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Nächstes Kapitel im Übernahme-Krimi Die dunklen Geheimnisse von VW und Porsche

Neue Runde im Krimi um die gescheiterte Übernahme von Volkswagen durch Porsche: Der Staatsanwaltschaft liegen nun Notizen zur sogenannten "Pfinztal-Runde" vor. Fonds wollen 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz.

Die Unternehmerfamilie Piëch-Porsche. Quelle: dpa

Eine mächtige Villa mit eigenem Park, ein Weinkeller mit mehr als 600 erlesenen Positionen und dann dieser Name: Es gab keinen besseren Rahmen als die Villa Hammerschmiede im badischen Pfinztal. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking – Lebensmotto: „no risk, no fun“ – war schon früher Gast in dem noblen Hotel, dessen Gebäude jahrzehntelang der Industriellendynastie Krupp gehörte.

Am 21. und 22. Februar 2008 rückte eine Gesellschaft an, um an einem wahren Hammer zu schmieden: dem riskanten Plan von „Paris“ (Porsche), mindestens drei Viertel von „Venedig“ (Volkswagen) zu schlucken. Als „Pfinztal-Runde“ sollte das Treffen später Eingang in die Akten der Staatsanwaltschaft Stuttgart finden.

Formel-1-Chef Ecclestone angeklagt
Die Staatsanwaltschaft München hat Anklage gegen den Geschäftsführer der Formel-1-Holding SLEC Bernhard "Bernie" Ecclestone, erhoben. Der Prozess könnte im Herbst beginnen. Ecclestone soll den ehemaligen BayernLB Gerhard Gribkowsky mit mehr als 33 Millionen Euro geschmiert haben. Eine Verurteilung könnte das Ende seiner Karriere bedeuten. Ecclestone selbst ist der Ansicht, dass er nur eine Haftstrafe das Aus für ihn bedeuten würde. Dann müsse er wohl zwangsläufig abdanken. Gegen Gribkowsky... Quelle: dapd
.... ist bereits ein Urteil ergangen. Der ehemalige BayernLB-Manager wurde zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Inhaber Bernie Ecclestone kassiert und nicht versteuert. Gribkowsky wollte zunächst nichts sagen, doch dann legte er nach acht Monaten Schweigen ein umfassendes Geständnis vor dem Landgericht München ab. Mittlerweile hat er aus dem Gefängnis heraus sein Vermögen freigegeben. Die BayernLB sammelt die Millionen ein und wird somit für den von Gribkowsky verursachten Schaden entschädigt. Es geht um 30 Millionen Euro: Immobilien, Uhren und 900 Flaschen Wein miteingerechnet. Gribkowsky erhofft sich dadurch eine kürzere Haftdauer. Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft gegen Holger Härter (Porsche)Urteil: Härter muss einen Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 3500 Euro bezahlen. Richter Roderich sagte, Härter habe bei Kreditverhandlungen mit der französischen Bank BNP Paribas 2009 unvollständige und unrichtige Angaben gemacht. Bei den Verhandlungen ging es um einen 500-Millionen-Euro-Kredit. Zu der Zeit versuchte der Sportwagenbauer den ungleich größeren Volkswagen-Konzern zu schlucken. Mit der Strafe blieb das Gericht hinter dem von den Strafverfolgern geforderten Strafmaß zurück. Die Staatsanwälte hatte ein Haftstrafe von mindestens einem Jahr gefordert,, die bei einer Bewährungsauflage von einer Million Euro zu einer dreijährigen Bewährungsstrafe hätte ausgesetzt werden können. Kreditbetrug kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet werden. Quelle: dpa
Piech und Porsche im VisierDie juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun auch die Spitzen des bekanntesten deutschen Autoclans: Die Staatsanwälte in Stuttgart haben neuerdings Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche (beide Foto) im Visier. Die Ermittlungen erfassen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen alle Mitglieder des Gremiums, die zur heißen Phase des Machtkampfes 2008/2009 als Kontrolleure der PSE beteiligt waren. Grund sei der Verdacht auf Beihilfe zur Marktmanipulation, mit der Anleger womöglich getäuscht worden seien. Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten damals außerdem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dazu sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch. Zudem nimmt die Behörde einen weiteren damaligen Porsche-Manager ins Visier: Auch gegen den Ex-Unternehmenssprecher Anton Hunger wird wegen desselben Verdachts ermittelt. Hintergrund ist der spektakulär gescheiterte Versuch von Porsche, die Macht beim wesentlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass damals Anleger und Finanzwelt gezielt hinters Licht geführt wurden, als 2008/2009 die heiße Phase der Übernahmeschlacht tobte. In diesem Zusammenhang läuft auch eine Klage gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking... Quelle: dapd
Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wendelin Wiedeking, PorscheVorwurf: Verdacht auf Manipulation des AktienmarktesFast drei Jahre ermittelte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen den einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand des Autobauers, Holger Härter. Im Dezember 2012 erhoben die Staatsanwälte schließlich Klage gegen Wiedeking. Der Vorwurf: Informationsgestützte Markmanipulation. Er habe die Börse im Verlauf der Übernahmeschlacht nicht korrekt über seine Pläne und den aktuellen Stand der Ding informiert. Der Vorwurf der Veruntreuung wurde allerdings fallen gelassen. Wiedeking und Härter hatten sich mit gewagten Aktienoptionsmodellen verspekuliert, was den Sportwagenbauer Milliarden gekostet hat. Allerdings soll die Situation nicht existenzgefährdend gewesen sein, daher wurde von der Anklage in diesem Punkt abgesehen. Das Landgericht Stuttgart muss nun in den nächsten Monaten entscheiden, ob es die Klage zulässt. Quelle: dpa
Staatsanwaltschaft gegen Michael Rook (Media Markt)Instanz: Landgericht AugsburgAnklage: Bestechung und Bestechlichkeit - Annahme von Schmiergeld. Ein anderer Angeklagter hat Ende Juni den Empfang von Schmiergeld gestanden und den Ex-Deutschland-Geschäftsführer der Elektronikmarktkette Media Markt, Michael Rook, wegen der Annahme von Schmiergeld mitbeschuldigt. Er und weitere Ex-Top-Manager von Media Markt hatten Schmiergelder für die Vergabe von DSL-Anschlüssen erhalten. Dadurch seien der Wettbewerb ausgehebelt und die Konkurrenten beschädigt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind mehr als vier Millionen Euro geflossen. Der Ex-Deutschland-Chef von Media Markt soll in 182 Fällen bestochen worden sein. Aktueller Stand: Die Staatsanwaltschaft glaubt den Beteuerungen Rooks nicht und beantragt eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten. Für den Ex-Regionalmanager beantragte der Staatsanwalt vier Jahre und sechs Monate Gefängnis. (November 2012) Quelle: dpa
Leo Kirch gegen die Deutsche BankVorwurf: Kirch und seine Familie werfen der Deutschen Bank vor, dass der ehemalige Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer mit einem Interview am 4. Februar 2002 im Nachrichtensender Bloomberg den Zusammenbruch der Kirch-Gruppe mitverursacht hat. Dauer/Instanz: Kirch reichte 2002 die erste Klage ein. Im Dezember 2012 fällt das Oberlandesgericht München das Urteil. Urteil: Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht München Guido Kotschy verurteilte die Deutsche Bank auf Schadenersatz. Die Höhe ließ er offen. Die Summe solle von zwei Gutachtern bestimmt werden. Die Kirch-Seite hatte die Bank in diesem Verfahren auf mehr als zwei Milliarden Euro verklagt. Eine Revision gegen das Urteil ist nicht zugelassen. Die Aussagen Breuers in dem umstrittenen Interview seien kein Unfall gewesen, so Kotschy. Quelle: dpa

