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Risiken und Nebenwirkungen der StatistikWarum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet

Die Krebsgefahr nimmt zu, immer mehr Neuerkrankungen, häufigste Todesursache: Mit solchen Schlagzeilen lässt sich trefflich Angst machen. Aber wieso eigentlich?Thomas Bauer, Gerd Gigerenzer, Walter Krämer 08.09.2014 - 12:11 Uhr Quelle: Handelsblatt

„Sterben in einem Land viel Menschen an Krebs, geht es den Menschen eher gut, sterben wenige Menschen an Krebs, geht es den Menschen eher schlecht“, schreiben Bauer, Gigerenzer und Krämer in ihrem neuen Buch.

Foto: WirtschaftsWoche

Wenn sich drei Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zusammentun, kommt dabei nicht immer etwas launenhaft Lesbares heraus. Dass vor allem Walter Krämer über das trockene Thema Statistik sehr spannende Bücher schreiben kann, hat der Dortmunder Professor mit seinen Bestsellern "So lügt man mit Statistik" und "Statistik verstehen" schon vor vielen Jahren bewiesen.

Nun hat sich Krämer mit Thomas Bauer, Ökonom beim Forschungsinstitut RWI Essen und dem Psychologen Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zusammengetan: Ihr Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet“ bietet entsprechend mehr als eine Abhandlung über Statistik und die Unfähigkeit, mit ihnen umzugehen.

Die drei Autoren erklären anhand von wichtigen gesellschaftlichen Themen, wie die Bürger hinters Licht geführt werden - sei es aus Absicht oder aus bösem Willen. Anstatt "nur" den Missbrauch der Statistik darzustellen (was Krämer zur Genüge in seinen früheren Büchern tat, an die man sich auch hier stellenweise erinnert), stellen sie mit der Summe ihres Wissens die Dinge richtig - und machen dieses Buch so zu einem lesenswerten. Ein Auszug:

Die Krebsgefahr nimmt zu, immer mehr Menschen erkranken und sterben daran, in Deutschland inzwischen jeder Vierte, und der Weltkrebsbericht der Weltgesundheitsorganisation sieht für 2025 jährlich mehr als 20 Millionen Neuerkrankungen an Krebs voraus.

Bald ist Krebs vielleicht sogar die weltweit häufigste Todesursache überhaupt.

Kein Wunder also, dass mit solchen Zahlen so trefflich Angst zu machen ist. Und wie nicht anders zu erwarten, hat auch der letzte Weltkrebsbericht die üblichen Verunsicherungen und Forderungen nach staatlichen Eingriffen zur Eindämmung der Bedrohung ausgelöst. Aber wieso eigentlich?

Schalten wir doch einmal – bei diesem Thema sicher nicht leicht – unsere Emotionen und unsere Ängste eine Weile ab und stattdessen unsere grauen Gehirnzellen zum Denken ein. Dann wird nach einer Weile klar, dass diese Zahlen ein geradezu notwendiges, wenn auch trauriges Nebenprodukt einer im Prinzip durchaus erfreulichen Entwicklung sind.

Denn je mehr Menschen in einem Land oder in einer Region an Krebs sterben oder erkranken, desto länger leben sie dort auch, desto höher ist dort die an der Lebenserwartung gemessene Umweltqualität und desto höher der Standard der Hygiene und Medizin.

Krebs entsteht nur durch ungesunde Lebensweise

Wer rotes Fleisch isst, raucht, trinkt und ins Solarium geht, bekommt Krebs, wer gesund lebt, nicht. Das stimmt so nicht, wie der „Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland“ des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut zeigt.
Bei vielen Krebsarten steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter.

Foto: dpa

Krebs ist ansteckend

Dieses Vorurteil hält sich standhaft. Dabei ist wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, dass Krebs weder über den normalen Umgang mit Patienten noch über die Pflege, nicht einmal über Sex, übertragen werden kann. Denn Patienten scheiden die Krebszellen nicht aus. Kommt ein Mensch versehentlich mit Tumorgewebe direkt in Berührung, erkennt das Immunsystem die fremden Körperzellen und eliminiert sie. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass dieser Schutzmechanismus sogar funktioniert, wenn man eine Bluttransfusion mit dem Blut eines Krebskranken verabreicht bekommt.

