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Elektroauto Model 3So hängt Tesla seine europäischen Konkurrenten ab

Teslas gewaltige Produktionsprobleme beim Model 3 scheinen bewältigt. In den USA hat das elektrische Mittelklasseauto die europäische Premium-Konkurrenz nahezu abgehängt. Droht das bald auch in Europa?Stefan Grundhoff 21.11.2018 - 16:18 Uhr

Nagelneue Tesla Model 3 vor einem Showroom des Elektroautoherstellers in Littleton, Colorado.

Foto: AP

Auf den Straßen von Los Angeles gibt es für Autofreunde derzeit nur ein Thema: Das Model 3 von Tesla. Wer im dicht gedrängten Verkehr in West Hollywood, Santa Monica, Inglewood oder Culver City unterwegs ist, sieht zwar an allen Ecken die mächtigen Pick-Ups und die dunklen Luxusgeländewagen aus zumeist europäischer Produktion. Doch wer auf kleinere Modelle achtet, dem begegnet allenthalben Teslas 4,69 Meter langes Model 3.

Das Farbspektrum des Elektroautos ist überschaubar, die Innenräume sehen sich zum Verwechseln ähnlich - und so fällt die wachsende Zahl der nahezu lautlosen Fahrzeuge wohl noch etwas mehr auf. War der wenig ansehnliche Toyota Prius lange Zeit das grüne Feigenblatt, das man im Straßenverkehr nur allzu gerne zur Schau stellte, hat diese Rolle inzwischen Teslas Model 3 übernommen. In Sachen Innovation schlägt Elektro die Hybriden – nicht nur in den USA.

Hat Elon Musk nach verwirrenden Twitter-Botschaften, unglücklichen Interviews, seinem nicht enden wollenden Produktionsdesaster und unzufriedenen Mitarbeitern etwa nun den Turnaround geschafft? Es scheint so, denn mittlerweile krabbeln immer mehr elektrische Mittelklassemodelle aus der Fabrik im kalifornischen Fremont. Aktuell soll die Wochenproduktion bei rund 7000 Fahrzeugen liegen. Mittelfristig soll das Volumen auf 10.000 Model 3 hochgefahren werden. Die Zielsetzung: pro Jahr sollen 500.000 bis 1.000.000 Model 3 produziert werden.

Dabei werden aktuell insbesondere die teuren Varianten des Model 3 verkauft, die zumeist deutlich mehr als 50.000 Dollar kosten. Sie haben eine Luxusausstattung, bis zu 500 Kilometer Reichweite und in vielen Fällen sogar einen Allradantrieb. Nach zahlreichen Verzögerungen dürften günstigere Modelle mit weniger Leistung und einer geringeren Reichweite zu Preisen von unter 40.000 Dollar spätestens im ersten Quartal 2019 folgen. Das alles dürfte dazu beitragen, dass sich das Mittelklassemodell noch mehr von der allzu dünnen Konkurrenz absetzt. Elektrische Modelle wie der BMW i3, der Renault Zoe oder der Nissan Leaf wurden ohnehin längst vom Model 3 überholt.

Monatelang kamen aus dem Hause Tesla immer neue Schreckensbotschaften. Produktionsziele wurde gleich dutzendfach verfehlt, autonome Fahrfunktionen gestrichen, wichtige Mitarbeiter kündigten. Die Stimmung schien auf dem Tiefpunkt. Während viele bereits mit der Ablösung des allmächtigen Tesla-Kopfes Elon Musk rechnen, scheint sich das Blatt doch noch zu wenden. Zwar haben weitere verantwortliche Köpfe gekündigt, doch das amerikanische Unternehmen schafft es besser als zuvor, sein wichtiges Einstiegsmodell auf die Straßen zu bekommen.

Interesse an E-Sprinter

Tesla-Chef Musk flirtet mit Daimler

Nach Angaben verschiedener amerikanischer Medien liefen die vergangenen drei Monate in den USA für Tesla derart erfolgreich, dass das Model 3 bei den Verkaufszahlen die deutschen Wettbewerber Audi A4 und Mercedes C-Klasse überrunden konnte. Die deutschen Premium-Modelle tun sich zunehmend schwer, Kunden zu finden. Auch am Status des 3er BMW als erfolgreichstes Modell seiner Klasse kratzt das Model 3 bereits kräftig. Verantwortlich für den Erfolg ist allerdings nicht allein Tesla: Audi bringt erst im kommendem Jahr eine gründliche Modellpflege für den A4. Mercedes ließ es bei der jüngsten Modellpflege seiner C-Klasse optisch allzu sachte angehen. BMW bringt im ersten Quartal 2019 einen komplett neuen 3er auf den Markt.

