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WeekenderWas die deutsche Industrie nicht umbringt, macht sie stärker

Die Autoindustrie kann auch Donald Trumps Zölle überleben. Wenn die Politik sie nicht fesselt. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Hauke Reimer 05.04.2025 - 11:00 Uhr
Von Bremerhaven in die Welt: Verladung von BMW am Autoterminal Foto: Sina Schuldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Es könnte noch schlimmer kommen. In der Europäischen Zentralbank zerbrechen sie sich jetzt den Kopf, ob die Europäer noch auf die US-Notenbank Fed zählen können. Was ist, wenn Donald Trump die Fed in einer Finanzkrise zwingt, ihre Dollar-Notfallfinanzierungen einzustellen? Zuletzt hatte die Fed 2023 geholfen, als in der Schweiz die Crédit Suisse crashte. Die Fed ist zwar unabhängig, aber ob Trump, der Gerichtsurteile ignoriert und eine dritte Amtszeit nicht ausschließt, dies auf Dauer akzeptiert? Letztlich egal: Einen Weg, den Big-Dollar-Spender Fed zu ersetzen, fanden die EZB-Experten dem Vernehmen nach nicht.

Jetzt erst einmal die Zölle, gegen die ganze Welt (inklusive Lesotho und Madagaskar), und gegen die EU, wie in der Praktiker-Werbung, 20 Prozent auf alles – außer Autos, auf die werden 25 Prozent fällig. Autofrachter auf dem Nordatlantik gaben noch mal richtig Gas, um vor Inkrafttreten der Zölle am Donnerstag einen US-Hafen zu erreichen.

Überrascht haben sollte das alles keinen. So viel Fairness muss sein in diesen Tagen, in denen sich alle Welt im gratismutigen Trump-Bashing überbietet: Der US-Präsident vollzieht, was er angekündigt, er hält, was er seinen Wählern versprochen hat. An wen denken Sie jetzt? Eben

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Gibt es einen Masterplan?

Ob Friedrich Merz, hätte er keine völlig freidrehende SPD am Hacken, dies auch täte? Mit SPD, aber das haben Sie nun oft genug gelesen, wird das nix mit den Wahlversprechen. Keine Rede von Sparen oder gar Sozialreformen. Die Schuldenbremse geschrottet – und bei Migration, Grenzschutz, Steuern, Energie, Klima, Bürgergeld, Bürokratie, NGO-Subventionierung wird er im besten Fall ein „weiter so“ hinbekommen, unter Inkaufnahme der Plünderung der arbeitenden Mittelschicht. An bessere Rahmenbedingungen mag kaum ein Industrieunternehmen glauben.

Der Masterplan des Donald Trump hinter dem Zollhammer, so es ihn gibt, ist ähnlich unklar wie die Formel, nach der die USA die Zollsätze berechnet haben (Handelsbilanzdefizit der USA mit Land X geteilt durch Gesamtimporte der USA aus X und das Ganze dann großzügig halbiert = Zollsatz in Prozent). Langfristig mag irgendwas Gutes dabei herauskommen, auch wenn es aller ökonomischen Theorie seit Freihandelsvater David Ricardo (1772-1823) widerspricht. Vielleicht hat es etwas zu tun mit dem „Mar-a-Lago-Accord“, mittels dessen Trump-Berater die Gläubiger der USA enteignen, das Land entschulden und das Finanzsystem stürzen wollen – was die Trump wählenden Farmer im Mittelwesten sicher weniger jucken würde als die demokratische Ostküstenelite an der Wall Street und drumherum.

Langfristig aber sind wir alle tot. Kurzfristig gehen alle unter. Die USA zuerst, eine neue Interpretation von America First: China schlägt zurück, US-Verbraucher müssen mehr für importierte Güter zahlen, Börsen brechen ein, die Inflation steigt, die Wachstumsraten fallen. Die USA, so die Ökonomen vom Kieler IfW, kosten die Zölle knapp ein Prozent Bruttoinlandsprodukt, Deutschland nur die Hälfte. In Schlüsselbranchen, allen voran Autobauer wie Volkswagen, wird es schlimmer.

Und, was nun?

Wie Europa reagieren soll, darüber streiten die Ökonomen. Vergeltungszölle! Trump respektiert nur Stärke, sagt Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

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Auf jeden Fall hilfreich: Freihandelsabkommen mit der ganzen Welt abschließen. Das will sogar Noch-Minister Robert Habeck, der wohl verdrängt hat, wessen Partei mit Chlorhühnchen- und Genmais-Ängsten Abkommen immer wieder torpediert hat. Habeck verglich die Lage nach Trumps Zollattacke mit der nach Putins Überfall auf die Ukraine – eine abenteuerliche Parallele, die zu ziehen ich eher seiner gen New York entfleuchten Parteifreundin Annalena Baerbock zugetraut hätte.

Die deutsche Autoindustrie sollte es mit Nietzsche halten: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“, schreibt er in der Götzen-Dämmerung.

Zur Zeit der harten D-Mark lebte die deutsche Industrie diese Stärke vor: Den währungsbedingten Wettbewerbsnachteil auf Exportmärkten (wenn die D-Mark gegen Dollar oder italienische Lira aufwertete, wurden deutsche Exportgüter in Dollar oder Lira teurer) konterte sie mit Qualität und unersetzlichen, begehrenswerten Produkten, die höhere Preise rechtfertigten – und mit steigender Produktivität, also mehr Output zu gleichen Kosten.

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Doch damals musste die Industrie sich auch nicht gegen einen übergriffigen Staat behaupten, der Energie und Arbeit verteuert, Steuern und Sozialabgaben nach oben treibt und sie mit Bürokratie erdrückt. Autobauer konnten noch ausschließlich Autos bauen, die von Kunden nachgefragt wurden, ohne dass der Staat Kunden mit unkalkulierbaren Subventionen in bestimmte Technologien drückte – und ohne, dass die EU festlegte, welche Technik sie jetzt zu verwenden hätten.

Immerhin hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jetzt ein Stück weit verstanden, dass eine Industrie nicht dazu gezwungen werden kann, am Kunden vorbeizuproduzieren. Die Flottenwerte zum CO2-Ausstoß und damit die in nahezu planwirtschaftlicher Manier vorgegebenen Elektroautoquoten für 2025, 2030 und 2035 werden geschoben, und das Verbot von Verbrennungsmotoren wackelt offenbar.

Damit die Industrie ihre Stärken ausspielen kann, gehört es abgeschafft. Auch beim Bürokratiemonster Lieferkettengesetz gewährt Brüssel gnädig einen zeitlichen Aufschub (statt die Berichtspflichten für Unternehmen ganz zu streichen und selbst stichprobenartig zu kontrollieren, ob es Sklaverei und Umweltfrevel in deren Lieferkette gibt).

Ohne Trumps drohenden Zollhammer hätte sich Brüssel in Sachen CO2 und Lieferketten kaum so konziliant gezeigt. Kippt auch noch das Verbrenner-Aus, kann sich die Autoindustrie womöglich sogar bei Trump bedanken – zumindest hierfür. Am Ende macht er sie sogar noch stärker.

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