Quelle: Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums

Foto: dpa/dpaweb

Abtreibung löst Brustkrebs aus

Dieses Gerücht ist eine echte Belastung für alle Frauen, die sich im Laufe ihres Lebens einmal gegen ein Kind entscheiden mussten. Ausgangspunkt ist eine Studie aus den USA, die weltweit in den Medien zitiert wurde. Diese legte nahe, dass Abtreibungen das Risiko für ein Mammakarzinom erhöhe. Kritiker bemängelten, dass mit der Studie keine Krebshäufung unter betroffenen Frauen nachgewiesen werden konnte. Auch ließe sich gar nicht ablesen, dass Abtreibung und Brustkrebs ursächlich etwas miteinander zu tun hätten. Mittlerweile wurden fundierte Studien durchgeführt, die zeigen, dass Schwangerschaftsabbrüche und auch ungewollte Fehlgeburten als Risiko für Brustkrebs relativ sicher ausgeschlossen werden können.

Foto: dpa

Zu enge BHs verursachen Brustkrebs

Auch diesen Mythos schürte ein Buch aus den USA. Darin hieß es, dass das Abklemmen der Lymphbahnen dazu führe, dass der Stoffwechsel nicht gut funktioniere und Schadstoffe nicht abwandern könnten. Ein Beweis oder eine wissenschaftliche Quelle für diese Behauptung konnten die Autoren jedoch nicht liefern. Inzwischen ist klar: Das Tragen von Büstenhaltern beeinflusst das Brustkrebsrisiko nicht, egal ob zu eng oder gut passend, mit Bügel oder ohne.

Foto: dpa

Viele Lebensmittel sind für Krebspatienten giftig

So viele Ratschläge Freunde und Bekannte auch auf den Lippen haben, eine sogenannte "Krebsdiät" gibt es nicht. Häufig wird vor Kartoffeln, Tomaten oder Schweinefleisch gewarnt, die angeblich giftig für Krebspatienten seien. Tatsächlich enthalten die Nachtschattengewächse Kartoffeln und Tomaten in ihren grünen Pflanzenteilen das schwach giftige Solanin. Krebs fördert dieser Stoff jedoch nicht.
Das Gerücht, Schweinefleisch sei schädlich, scheint eher einen weltanschaulichen oder religiösen Hintergrund zu haben. Wissenschaftliche Belege, dass das Fleisch ungesund ist, gibt es jedenfalls nicht.

Foto: dpa

Krebsrisiko steigt nach einer Sterilisation

Führt eine Durchtrennung der Eileiter oder Samenstränge zur Empfängnisverhütung zu Krebs? Hierauf ist die Antwort nicht so eindeutig zu geben. Bei Frauen konnte die Vermutung, eine Unterbindung der Eileiter führe zu Eierstockkrebs, bislang nicht durch Studien belegt werden. Bei Männern sieht die Sache etwas anders aus: Jahrelang galt eine Vasektomie als ungefährlich. Das Risiko, an Hodenkrebs zu erkranken, scheint tatsächlich nicht anzusteigen. Bei Prostatakrebs hingegen sehen die Wissenschaftler noch offene Fragen. Eine US-Studie die im Journal of Clinical Oncology veröffentlicht wurde und 50.000 Männer über einen Zeitraum von 24 Jahren beobachtete, wies auf einen leichten Anstieg aggressiver Prostatakarzinome nach einer Vasektomie hin. Der Mechanismus dahinter ist aber noch unklar.

Foto: dpa

Übergewicht macht krebskrank

Es gibt Studien, die sich mit der Frage beschäftigt haben, ob es einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Körpergewicht und Brustkrebs gibt. Und tatsächlich müssen Frauen, die nach den Wechseljahren deutlich übergewichtig sind, mit einer höheren Erkrankungswahrscheinlichkeit leben. Für jüngere Frauen wurde dieser Zusammenhang bisher nicht bestätigt. Laut dem Krebsinformationsdienst laufen hierzu aktuell noch weitere Studien.

Foto: dpa

Verletzungen können Zellveränderungen auslösen

Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass Traumata des Gewebes wie Stöße, Schläge, Blutergüsse oder Quetschungen Krebs fördern. Ausgenommen sind Menschen, die lange Jahre unter einem Lymphödem leiden - einer chronischen Gewebeschwellung durch Flüssigkeitseinlagerung. Dadurch steigt das Risiko einer Form von Weichteiltumoren. Diese Tumore sind jedoch sehr selten.

Foto: dpa/dpaweb

Zucker füttert den Krebs

"Verzichte bloß auf Zucker!" Diesen Ratschlag hören krebskranke Menschen oft. Denn Zucker ist der Energielieferant schlechthin für unsere Zellen. Die Beobachtung des Energiestoffwechsels von Tumorzellen und ob sich dieser von gesunden Zellen unterscheidet, ist eine wichtige Frage der Krebsforschung. Bislang gibt es keine Studienergebnisse, die diese Theorie klar be- oder widerlegen könnten. Für eine zuckerfreie Ernährung von Krebspatienten fehlt daher die wissenschaftliche Grundlage. Krebsforscher warnen im Gegenteil vor allzu strengen Diäten, um den Körper und den Appetit, der ohnehin unter der Krankheit und der Therapie leidet, nicht zu überfordern.

