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Vernetzte Fahrzeuge Konzerne beginnen Autofahrer zu bevormunden

Wie schnell wir fahren, wohin wir reisen, wen wir treffen: Das interessiert Staat, Autohersteller und IT-Konzerne brennend. Künftig sitzen sie deshalb immer häufiger mit im Wagen. Ihr Kontrollwahn, digitale Besserwisserei und Spam im Navi sind dabei, uns den Spaß am Fahren zu verderben.

Autos wie der Nissan Leaf sind Vorboten der kommenden Generation vernetzter Fahrzeuge Quelle: Reuters

Nissans Forschungschef Mitsuhiko Yamashita ist sichtlich stolz. Voller Genugtuung über die Leistung seiner Entwickler beamt er auf einer Tagung nahe Los Angeles ein auf den ersten Blick verwirrendes Bild mit den Umrissen der USA an die Wand. Auf dunklem Hintergrund leuchten scheinbar unendlich viele Punkte. Jeder steht für einen Ort, den Fahrer eines Nissan Leaf irgendwann einmal angesteuert haben. Was kaum ein Fahrer weiß: Das Navigationsgerät ist immer aktiv und übermittelt dem Hersteller regelmäßig seine Positionsdaten.

Lange war das Auto nur eine isolierte Blechbüchse mit beschränkten Kontaktmöglichkeiten zur Umwelt. Das ändert sich gerade: Autos wie der Nissan Leaf sind Vorboten der kommenden Generation vernetzter Fahrzeuge. Die kommunizieren pausenlos miteinander, tauschen sich mit Rechenzentren aus, greifen auf aktuellste Verkehrsinfos zu und senden Fehlermeldungen an Werkstätten und Hersteller.

Das Auto wird zum voll vernetzten Schwarmwesen, zum Teil des Internets der Dinge – und ist sogar auf dem Weg, sich erstmals vom Wagenlenker zu emanzipieren. So warnt künftig ein vorausfahrendes Auto die nachfolgenden, dass hinter der nächsten Kurve Glatteis droht. Der Bordcomputer bremst dann vollautomatisch ab, damit der Wagen nicht ins Schleudern gerät. Das passiert schneller und präziser, als es jeder Mensch könnte.

Möglich macht das ein Technikschub ungeahnten Ausmaßes: Moderne Autos wie der Leaf, der Elektrosportwagen Tesla und selbst ein Golf von Volkswagen gleichen rollenden Rechenzentren. Bis zu 80 Kleincomputer sind darin verbaut. Allein im Golf liegen 1500 Meter Kabel, um alle elektrischen Bauteile miteinander zu verknüpfen.

