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Air Show FarnboroughNeue Rekordaufträge für Flugzeugbauer in Sicht

Flugzeughersteller Boeing schraubt die Prognose für den Flugzeugmarkt nach oben: Inklusive Dienstleistungen winkt ein 15-Billionen-Dollar-Markt. Derweil heimst Airbus den größten Auftrag auf dem Branchentreffen ein. 17.07.2018 - 18:52 Uhr

Stark nachgefragt: Passagierflugzeuge auf der Farnborough International Airshow.

Foto: REUTERS

Boeing sagt der Luftfahrtbranche trotz politischen Gegenwinds rosige Zeiten voraus. Der US-Konzern erwartet, dass die Flugzeugbauer in den kommenden 20 Jahren insgesamt 42.700 Verkehrsflugzeuge im Wert von mehr als 6,3 Billionen Dollar ausliefern werden. Boeing schraubte seine Prognose am Dienstag auf der Luftfahrtschau im britischen Farnborough damit um drei Prozent nach oben. Vor einem Jahr hatte der US-Hersteller das Marktvolumen noch auf 41.300 Passagier- und Fracht-Maschinen geschätzt. Wenn man Dienstleistungen rund um das Flugzeug und das Fliegen hinzurechne, liege das Marktvolumen sogar bei 15 Billionen Dollar.

Der Boeing-Rivale Airbus will sich von diesem Markt ein größeres Stück abschneiden. Der europäische Flugzeugbauer wolle die Dienstleistungserlöse im nächsten Jahrzehnt auf zehn Milliarden Dollar verdreifachen. In den vergangenen zwei Jahren seien sie bereits mit 18 Prozent pro Jahr gewachsen. Am meisten verspreche der Markt für die Wartung von Flugzeugen, erklärte der Konzern. Airbus wolle dabei auch fremde Fabrikate warten - schließlich flögen 62 Prozent der Airbus-Kunden auch Flugzeuge anderer Hersteller. Den Flugzeugmarkt der kommenden 20 Jahre selbst hatte Airbus vor kurzem auf 37.400 Maschinen mit einem Wert von 5,8 Billionen Dollar veranschlagt. Die Schätzung liegt unter der von Boeing, unter anderem weil die Amerikaner auch Flugzeuge mit 90 bis 100 Sitzen einbeziehen.

Das hat es lange nicht gegeben: Wenn an diesem Montag im britischen Farnborough eine der größten Luftfahrtmessen der Welt startet, könnte die Ankündigung eines neuen Boeing-Passagierjets alles andere in den Schatten stellen. Der weltgrößte Flugzeugbauer aus den USA ringt auf der Schau wie üblich mit seinem europäischen Rivalen Airbus um Großaufträge. Die Branche, zu der auch kleinere Hersteller wie Bombardier und Embraer gehören, ordnet sich derzeit neu - auch mit Blick auf aufstrebende Rivalen aus China und Russland.

Foto: imago images

Südwestlich von London kommt vom 16. bis 22. Juli so ziemlich alles zusammen, was in der Luft- und Raumfahrtbranche Rang und Namen hat. 1500 Aussteller sollen auf der Messe präsent sein. Das letzte Mal vor zwei Jahren zählte die Messe trotz heftiger Regenfälle rund 73.000 Fachbesucher. Wenn die Messe am Wochenende auch für die breite Öffentlichkeit geöffnet ist, sollen noch etwa 80.000 Luftfahrt-Begeisterte hinzukommen.

Foto: imago images

In Sachen neuer Flugzeugtypen könnte Farnborough diesmal das große Los gezogen haben. Schon seit Jahren denkt Boeing laut über den Bau eines neuen mittelgroßen Passagierjets nach, der die Lücke zwischen den kleineren Mittelstreckenjets und den Großraumflugzeugen füllen soll. Vergangenen Sommer brachte der Hersteller den Namen Boeing 797 ins Spiel. Der Jet könnte Platz für 220 bis 270 Passagiere bieten. Obwohl die Maschine kleiner wäre als Großraumjets wie Boeings „Dreamliner“, soll sie lange Strecken etwa über den Atlantik und darüber hinaus zurücklegen können – und dank moderner Triebwerke so sparsam sein, dass sich das für Fluggesellschaften rechnet.

Foto: imago images

Die Entscheidung für ein neues Modell ist bei Flugzeugherstellern von viel größerer Tragweite als etwa bei Autoherstellern. Die Entwicklung eines neuen Flugzeugs dauert Jahre und verschlingt Milliardensummen. Üblicherweise wird ein Modell mehrere Jahrzehnte lang gebaut. Würde es ein Ladenhüter, wäre der Schaden immens.

Foto: imago images

Schon deshalb ist man bei Airbus froh, das von Boeing entdeckte Marktsegment in der Mitte schon einigermaßen abgedeckt zu haben. Airbus hat seinem kleineren Großraumjet A330 eine Verjüngungskur spendiert.

Foto: imago images

Und vom größten Mittelstreckenjet A321neo haben die Europäer eine Langstreckenversion entwickelt, die bis zu 4000 nautische Meilen (7400 Kilometer) zurücklegen kann – und künftig noch mehr schaffen soll. Boeing hatte für seinen neuen Flieger zuletzt rund 5000 nautische Meilen ins Auge gefasst.

