US-Wahlen 2024: Iowa ist Trump-Country
USA, Des Moines: Donald Trump, ehemaliger Präsident der USA, spricht auf einer Caucus-Party.
Foto: dpaDonald Trump war bester Laune, als er um kurz vor 22 Uhr Ortszeit im Iowa Events Center in Des Moines vor seine Anhänger trat. Und am Rednerpult schlug er ungewohnt versöhnliche Töne an. „Es wäre so schön, wenn wir zusammenkommen könnten, um unser Land und die Welt in Ordnung zu bringen“, so Trump vor jubelnden Fans. Dann dankte er seiner Familie und seinen Mitarbeitern.
Auf die üblichen Beschwerden und Beschimpfungen – normalerweise fester Bestandteil von Trumps Auftritten – verzichtete er an diesem Abend. Dafür strahlte er immer wieder ins Publikum – und lobte am Ende gar seine Gegner.
Der Ex-Präsident hatte allen Grund zur Freude. Einige Stunden vorher hatten die amerikanischen Nachrichtenorganisationen ihn einhellig zum Sieger des Iowa Caucus erklärt – und das keine halbe Stunde, nachdem der Caucus, das komplexe Vorwahlsystem, mit dem die Republikaner in Iowa ihre Delegierten für den Nominierungsparteitag bestimmen, offiziell begonnen hatte. Lediglich ein paar hundert Stimmen waren zu diesem Zeitpunkt ausgezählt – ein Bruchteil der zehntausenden Wahlzettel, die in Sporthallen und Gemeindezentren in den 99 Landkreisen des Bundesstaats im Laufe des Abends abgegeben wurden. Doch das reichte den Datenanalysten, um Trump zum Sieger zu erklären. In manchen Wahllokalen hatte die Abstimmung da noch gar nicht begonnen.
Dass der Ex-Präsident in dem Bundesstaat im Mittleren Westen triumphieren würde, war erwartet worden. Schließlich hatte Trump in Umfragen seit Monaten mit teils exorbitanten Abständen vor seinen Mitbewerbern geführt. Lediglich wie weit er am Wahlabend vor seinen Gegnern liegen würde, war noch offen gewesen. Doch dass der Abstand groß sein würde, daran hatte kaum jemand gezweifelt. Schlussendlich holte das ehemalige Staatsoberhaupt mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit das beste Ergebnis, das ein Nicht-Amtsinhaber in der modernen Geschichte des Iowa Caucus jemals eingefahren hat. Er deklassierte seine Konkurrenz mit einem Vorsprung von fast 30 Prozentpunkten vor dem Zweitplatzierten Ron DeSantis, dem Gouverneur des Bundesstaats Florida. Iowa, das hat die Abstimmung bewiesen, ist Trump Country.
Für den Ex-Präsidenten dürfte der Sieg eine besondere Genugtuung sein. 2016, als er sich erstmals um die Kandidatur der Republikaner bewarb, hatte er hier noch gegen den texanischen Senator Ted Cruz verloren – eine Niederlage, die er mit dem Verweise auf angeblichen „Wahlbetrug“ wettzumachen versuchte.
Auf dem Papier ist die Bedeutung des Erfolgs des Ex-Präsidenten überschaubar. Seit dem Jahr 2000 hat kein Sieger des republikanischen Caucus in Iowa mehr das Weiße Haus erobert. Auch die Zahl der Parteitagsdelegierten, die die Kandidaten hier gewinnen können, ist äußerst niedrig.
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Doch die Bedeutung des Bundesstaats für den Vorwahlprozess ist dennoch kaum zu überschätzen. Nach Monaten voller Spendenberichte, Meinungsumfragen und Fokusgruppen werden hier, zwischen Maisfeldern und Schweineställen, die ersten Stimmen des Wahljahres abgegeben. Wer hier gut abschneidet – oder zumindest besser als erwartet – darf auf einen Schub im Nominierungsprozess hoffen. Wer allerdings enttäuscht, dessen Kandidatur ist häufig schon gescheitert.
Womit wir wieder bei Ron DeSantis wären.