Was die neuen Cockpits können
Tesla Der Elektroautobauer Tesla hat schon bei seinen ersten Fahrzeugen großen Wert auf das Infotainment gelegt - also die gute Bedienbarkeit von Musik-Diensten, Navigationsgerät, Kommunikation und Serviceinformationen zum Fahrzeug. Nun ist dem Unternehmen in den USA ein neuer Coup gelungen. In Kooperation mit dem Mobilfunkanbieter AT&T sollen die Elektroautos mit einem Zugang zum Highspeed-Internet ausgestattet werden. Damit wäre nicht nur ruckelfreies Webradio und Surfen im Internet möglich. Auch Verkehrsinformationen für das Navigationssystem ließen sich in Echtzeit abrufen. Und bliebe der Wagen stehen, könnte eine Service-Hotline per Netz eine Ferndiagnose des Motors durchführen. Quelle: REUTERS
Kia UvoDas Infotainmentsystem von Kia lässt sich per Sprachsteuerung und Touch steuern. Die erste Variante des Systems entwickelten die Koreaner gemeinsam mit Microsoft. Die aktuelle Version setzt auch auf mobile Dienste und baut auf Googles Betriebssystem Android auf. Dadurch kann das System zum Beispiel auf die Karten und Informationen der Plattformen Google-Maps und Google-Places zugreifen. Steuern lässt es sich sich zusätzlich über Android- und Apple-Smartphones. Quelle: Presse
Audi TabletWie sehr die Welt der mobilen Rechner in die der Automobilbranche übergreift, zeigt ein neues Produkt aus dem Hause Audi. Erst kürzlich stellte der Autobauer auf der Elektronik-Messe CES in Las Vegas ein eigenes Tablet vor. Unter dem Titel "Audi Smart Display" soll das Gerät die Bedienung der Infotainment-Angebote im Auto erleichtern. Denn während Nutzer Tablets intuitiv bedienen können, tun sich viele mit den umfassenden Möglichkeiten von Infotainmentprogrammen im Auto noch schwer. Das Tablet hat einen 10 Zoll großen Display, der sich ganz einfach mit dem Infotainment in neuen Audi-Modellen verbinden lässt. Außerdem bietet es einen direkten Zugriff auf Googles Playstore und damit auf alle Android-Apps für Tablets. Quelle: Presse
Audi und GoogleGleichzeitig haben Google und Audi erst kürzlich auf der CES in Las Vegas bekannt gegeben, künftig miteinander kooperieren zu wollen. Damit sollen alle Audi-Bordsysteme auf dem Betriebssystem Google Android basieren. Auch in den neuen Modellen von General Motors, Honda und Hyundai wird künftig Android als Infotainmentplattform verbaut.   Quelle: AP
Infiniti InTouch Das neue Infotainment-System der Luxusmarke wurde auf der Elektronik-Messe CES vorgestellt. Das System macht es möglich das Smartphone mit dem Bordcomputer zu verbinden. Somit kann der Fahrer über das Programm auch im Fahrzeug direkt auf seine Kontakte, E-Mails und einige Apps zugreifen. Nachrichten liest einem das Programm auf Wunsch laut vor. Musik kann auch per Sprachsteuerung ausgewählt werden. Besonders praktisch: Auf der Infiniti-Plattform lassen sich sogar die Sitz- und Spiegeleinstellungen von bis zu vier Fahrern speichern. Quelle: REUTERS
Nokias KartendienstAuch Nokia versucht sich einen Platz im Auto zu sichern. Seit Jahren bieten die Finnen Kartendienste für den Verkehr an. Im Sommer hat der einstige Handy-Riese hunderte Millionen Euro in die Hand genommen, um die Dienste zu erweitern. Bisher ist die Plattform "Here" so ausgelegt, dass sie neben der Kartendienste auch eine Integration von Musik und Internetangeboten vorsieht, wie zum Beispiel der ortsbezogene Dienst Foursquare. Eingebunden ist außerdem eine "Auto-Cloud", über die der Fahrer aktuelle Informationen zu Spritpreisen oder freien Parkplätzen abrufen kann. Die Autobauer können für ihre Produkte selbst entscheiden, welche Serviceangebote von Nokia sie einbinden wollen. Quelle: dpa
BMW i3Das Infotainmentsystem des deutschen Elektroautos lässt sich sogar per Smartwatch Samsung Galaxy Gear steuern. Damit hat der Autofahrer Informationen wie den Kilometerstand, den Batteriestand oder den Parkstandort auf der Uhr gespeichert und so immer dabei. Auch ob Fenster geöffnet oder geschlossen sind, lässt sich mit einem Blick aufs Handgelenk überprüfen. Besonders praktisch: Per Spracherkennung lassen sich Klimaanlage und Heizung auch aus der Entfernung steuern. Somit ist der Wagen im Winter schon vorgeheizt und die gefrorene Scheibe getaut, noch ehe der Fahrer das Auto überhaupt aufgeschlossen hat. Quelle: dpa

Ob Lenkradstellung, Ort, Außentemperatur, Tempo, Sitzbelegung, die Aufmerksamkeit des Fahrers oder technische Störungen: Sensoren und Rechner registrieren praktisch alles, was im Auto vor sich geht. Sie speichern es auf dem Steuergerät nur vorübergehend oder je nach Wichtigkeit und im Falle einer Fehlfunktion auch dauerhaft. Bislang lesen diese Daten hauptsächlich Werkstätten und Hersteller aus, wenn das Auto zur Reparatur oder Inspektion auf die Hebebühne kommt.

Die Vernetzung soll für mehr Sicherheit sorgen und für mehr Komfort bis hin zum automatischen Fahren – das ist zumindest die verlockende Werbebotschaft.

Doch in Zeiten zunehmender Vernetzung wachsen auch die Begehrlichkeiten: Zu verlockend ist für Autohersteller, Zulieferer, aber auch für die Riesen der Informationstechnik wie Apple, Microsoft und Google, für Autobanken, Versicherer und Automobilclubs das Geschäft mit den automobilen Rechenzentren: Dem Beratungsunternehmen Booz & Company zufolge werden sich die Umsätze rund um das vernetzte Auto weltweit von 31 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf mehr als 113 Milliarden Euro bis 2020 fast vervierfachen.

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