Foto: dpa

HPV-Impfung kann Krebs auslösen

Die Befürchtung tauchte bereits vor acht Jahren auf. Damals wurde ein Impfstoff gegen sogenannten humanen Papillomviren (HPV) auf den Markt gebracht. Diese Erreger sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt und an weiteren Tumoren im Intimbereich bei Frauen und Männern. Seit einiger Zeit weiß man, dass sie auch bei Krebs im Mund-Rachen-Raum eine Rolle spielen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren zu impfen. Experten gehen davon aus, dass nicht nur Mädchen, sondern auch erwachsene Frauen, Jungen und Männer von einer Impfung profitieren: Sie kann vor vielen, wenn auch nicht allen virusbedingten Zellveränderungen bewahren, die langfristig zu Krebs führen. Das Impfen selbst kann keine HPV-Infektion hervorrufen. Voraussetzung für eine Ansteckung wäre, dass der Impfstoff Erbmaterial der Papillomviren enthielte. Dies ist aber nicht der Fall.

Foto: dapd

Wer fünf Jahre krebsfrei ist, ist geheilt

Etwa 500 000 Krebsfälle werden jedes Jahr in Deutschland neu registriert. Wer die heimtückische Krankheit überlebt, braucht Nachsorge, denn die Gefahr bleibt. Seit langem lautet die Faustregel: Wer fünf Jahre krebsfrei ist, gilt als gesund. Das hänge aber von der Tumorart ab, sagt Volker Arndt vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. „Bei vielen Tumorarten, zum Beispiel Brust- und Prostatakrebs, weisen auch fünf Jahre nach der Diagnose Patienten schlechtere Überlebenschancen auf als nicht Betroffene. Auch treten manche Spätfolgen erst viele Jahre nach Abschluss der Therapie auf“, sagt der Experte.

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Die folgende Grafik setzt einmal für eine Auswahl von Ländern die Lebenserwartung und den Anteil der Menschen, die an Krebs versterben, in Relation. Wie zu sehen, meldet man die weltweit höchste Lebenserwartung in Japan und in der Schweiz.

Gleichzeitig ist dort auch die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, am höchsten. In Südafrika werden die Menschen im Durchschnitt nur 50 Jahre alt. Und weniger als 10 Prozent sterben an Krebs. Wo möchten Sie lieber leben? In einem Land mit wenig Krebs oder mit viel?

Die Anzahl der Todesfälle durch bösartige Tumore ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. 2011 sind 852.328 Deutsche an Krebs gestorben. Damit bleibt die Krankheit nach den Herz- und Kreislauferkrankungen zwar die zweithäufigste Todesursache, allerdings ist der Anteil an allen Todesfällen in den letzten 30 Jahren um fast 25 Prozent gestiegen. Am häufigsten starben Männern und Frauen im Jahr 2011 an Krebs im Bereich der Verdauungsorgane. 38.531 Männer (32 Prozent) und 31.694 Frauen (30 Prozent) waren betroffen. Am zweithäufigsten traten bei den Männern Todesfälle aufgrund von Lungen- und Bronchialkrebs mit 31.293 Sterbefällen auf (Anteil von 26 Prozent). Bei den Frauen liegt Brustkrebs an zweiter Stelle mit 17.815 Sterbefällen (Anteil von knapp 18 Prozent).

Außerdem sind in Deutschland nach einer Prognose des Berliner Robert Koch-Instituts mehr Menschen neu an Krebs erkrankt als in den Vorjahren. Der Krebsatlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V. (GEKID), zeigt allerdings, dass es sowohl bei den Krebsarten als auch bei der Häufigkeit der Erkrankungen regionale Unterschiede gibt.

Foto: dpa

Ost- und Westdeutschland

So tritt in den neuen Bundesländern beispielsweise deutlich seltener Brustkrebs auf. Im Osten ist sowohl die Erkrankungs- als auch die Sterblichkeitsrate um 20 bis 30 Prozent geringer als in Westdeutschland. Laut Einschätzung von GEKID kann das darin begründet sein, dass Frauen in der ehemaligen DDR weniger Hormone nahmen, als die Frauen im Westen. Außerdem bekamen die Frauen im Osten früher Kinder und stillten sie länger. Das reduziert die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken.

