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BoomtownsYihaa! Auf in Chinas Wilden Westen

Taiwaner, Südkoreaner und Japaner sind schon da - im westlichen China, der neuen Boomregion des Landes. Doch auch ein paar deutsche, mutige Konzerne wagen den Weg in den Wilden Westen.Philipp Mattheis, Florian Willershausen 21.04.2013 - 16:00 Uhr

Zurück nach Hause - Wanderarbeiter finden in ihrer Heimatstadt Chongqing wieder Arbeit.

Foto: Creative Commons-Lizenz

Heute hängen wieder schwere graue Wolken über der Großbaustelle von BASF in Chongqing. "Nebelstadt" nennen die Chinesen die mit 30 Millionen Einwohnern größte Metropole des Landes. Nebel, Dunst und Regenwetter gehören hier am Ufer des Flusses Jangtsekiang zum Stadtbild wie die unzähligen Wolkenkratzer. "Wenn es regnet, stehen wir bis zu den Knöcheln im Schlamm", klagt Fritz Misenta, der die Bauarbeiten überwacht. Der Ingenieur aus der Pfalz hat zunächst den Boden verhärten lassen und dann Stahlsäulen fürs Fundament bis zu 20 Meter tief in den Matsch rammen lassen, worauf bald ein Chemiewerk stehen soll.

Platz 20: Knorr-Bremse

Das Unternehmen aus München stellt Fahrzeugbremsen für Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Straßen- und U-Bahnen, Lastwagen und Busse her. Der Umsatz stieg 2011 um 14 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden Euro, vor allem dank der guten Geschäfte in Nordamerika und Europa. Unter dem Strich verdiente der Konzern 329 Millionen Euro, ein Plus von knapp 38 Prozent.

Mitarbeiter in China: 2200

Foto: Screenshot

Platz 19: Heraeus

Der Edelmetall- und Technologiespezialist mit Sitz in Hanau bei Frankfurt beschäftigt weltweit knapp 13.000 Mitarbeiter. 2010 erwirtschaftete das Familienunternehmen 4,1 Milliarden Euro Produktumsatz und eine Edelmetallhandelsumsatz von 17,9 Milliarden Euro.

Mitarbeiter in China: 2750

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 18: Henkel

China soll bis zum Jahr 2015 der zweitgrößte Markt des Düsseldorfer Konsumgüterriesen werden. Derzeit liegt China im firmeninternen Länderranking auf Platz fünf, hinter Spitzenreiter USA, Deutschland, Frankreich und Russland. Rund 800 Millionen Euro setzt Henkel derzeit in China um und betreibt dort 14 Fabriken. Bei der Expansion in China setzt Henkel vor allem auf seine Klebstoffsparte, auf die schon jetzt 80 Prozent aller Umsätze in der Volksrepublik entfallen.

Mitarbeiter in China: 3600

Foto: Pressebild

Platz 17: Evonik

Den Chemiekonzern plagen derzeit Sorgen um sein Joint Venture Evonik Sanzheng Fine Chemicals. Zwar wird das Chinageschäft immer wichtiger - Evonik möchte den Umsatz in Asien bis 2015 auf vier Milliarden Euro verdoppeln - doch die Kooperation ist alles andere vorzeigbar. Man habe einen Saustall entdeckt, sagte Evonik-Chef Klaus Engel kürzlich, den es schnellstmöglich auszumisten gelte. Von Betrug ist die Rede, Bilanzmanipulation und unerklärlichen Zahlungen. Ein Sprecher des Chemiekonzerns bestätigte: "Wir wollen das Joint-Venture so schnell wie möglich beenden."

Mitarbeiter in China: 4000

Foto: Pressebild

Platz 16: Bertelsmann

Der deutsche Medienkonzern hat mit seiner Tochter Arvato 2009 ein neues Joint-Venture mit zwei chinesischen Handy-Vertriebsunternehmen geschlossen. Arvato ist ein international vernetzter Outsourcing-Dienslteister mit rund 68.000 Mitarbeitern in 35 Ländern.

Mitarbeiter in China: 4200

Foto: dapd

Platz 15: Schenker

Die Logistiksparte der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben seit über 45 Jahren in China aktiv. 2011 hat Schenker seine Präsenz nochmals ausgebaut und 15 neue Standorte eröffnet, jetzt ist der Logistikkonzern mit mehr als 50 Standorten vertreten. Seit Herbst 2011 rollt ein Containerzug mit Autoteilen aus dem BWM-Werk Leipzig direkt ins 11.000 Kilometer entfernte Werk Shenyang.

