Vorwahlkampf in den USA Ringkampf für Hillary

Im ersten TV-Duell gibt sich Polit-Clown Donald Trump wider Erwarten zahm. Aber weil auch die seriösen Kandidaten blass bleiben, dürfte die Show vor allem den Demokraten in die Karten spielen.

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
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Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP
Chris Christie Quelle: AP
John KasichOhio, der Heimatstaat des 63-Jährigen, gilt als entscheidend für die US-Wahlen. Kein Republikaner ist je  US-Präsident geworden, ohne  den Staat zu gewinnen. Kasich gehört zur Fraktion der gemäßigten Republikaner und holte in New Hampshire überraschend den zweiten Platz hinter Donald Trump. Quelle: REUTERS
Rick Santorum Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Bernie Sanders Quelle: REUTERS
Martin O'Malley Quelle: AP
Michael BloombergDer frühere Bürgermeister von New York City spielt mit dem Gedanken als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Falls die Republikaner den Exzentriker Trump und die Demokraten den Linken Sanders ins Rennen schicken würden, räumt sich der 73-Jährige gute Chancen ein. Quelle: AP

Hillary Clinton hebt den Sektkelch zum Prosten, Präsident Barack Obama kann sich vor Lachen kaum halten. Später am Abend düsen sie im Party-Pick-up durch die Stadt und Vize-Präsident Joe Biden tanzt auf der Rückbank. Vor derlei Bildern und Animationen quillen die sozialen Medien über in der Nacht zum Freitag – und das nicht einmal eine halbe Stunde nach Beginn des ersten TV-Duells der Republikaner.
Früh ist sich die Netzgemeinde sicher: Kaum einer der Republikaner gibt eine gute Figur ab beim Auftakt zum Vorwahlkampf in den USA. Dabei wird es bis zum Schluss auch bleiben. Beim Schaulaufen von zehn Männern gibt es eine Siegerin: Hillary Clinton. Die aussichtsreichste Kandidatin der Demokraten dürfte profitieren von kollektiven Schwäche ihrer republikanischen Gegner.


Tagelang hatten die Amerikaner dem politischen Schlagabtausch auf „Fox News“ entgegengefiebert wie einem Finalspiel in der Basketball-Liga NBA. Dem kommt das Spektakel durchaus nahe, das am Donnerstagabend in der Basketball-Halle der „Cleveland Cavaliers“ beginnt. Tickets sollen am Schwarzmarkt mehr gekostet haben als bei einem NBA-Endspiel.
Was nicht zuletzt an Donald Trump liegt. Der großmäulige Milliardär verspricht mit seinen markigen Sprüche im Rennen um die Kandidatur der Republikaner beste Abendunterhaltung. Wird sich der arrogante Immobilien-Tycoon, der in Umfragen mit Abstand vorne liegt, unterbrechen lassen? Wie brutal wird er seine Gegner angreifen? Kommt der spröde Jeb Bush aus seiner Haut heraus? Blamiert sich Ohios Gouverneur Scott Walker mit notorischem Unwissen?

