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Baustelle Gigafactory In Texas geht es für Tesla schneller voran

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Das neue Silicon Valley?

Die Flucht aus Kalifornien hat vor allem zwei Gründe: Steuern und Bürokratie. Texas erhebt keine zusätzliche Landes-Einkommenssteuer für seine Einwohner wie Kalifornien. Auch die Steuern für Unternehmen sind niedriger. Und obwohl die Grundsteuer in Texas höher ist, werden Baugenehmigungen innerhalb von Wochen erteilt, unter anderem weil die Auflagen für den Umweltschutz und die Vorgaben für die Gebäude liberaler sind.

Musk ist nicht nur ein Fan von Texas geworden, sondern ist im Herbst vergangenen Jahres privat dorthin gezogen. Er wohnt abwechselnd in Austin und in Boca Chica. In dem Ort am Golf von Mexico unterhält sein Raumfahrtunternehmen SpaceX ein Testgelände. Mehr noch, dort plant Musk sein eigenes Sternenstädtchen namens „Starbase“. Dafür kauft er momentan in großem Stil Grundstücke zusammen – auch gegen den Widerstand Einheimischer.

Um das neue Werk in Austin, am Colorado River gelegen, soll wiederum ein parkähnlicher Campus entstehen, laut Musk ein „ökologisches Paradies.“ Derzeit wird eine zusätzliche Fabrik geplant – Projektname Bobcat – in der wahrscheinlich Akkus produziert werden. Das Gelände schließt direkt an „Giga Austin“ an. Die Genehmigung ist erst am 30. April bei der Stadt Austin eingereicht worden, doch anders als in Brandenburg ist hierfür kein Bürgerbegehren nötig.

Teslas Präsenz in Austin ist nicht unumstritten. Langjährige Bewohner fürchten, dass ihre einst so heimelige Stadt wie das Silicon Valley endet – mit verstopften Highways, exorbitanten Hauspreisen und Lebenshaltungskosten. Und dass die „Invasion aus Kalifornien“ nur hoch bezahlte Hightech-Jobs schafft, während geringer Qualifizierte wegen der galoppierenden Kosten immer weiter ins Umland ziehen müssen. Genau wie im Silicon Valley, wo Unternehmen wie Facebook mittlerweile sogar Wohnungen für Feuerwehrleute, Lehrer und Polizisten subventionieren, damit die Infrastruktur nicht zusammenbricht.

Kürzlich hat Musk getwittert, statt der ursprünglich versprochenen 5000 Arbeitsstellen bei Tesla in Austin „über zehntausend Leute allein in 2022 zu benötigen.“ Allerdings offeriere Tesla auch viele Jobs, für die kein Studium nötig sei. Bei anderen Stellen will der Konzern mit örtlichen Schulen kooperieren, um eine berufsbegleitende Ausbildung anzubieten. Ob Musk all diese Zusagen halten kann, muss sich zeigen. Die staatlichen Zuschüsse sind jedenfalls an das Schaffen von Jobs geknüpft. 

Auch sonst ist in dem Ölstaat nicht alles eitel Sonnenschein: Landespolitiker haben dem Elektroautohersteller im Bund mit traditionellen Autobauern und deren Händlern immer wieder Steine in den Weg gelegt. So kann Tesla im Gegensatz zu vielen anderen US-Bundesstaaten in Texas seine Fahrzeuge nicht direkt über seine Niederlassungen an Kunden verkaufen. Ein kürzlich von sowohl Republikanern als auch Demokraten eingebrachtes Gesetz soll das ändern. Es hätte sonst zu der absurden Situation geführt, dass Tesla seine in Austin produzierten Autos in andere Bundesstaaten hätte transportieren müssen, um sie von dort aus texanischen Käufern zu offerieren. Beobachter erwarten, dass das Gesetz passiert.

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Es scheint, als habe die stattliche Tesla-Präsenz in Texas einiges bewirkt. Auch vor diesem Hintergrund ist der Bau in Brandenburg zu verstehen: Musk hatte Deutschland bewusst als Standort für seine erste europäische Fabrik gewählt, obwohl ihm dessen berüchtigte Bürokratie bewusst war. Musks Kalkül war, nicht nur Talente von Volkswagen, BMW und Daimler abzuwerben, sondern auch mit „Made in Germany“ die Herzen von deutschen und europäischen Autokäufern zu gewinnen. 

Ob das die Verzögerungen beim Bau ausgleicht, wird die Zukunft zeigen.

Mehr zum Thema: Tesla hat Probleme – aber ganz andere als von Skeptikern prophezeit. Der verzögerte Bau der Fabrik in Brandenburg wird diese verschärfen.

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