Mitarbeiter in China: 4700

Foto: dapd

Platz 14: Freudenberg

Der Automobilzulieferer unterhält unterhält seit über 100 Jahren Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Partnern in China. Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 5,500 Mitarbeiter an 70 Standorten. Im Jahr 2011 erzielte Freudenberg einen Umsatz von 3.67 Milliarden CNY.

Mitarbeiter in China: 5.723

Foto: Pressebild

Platz 13: BASF

Nach Deutschland und den USA ist China für BAS der drittgrößte Markt. BASF lagert seit Beginn des Jahres schrittweise seine Spartenzentrale Dispersionen und Pigmente nach China aus. Die Leitung des Bereichs sowie etwa 50 Stellen werden peu a peu von Basel und Ludwigshafen nach Hongkong verlagert. Die Sparte, die unter anderem Zusatzstoffe für Lacke und Lichtschutzmittel herstellt, erzielte 2010 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz - weltweit. In Asien erwirtschaftete BASF allein 25 Prozent des Gesamtumsatzes mit den Dispersionen und Pigmenten. Kürzlich korrigierte BASF-Chef Kurt Bock seine Prognose für China nach oben. Statt von einem Asienumsatz von 20 Milliarden Euro bis 2020 - wovon die Hälfte in China entstehen soll - geht er nun von 29 Milliarden Euro in Fernost aus.

Mitarbeiter in China: 7000

Foto: Pressebild

Platz 12: Metro

Der Media-Markt-Konzern möchte bis 2015 rund 100 neue Elektronikfilialen in China eröffnen. Auch Cash&Carry-Märkte - die typischen Metro-Großmärkte - hatten es bisher in der Volksrepublik schwer. Die C&C-Märkte sollen daher kleiner werden und näher am Kunden am besten prominent in den Innenstädten gelegen sein, um besser mit den traditionellen und günstigen Straßenmärkten konkurrieren zu können. Bis Ende 2011 war Metro China in 37 chinesischen Städten mit 52 Läden präsent.

Mitarbeiter in China: 8000

Foto: Pressebild

Platz 11: BMW

Im Februar erschreckten Meldungen von großen Rabattaktionen auf Luxuslimousinen deutscher Autobauer wie dem BMW 7er die Anleger. Im ersten Quartal konnte BMW seinen Absatz erneut um 37 Prozent auf 80.000 verkaufte Pkw steigern. Damit dürften die Bayern die Verkaufsmarkte von 300.000 im Jahr 2012 übertreffen. Im Premiummarkt rechnet der Münchener Autobauer jedoch mit einer Abkühlung, die kleineren Segemente sollen dagegen schneller zulegen. Derzeit eröffnet BMW jede Woche einen neuen Händler in China. Bis Jahresende sollen rund 350 chinesische Händler BMWs verkaufen.

Mitarbeiter in China: 8600

Foto: Pressebild

Platz 10: Daimler

Der schwäbische Premiumautobauer verkaufte 2011 fast 200.000 Autos in China. Damit steigerten sie ihren Absatz um 35 Prozent. Daimler importiert bisher 70 Prozent seiner in China verkauften Autos aus Deutschland. Nur die C- und die E-Klasse werden in Peking gefertigt. Seit kurzem auch der GLK. Im Werk Fujian montiert Daimler die Transporter, Vito, Viano und Sprinter. Auf der Automesse in Peking hat Daimler gerade seinen neuen Elektro-Flitzer Denza enthüllt, den er gemeinsam mit Partner BYD speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat.

Mitarbeiter in China: 9000

Foto: Pressebild

Platz 9: ThyssenKrupp

Der Konzernumsatz mit Kunden in China betrug im Geschäftsjahr 2010/2011 rund zwei Milliarden Euro. Seit dem Geschäftsjahr 2006/2007 konnte ThyssenKrupp seinen Umsatz pro Jahr durchschnittlich um 13,2 Prozent steigern.