Foto: dpa

Süddeutschland

Auch zwischen Nord und Süd gibt es Unterschiede: So treten in Bayern und Baden-Württemberg weniger Brustkrebsfälle auf als im Nordwesten Deutschlands. Insgesamt erkrankten in Bayern und Baden-Württemberg im Jahr 2010 67.138 Menschen an Krebs.

Foto: dpa

Norddeutschland

Im Norden dagegen sind die Zahlen der Prostatakrebserkrankungen höher. Besonders viele Patienten gibt es in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Das könne laut GEKID zwar auch daran liegen, dass in diesen Ländern mehr Männer die PSA-Früherkennungs-Tests nutzen und somit einfach mehr Zahlen vorliegen. Allerdings sei im Norden auch die Sterblichkeitsrate für Prostatakrebs etwas höher als im Rest von Deutschland.

Foto: dpa

Stadtstaaten

In Bremen, Hamburg und Berlin ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, am höchsten. Besonders Frauen bekommen in den Stadtstaaten überproportional häufig Tumore in der Lunge. Das kann zum Teil am Smog liegen, zum anderen Teil daran, dass immer mehr Frauen rauchen. Lungenkrebs ist in Deutschland die dritthäufigste Krebserkrankung – sowohl bei Männern als auch Frauen.

Foto: dpa

Küstenregionen

Außerdem geht aus dem Krebsatlas von GEDIK hervor, dass es an der Nord- und Ostsee deutlich weniger Fälle von Schilddrüsenkrebs gibt, als in Süddeutschland. Das könnte daran liegen, dass die Menschen in den Regionen an der Küste besser mit Jod versorgt sind, als im Süden. Menschen mit chronischem Jodmangel haben ein höheres Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

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Ostdeutschland

Im Osten Deutschlands erkranken deutlich mehr Menschen an Magenkrebs, als im Rest der Republik. Besonders viele Neuerkrankungen gibt es in Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Woher der Unterschied kommt, ist unklar.

Foto: ZB

Auch wenn Krebs für den Einzelnen eine sehr ernste, häufig sogar lebensbedrohliche Diagnose darstellt und die Erforschung der Ursachen zu Recht eine hohe Priorität genießt, ist eine hohe Krebsmortalität ein eher positives Qualitätsmerkmal.

Sterben in einem Land viel Menschen an Krebs, geht es den Menschen eher gut, sterben wenige Menschen an Krebs, geht es den Menschen eher schlecht. Teilt man die an Krebs Verstorbenen nach Altersklassen ein, enthüllt sich sogar das Gegenteil einer wachsenden Krebsgefahr.

Die folgende Tabelle stellt für die Jahre 1970 und 2012 sowie für verschiedene Altersklassen die Zahlen der an Krebs verstorbenen deutschen Frauen einander gegenüber(für Männer gilt Ähnliches).

So viele von je 10.000 deutschen Frauen verschiedener Altersklassen sind an Krebs gestorben:

Wie zu sehen, nimmt die Krebsmortalität mit steigendem Lebensalter dramatisch zu, und zwar zu früheren Zeiten genauso wie heutzutage. Das ist nicht neu und sollte niemanden überraschen. Überraschend ist vielmehr etwas anderes: In allen Altersklassen geht die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, mit der Zeit zurück! (Zumindest für deutsche Frauen und die Jahre 1970 und 2012.)

Das macht die Warnung vor der Krebsgefahr nochmals um mehrere Grade unglaubwürdiger. Denn von einer „Explosion“ der Todesursache Krebs kann sogar aus zwei Gründen keine Rede sein. Die mit Abstand wichtigste Ursache für die insgesamt zunehmende Mortalität ist einmal der mehr als erfreuliche Umstand, dass immer mehr Menschen in die Altersgruppe 80 plus hineinwachsen, und darüber sollte man sich doch eher freuen.

Krebs

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Und dann geht sogar in diesen hohen Altersklassen das Todesrisiko Krebs zurück! Es bleibt zwar absolut gesehen hoch, war aber früher höher. Nun zeigt diese Tabelle nur die an Krebs Verstorbenen, nicht die an Krebs Erkrankten. Nach dem Zentrum für Krebsregisterdaten am Robert Koch Institut ist die Zahl der Krebsneuerkrankungen zwischen 2000 und 2010 bei Männern um 21 Prozent und bei Frauen um 14 Prozent angestiegen.

Doch auch diese Zunahme ist überwiegend mit unserer zunehmenden Alterung zu erklären. Die um Alterseffekte korrigierten, sogenannten altersstandardisierten Erkrankungsraten haben sich bei Männern nicht verändert und sind bei Frauen nur leicht angestiegen (7 Prozent). Und dieser Anstieg ist, so das Robert Koch Institut, vor allem auf das Mammografie-Screening zurückzuführen.