Der Zerfall Amerikas in Bildern
2011 begann Seph Lawless damit, sich mit dem urbanen Zerfall zu beschäftigen. Er fotografiert verlassene Fabriken, Kirchen, Krankenhäuser - und Shopping Malls. Von dem einstigen Konsumtempel der Ohio’s Randall Park Mall sind nur noch Ruinen übrig.
Nachdem er gut 3000 Fotos geschossen hatte, begann Lawless den Zerfall der Shopping Malls in seinem ersten Buch, " The Autopsy of America" zu dokumentieren.
Sein neues Buch " Black Friday: The Collapse of the Modern Mall" beschäftigt sich mit den einstigen Symbolen für Konsum und Kapitalismus. Von vielen sind nur noch traurige Ruinen übrig, wie hier in der Ohio's Randall Park Mall, früher eine der größten Malls in ganz Amerika.
Wo früher gut gelaunte Shopping-Liebhaber ihren Kaffee tranken, finden sich heute nur noch Scherben.
"Ich hoffe, dass die Leute meine Bilder sehen und das Ende der größten Wirtschaftsmaschine der Welt erkennen - die Vereinigten Staaten von Amerika", so Lawless.
Hier blüht nichts mehr. Nirgendwo werde der Zerfall Amerikas so deutlich wie an den Shopping Malls, meint Seph Lawless.
Auch die Rolling Acres Mall in Akron, Ohio, hat ihren früheren Glanz verloren.
Früher flanierte Lawless selbst oft in Shopping Malls. Jetzt fotografiert er die Geister-Center nur noch, deren Zerfall immer weiter fortschreitet.
Ein Kundenservice, wo keiner mehr gebraucht wird. In diese Mall in Ohio wird sich nie wieder ein Einkäufer verirren.
Jetzt übernimmt die Natur die Macht in den Malls. Bäume drücken sich durch den Linoleum-Boden, ihre Äste reißen Löcher in die einst prächtigen Wände.
Beinahe unheimlich: Verlassene Orte von morbider Schönheit. Aus dem Symbol für Konsum wurden Symbole für den Zerfall des "American Way of Life".
Seph Lawless: "Es war beinahe unmöglich, sich auf legalem Weg Zutritt zu den geschlossenen Malls zu verschaffen."
Weil er sich unerlaubt Zutritt zu den Malls verschaffte, wurde Lawless bereits mehrfach verhaftet und angeklagt. Trotzdem will er weiter machen. Mit seinen Fotos will er zeigen, welche Wunden der ökonomische Wettstreit in den USA hinterlässt.
Mit seinen Fotos der verlassenen Geister-Malls will Lawless die Leute aufrütteln.
Die meisten seiner Fotos nahm Lawless im Rust Belt auf (Michigan, Indiana, Ohio und Pennsylvania).
"Ich möchte, dass die Leute sehen, was in ihrem Land passiert", erzählt der Fotograf. "Ich denke, die meisten Menschen hier lieben ihr Land, verschließen aber die Augen vor der Realität."
Viele der Malls, die in den vergangenen Jahren geschlossen wurden, befinden sich in Vierteln, in denen Geringverdienende leben, die stark von der Rezession getroffen wurden.
Der Sterben der Konsumtempel passiere schleichend, aber dauerhaft, so Lawless.
In manchen Malls dauert der Kampf gegen den Untergang mehrere Jahre.
Mit den Malls stirbt auch ein Teil der Amerikanischen Traums von Wohlstand, Wachstum und Konsum. Lesen Sie hier unsere Analyse: Amerika ist nur noch 08/15.


Donald Trump bleibt zahm – für seine Verhältnisse jedenfalls. Das ist vielleicht die einzig wirkliche Überraschung jenes Abends. Klar, der 69-Jährige fällt wie erwartet mit schamfreier Angeberei auf und liefert sich Sperenzchen mit dem Moderator. Etwa, als er behauptet, noch nie Bankrott gewesen zu sein, worauf er sich die Frage nach der pleite gegangenen Casinostadt „Atlantic City“ gefallen lassen muss. „Hey“, kontert er, „diese Bekloppten, die mir Geld geliehen haben, sollten mir dankbar sein, dass ich ihnen den Hintern versohlt habe.“ Was er genau meint, versteht wohl nur er selbst. Das Publik johlt ob der Wortwahl trotzdem.
Anderen Kandidaten gegenüber gibt sich der Supereiche zahm. Das dürfte die Wahlkampf-Strategen der Republikaner freuen. Politik-Experten wie Elaine Kamarck von der Brookings Institution hatten schon im Vorfeld gewarnt: Wenn sie auf die Trump-Show zu sehr eingehen, könne dies das Image der Partei und ihrer seriösen Kandidaten schaden. Wie Umfragen des Pew Research Center zeigen, ist die Unterstützung der Republikaner für ihre eigene Partei binnen eines halben Jahres dramatisch gesunken. Wohl auch, weil sie dem Polit-Clown ein Forum gibt.


Politisches Kapital dürften die Republikaner aus der Trump-Schwäche indes kaum schlagen. Die übrigen Kandidaten bleiben mehr als matt – allen voran Jeb Bush, der nach Trump in Umfragen unter den 17 Anwärtern führt. Der Verwandte zweier Ex-Präsidenten wirkt souverän und entschlossen, doch aus seinem Mund kommen nur stocksteife Sätze. Etwa, als er beim Thema Bildung von Standorts und Curriculum spricht, die man regional statt föderal umsetzen müsse. „Kaum zu glauben, wie einer so viel reden und so wenig sagen kann“, entfährt es einem Zuschauer auf Twitter.

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