Mitarbeiter in China: 10.500

Foto: Screenshot

Platz 8: Bayer

Der Pharmakonzern betreibt zwölf Fabriken in China und erwirtschaftet inzwischen neun Prozent seines Gesamtumsatzes in China (3 Milliarden Euro). Bis 2015 möchte Konzernchef Marijn Dekkers den Umsatz in China verdoppelt haben.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: Pressebild

Platz 7: Lufthansa

Die chinesische Frachtbeteiligung Jade Cargo hat die Bilanz der Lufthansa in den letzten Jahren belastet. Damit soll nun Schluss sein, die Lufthansa will aussteigen. Seit der Gründung 2004 steckte Jade Cargo, an der die Lufthansa-Tochter Cargo noch zu 25 Prozent beteiligt ist, immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Auch eine Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen US-Dollar des Merheitseigners Shenzhen vor einem guten Jahr konnte das nicht ändern. Im zweiten Halbjahr 2012 soll Jade daher ad acta gelegt werden.

Mitarbeiter in China: 11.000

Foto: dpa

Platz 6: Epcos

Epcos fertigt elektronische Bauelemente, Module und Systeme für die Informations- und Telekommunikationstechnik, der Automobil-Elektronik, sowie der Industrie- und Konsum-Elektronik. Seit 2005 ist der Hersteller an einem Jointventure mit den chinesischen Mischkonzern Xindeco beteiligt.

Mitarbeiter in China: 12.000

Foto: Pressebild

Platz 5: Continental

Der Automobilzulieferer investiert derzeit 35 Millionen Euro in den Bau eines zweiten Werks in Changchun, im September 2012 soll die Produktion beginnen. Continental unterhält bereits 58 Standorte in China.

Mitarbeiter in China: 15.000

Foto: Pressebild

Platz 11: DHL

"In China liegt unsere Zukunft", postuliert Deutsche Post-Chef Frank Appel. Bereits 12 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Deutsche Post DHL in China - mehr als in Deutschland.

Mitarbeiter in China: 19.000

Foto: dpa

Platz 3: Bosch

China ist hinter Deutschland und den USA der drittgrößte Markt für Bosch. 1926 eröffnete Bosch seine ersten Autowerkstatt in China. Mittlerweile ist der Konzern der drittgrößte deutsche Arbeitgebern in China. Zwischen 2005 und 2010 konnte Bosch seinen Umsatz jeweils um durchschnittlich 30 Prozent steigern. In China betrug der Jahresumsatz 2010 4,1 Milliarden Euro. Bei Kühlgeräten hält der Elektronikriese in China einen Marktanteil von 13,7 Prozent. Gerade baut der Haushaltsgerätehersteller gemeinsam mit Siemens (BSH) in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik, 2013 soll die Produktion beginnen. Bis 2015 will der Automobilzulieferer in China 50.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Mitarbeiter in China: 21.000

Foto: Pressebild

Platz 2: Siemens

Der Weltkonzern aus München unterhält 16 Forschungszentren im Reich der Mitte. Im Geschäftsjahr 2010/2011 machte er dort 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Die Geschichte von Siemens in China reicht zurück bis ins Jahr 1872, als das Unternehmen Chinas ersten Zeigertelegraphen lieferte. Bisher hat Siemens mehr als 69 Gesellschaften und 64 Zweigniederlassungen in China gegründet.

Mitarbeiter in China: 43.000

Foto: Pressebild

Platz 1: Volkswagen

VW hat 2011 rund 2,26 Millionen Autos in der Volksrepublik abgesetzt und hält damit eine Marktanteil von 17 Prozent. Bis 2016 will der Autokonzern 14 Milliarden Euro in China investieren. Volkswagen unterhält bereits die meisten Werken aller deutschen Autobauern in China. Auf der Industriemesse in Hannover haben VW-Chef Winterkorn und Chinas Premier Wen Jiabao ein Abkommen zum Bau eines neues Werks im Norwesten Chinas unterzeichnet.

Mitarbeiter in China: 48.000

Foto: Pressebild

Auf einer halben Million Quadratmeter - der Fläche von 70 Fußballfeldern - will BASF bis Ende 2014 die Herstellung von Methylendiphenyldiisocyanat starten. Der Klebstoff, kurz MDI, kommt bei Auto- und Textilherstellern zum Einsatz. Die Fabrik soll pro Jahr 400.000 Tonnen produzieren. 860 Millionen Euro steckt der Chemieriese in den Neubau. Und das in einer außerhalb Chinas unbekannten Stadt, die "Dschong-dching" ausgesprochen wird, was für deutsche Ohren nach Kung-Fu-Film klingt.