Früh war den Beteiligten klar, was bei diesem Projekt auf dem Spiel steht. Man drehe das „größte Rad der Firmengeschichte“ und ein „bedeutendes in der deutschen Industriegeschichte“, so steht es in den Notizen eines Porsche-Beraters, die der Staatsanwaltschaft Stuttgart in die Hände fielen.

An diesen beiden milden Februartagen nun zerbrechen sich die Mitglieder der Pfinztal-Runde über einen Punkt besonders die Köpfe: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, sein Finanzchef Holger Härter und die Anwälte der Großkanzlei Freshfields wollen an die Kasse von VW heran. Aber wie?

Selbst wenn Porsche seinen Anteil an VW von seinerzeit 30 auf 51 Prozent der Stammaktien aufgestockt hätte, würde Porsche nur Dividenden kassieren können. Für einen Gewinnabführungsvertrag, mit dem das anteilige VW-Jahresergebnis nach Stuttgart geleitet werden kann, bräuchte Porsche 75 Prozent und eine Änderung des VW-Gesetzes, laut dem das Land Niedersachsen (20 Prozent der Stammaktien) diese Gewinnabführung verhindern konnte.

Keine zwei Wochen später, am 3. März 2008, beschließt der Aufsichtsrat von Porsche, dass der Vorstand die Beteiligung an VW auch auf über 50 Prozent ausbauen darf – und zwar ohne Beschränkung nach oben. Finanzvorstand Härter spricht in der Aufsichtsratssitzung davon, dass „am Ende des Übernahmeprozesses die faktische Integration von VW“ stehe.

Als ein Aufsichtsrat aus der Familie Porsche/Piëch fragt, ob die Beteiligungserhöhung auch eine Übernahme von 100 Prozent einschließe, bejaht der Porsche-Vorstand das – schränkt aber ein, dass „in der heutigen Sitzung nur über eine Erhöhung auf 50,1 Prozent bis 74,9 Prozent abgestimmt“ werde. Doch diese Beschränkung auf 74,9 Prozent findet später im Aufsichtsratsbeschluss keinen Niederschlag.

Kurs der VW-Stammaktie zwischen Anfang 2008 und Ende 2009

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart leitet aus den Erkenntnissen über die Pfinztal-Runde und jener Aufsichtsratssitzung vom 3. März den Verdacht ab, „dass die Absicht der Übernahme und des entsprechenden Beteiligungsaufbaus auf über 75 Prozent bereits zu diesem Zeitpunkt konkret gefasst war“.

In ihrer Entscheidung vom 18. August dieses Jahres argwöhnen die Richter, Porsche habe den Beschluss, über 75 Prozent zu gehen, möglicherweise „lediglich der Kommunikationsstrategie wegen“ nicht ins Protokoll geschrieben – um die Übernahmeabsicht öffentlich weiter dementieren zu können. Öffentlich gab Porsche erst im Oktober 2008 bekannt, 75 Prozent an VW zu wollen.

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