Sanity Group: Cannabis-Start-up inhaliert 17 Millionen Euro aus Kanada
Wird Deutschland zur Cannabis-Republik? Die Euphorie der Cannabis-Branche war riesig, als die Ampelkoalition 2021 in ihrem Koalitionsvertrag „die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ ankündigte. Finn Hänsel träumte von einer neuen „Milliardenbranche“ mit bis zu 200.000 Mitarbeitern.
Sein Start-up Sanity Group verkauft Medizinal-Cannabis an Apotheken sowie rezeptfreie Cremes und Tropfen auf Cannabisbasis. Das Unternehmen wäre gut vorbereitet für den Fall, dass Cannabis nicht nur an Patienten, sondern auch an Genuss-Kiffer verkauft werden kann.
Die Firma hat bislang mehr als 100 Millionen Euro eingesammelt – unter anderem beim Tabakkonzern British American Tobacco, beim Investment-Arm der Brauerei Bitburger, bei der Beteiligungsfirma von Rapper Snoop Dogg und bei „Business Angels“ wie TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf, Fußballprofi Mario Götze oder Model Stefanie Giesinger.
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Doch inzwischen ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen. Die Legalisierung erfolgt in kleinen Schritten: Seit April dieses Jahres dürfen Erwachsene Cannabis für den Eigenbedarf anbauen, sie dürfen legal einen Joint rauchen und bis zu 25 Gramm Cannabis besitzen und mit sich führen. Ab dem 1. Juli darf Cannabis in sogenannten „Anbauvereinigungen“ gemeinschaftlich angebaut (aber nicht konsumiert) werden.
Der gewünschte Durchbruch ist das für Hänsel und die ganze Branche aber nicht. Der freie Verkauf von Cannabis in Geschäften ist weiterhin nicht erlaubt. Pläne für „kommerzielle Lieferketten“ sind laut Gesundheitsministerium in Arbeit, man habe zunächst „die anderen Ressorts um entsprechende Beiträge gebeten“, ein Gesetzentwurf müsse zudem noch mit der Europäischen Union abgestimmt werden. Obwohl die Nachfrage nach Medizinal-Cannabis boomt, haben sich die Hoffnungen der Branche auf einen Milliardenmarkt bislang nicht erfüllt.
Auch Hänsels Sanity Group – nach eigener Darstellung „Europas führendes Cannabis-Unternehmen“ – musste sich auf den Bereich Medizinal-Cannabis fokussieren. Im Jahr 2022 gab Hänsel an, mehr als 100 Mitarbeiter zu beschäftigen. Heute sind es nach Angaben seines Unternehmens noch 60 Mitarbeiter.
Modellprojekt in der Schweiz
Jetzt aber bekommt die Sanity Group frisches Geld: Der kanadische Cannabis-Produzent Organigram überweist 14 Millionen Euro in Form eines Wandeldarlehens in das Berliner Unternehmen. Zusätzlich können die Deutschen drei weitere Millionen Euro als zweite Tranche des Wandeldarlehens abrufen. „Wir glauben, dass Deutschland nach Kanada einer der vielversprechendsten Märkte unter einem föderal legalen Modell bleiben wird“, sagt Paolo De Luca, Strategiechef von Organigram.
Die Sanity Group erklärte, das zusätzliche Kapital „für eine verbesserte Aufklärung und einen vereinfachten Zugang zu einer medizinischen Cannabistherapie investieren“ zu wollen. Darüber hinaus nimmt Sanity derzeit in der Schweiz an einem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt zur Abgabe von „Genussmittel-Cannabis“ über lizenzierte Fachgeschäfte teil. „Ein Projekt, das auch in Deutschland als Blaupause für weitere Schritte in der Cannabislegalisierung dienen könnte“, erklärt das Unternehmen.
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