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Biontech, Moderna, Astrazeneca & Co. So unterscheiden sich die Corona-Impfstoffe

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Die neuen Corona-Impfstoffe

  • Corona-Impfstoff von Novavax: NVX-CoV2373

    Doch auch andere Corona-Impfstoffe stehen in den Startlöchern. So wie der von Novavax: Das US-Biotechunternehmen Novavax plant nach weiteren positiven Studienergebnissen mit seinem Corona-Impfstoff nun einen Zulassungsantrag zu stellen, unter anderem in der EU. Seit Februar läuft ein beschleunigtes Prüfverfahren. Bis zum Zulassungsantrag will Novavax 100 Millionen Dosen pro Monat herstellen. Der Impfstoffhersteller hatte bereits zu Jahresbeginn erste Daten aus seiner Studie in Großbritannien vorgelegt, musste aber mehrmals seine Produktionsziele verschieben und kämpfte mit Engpässen bei Materialien und Zubehör zur Herstellung.

    Art:
    Das macht den Impfstoff aus: Der Impfstoff-Kandidat ist im Gegensatz zu den bisher zugelassenen Impfstoffen weder ein Vektor- noch ein mRNA-Impfstoff – er ist ein proteinbasierter Impfstoff. Das Vakzin enthält winzige Partikel, die aus einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 bestehen. Das Immunsystem zeigt dann eine Reaktion gegen den Impfstoff und ist somit vorbereitet, falls es tatsächlich mit dem Virus konfrontiert wird. Das ist das gleiche Prinzip wie bei dem Grippe-Impfstoff. Novavax muss zwei Mal gespritzt werden.

    Vorteile:

  • Der Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax bietet nach Unternehmensangaben einen hohen Schutz. In einer Phase-3-Studie mit rund 30.000 Teilnehmern in den USA und Mexiko zeigte das Vakzin eine Wirksamkeit von knapp 90 Prozent gegen die vorherrschenden Virusvarianten. Und: Der Impfstoff zeigte eine Wirksamkeit von 100 Prozent bei der Vorbeugung mittelschwerer und schwerer Corona-Fälle.
  • Generell ist die Impfung in der Studie gut vertragen worden. Teilnehmer berichteten über übliche Nebenwirkungen, die auch bei den bereits zugelassenen Impfstoffen auftreten, wie zeitweilige Schmerzen an der Einstichstelle sowie Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen.
  • Der Impfstoff spielt eine wichtige Rolle für Impfkampagnen in Entwicklungsländern. Denn: Er ist leicht zu transportieren und lagern. Das Vakzin lässt sich bei 2 Grad Celsius bis 8 Grad Celsius stabil lagern und wird in Form einer gebrauchsfertigen Flüssigformulierung ausgeliefert.
  • Das Vakzin soll sehr gut vor der Alpha-Variante schützen.

    Nachteile:

  • Der Impfstoff wirkt nicht so gut gegen die südafrikanische Variante.

    Corona-Impfstoff von Biocad: Sputnik V

    Das Vakzin Sputnik V wurde in Russland bereits im August 2020 zugelassen, noch bevor wichtige Studien, etwa zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen, abgeschlossen waren. Diese vorzeitige Freigabe kritisierten viele Forscher. Die EU-Arzneimittelbehörde EMA prüft derzeit den russischen Impfstoff, hat bisher aber noch keine Zulassung für das Vakzin erteilt. Anfang April wurden Experten von der EMA nach Russland entsendet, die derzeit die Ergebnisse klinischer Studien und die Produktionsbedingungen vor Ort inspizieren.

    Aber es gibt auch Länder, die Sputnik V trotz fehlender Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA einsetzen: Als zweites EU-Land nach Ungarn hat die Slowakei mit der Verabreichung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V begonnen. Der Impfstoff soll zunächst nur für Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verwendet werden. Das Angebot ist freiwillig.

    Art:

    Genau wie Astrazeneca sowie Johnson & Johnson ist der Impfstoff ein Vektorimpfstoff. Es arbeitet mit zwei verschiedenen Viren. Die harmlosen Erkältungsviren wurden gentechnisch so verändert, dass sie nun die Erbinformation für das Spikeprotein von Sars-CoV-2 tragen, sozusagen den Schlüssel, mit dem Corona in menschliche Zellen eindringt. So soll Sputnik V die Bildung von Antikörpern anregen, die die Spikeproteine eintreffender Coronaviren verkleben und so dem Erreger der Covid-19 den Zugang zum menschlichen Körper versperren.