Guter Rat ist teuer, heißt es. Das stimmt wohl heute mehr denn je - schließlich bezahlen viele Menschen hohe Summen für professionelle Ratgeber. Die Branche boomt: Ob Coaches, Unternehmensberater oder Autoren von Lebenshilfe-Literatur. Doch der eine Ratschlag, den ein Mensch sein Leben lang mit sich trägt, den gibt es oft umsonst. Der Schweizer Autor und Unternehmensberater Frank Arnold fragte Topmanager nach dem besten Rat, den sie je bekommen haben. Das Ergebnis: Sein Buch „Der beste Rat, den ich je bekam“ (Hanser Verlag, 2014), in dem 98 Spitzenmanager und sieben Spitzenmanagerinnen aus unterschiedlichen Branchen, Generationen und Ländern verraten, welcher Tipp sie am nachhaltigsten geprägt hat. Und das ist häufig überraschend: Zum Beispiel die demütigen Worte des ehemaligen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann oder warum Schraubenkönig Reinhold Würth seinem Vater dafür dankt, kein Abitur gemacht zu haben. WirtschaftsWoche Online hat die besten Geschichten zusammengestellt.

Foto: WirtschaftsWoche Online

Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: In andrer Glück sein eignes finden

Ich war noch ein Junge, als mir mein Vater das Gedicht von Christoph Martin Wieland aufschrieb: „In andrer Glück sein eignes finden, ist dieses Lebens Seligkeit. Und andrer Menschen Wohlfahrt gründen, Schafft göttliche Zufriedenheit.“ Seine tiefe Weisheit hab ich erst in der Finanzkrise vollständig erfasst. Unternehmen haben eine gesellschaftliche Aufgabe: sozialen Mehrwert zu schaffen. Die erste Aufgabe von Managern ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Aber nicht des Gewinnes selbst wegen, der ist nur Mittel zum Zweck, damit das Unternehmen wachsen und neue Produkte entwickeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen – kurz Wohlfahrt gründen – kann.

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Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner: Wenn du es eilig hast, nimm einen Umweg

Als ich darüber grübelte, was wohl das richtige Studium wäre, um ein berühmter Journalist zu werden und mir mein gesamter Bekanntenkreis und alle Profis rieten, Publizistik zu studieren, fragte ich zur Sicherheit noch Artur Joseph, Journalist und väterlicher Freund meiner Mutter. Er sagte: „Es ist egal, was du studierst, nur ein Fach auf keinen Fall: Publizistik“. Ich war verwirrt: „Aber das ist doch der direkte Weg?“ „Und deshalb ist es falsch. Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg“. Er fragte mich, worüber ich am liebsten schreibe. Ich studierte Musik, Literatur und Theater. Zwei Jahre später war ich freier Musikkritiker bei der FAZ. 20 Jahre später CEO von Axel Springer.

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Henkel-Chef Kasper Rorsted: Mach es richtig

Mein Vater sagte mir schon als Teenager: Man kann als Schüler kein gutes Abitur machen, wenn man zehn Jahre in der Schule schläft, und auch an der Universität keinen guten Abschluss erzielen, wenn man erst kurz vor den Prüfungen anfängt, ernsthaft zu arbeiten. So ist es auch im Geschäftsleben. Es wird kein erfolgreiches Geschäftsjahr geben, wenn schon die ersten zwei Quartale schlecht gelaufen sind. Wenn man sich entschieden hat, etwas zu tun, dann natürlich auch richtig.

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Allianz-Chef Michael Diekmann: Eine kleine Lüge wird immer größer

„Eine kleine Lüge wird immer größer“, das war der beste Rat, den ich bekommen habe. Immer wieder habe ich erlebt, dass Unwahrheiten ihren Schöpfer einholen und womöglich übermannen. Deshalb rate ich zur Aufrichtigkeit. Nicht nur privat; beruflich erst recht. Ich finde es künstlich, die zwei Bereiche unter diesem Aspekt zu unterscheiden. Wenn ich beruflich handle, tue ich dies als Person.

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UBS-Chef Sergio Ermotti: Der beste Rat ist der, den man sich holt

Fragen Sie andere um Rat, wenn Sie nicht weiterwissen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil. Aber wählen Sie Ihre Berater sorgfältig aus. Und messen Sie die Qualität der Ratschläge stets daran, ob und wie gut diese auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele zugeschnitten sind. Dies zu beurteilen kann Ihnen kein Berater abnehmen.

