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Klimaschutz Die globale Ohnmacht

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Klimapolitik

Markt in Kamerun Quelle: dapd

6. Welche Ansätze bleiben, den Klimawandel zu akzeptablen Kosten zu bremsen?

Die Klimapolitik in ihrer jetzigen Form ist gescheitert. Prominentestes Beispiel dafür ist der Emissionszertifikatehandel, dessen Ziel es war, den Ausstoß von CO2 mit einem Preis zu versehen und dadurch Einsparungen attraktiv zu machen. Dafür bekam jedes Unternehmen eine bestimmte Menge CO2-Zertifikate kostenlos zugeteilt – für jede darüber hinaus ausgestoßene Tonne sollte es Zertifikate kaufen. Der Staat verteilte jedoch zu viele Zertifikate, sodass sich kein funktionierender Markt etablierte: Die Zertifikatepreise sind daher nicht nennenswert – außerhalb Europas wird das Handelssystem überhaupt nicht genutzt. Vor der Konferenz in Durban ruhen die Hoffnungen daher auf einem neuen Instrumentarium, darunter einem sogenannten Klimafonds, der von Industrieländern mit 100 Milliarden Dollar gefüllt wird. Sein Ziel ist es, ärmeren Ländern zu helfen, ihre Emissionen zu reduzieren und sich dem Klimawandel anzupassen, mit Küstenschutz in Bangladesch zum Beispiel oder Erdwärme in Indonesien.

Ob der Fonds aber wirklich einen Unterschied machen kann, hängt nicht nur vom finanziellen Umfang, sondern auch vom Wortlaut der Vereinbarung ab. Denn schon beim vorletzten Klimagipfel in Kopenhagen haben sich Industrieländer die Verpflichtung auferlegt, bis zur Einführung des Fonds 30 Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung zu stellen. Bis heute ist jedoch kaum Geld geflossen. Manche Umweltschützer setzen ihre Hoffnung daher darauf, dass eine globale Steuer, etwa auf Finanztransaktionen oder Flüge, eingeführt und für Klimaprojekte verwendet wird. Auch wenn die Idee mit Brasilien und Argentinien auf dem jüngsten G20-Gipfel in Cannes zwei neue Fürsprecher gewonnen hat, scheint die Umsetzung eher unwahrscheinlich, solange sich die USA (Finanztransaktionen) und China (Flüge) sperren. Große Chancen auf Verwirklichung hat hingegen das sogenannte „REDD+“-Abkommen. Bereits in Cancun haben sich die Staaten auf dieses Programm zur Rettung der Wälder, die größten CO2-Speicher, geeinigt. Dabei sollen Staaten belohnt werden, die die Rodung stoppen. Eine sinnvolle Strategie für die Zeit nach Durban wäre zudem möglicherweise eine sehr geringe weltweite Steuer, wie sie der niederländische Umweltökonom Richard Tol vorschlägt: Zwei Dollar pro Tonne CO2, das würde den Unternehmen nicht wehtun und dennoch Anreize zum Einsparen schaffen. Die australische Regierung hat gerade eine solche Steuer eingeführt.

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