Das BASF-Werk ist die mit Abstand größte Investition eines deutschen Unternehmens westlich der gut erschlossenen Küstenregionen. Firmen aus anderen Länden wie den USA hatten bereits 2011 mehr als zehn Milliarden Euro in der Stadt Chongqing investiert. Von deutscher Seite hat in der Provinz neben BASF nur Volkswagen in großem Stil investiert. Die Konzerne gehen mutig einen Weg voran, den einzuschlagen sich andere Deutsche bisher kaum trauen: die Expansion in Chinas Wilden Westen. Dort dürfte sich in den kommenden Jahren ein rasantes Wachstum abspielen, wie es in den vergangenen zehn Jahren an der Küste der Fall war.

Anlauf im Westen - Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen in den wichtigsten Ballungszentren Chinas.

(zum Vergrößern bitte anklicken)

Foto: WirtschaftsWoche

Taiwaner, Südkoreaner, Japaner und vor allem US-Konzerne haben diesen Trend früher erkannt. Die Provinz Sichuan registrierte 2011 schon 1.171 US-Unternehmen, Chongqing immerhin 517 - darunter Größen wie Hewlett-Packard, die dort seit acht Jahren 30 Millionen Drucker fertigen lassen. Deutsche Unternehmen ballten sich dagegen sehr stark in Küstenregionen und zögerten mit der Expansion ins Landesinnere, sagt Dirk Hällmayr, der am China-Desk der Beratung Deloitte in Frankfurt Investoren berät. Gerade einmal 86 deutsche Unternehmen zählt er in der Provinz Sichuan um die Großstadt Chengdu, nur 37 seien in Chongqing aktiv. In Shanghai sind es 1.434, im gesamten Jangtse-Delta rund 2.100 deutsche Unternehmen.

Laut einer Deloitte-Studie, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, ist Chongqing die größte Boomtown diesseits der Küste, gefolgt von Chengdu, Changsha und Wuhan (siehe Grafik). "Es überrascht, dass nicht mehr deutsche Investoren in diesen Regionen Fuß gefasst haben", wundert sich Hällmayr. Sie könnten stärker von einer steigenden Kaufkraft bei zugleich niedrigen Lohnstückkosten profitieren.

Der Investor Marc Faber ist für seine ökonomischen Prognosen weltweit bekannt. Für Asien skizziert er ein Szenario, dass China nicht gefallen wird.

In seinem Blog fasst er dies so zusammen: "I don’t think that in Asia at the present time there is any economic growth."

Foto: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Brasilien, Chile, Argentinien. Das Wachstum in den Rohstoffländern, den Lieferanten von China, geht zurück. Diese wiederrum haben dann weniger Geld, um chinesische Waren zu kaufen.

Foto: dapd

Egal ob Aluminium, Kupfer oder Stahl- Chinas Rohstoffkonsum sinkt. Laut einer Studie des Instituts für internationale Wirtschaftspolitik an der Universität Bonn wird der Rohstoffverbrauch nicht mehr so stark steigen wie in den 20 Jahren zuvor.

Foto: IVAN ALVARADO

Ein weiterer Indikator für die ökonomische Stagnation sind die Zahlen Taiwans und Süd-Koreas. Der Export beider Länder, der auf China ausgerichtet ist, weist ein rückläufiges Exportwachstum auf.

Foto: dpa/dpaweb

Westlich von Hong Kong liegt die Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, besser bekannt als Macau, Asiens Monte Carlo. Zwar steigen die Gesamtumsätze jedoch sinkt das Umsatzwachstum der Vermittler (Junkits), also derjenigen, die die Glücksuchenden nach Macau in die Casinos bringen.

Foto: REUTERS

Louis Vuitton, Gucci, Prada. Die Luxusbranche kann sich nicht beklagen, zumindest nicht in Europa. Laut Fabers Prognose jedoch geht der Konsum von Luxusgütern zurück.

Foto: AP

Laut Fabers Einschätzung steigt der Stromverbrauch kaum noch. Weitere Studien geben ihm Recht. Im Vergleich zu 2011 sank das Wachstum des vierteljährlichen Energieverbrauchs um 5,9 Prozent.

Foto: REUTERS

Die Baoshan Iron & Steel Co. verzeichnet einen Rückgang ihres Netto-Profits von 43 Prozent. Das Unternehmen ist nicht unbekannt, gehört es doch der Shanghai Baosteel Group Corporation an, Chinas zweitgrößten Stahlproduzenten.