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Um die Bestellungen der Airlines werden beide Hersteller ringen müssen - wenn Boeing den Flieger tatsächlich baut. Dass es etwas Großes zu verkünden gibt, hat der US-Konzern mit einer Einladung für den 15. Juli angedeutet. Zum Vorgespräch am Tag vor der Messe soll diesmal Boeing-Chef Dennis Muilenburg kommen. Sonst überlässt der Manager diesen Termin seinem Spartenchef.

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Boeing muss seine Rolle als führender Flugzeugbauer festigen. Denn Airbus holt immer weiter auf. Je rund 800 Verkehrsflugzeuge wollen beide Unternehmen in diesem Jahr ausliefern. Dabei sind Boeings Pläne mit mindestens 810 Maschinen noch etwas ehrgeiziger als bei Airbus – aber der Abstand schrumpft. Nachfrage nach Passagierjets gibt es genug. Der Flugverkehr wächst weltweit immens, vor allem in Schwellenländern etwa in Asien. Weltweit dürften in 20 Jahren rund doppelt so viele Flugzeuge im Einsatz sein wie heute.

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Um den Markt auch in Zukunft zu beherrschen, verbünden sich die zwei großen Hersteller mit den wichtigsten Anbietern kleinerer Maschinen. So hat Airbus vom angeschlagenen kanadischen Hersteller Bombardier die Mehrheit an dessen Mittelstreckenjet C-Serie übernommen – und vermarktet ihn jetzt als Airbus A220. Und Boeing will dem brasilianischen Hersteller Embraer die Mehrheit an dessen Verkehrsflugzeug-Sparte abkaufen. Durch beide Deals werden die Großen der Branche noch größer.

Foto: AP

Unterdessen läuft sich die Konkurrenz aus dem Osten weiter warm. Der russische Flugzeugbauer Irkut hat im vergangenen Jahr mit der MS-21 einen Mittelstreckenjet in die Luft gebracht, der den meistgefragten Modellen von Boeing und Airbus Marktanteile abringen soll.

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Und in China ist dem Comac-Konzern mit der ähnlich großen C919 das Gleiche gelungen. Auf Messen im Ausland waren die Maschinen noch nicht zu sehen – dazu war es nach den Testflügen zu früh. Flugzeugbau ist Hightech auf hohem Niveau und stellt die dortige Industrie vor große Herausforderungen – auch wenn wichtige Bauteile der beiden Jets aus dem Westen stammen.

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Fünf Prozent mehr Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge

Dabei wächst die Abhängigkeit der Branche von aufstrebenden Wirtschaftsnationen wie China. Allein ein Viertel der Produktion von Boeing ging im vergangenen Jahr nach China, einem der global am stärksten wachsenden Flugzeugmärkte. Nach Ansicht von Boeing-Marketingmanager Randy Tinseth, der die Prognose vorstellte, dürfte das asiatische Riesenreich die USA in zehn bis 15 Jahren als größten Inlandsreisemarkt der Welt ablösen. Das macht Boeing anfällig für die Auswirkungen des Handelsstreits der USA mit China. Tinseth wollte darauf nicht eingehen: "Wir konzentrieren uns auf das, was wir kontrollieren können."

Boeing prognostiziert ein Wachstum des Welt-Luftverkehrs um durchschnittlich 4,7 Prozent. Ein Großteil der Zuwächse dürfte nach Ansicht der Amerikaner auf Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge wie die Boeing 737 und den Airbus A320 entfallen. Boeing schätzt die Nachfrage nach diesen Maschinen fünf Prozent höher ein als noch vor einem Jahr.

Auf der Jagd nach Milliardenaufträgen

Auf der Air Show in Farnborough sammelten Boeing und Airbus am Dienstag weitere Milliardenaufträge ein. Airbus heimste mit 11,5 Milliarden Dollar den - zu Listenpreisen - bisher größten Auftrag auf der Luftfahrtmesse ein. Ein namentlich nicht genannter Kunde habe eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit der er seine bestehende Bestellung um 25 Kurzstrecken-Maschinen vom Typ A321neo und 75 A320neo aufstockt, teilte der europäische Flugzeugbauer mit. Allerdings geben die Hersteller bei Großaufträgen größere Rabatte. Auch der von der kanadischen Bombardier übernommene A220 (bisher CSeries) findet Abnehmer. Eine neue US-Fluggesellschaft, hinter der der JetBlue-Gründer und TAP-Investor David Neeleman steht, bestellte 60 A220-300, die von 2021 an mit Pratt&Whitney-Triebwerken ausgeliefert werden sollen.

Luftfahrtmesse Farnborough

Boeing und Airbus brauchen mehr Drama

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der in Farnborough erwartete Großauftrag von AirAsia für 100 Airbus A321neo ist noch nicht unter Dach und Fach. "Alles ist eine Möglichkeit. Bisher ist nichts zementiert", sagte der Verwaltungsratschef der malaysischen Fluggesellschaft, Kamarudin bin Meranum, der Nachrichtenagentur Reuters in London.

Boeing sicherte sich eine 9,6 Milliarden Dollar schwere Bestellung für bis zu 78 Langstreckenflugzeuge der Typen 787-9 und 737 MAX. 23 davon sind feste Bestellungen, die übrigen 55 Vorreservierungen.

rtr
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