Der Gouverneur von Florida hatte alles darangesetzt, Iowa zu gewinnen. Sein Wahlkampfteam und eine finanziell hervorragend ausgestattete Unterstützerorganisation hatten hohe zweistellige Millionenbeträge investiert, um den Staat zu gewinnen. Fast an einer Millionen Türen hatten seine Anhänger geklopft, um potenzielle Wähler von DeSantis zu überzeugen. Noch im Dezember hatte der Kandidat einen klaren Sieg als Ziel ausgegeben, konnte sich die Unterstützung der beliebten Gouverneurin und einflussreicher evangelikaler Prediger sichern. Doch nicht nur gemessen daran schnitt der 45-Jährige enttäuschend ab. Er holte lediglich rund 21 Prozent der abgegebenen Stimmen, musste sich mit einem abgeschlagenen zweiten Platz zufriedengeben.
Auch dieses Ergebnis hatte sich abgezeichnet. Bereits seit Monaten war DeSantis‘ Kampagne vor allem durch Finanzprobleme, Personalquerelen und strategische Probleme aufgefallen. Dass der Gouverneur – noch vor einem Jahr als Nachwuchshoffnung der Republikaner gefeiert – sich zudem als enttäuschender Wahlkämpfer herausstellte, gab seinen Ambitionen nun den Rest. Man befinde sich in einer Phase des Wahlkampfs, zitierte die „New York Times“ zuletzt einen DeSantis-Vertrauten, in der es nur noch darum ginge, „es dem Patienten bequem zu machen“. Üblicherweise fällt ein solcher Satz in Hospizen.
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Tatsächlich ist schwer vorstellbar, wie es für DeSantis weitergehen soll. Er hätte den Sieg dringend gebraucht. Am kommenden Dienstag findet in New Hampshire der nächste Nominierungswettbewerb statt – diesmal eine klassische Vorwahl. Und das Elektorat in dem kleinen Staat im Nordosten der USA gilt gemeinhin als moderater als im von evangelikalen Christen und Bewegungskonservativen geprägten Iowa. Schon jetzt sind DeSantis‘ Umfragewerte dort schlecht – und Rückenwind aus dem Mittleren Westen dürfte er nun ebenfalls kaum bekommen. Auch in den folgenden Staaten Nevada und South Carolina sieht es düster aus für den Gouverneur. Trotzdem gelobte er, weiter im Rennen zu bleiben.
Für Nikki Haley ist das eine gute Nachricht. Und eine solche hatte sie bitter nötig. Die ehemalige UN-Botschafterin und Ex-Gouverneurin von South Carolina landete weit abgeschlagen hinter Trump auf Platz drei, holte weniger als 20 Prozent. Doch am Ende ist sie noch nicht.
Denn anders als DeSantis hat Haley durchaus Chancen, Trump in New Hampshire zu schlagen. In Umfragen liegt sie derzeit knapp hinter dem Präsidenten, rückte zuletzt immer näher an ihn heran. Gewinnt sie im Granite State, dann, so hofft ihr Team, könnte sich die Dynamik des Wettkampfs ändern. Die Aura der Unbesiegbarkeit, die den Ex-Präsidenten umgibt, wäre durchbrochen, das Rennen plötzlich offen. Durch DeSantis‘ Entscheidung, seine Kandidatur fortzusetzen, ist das Szenario nun paradoxerweise sogar noch wahrscheinlicher geworden. Denn hätte der Gouverneur aufgeben, wären seine Wähler wohl größtenteils zu Trump gegangen. Nun bindet er sie zumindest noch ein Weilchen an sich.
Trotzdem: Dass Haley ihren zweiten Platz aus den Umfragen nicht verteidigen konnte, ist kein gutes Zeichen für die Kandidatin. Die Meinungsforscher hatten zuletzt gemessen, dass der Enthusiasmus für Haley selbst unter ihren potenziellen Wählern nicht sonderlich ausgeprägt ist. Als am Wahltag nun die Temperatur auf -20 Grad fiel, blieben viele von ihnen deshalb anscheinend zu Hause und verzichteten darauf, für ihre Kandidatin zu stimmen. Damit dürfte sie es schwer haben, sich gegen Trump durchzusetzen, dessen Anhänger ihn leidenschaftlich unterstützen. Zumal die Staaten, in denen der Vorwahlen nach New Hampshire stattfinden, Iowa ähnlicher sind als New Hampshire.
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