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Zoff um Truck-Start-up Nikola-Partner wollen weiter an Wasserstoff-Truck arbeiten

Exklusiv
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Auch Bosch reagiert auf die Vorwürfe

Zu diesem Widerspruch äußerte sich Nel-Hydrogen-Manager Simonsen gegenüber der WirtschaftsWoche nicht. „Zu Ihren Fragen speziell bezogen auf den Hindenburg-Report wird sich Nikola höchstwahrscheinlich in der nahen Zukunft äußern“, sagt Simonsen. Zweifel an der künftigen Zusammenarbeit äußert Simonsen nicht: „Wir freuen uns darauf, weiterhin mit Nikola zusammenzuarbeiten, um einen emissionsfreien Schwerlasttransport zu realisieren.“

Im September 2018 hatte Nel Hydrogen für fünf Millionen Dollar Anteile an Nikola erworben, deren Wert sich inzwischen vervielfacht hat. „Wir haben nicht vor, unsere Anteile an Nikola in nächster Zeit zu verkaufen“, sagt Simonsen. Zum jüngsten 30-Millionen-Dollar-Auftrag erklärt er: „Wir haben mit allen Kunden, auch mit Nikola, allgemeine Zahlungsbedingungen, wobei die Zahlung in mehreren Tranchen von der Vertragsunterzeichnung bis zur Lieferung beziehungsweise Inbetriebnahme erfolgt.“

Auch der Nikola-Partner Bosch hat auf eine Anfrage der WirtschaftsWoche reagiert. Seit 2017 arbeitet Bosch, einer der Nikola-Investoren, mit Nikola Motor zusammen an einem Brennstoffzellen-Antriebsstrang für die Nikola-Trucks. Vergangenen Dienstag dann verkündete das Start-up überraschend eine Partnerschaft mit General Motors, wobei der US-Autokonzern die Batterie- und Brennstoffzellensysteme für die Nikola-Trucks liefern soll. Nur in Europa soll Bosch nun die Brennstoffzellen liefern.

„Bosch begrüßt die Entscheidung von GM, in diesen Markt einzutreten. Das wird der Zukunftstechnologie Brennstoffzelle einen zusätzlichen Schub geben“, heißt es nun seitens des Zulieferers gegenüber der WirtschaftsWoche. „Bosch plant weiterhin, mit der Serienproduktion des Brennstoffzellen-Stacks 2022 zu starten.“ Das komplette Brennstoffzellen-Antriebssystem solle 2023 auf den Markt kommen. Auch für Nikola? „Die beiden Unternehmen planen, auch in Zukunft – und auch bei Brennstoffzellen – zusammenzuarbeiten“, heißt es bei Bosch.

Die Bekräftigungen der Nikola-Partner lassen wichtige Fragen des Hindenburg-Artikels weiterhin offen. Was wurde aus der „revolutionären“ Batterietechnologie, die Nikola-Gründer Milton im November 2019 ankündigte - und von der bis heute nicht weiter die Rede war? Hat Milton tatsächlich fälschlicherweise behauptet, Wechselrichter selbst zu bauen - und sie in Wirklichkeit bei einem Zulieferer eingekauft? Und rollte der Nikola-Truck in einem Marketing-Video tatsächlich nur den Berg hinab statt mit eigenem Antrieb?

In einem Statement auf seiner Homepage reagiert Nikola am Dienstagnachmittag europäischer Zeit auf die Hindenburg-Vorwürfe. „Die potenziellen Fortschritte in der Batterietechnologie hängen mit einer laufenden vertraulichen Forschungs- und Entwicklungs-Partnerschaft mit einer führenden akademischen Einrichtung zusammen, nicht mit ZapGo“, heißt es da. Der Hindenburg-Bericht hatte die Ankündigung Nikolas mit dem Unternehmen ZapGo in Verbindung gesetzt und ZapCos Technologie als „heiße Luft“ bezeichnet.

Nikola entwickele auch wie angekündigt seine eigenen Inverter. Es sei in der Autobranche normal, dass in Prototypen dagegen Teile von anderen Anbietern verwendet würden. Manche davon würden später in der Produktion gegen die Eigenentwicklungen ausgetauscht.

Und der rollende Truck im Werbevideo? „Nikola hat in dem Video nie angegeben, dass sein Lastwagen mit eigenem Antrieb fährt, obwohl der Lastwagen genau dafür ausgelegt war“. Der Lastwagen sei von einer dritten Partei für einen Werbespot präsentiert und gefilmt worden. Nikola habe dieses Video in den sozialen Medien des Unternehmens beschrieben mit den Worten Truck „In Bewegung“. „Es wurde nie als „unter eigenem Antrieb“ oder „mit eigenem Antrieb“ beschrieben.“

Schon vor dem Bericht waren Zweifel aufgekommen, ob bei Nikola alles mit rechten Dingen zugeht. Der Bloomberg-Journalist Edward Ludlow veröffentlichte im Juni einen Artikel, in dem er Nikola bezichtigte, die Fähigkeiten seines Trucks schon früher übertrieben dargestellt zu haben. Bei einer Produktpräsentation im Jahr 2016 habe Milton suggeriert, das Fahrzeug auf der Bühne sei einsatzbereit. Doch nicht genannte Quellen berichteten dem Reporter, dass an dem Tag weder Getriebe, Motor noch Brennstoffzellen an Bord waren. Die Teile seien aus Sicherheitsgründen ausgebaut worden, versuchte sich Milton gegenüber dem Reporter zu rechtfertigen.


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Nun legt Nikola in seinem Statement nach: Der Nikola-One-Truck im Jahr 2016 sei damals darauf ausgelegt gewesen, mit eigenem Antrieb zu fahren. Das Getriebe habe funktioniert und sei am Prüfstand getestet werden, ebenso wie die Batterie, die Wechselrichter und andere Teile. „Als Nikola zur nächsten Lkw-Generation überging, beschloss das Unternehmen schließlich, keine zusätzlichen Ressourcen in den Abschluss des Prozesses zu investieren, um den Nikola One mit eigenem Antrieb fahren zu lassen.“ Der Nachfolger Nikola Two sei ab April 2019 dann regelmäßig mit eigenem Antrieb präsentiert worden.

Auch wenn viele Fragen ungeklärt sind - die großspurigen Ankündigungen von Milton scheinen System zu haben. Die Frage ist, wie viel wirklich dahinter steht - und ab wann Show und Marketing in handfesten Betrug umschlägt. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC dürfte sich in diesen Tagen damit beschäftigen.

Mehr zum Thema: Nikola will mit Wasserstofflastern das Transportgewerbe revolutionieren. Deutsche Speditionen sind skeptisch.

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