    Vorteile:

  • Sputnik V weist laut einer Studie der britischen Fachzeitschrift „The Lancet“ eine sehr hohe Wirksamkeit auf. In der veröffentlichten Untersuchung schützte das Vakzin in der dritten und letzten Phase der klinischen Studien 91,6 Prozent der Probanden vor einer symptomatischen Corona Erkrankung.
  • Der russische Impfstoff ist günstiger und besser zu transportieren als die von Biontech und Moderna. Sputnik V kann bei zwei bis acht Grad gelagert und transportiert werden; das erleichtert die Verteilung enorm. So wäre Sputnik V wohl auch bei Hausärzten gut einzusetzen.
  • Es sind keine schweren Nebenwirkungen bekannt. In der Lancet-Studien heißt es, dass die meisten Probanden von grippeähnlichen Symptomen sprachen. Außerdem berichteten viele von Schmerzen am Arm und einer vorübergehenden Schwäche und Erschöpfung. Der Impfstoff ist laut der Studie in allen Altersgruppen gut verträglich.
  • Gegen die Alpha-Variante schützt der Impfstoff gut.

    Nachteile:

  • Bisher fehlt es noch an Transparenz. So ist unklar, wie viele Probanden wirklich an der Studie teilgenommen haben. Daten verschiedener Probanden zeigen wiederholt gleiche Werte, entgegen statistischer Wahrscheinlichkeiten. Daten anderer Probanden werden aus der Studie ausgeklammert, den Forschern zufolge ohne ausreichende Begründung. Und für mehr Unruhe sorgen nun auch slowakische Wissenschaftler, die bei der Auslieferung einer Impfstoff-Charge an ihr Land festgestellt haben, dass der ausgelieferte Impfstoff offenbar nicht demjenigen entspricht, der in The Lancet beschrieben wurde.
  • Gegen die Beta-Mutante B.1.351 hingegen schützte das Serum hingegen in 8 von 12 Proben (67 Prozent) die Testzellen nicht wirksam vor einer Infektion. Auch die E484K-Mutante des Spike-Proteins, die in verschiedenen Viruslinien auftritt, konnte demnach nicht effektiv neutralisiert werden.

    Der Corona-Impfstoff von Sinopharm: Vero

    Am 31. Dezember 2020 hat der staatliche chinesische Biotechkonzern Sinopharm die Zulassung für seinen Impfstoff mit dem Namen „Vero“ erhalten. Sinopharm hat ihn gemeinsam mit dem Wuhan Institut für Virologie sowie dem Institut für Biologische Produkte entwickelt. Nach Angaben der WHO erfüllt der Impfstoff mit ihren Covid-19-Vakzinen die Anforderungen der Weltgesundheitsorganisation. Sie hat am 7. Mai eine Notfallzulassung erteilt. Mit Sinopharm erhält die erste chinesische Pharmafirma eine Zulassung der WHO für einen Corona-Impfstoff.

    Art:

    Bei Vero setzt Sinopharm auf ein altbewährtes Impfprinzip: Sars-Coronaviren-2 werden in Zellkulturen vermehrt, danach gereinigt und dann chemisch kastriert, so dass sie nicht mehr vermehrungsfähig sind. Dann werden sie in zwei Dosen zusammen mit einem Impfstoffverstärker gespritzt.

    Vorteile:

  • Im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer oder Moderna setzt die Immunreaktion hier schneller ein.

    Nachteile:

  • Es besteht die Gefahr, dass nur wenige Antikörper gegen sensible Stelle des Virus gebildet werden. Daher ist die Wirksamkeit bei solchen Impfstoffen oft auch niedriger. Der Impfstoff soll nach Unternehmensangaben eine Wirksamkeit von 79 Prozent aufweisen. Das gab das Unternehmen kurz vor der Zulassung in einer Zwischenauswertung der Phase-III-Studien bekannt. Die Daten wurden bisher aber nicht veröffentlicht.
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