Foto: REUTERS

Auch die chinesische Bevölkerung spürt den Abschwung. Viele leisten sich nicht mehr das teure amerikanische Fast-Food. Statt Cheeseburger heißt es wieder Chop Suey. Dies hat auch negative Auswirkungen auf den Umsatz amerikanischer Ketten.

Foto: AP

Nah beim Kunden - Zulieferer Brose produziert in Chongqing Fensterheber und Türschlösser für VW und Ford.

Foto: Presse

Chinas Provinzstädte stellt man sich irgendwie schäbig vor, mit Menschenmassen, die in heruntergekommenen Betonruinen hausen. In Chongqing sind die Wolkenkratzer modern und so zahlreich, dass sich der Besucher beinahe an Shanghai erinnert fühlt. Die 30-Millionen-Stadt, zusammen mit dem Umland so groß wie ganz Österreich, ist immer noch im Bau. Überall in der hügeligen Innenstadt röhren Presslufthämmer, Baufirmen ziehen neue Häusertürme hoch und schlagen Brücken über die Flüsse Jialing und Jangtsekiang. Mit schmucken Hotels, Einkaufszentren, Bars und Restaurants soll die Megacity für Manager aus dem In- und Ausland attraktiver werden.

Das kommunistisch regierte China ist mit gut 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Foto: dapd

Mit einer Fläche von knapp 9,6 Millionen Quadratkilometern ist es etwa 27 Mal so groß wie Deutschland.

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Trotz eines Bruttoinlandsprodukts von 5,88 Billionen US-Dollar (2010) und einem Wachstum von 9,2 Prozent im vergangenen Jahr ist besonders die Landbevölkerung von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen.

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2010 exportierten deutsche Unternehmen Waren für 53,6 Milliarden Euro nach China. Im Vergleich zum Jahr zuvor entsprach das einem Plus von 43,9 Prozent. Die Einfuhren lagen 2010 bei 76,5 Milliarden Euro (35,0 Prozent mehr als 2010).

Foto: dpa

Aus der Bundesrepublik werden besonders Maschinen, Anlagen, elektrotechnische Produkte und Autos nach China verkauft.

Foto: dapd

Von dort kommen vor allem Elektrotechnik und Kleidung.

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Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen beliefen sich 2010 auf 697 Millionen Euro nach 857 Millionen im Jahr zuvor.

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Viele deutsche Unternehmen in China beklagen sich über einen schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheit.

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Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist seit Jahren ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen.

Foto: ap

Mehr als die Hälfte aller vom Zoll in Europa sichergestellten Raubkopien stammt aus China. Bei dem seit 1999 laufenden Dialog über rechtsstaatliche Fragen zwischen Berlin und Peking geht es auch um ein Wirtschaftsrecht für China.

Foto: dpa

Niedrige Personalkosten

Peking wünscht die Wanderung westwärts ins Zentrum. Bereits im Jahr 2000 gab die Regierung die "Go-West-Strategie" aus, mit der die zentralen, unterentwickelten Provinzen Chinas gefördert werden sollen. Im Fokus stehen Sichuan mit der Metropolregion Chengdu, die relativ autonome Stadt Chongqing, weiter nördlich Shaanxi mit der Hauptstadt Xi’an und ganz im Süden Guanxi. Neben der Infrastruktur, die alle Provinzstädte mit Pekinger Hilfe verbessern, locken die Regionen Investoren mit Steuerermäßigungen und Fördermitteln sowie niedrigem Lohnniveau und günstigen Grundstückspreisen.

Die Chancen im Westen seien immens, heißt es auch in einer Studie der Beratung EAC mit Sitz in Shanghai. Demnach sind die Personalkosten in der Region um 30 bis 40 Prozent geringer als an der gut erschlossenen Ostküste. Und während die durchschnittliche Fabrikmiete pro Quadratmeter in Shanghai bei 24,7 Yuan (rund drei Euro) liegt, sind es in Xian 15,8 Yuan und in Chongqing 12,8 Yuan.