Eine rein elektrische Variante dieser Baureihen bietet bislang ohnehin keiner der deutschen Wettbewerber an. Ähnlich sieht es bei Volvo, Lexus, Infiniti oder Jaguar aus. Die internationalen Konkurrenten haben entsprechende Elektroversionen kaum vor 2021 / 2022 im Angebot. Derweil ist Tesla dabei, zigtausende Vorbestellungen sukzessive abzuarbeiten. Tesla-Chef Elon Musk teilte kürzlich mit, dass Model-3-Fahrzeuge, die bis Ende November in den USA bestellt wurden, noch in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen. So soll die angeschlagene Kundenzufriedenheit steigen.

Dazu sollen die Modelle per Lastwagen vom Produktionsstandort in Fremont an die 4000 Kilometer entfernte Ostküste transportiert werden, wo der zweite Verkaufsschwerpunkt in den USA liegt. Das soll die Transportzeit auf dem amerikanischen Kontinent um rund einen Monat verkürzen. „Tesla hat gerade die Lkw-Kapazität erworben, um sicherzustellen, damit das Modell 3 bis zum 31. Dezember in den USA ausgeliefert werden kann, wenn es bis zum 30. November bestellt wird“, teilte Elon Musk per Twitter mit.

Tesla Model 3

Erhältlich in Europa etwa 2019
Reichweite ca. 350 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)
Preis ab ca. 40.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: dpa

Nissan Leaf 2

Erhältlich ab Januar 2018
Reichweite ca. 300 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)
Preis ab 34.950 Euro (ohne Umweltprämie)

Foto: AP

Jaguar i-Pace

Erhältlich ab März 2018
Reichweite ca. 420 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)
Preis ab ca. 75.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: Jaguar Land Rover

Audi e-tron

Erhältlich ab Herbst 2018
Reichweite ca. 420 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung, noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)
Preis ab ca. 70.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: dpa

Mercedes EQ-C

Erhältlich ab Winter 2019/20
Reichweite ca. 400 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)
Preis ab ca. 50.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: AP

Mercedes EQ-A

Erhältlich ab 2020
Reichweite ca. 400 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung)
Preis ab ca. 40.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: Daimler

Volkswagen I.D.

Erhältlich ab Ende 2019
Reichweite ca. 380 Kilometer (realistisch bei alltagsüblicher Nutzung, noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)
Preis ab ca. 32.000 Euro (noch nicht offiziell, WirtschaftsWoche-Schätzung)

Foto: AP

In Deutschland warten die Kunden derweil noch immer darauf, dass die ersten Model 3 verfügbar sind. Zwar stehen mittlerweile erste Fahrzeuge in den hiesigen Schauräumen. Doch vor Anfang 2019 dürften die seit über einem Jahr bestellten Modelle kaum zu den ungeduldigen Kunden rollen. Ohnehin ist Europa für Tesla kaum mehr als ein Nebenschauplatz. Zu verliebt sind die Europäer in ihren eigenen Automarken, effiziente Diesel und die leistungsstarken Benziner. Da macht sich Elon Musk deutlich größere Hoffnungen in China. Seit sich Tesla in der Nähe von Shanghai einen 850.000 Quadratmeter großen Bauplatz für sein erstes Werk außerhalb der USA gesichert hat, laufen die konkreten Planungen. Die Fabrik soll 2021 fertiggestellt sein und dann mit der Produktion des Model 3 und des neuen Model Y beginnen.

„Die Sicherung dieses Standortes in Shanghai, Teslas erster Gigafactory außerhalb der Vereinigten Staaten, ist ein wichtiger Meilenstein für unsere nächste nachhaltige Produktionsstätte“, sagt Robin Ren, Tesla-Vizepräsident für den weltweiten Vertrieb. Nach Informationen des Wall Street Journals soll die Fläche 140 Millionen Dollar gekostet haben. Teslas chinesische Großfabrik soll ein Jahresvolumen von 250.000 Fahrzeugen haben, der Konzern investiert dafür rund zwei Milliarden Dollar - und sucht Investoren. Bereits zum Start sollen 3000 Fahrzeuge pro Woche vom Band rollen. Um die Wartezeit zu überbrücken, sollen ab April 2019 Autos aus den USA nach China importiert werden. Die Strafzölle in Höhe von 40 Prozent auf amerikanische Autos dürften den Verkaufspreis in ungeahnte Höhen erheben. Bleibt abzuwarten, ob dies den Chinesen den Spaß am Model 3 verdirbt. Es sieht derzeit nicht so aus.

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