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Unternehmer Reinhold Würth: Von der Pike auf lernen

Der beste Rat meines Lebens war die Entscheidung meines Vaters, mich nach den acht Pflichtschuljahren von der Schule zu nehmen und mich als ersten Lehrling in seinem Unternehmen zu beschäftigen. Noch heute, 64 Jahre später, bin ich meinem Vater dafür dankbar, denn über die Lehrzeit hinaus konnte ich noch zwei weitere Jahre bis zu seinem Tod mit ihm zusammen arbeiten. Dadurch war ich wohlgerüstet, die kleine, solide Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern weiterführen zu können und wachsen zu sehen bis zu einer Unternehmensgruppe mit zehn Milliarden Euro Umsatz.

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Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen: Keine Angst vor Veränderungen

In Veränderungen sollte man eine Chance sehen, diese Welt und die Zukunft mitgestalten zu können. Denn Zukunft geschieht nicht von allein: Jeder Einzelne ist Teil der Zukunft. Wer davor Angst hat, wird in unserer schnelllebigen Zeit keine Chance haben. Technischer Fortschritt und gesellschaftlicher Wandel in einer äußerst kompetitiven Umgebung erlauben keinen Müßiggang.

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Rewe-Chef Alain Caparros: Kleiner Rat mit großer Wirkung

Wenn man mich nach dem besten Rat fragt, den ich in meinem Berufsleben bekommen habe, fällt mir der frühere Chef der Metro-Gruppe, Hans-Joachim Körber, ein. Ich war vor vielen Jahren Chef der Schweizer Bon-Appétit-Gruppe und hatte den Auftrag, dieses Handelsunternehmen zu verkaufen. Körber gab mir den Rat, mich an Hans Reischl zu wenden, der damals Chef der Kölner Rewe-Gruppe war. Tatsächlich konnte ich 2003 die Bon-Appétit-Gruppe an Rewe verkaufen – aber Reischl war sehr schlau und hat dem Verkauf nur unter der Bedingung zugestimmt, dass ich mit zu Rewe komme. Ohne diesen Deal wäre ich damals nicht bei Rewe und wahrscheinlich nie an der Spitze gelandet.

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Novartis-Chef Joseph Jimenez: Karrieren müssen nicht geradlinig verlaufen

Der beste Rat, den ich je erhielt, war, mich dem gängigen Drang nach einem geradlinigen Karriereweg zu verweigern. Damals war ich als Produktmanager für eine bekannte Marke verantwortlich, die rund 300 Millionen Dollar erwirtschaftete. Ich dachte, in meiner weiteren Laufbahn immer größere Marken zu führen. Es war deshalb ein Schock, als ich eines Tages eine unbekannte Marke übernehmen sollte. Doch bald wurde mir klar, dass dieser Job hohe Ansprüche stellt. Durch diesen Sprung ins kalte Wasser überdachte ich meine Karrierevorstellungen. Und anstatt dem geradlinigen Weg zu folgen, baute ich mir eine wirklich persönliche Karriere auf.

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Deutsche-Telekom-Vorstand Marion Schick: Überlegen Sie sich, wofür Sie kämpfen

Meine Lebenserfahrung ist: Kompromisse gehören zum Leben, aber man darf sich zu nichts zwingen lassen, was den tiefsten Überzeugungen widerspricht. Überlegen Sie gut, wofür Sie kämpfen und wofür nicht.

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Unternehmensberater Roland Berger: Stehen Sie dem Zufall offen gegenüber

Die besten Chancen ergeben sich unerwartet oder sind erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen. Während meines BWL-Studiums baute ich eine erfolgreiche Wäscherei auf, aber mir war klar, dass ich nicht als „Wäscherei-Millionär“ enden wollte. Bei einer Seminararbeit entdeckte ich den Beruf des Unternehmensberaters, der mich gleich faszinierte. Aber damals war der Job hierzulande noch völlig unbekannt. Eines Tages sagt mir eine Stammkundin der Wäscherei, dass ihr Sohn für eine italienisch-amerikanische Unternehmensberatung in Mailand arbeite. Ich schaffte es dort binnen fünf Jahre zum Partner und gründete 1967 meine eigene Firma.

Foto: REUTERS

Continental-Vorstand Elke Strathmann: Raus aus der Komfortzone

Mein Rat lautet: Raus aus der Komfortzone! Denn wer sich immer wieder in neue Themenfelder wagt, den Weg ins Ausland nicht scheut und neue Kulturen und Sprachen lernt, bewegt sich kontinuierlich vorwärts. Menschen mit Profil sind gefragt, denn Fortschritt beginnt damit, Bestehendes zu hinterfragen. Ja-Sager sind deutlich bequemer als Warum-Frager, aber nur Letztere erzielen Wirkung. Wer die Komfortzone verlässt, ist bereit Fehler zu machen und daraus zu lernen. Ich habe im Laufe meiner Karriere einige Fehler gemacht und bin mir sicher, dass ich dadurch gewachsen und besser geworden bin.

