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Lieferengpässe Bekommt der Handel das Container-Chaos in den Griff?

Containerhafen in Südkorea Quelle: REUTERS

Die weltweiten Engpässe im Frachtverkehr werden in den kommenden Monaten auch die Verbraucher in Deutschland spüren. Bei welchen Händlern bald leere Regale und höhere Preise drohen – und wer die Krise meistert.

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Wer derzeit eine Sauna für Garten oder Eigenheim erstehen will, braucht Geduld: „Lieferbar ab Ende August“, heißt es bei verschiedenen Onlinehändlern. Bei der Baumarktkette Hornbach ist die Massivholzsauna Weka Kemi für stolze 5690 Euro erst in zehn bis elf Wochen lieferbar, also frühestens Mitte September. Warum die Lieferung so lange dauert? Vor allem zwei Probleme sorgen für Verzögerungen: Zum einen sind Basisrohstoffe wie Holz immer noch knapp und teuer, was sich etwa auf die Herstellung von Möbeln oder eben Saunen auswirkt. Zum anderen sind die weltweiten Warenströme im Zuge der Coronakrise durcheinandergeraten. Die Folgen sind bis heute spürbar: Handelshäuser wie Hornbach, Otto oder Media Markt müssen umplanen, teils sind auch Preissteigerungen absehbar. Zu gravierend sind die Auswirkungen in der Logistik

Bestes Beispiel: Das Ulmer Unternehmen Seeberger, europäischer Marktführer für Nüsse, Kerne und Trockenfrüchte. Seeberger bezieht Rohwaren aus über 40 Ländern der Erde und ist damit auf einen flüssigen Frachtverkehr angewiesen. Doch der stockt: Zunächst wegen der Coronaauswirkungen, später weil das Containerschiff Ever Given im Suezkanal auf Grund lief. Sechs Tage blockierte der Frachter die wichtige Wasserstraße zwischen Asien und Europa. Hunderte Schiffe standen im Stau.

„Seit über 15 Monaten sind die Lieferketten extrem unter Druck“, teilt ein Unternehmenssprecher von Seeberger mit. Insbesondere seien Container und Frachtrouten aus den Ursprungsländern knapp und „stellen unsere gesamte Organisation vor große Herausforderungen“. Vereinzelt sei es dadurch zwar zu Lieferausfällen gekommen. Aber: Durch den engen Draht zu Logistikern und Partnern in den Ursprungsländern, gelang es „die Ausfälle auf sehr wenige Tage und nur einzelne Artikel zu begrenzen, die im Supermarktregal aber im Normalfall nicht groß zu spüren sein sollten“. Das Unternehmen habe zudem „alle Hebel in Bewegung gesetzt“, Lagerbestände hochgefahren und Lieferungen vorgezogen, um längere Transportwege auszugleichen. Allein, der höhere Aufwand schlägt finanziell ins Kontor. 

Die extremen Steigerungen der Frachtraten sowie Preissteigerungen der Rohwaren „beschäftigen uns aktuell sehr stark“, teilt Seeberger mit. Steigen am Ende also die Preise für die Konsumenten?  Zumindest rechnen andere Unternehmen damit. Raoul Roßmann etwa, Chef der Drogeriekette Rossmann, sagte dem „Handelsblatt“: „Der starke Anstieg bei den Frachtkosten wird auf jeden Fall zu Preiserhöhungen im Handel führen.“ Ganz ähnlich äußerte sich der Chef des Modediscounters Kik, Patrick Zahn. Der Geschäftsführer des Fahrradhändlers Rose Bikes, Marcus Diekmann, erwartet demnach sogar „eine Mega-Preissteigerung“ im Weihnachtsgeschäft.

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    „Die Konditionen werden unvorteilhafter“

    Andere Händler bleiben gelassen. Klar ist zwar: „Die Konditionen werden unvorteilhafter“, heißt es etwa bei der Kaufhauskette Woolworth. Lieferengpässe oder „Beeinträchtigungen für das Weihnachtsgeschäft sehen wir derzeit aber noch nicht“. Aktuell seien auch keine Preiserhöhungen geplant.

    Der Onlinehändler Otto.de verweist in diesem Zusammenhang auf langlaufende Frachtverträge, die das Kostenrisiko für das eigene Unternehmen begrenzen. Zudem sei der Anteil der Fracht- an den Gesamtkosten vieler Produkte vergleichsweise gering. Wenn, dann dürften Steigerungen bei großvolumigen Artikeln wie Waschmaschinen, Kühlschränken und Möbeln eine Rolle spielen. Intern rechnen die Hamburger aber damit, dass sich die Lage im August wieder entspannt. 

    Auch in den Elektronikmärkten von Media Markt und Saturn gebe es derzeit „keinen Engpass“, sagt ein Unternehmenssprecher. „In unseren Märkten und Lägern ist ausreichend Ware vorhanden.“ Das gilt auch für den Haushaltsdiscounter Kodi, bei dem in den vergangenen Monaten zwar einzelne Aktionsangebote umgeplant werden mussten. Insgesamt aber „haben wir bisher keine großen Ausfälle zu verzeichnen“, sagt Kodi-Geschäftsführer Babak Kharabi. 

    Besonders stark treffen die Containerverwerfungen dagegen den Einrichtungs- und Dekohändler Butlers. Die Läger seien zwar gefüllt. „Wir sehen allerdings, dass aufgrund der Produktionsengpässe und der angespannten Frachtsituation in Zukunft einzelne Butlers-Artikel zeitweise ausverkauft sein werden“, sagt Geschäftsführer Wilhelm Josten. Der Kostenanstieg in Produktion und Logistik sei zudem „so nennenswert, dass dies Auswirkungen auf die Preise“ von einzelnen Artikeln haben wird. Sorge bereitet Josten auch das Weihnachtsgeschäft. Derzeit sei noch nicht absehbar, ob in allen Produktgruppen ausreichend Ware angeboten werden kann. 

    Ganz so schwerwiegend sind die Auswirkungen bei Hornbach nicht. Aber auch der Baumarktbetreiber musste reagieren, um die Warenverfügbarkeit zu erhöhen. So wurden alternative Lieferanten eingelistet, neue Transportwege ausprobiert und größere Vorräte aufgebaut, „in den Märkten aber auch über zusätzlich angemietete Lagerkapazitäten“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die gestiegenen Rohstoffpreise, die Knappheit einzelner Produkte, nur eingeschränkt verfügbare Container und der insgesamt höherer Aufwand für Beschaffung und Transport würden sich aber trotzdem bemerkbar machen. „In einigen Produktgruppen – insbesondere bei Artikeln aus Holz – mussten wir unsere Verkaufspreise anheben“, teilt das Unternehmen mit. Die Preise würden sich aber am Markt und am Wettbewerb orientieren und „für Kunden scheint das bislang kein großes Thema zu sein“. Wichtiger scheine die Frage: „Bekomme ich das Material für mein Projekt?“.

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    Vereinzelt „gibt es auch bei Hornbach mal eine Lücke im Regal“, räumt der Sprecher ein, „aber insgesamt sehen wir uns noch gut aufgestellt, können Alternativen anbieten.“ Statt Massivholzsauna Weka Kemi beispielsweise die Blockbohlensauna Karibu Losith. Die ist wäre immerhin schon in sechs bis sieben statt in elf Wochen lieferbar.

    Mehr zum Thema: Die deutsche Kaffeeindustrie leidet unter dem weltweiten Containermangel und den Folgen der Suez-Transportkrise. Verspätungen und Kostensteigerungen könnten den Kaffeepreis auch in den Supermärkten in die Höhe treiben.

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