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KonjunkturIfo-Geschäftsklima sinkt stärker als gedacht

Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich laut den neuesten Zahlen des Ifo-Instituts stärker eingetrübt, als Experten zuvor vermutet hatten. Nicht nur im Handel und am Bau ist die Stimmung schlecht. 26.06.2023 - 11:14 Uhr
Foto: dpa

Die Stimmung der deutschen Wirtschaft hat sich in der Rezession weiter deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima sank im Juni überraschend kräftig auf 88,5 Punkte von 91,5 Zählern im Vormonat und damit das zweite Mal in Folge, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Viele Fachleute hatten mit einem weniger starken Rückgang gerechnet. „Vor allem die Schwäche der Industrie bringt die deutsche Konjunktur in schwieriges Fahrwasser“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Managerinnen und Manager bewerteten ihr aktuelles Geschäft skeptischer und ihre Aussichten wesentlich ungünstiger als zuletzt.

Von November bis April war das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur sechs Mal in Folge gestiegen. Ein Rückgang des Ifo-Index habe sich zwar abgezeichnet, sagte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. „Aber dass es so deutlich abwärts ging, schockiert dann doch – wir stecken mitten in einer Rezession.“ Auch im laufenden zweiten Quartal dürfte es mit der Wirtschaftsleistung insgesamt spürbar bergab gehen. „Eine Konjunkturerholung rückt einstweilen in weite Ferne.“ Ralf Umlauf von der Helaba erklärte, die wirtschaftlichen Perspektiven blieben auch zum Ende des zweiten Quartals getrübt. „Die Unternehmensstimmung hat sich angesichts höherer Zinsen und verschärfter Kreditvergabebedingungen sowie eines durchwachsenen internationalen Umfeldes weiter verschlechtert.“

Im Verarbeitenden Gewerbe habe sich das Geschäftsklima erheblich eingetrübt, betonte Ifo-Chef Fuest. Die Erwartungen seien auf den niedrigsten Stand seit November 2022 gefallen. „Kaum eine Branche konnte sich dieser Entwicklung entziehen.“ Auch die aktuelle Lage werde weniger gut bewertet. „Mittlerweile beurteilen viele Unternehmen ihren Auftragsbestand als zu niedrig.“ Es gebe kaum Lichtblicke, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. „Die weltweiten Zinserhöhungen dämpfen die Nachfrage nach Waren 'Made in Germany'.“ Auch im Dienstleistungssektor, im Handel und am Bau sank der Geschäftsklimaindex laut Ifo.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

Die deutsche Wirtschaft war Ende 2022 und Anfang 2023 jeweils zum Vorquartal geschrumpft. Sie befindet sich damit nach einer Daumenregel von Fachleuten in einer technischen Rezession. Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, geht für das laufende Jahr weitgehend von einer Stagnation aus. „Das Wachstum wird bei plus/minus Null sein“, sagte die Regierungsberaterin und Vorsitzende des Sachverständigenrats jüngst der Nachrichtenagentur Reuters. Ab der zweiten Jahreshälfte werde es wohl eine Erholung geben. „Das hängt von China ab.“ Allerdings komme der Zinserhöhungskurs der Europäischen Zentralbank zunehmend in der Wirtschaft an und bremse die Konjunktur.

Lesen Sie auch: Insolvenzen – erst die Weck-Gläser, jetzt der Römertopf

rtr
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