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Bundesliga Der Fußball würde von einer Öffnung für Investoren profitieren

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Red Bull: Das Retortenkind

Nicht aufzuhalten: Red Bull

In der Rangliste der meistgehassten Unternehmen, die in den Profi-Fußball investieren, rangiert der Brausebrauer aus Österreich ungekrönt an der Spitze. Keine Woche vergeht, ohne dass nicht irgendwo in der Republik die Fans eines sogenannten Traditionsklubs zum Boykott der Spiele des Red Bull-Vehikels „RasenBallsport“ Leipzig aufrufen.

Der Grund: Anders als die Schalkes, BVBs oder Kaiserslauterns, die in grauer Vorzeit von Sportlern gegründet wurden, gehorcht der aktuell noch in der zweiten Liga aktive Verein schlicht dem Marketingkalkül des milliardenschweren Getränkevermarkters und seines Gründers, Dietrich Mateschitz.

Der Konzern aus Fuschl am See, der 2014 einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro erzielte, betreibt neben RB Leipzig Bolz-Ableger in Salzburg und New York, alles mit dem Ziel, die Klebe-Limo werbewirksam und auf Dauer mit der weltweit populärsten Sportart zu verbinden.

Blitzte der Konzern aus Austria hierzulande vor bald zehn Jahren bei St. Pauli, 1860 München und Fortuna Düsseldorf ab mit dem Versuch, sie zu seinen Zwecken umzumodeln, baute er stattdessen ab 2009 den nordsächsischen Kleinklub SSV Markranstädt mit dem Segen des Deutschen Fußballbundes (DFB) nach seinem Bilde um.

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    Das Sagen bei RB haben einzig die stimmberechtigten Mitglieder. Von denen gibt es dem Vernehmen nach nur 14. Jeder von ihnen – wie etwa Red Bull-Finanzchef Walter Bachinger –, steht in enger Verbindung zum Konzern. Ein Mitgliedsbeitrag von 800 Euro im Jahr sorgt zudem dafür, dass die Red Bull-Truppe unter sich bleibt – Liga-Primus FC Bayern nimmt 60 Euro. RB Lepizig selbst äußerte sich auf Anfrage nicht dazu. DFB und Deutsche Fußball-Liga (DFL), die den Ligabetrieb organisiert und für die Lizenzerteilung für Profi-Klubs zuständig ist, legten dem Treiben keinen Stein in den Weg.

    Einzig das Logo mit den zwei aufeinander zu rasenden Bullen, das dem auf den Getränkedosen arg ähnelte, musste Leipzig im vergangenen Jahr auf Geheiß der DFL leicht ändern. Das Ziel der Bullen ist auch klar definiert: Bundesliga-Aufstieg, Meisterschaft und Teilnahme an der Champions League.

    Was Kritiker des Konstrukts allerdings gern übersehen: Ohne die RB-Millionen läge der Profifußball im Osten fast völlig brach. Mit im Schnitt gut 25000 Zuschauern verzeichnete RB Leipzig den vierthöchsten Schnitt in der zweiten Liga, noch vor Traditionsvereinen wie dem VfL Bochum. Immerhin 18 offizielle Fanklubs mit 2200 Mitgliedern belegen, dass der Konzern clever das Ost-Vakuum für sich nutzte. Und bei der DFL wird wohlwollend vermerkt, dass RB sich sein Nachwuchsleistungszentrum allein schon 35 Millionen Euro hat kosten lassen. Bislang kauft der Verein zudem keine teuren Stars ein, sondern setzt auf talentierte Nachwuchskicker. Das verschafft ihm Sympathien und dürfte sich ändern, wenn das Ziel Bundesliga erst einmal erreicht ist.

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