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Ex-Morgan-Stanley-Chef Lutz Raettig: Erst denken, dann handeln

Dieser Spruch hing an der Wand des Büros meine Vaters. Ich habe den Spruch schon in jungen Jahren gelesen, doch nicht gleich verstanden. Heute ist die genannte Handlungsmaxime wichtiger denn je. Es ist nämlich sehr verlockend, durch Schnellschüsse wirtschaftlichen, politischen oder geschäftlichen Druck kurzfristig zu lindern – aber eben auch möglicherweise fatal. Das Befolgen des Prinzips „Erst denken, dann handeln“ führt eher zu richtigen Entscheidungen.

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Mövenpick-Chef Guido Egli: Lernen Sie Fremdsprachen

Der beste Rat für meine berufliche Karriere kam von meinem Vater. Er riet mir, schon in recht jungen Jahren möglichst viele Fremdsprachen zu lernen. Dabei legte er großen Wert darauf, dass ich die Sprache nicht in Schulen oder aus Büchern lernte, sondern vor Ort. So verbrachte ich einen Teil meiner Studienzeit in unterschiedlichen Ländern. Diese so erworbenen Fähigkeiten haben mir in meinem Berufsleben immer wieder geholfen.

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Uhrenchef des Luxus-Konzern LVMH Jean-Claude Biver: Die Spur des Lebens

In den 1960er Jahren war ich Teil der Hippie-Bewegung. Dies trug maßgeblich dazu bei, dass ich mich fragte: Weshalb lebe ich? Eines Tages im Jahr 1968 riet mir mein bester Freund, mir Gedanken darüber zu machen, welche Spur ich hinterlassen möchte. Das Nachdenken über diese Frage, führte mich zu der Erkenntnis, dass ich zwei Spuren hinterlassen möchte: erstens eine Liebesspur und zweitens eine Kompetenzspur. Diese zwei übergeordneten Ziele haben von diesem Tag an mein ganzes Leben geprägt, und ich werde bis zu meinem letzten Atemzug versuchen, diese zwei Spuren zu ziehen.

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Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes: Visitenkarten erteilen keine Autorität

„Autorität wird nicht über die Visitenkarte verliehen. Autorität erwirbt man sich durch ausgezeichnete fachliche und persönliche Führungsqualitäten“. Diesen Rat hat Eberhard von Kuenheim, ehemaliger BMW-Chef, seinen „Oberen Führungskräften“ mitgegeben. Ich war damals einer der Jüngsten in dem Kreis.

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Fresenius-Medical-Care-Chef Rice Powell: Respektiere andere Sichtweisen

Ich weiß, das ist durchaus konventionell und vielleicht sogar trivial, aber meine Eltern haben auf mich einen größeren Einfluss gehabt als jeder andere. Ich war eigentlich kein sonderlich eigensinniges Kind, aber sie haben mir trotzdem immer wieder eingebläut, dass ich mir die Meinung anderer Person anhören- und diese beachten soll – egal ob ich mich dann dieser Meinung anschließe oder nicht.

Foto: dpa Picture-Alliance

Aber selbst ein „echter“ Anstieg der um Alterseffekte korrigierten Zahl der Krebsneuerkrankungen wäre immer noch kein Grund zur Panik. Wie man etwa aus Autopsie-Studien weiß, leidet einer von fünf 50-jahrigen Männern in den USA an einer Form von Prostatakrebs. Wenn diese Männer zehn Jahre langer leben, sind es schon zwei von fünf. Werden sie über 70 Jahre alt, dann sind es drei von fünf. Und falls diese Männer über 80 Jahre alt werden, sind es sogar vier von fünf. Aber sterben tun daran nur etwa 3 Prozent. Das heißt, wenn ein Mann das Glück hat, lange zu leben, dann muss er damit rechnen, eine Form von Prostatakrebs zu bekommen. Nur wird er wahrscheinlich mit dem Krebs sterben und nicht am Krebs.

Eine weitere systematische Desinformation, ob aus Absicht oder Schlamperei, erleben wir auch zu den Ursachen von Krebs. Denn natürlich ist ein hohes Lebensalter als solches keine Krebsursache, es erleichtert nur den wahren Ursachen, ihre Wirkung zu entfalten. Und da gibt es keinen Mangel an Kandidaten.

