe von 26 Prozent belegt.
Das Land hat vor, US-Unternehmen bei der Digitalsteuer zu entlasten. Man prüfe eine Klausel in Trumps Zollverordnung, die Handelspartnern, die „erhebliche Schritte“ zur Behebung „nicht reziproker Handelsabkommen unternehmen“, eine mögliche Erleichterung biete, gab die Regierung bekannt. Neu-Delhi wolle auf ein „ausgewogenes und gerechtes Handelsabkommen“ hinarbeiten, teilte ein ranghoher Regierungsbeamter zudem Bloomberg mit. Auch Vietnam plant aktuellen Berichten zufolge, gegenüber den USA einseitige Erleichterungen zu gewähren.
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