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Lahm und teuer E-Scooter sind eine große Enttäuschung

Seit einem Monat sind E-Scooter zugelassen – nach ewigem Warten. Doch nicht alles, was lange währt, wird endlich gut. Denn die Dinger sind nicht nur lahm, sie sind auch teuer.

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Eigentlich hätte ich gewarnt sein müssen, denn ich kenne das ja aus dem Urlaub: Nirgendwo schmeckt das Baguette so gut wie in Frankreich, und nirgendwo ist der türkische Tee so lecker wie in der ... genau. Es war also vermutlich ein Fehler, mich auf die Zulassung der E-Scooter in Deutschland zu freuen, weil es im Ausland einen Riesenspaß gemacht hatte, damit zu fahren.

Und trotzdem: Leider ist es in Deutschland ein ziemlich freudloses Unterfangen. Auch in Berlin.

Das liegt vor allem daran, dass die Geschwindigkeit auf 20 km/h gedrosselt ist. Natürlich verstehe ich die Gründe dafür. Keine Frage. Dass es zu verheerenden Unfällen kommen kann, ist längst nicht mehr nur Theorie. Auf den ohnehin bereits überfüllten Radwegen ist es nun noch voller geworden. Und die wenigsten Leute tragen einen Helm, weil sie die Scooter spontan nutzen.

Weil ich die E-Scooter jedoch meist gezielter (und ja: mit Helm) nutze – etwa auf dem Weg zur oder von der Arbeit – fühle ich mich durch die Begrenzung der Geschwindigkeit wie in einem staatlich verordneten Entschleunigungsprogramm. Ständig werde ich von gemütlich vor sich hintretenden Radfahrern überholt und kassiere von ihnen mitleidige Blicke.

Entschleunigung, Abhärtung – auch deshalb fühlt es sich für mich beinahe wie therapeutisches Fahren an. Zumal auch noch das Verständnis für Menschen steigt, die es wahrlich nicht leicht haben: Den Drang von Brummifahrern, auch mal andere Lkw überholen zu wollen, kann ich inzwischen nachvollziehen. Und sei es auf zweispurigen Autobahnabschnitten, wenn es gerade den Berg hoch geht.

Und ich weiß jetzt auch, warum ein solches Überholmanöver gefühlt die halbe Strecke von Berlin nach München beansprucht. Kürzlich habe ich versucht, eine wirklich seeehr entspannt vor sich hintretende Radfahrerin zu überholen. Minutenlang hing ich hinter ihr und konnte nicht überholen, weil mich ständig Radfahrer überholten. Dann nutzte ich die Chance, dass wir es als Letzte über eine Ampel geschafft hatten. Ich gab also richtig Gas – was auf der Geschwindigkeitsanzeige so aussah: 20,1, 20,4, 20,7 – und Schluss. Als ich das Überholmanöver zur Hälfte geschafft hatte und fürchtete, der Akku sei nun leer, lächelte die Radfahrerin mir zu. Ihr Blick sagte: Tut mir leid, aber noch langsamer fahren kann ich wirklich nicht.

Wie gesagt: Es gibt durchaus gute Gründe für das gedrosselte Tempo. Was dann allerdings ebenfalls gedrosselt werden sollte, ist der Preis.

Die E-Scooter sind nach meinem Eindruck die teuerste Art dieser „Eben mal von A nach B“-Fortbewegung, die in den vergangenen Jahren entstanden ist. Für die rund fünf Kilometer von zu Hause zur Arbeit brauche ich mit ihnen gut 20 Minuten. Das macht bei einem Grundpreis von einem Euro und einem Minutenpreis von 15 Cent insgesamt mindestens vier Euro. Das ist nicht nur deutlich mehr als ein ÖPNV-Ticket. Es ist auch weit mehr, als für die Strecke mit dem Elektroroller (macht einen Riesenspaß) oder einem Carsharing-Auto (macht ziemlich Spaß) fällig wird. Bei beiden ist zwar der Minutenpreis höher, dafür gibt es aber keinen Grundpreis. Und noch wichtiger: Ich komme voran.

Ach ja: Und dann gibt es neuerdings auch noch coole E-Bikes. Mit denen ist das Fahren ebenfalls eine echte Freude. In Berlin übrigens genauso wie in Paris. Und irgendwann wahrscheinlich auch in Istanbul.

Die E-Scooter sind los

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