Dennoch seien erst vier Prozent der in China registrierten deutschen Unternehmen im Landesinneren unterwegs, so EAC. Zusammen erwirtschaften diese nur vier Prozent ihres China-Umsatzes im Zentrum des Riesenlandes. Die Musik spielt weiter an der Küste, wo die logistische Anbindung durch die Nähe zu den Häfen besser ist. Die Autoren der EAC-Studie warnen ähnlich wie Berater Hällmayr: "Deutsche Unternehmen scheinen den Zug in den Westen zu verpassen."

Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas.

Foto: Reuters

Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet.

Foto: Reuters

Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong.

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Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt.

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Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas.

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Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe.

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Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan.

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Tianjin ist eine wichtige Hafenstadt in China. Mit 12,3 Millionen Einwohnern ist die Tianjin sowohl Industriezentrum, Verkehrsknoten als auch kultureller Mittelpunkt der Region mit Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern.

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Die Hafenstadt Shanghai ist die bedeutendste Industriestadt Chinas. Sie besitzt den zweitgrößten Containerhafen der Welt und zählt 23 Millionen Einwohner. Mit zahlreichen Universitäten und Museen ist Shanghai auch ein bedeutendes Kultur- und Bildungszentrum.

Foto: dpa/picture alliance

Hongkong ist die drittgrößte Metropolregion Chinas und liegt an der Südküste der Republik. Sie gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Welt. In der Stadt selbst leben 7,1 Millionen Menschen.

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Shenzhen liegt am südlichen Rand der Proving Guangdong. Sie gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Mit über 12 Millionen Einwohnern ist sie heute eine moderne Metropole.

Foto: picture-alliance

Für Helmut Schneider gilt das nicht. Der China-Veteran ist Landeschef des Industriegaseproduzenten Messer Griesheim aus der gleichnamigen Stadt in Südhessen. In Chengdu hat er bereits investiert, als die meisten Expats die Namen der Städte in Zentralchina noch nicht richtig aussprechen konnten. "Wir bauen unsere Werke dort, wo die großen Kunden sitzen", erzählt Schneider. Damit meint er weniger deutsche Mittelständler, sondern riesige Lohnfertiger wie Foxconn aus Taiwan, die die Herstellung von Elektronik zuallererst ins günstige Landesinnere verlegt haben.

Schneider startete bereits Mitte der Neunzigerjahre mit der ersten Fabrik in Chengdu, kurz darauf folgte eine in Chongqing. Heute ist Messer Griesheim mit zehn Standorten in drei der Westprovinzen präsent und beliefert Apple-Großlieferant Foxconn mit Stickstoff und Sauerstoff - über Pipelines und in Flaschen. Solche Gase kommen als Hilfsstoffe etwa beim Löten zum Einsatz.

Die Skyline wächst - Neues BASF-Werk in Chongqing.

Foto: Presse

Voith

Das schwäbische Familienunternehmen rechnet sich erhebliche Chancen in China aus. Der 1867 in Heidenheim gegründete Konzern, der beispielsweise in den Feldern Papiermaschinen, Wasserkraftwerke und Industrie-Dienstleistungen aktiv ist, will unter anderem seine Fertigung für den chinesischen Markt erweitern. Die Zahl seiner Beschäftigten im Reich der Mitte will Voith bis 2016 auf 5000 von derzeit 3000 erhöhen. China ist für Voith inzwischen eines der wichtigsten Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr 2010/11 erzielte der Konzern dort einen Umsatz von einer Milliarde Euro. Das sind 18 Prozent des Gesamtumsatzes von 5,6 Milliarden Euro.

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Knorr-Bremse

Um rund eine Milliarde legte der Umsatz des Zulieferers Knorr-Bremse in 2011 zu. Dank einer guten Konjunktur im Nutzfahrzeugmarkt und einer Erholung der Schienen-Sparte konnte das Unternehmen kräftig wachsen. Der Konzern hat Marktanteile von bis zu 70 Prozent bei LkW-Bremsen in Europa und rund 80 Prozent bei Bremsen für Metrozüge in China. In China betreibt Knorr-Bremse zehn Werke.

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Schuler

Schuler gehört zu den führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Münztechnik. Das Unternehmen aus Göppingen ist weltweit mit eigenen Standorten und Vertretungen in vierzig Ländern präsent. Insbesondere Asien hat dem Konzern einen erfolgreichen Start ins Geschäftsjahr 2011/12 (30. September) beschert. Der Umsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 50 Prozent auf 276,3 Millionen Euro. Knapp 40 Prozent stammten laut Firmenangaben aus dem Fernen Osten.