Die Eingabe des Stichworts „krebserregend“ bei Google etwa liefert die folgende beeindruckende Liste von Feinden unseres Lebens (nur Auszüge, alphabetisch sortiert): Ablagerungen in Kaffeebohnen, aggressive Cholesterol-Senkung, Alkohol, Ameisensäure, Anilin, Aroma-Chemikalien, Arsensaure, Asbest, Babyschnuller, Benzol, Blaugel, Blei, Buchenstaub, Cannabis, Chlor, Cobalt, Computermonitore, Deosprays, Dieselmotor-Emissionen, Dioxin, Duftbäume im Auto.

Energiesparlampen, fernöstliche Kräutermischungen, Formaldehyd, gegrillte Mettwürstchen, Glasfasern, Handystrahlung, Holzstaub, Heizöl, HP-Viren, Kartoffelchips, keramische Mineralfasern, Klapprechner, Kohlenmonoxid, Kondome, Laserdrucker, Lebensmittelzusatzstoffe, Linkshändigkeit, Luftballons, Mineralwolle, Neurodermitis-Salben, Nickel, Oralsex, Ostzonensuppenwürfel („Ostzonensuppenwürfel machen Krebs“ – das war tatsächlich einmal eine Schlagzeile in der Bild), Ozon, Passivrauchen, Parfüm, PCB, Pommes frites.

Quarz, Rapsöl-Abgase, rohes Rindfleisch, Rohöl, scharf angebratenes Fleisch, Schichtarbeit, Schimmelpilze, Schminke, Sojabohnen, Speckstein, Stammzellen, Tabakrauch, Tätowierungen, Tupperware, Übergewicht, zu viel UV-Strahlen, zu wenig UV-Strahlen, Venylacetat, WLAN-Anlagen, Zigaretten-Zusatzstoffe, Zimtsterne und Zitronensäure.

Es scheint heute fast nichts mehr zu geben, was wir anfassen, tun und lassen, essen oder anziehen, das nicht im Zweifelfall auch Krebs erzeugt.

Diese Warnungen mögen im Einzelfall durchaus ihre Berechtigung besitzen, lenken aber im Großen und Ganzen von den eigentlichen Krebsgefahren eher ab. Insbesondere reiten sie zu oft auf der Technik, der Chemie, der Industrie herum und übersehen dabei die wahren Ursachen für die meisten Krebserkrankungen, die ganz woanders zu suchen sind.

Die nebenstehende Tabelle, einem Aufsatz der britischen Epidemiologen Doll und Peto entnommen, teilt alle Todesfalle durch Krebs in den USA nach den vermuteten Ursachen auf.

Diese Zahlen sind schon einige Jahre alt und betreffen ein anderes Land, sehen aber vermutlich für das aktuelle Deutschland nicht viel anders aus. In einem neueren Aufsatz in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Nature finden sich diese Zahlen im Wesentlichen bestätigt. Danach sind etwa Fettleibigkeit und Alkohol für insgesamt 20 bis 30 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich zu machen.

„Unsere Analyse des Ausmaßes synthetischer Gifte in Trinkwasser und synthetischer Pestizide in Nahrungsmitteln zeigt, dass diese im Vergleich zu natürlichen Krebserregern vernachlässigt werden können“, schreibt auch der weltweit wohl angesehenste Biochemiker Bruce N. Ames in Science, der renommiertesten aller Wissenschaftszeitschriften überhaupt.

„Dieses Fazit stimmt auch mit epidemiologischen Untersuchungen überein. Zwar sollten wir bei jeder Art von Krebserregern Vorsicht walten lassen, aber wir brauchen ein Gleichgewicht zwischen einer verbreiteten Chemophobie mit ihren assoziierten hohen Kosten (und geringem Nutzen) und einem vernünftigen Management von Industriechemikalien aller Art.“

Von einem solchen Gleichgewicht sind wir aber in Amerika, und erst recht in Deutschland, noch weit entfernt. Nach Ames und Koautoren übertreffen die natürlichen, als krebserregend identifizierten Pestizide und Lebensmittelgifte in unserer Ernährung (Ethylalkohol in Bier und Wein, Hydrazine in Pilzen usw.) die künstlichen Zusatze bei Weitem sowohl an Menge als auch an Gefährlichkeit. Und nach Auskunft neuerer Arbeiten hat sich der chemieinduzierte, ohnehin schon minimale Anteil aller Krebserkrankungen inzwischen nochmals weiter reduziert.

Auszug aus:
Thomas Bauer, Gerd Gigerenzer und Walter Krämer
„Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet – Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“
Erschienen am 14.August im Campus-Verlag, Frankfurt/New York
Preis: 16,99 Euro
ISBN: 978-3-593-50030-0

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