Agco-Chef Richenhagen "Die Sozialisierung in der DDR beeinflusst Angela Merkels Sicht auf Russland"

Kaum ein Deutscher hat in den USA mehr Einfluss als Martin Richenhagen. Der Chef des Traktor-Riesen Agco über den amerikanischen Wahlkampf, Hacker in der Landwirtschaft, und das gestörte Verhältnis der Kanzlerin zu Russland.

Diese Kandidaten wollen 2016 ins Weiße Haus
Donald Trump Quelle: REUTERS
Jeb Bush Quelle: AP
Ben Carson Quelle: AP
Mike Huckabee Quelle: REUTERS
Marco Rubio Quelle: AP
Ted Cruz Quelle: REUTERS
Rand Paul Quelle: AP
Chris Christie Quelle: AP
John KasichOhio, der Heimatstaat des 63-Jährigen, gilt als entscheidend für die US-Wahlen. Kein Republikaner ist je  US-Präsident geworden, ohne  den Staat zu gewinnen. Kasich gehört zur Fraktion der gemäßigten Republikaner und holte in New Hampshire überraschend den zweiten Platz hinter Donald Trump. Quelle: REUTERS
Rick Santorum Quelle: AP
Hillary Clinton Quelle: AP
Bernie Sanders Quelle: REUTERS
Martin O'Malley Quelle: AP
Michael BloombergDer frühere Bürgermeister von New York City spielt mit dem Gedanken als unabhängiger Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Falls die Republikaner den Exzentriker Trump und die Demokraten den Linken Sanders ins Rennen schicken würden, räumt sich der 73-Jährige gute Chancen ein. Quelle: AP

Martin Richenhagen, Chef des US-Traktorherstellers AGCO, zählt zu den ganz wenigen Deutschen, die einen Konzern in den Vereinigten Staaten lenken. Der 62-Jährige startete seine Karriere als Religionslehrer an einem Gymnasium in Frechen bei Köln, von wo aus ihn seine Karriere zum Aufzughersteller Schindler und dem Traktorbauer Claas an die Spitze des US-Riesen AGCO führte, der zu den 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt zählt. Mit der WirtschaftsWoche spricht Richenhagen über den US-Milliardär Donald Trump, was er vom US-Wahlkampf erwartet, wie Hacker Landmaschinen angreifen, weshalb er Tesla nicht mag und über das seiner Ansicht gestörte Verhältnis von Kanzlerin Angela Merkel zu Russland.

WirtschaftsWoche: Herr Richenhagen, mit Donald Trump wird gerade ein Wirtschaftsvertreter zu einem der populärsten Kandidaten für die Präsidentschaftswahl in den USA. Was halten Sie davon?

Martin Richenhagen: Donald Trump ist ein seltsamer Kerl, das fängt ja schon bei der Frisur an. Von den amerikanischen Unternehmern wird Trump nicht unbedingt als Kollege empfunden. Er ist auch nicht mehr wirklich in der Wirtschaft aktiv, er ist eher ein Super-Show-Man.

Zur Person

Das heißt, Sie räumen ihm keine großen Chancen als Präsidentschaftskandidat der Republikaner ein?

Bei den Republikanern ist noch kein Kandidat da, der wirklich stabil wäre. Am meisten geschätzt wird von den Anhängern wahrscheinlich Jeb Bush. Aber er hat das Problem, dass er schon der dritte Bush wäre. Er stammt halt aus einer Dynastie, genauso wie Hillary Clinton. Das wollen die Amerikaner nicht. Im Moment gehen viele Beobachter davon aus, dass der wirkliche Kandidat der Republikaner vielleicht noch gar nichts ins Rennen eingetreten ist.

Der Chef des Traktor-Riesen Agco, Martin Richenhagen, im Interview mit WirtschaftsWoche. Quelle: Presse

Im amerikanischen Wahlkampf geht es selten um aktuelle Themen, sondern um die Haltung der Kandidaten zu Abtreibungen, der Todesstrafe oder den Waffengesetzen. Ist das kein Problem?

Diese Themen müssen die republikanischen Kandidaten bedienen, um bei den Vorwahlen den rechten Flügel zu überzeugen. Aber um später Präsident werden zu können, müssen sie wieder einlenken und sich moderat geben. Das ist eine Komplikation. Was ich interessant finde, ist wie demokratisch das eigentlich vorgeht. Bei uns wird der Kanzlerkandidat innerhalb der Partei ausgeklüngelt. Da ist es schon ein Fortschritt, wenn die SPD über eine Urwahl ihres Kanzlerkandidaten diskutiert.

Die amerikanische Industrie gilt als sehr konservativ, viele Unternehmer unterstützen die Republikaner. Sehen Sie eine politische Spaltung zwischen der klassischen Industrie und der IT-Branche?

Die IT-Branche ist natürlich durch jüngere, kreative Menschen geprägt. Da haben viele eher eine Tendenz, die Demokraten zu wählen. Und Unternehmen wie Uber, Facebook oder auch Tesla haben natürlich einen großen Einfluss.

Elon Musk revolutioniert mit seinem Unternehmen Tesla gerade die Autobranche. Sie sind Chef von Agco, des drittgrößten Herstellers von Landwirtschaftsmaschinen wie Traktoren und Mähdreschern weltweit - fürchten Sie sich auch vor einem Revoluzzer in ihrer Branche?

Tesla ist ein spezieller Fall, das Unternehmen macht kein Ergebnis. Ich halte das Geschäftsmodell nicht für tragfähig. Das Auto hat eine super schicke Form, als hätte man alle klassischen Sportwagen durch ein Computerprogramm geschickt und die beste Optik ausrechnen lassen. Aber technisch gesehen halte ich es für nicht zu Ende konstruiert. Das sieht man an der Verarbeitung, an den großen Spaltmaßen, und wo man die Mittelkonsole erwartet, ist einfach ein Leerraum. Und wer soll schon einen gebrauchten Tesla kaufen? Aber ohne Zweifel war Tesla für die Autoindustrie ein Weckruf, das hat Innovationen vorangetrieben.

In der Landwirtschaft arbeiten wir schon lange an Ideen wie selbstfahrenden und vernetzten Maschinen. Fünf vernetzte Schlepper ohne Fahrer nebeneinander auf einem Feld, das ist bei uns kein Problem. Auf dem Feld gibt es ja auch keine Verkehrsordnung, das ist unser Vorteil.

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