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Manz

Der Maschinenbauer Manz aus Reutlingen liefert unter anderem Anlagen an Hersteller von Solarzellen. besonders in China engagiert sich das Unternehmen stark. Im Werk in Suzhou nahe der Industrie- und Finanzmetropole Shanghai bauen derzeit 400 Mitarbeiter Maschinen für die Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanelen zusammen. Im Mai eröffnet Manz rechtzeitig zum Start der internationalen Solarmesse SNEC zusätzliche Fertigungshallen mit 16 000 Quadratmeter Fläche. Dafür steigt die Zahl der Mitarbeiter auf 700. Der Standort soll in Serienfertigung durchschnittlich zehn Maschinen pro Woche ausstoßen, wobei der sensible Bau von Prototypen in Deutschland bleibt.

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Waldrich Siegen

Die WaldrichSiegen Werkzeugmaschinen GmbH ist ein Hersteller für Großwerkzeugmaschinen in den vier Produktlinien Fräsen, Drehen, Schleifen und Texturieren. Der Schwermaschinenbauer aus Burbach in Nordrhein-Westfalen engagiert sich ebenfalls in China. Er verändert sein Geschäftsmodell für den dortigen Markt, um die chinesischen Konkurrenten abzuschütteln. In den vergangenen zehn Jahren hatte das Unternehmen etwa die Hälfte seines Umsatzes mit China-Exporten gemacht. Statt nur noch hochwertige neue Maschinen zu verkaufen, will das Unternehmen sich künftig auf die Modernisierung älterer Aggregate konzentrieren. Daher baut Waldrich nun einen Stützpunkt in Jiaxing, in der Nähe von Shanghai.

Foto: WirtschaftsWoche

MAG

Der Geschäftsbereiche Automotive von MAG aus Göppingen konnte das Jahr 2011 mit großen Zuwächsen und vollen Auftragsbüchern abschließen. Die Auftragseingänge im Automobil-Systemgeschäft beliefen sich auf 607 Mio. Euro, was einer Steigerung von 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht (2010: 318 Mio. Euro). Ein Großteil der Geschäfte wird dabei in den Wachstumsmärkten China und Indien gemacht, von dort kommen rund zwei Drittel des gesamten Auftragseingangs.

Foto: WirtschaftsWoche

Für China-Kenner Schneider ist klar: "Sichuan, Chongqing und die Gegenden weiter nördlich befinden sich in der Frühphase ihres Booms." Je stärker die Kaufkraft steige, desto rasanter würden sich Regionen in der Mitte Chinas entwickeln. Unter deutschen Mittelständlern wird er wohl bald nicht mehr der bunte Vogel sein, der in die Provinz ausfliegt: "Wenn mehr deutsche Großkonzerne ihre Werke in der Landesmitte eröffnen, werden ihnen auch mittelständische Zulieferer folgen."

Gerade die halten sich zurück. Laut einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) Shanghai trauen zwar 65 Prozent der Kammer-Mitglieder dem Westen bis 2015 die größten Wachstumschancen zu. Trotzdem plant der Großteil seine Investitionen an der Ostküste. Nur 9,1 Prozent wollen Werke in Sichuan und nur 5,4 Prozent in Chongqing bauen.

Volle Auftragsbücher

Ein Grund für die Zurückhaltung: Die relativ niedrigen Lohnkosten seien für die meisten deutschen Unternehmer kein Argument für eine Ansiedlung, sagt Astrid Schröter, die bei der Kammer den Kontakt zu den Mitgliedern pflegt. Vielmehr legten Mittelständler, die das Gros der AHK-Mitglieder stellen, eher Wert auf Kundennähe und Infrastruktur. Die meisten Kunden haben die Zulieferer weiterhin im Speckgürtel von Shanghai.

Hinzu kommt die Exotik: In Chinas Mitte gibt es zwar Starbucks-Filialen, Adidas-Läden und schöne Hotelbars, aber zum Beispiel keine deutschen Schulen. Ins Zentrum gehe ein bestimmter Managertyp, sagt Handelskammer-Frau Schröter: "Einer mit Pioniergeist und ausgeprägter China-Erfahrung."

Bekannte deutsche Marken

85 Prozent der befragten chinesischen Konsumenten konnten spontan eine oder mehrere deutsche Marken aus dem Gedächtnis nennen. Vor allem die deutschen Automobilhersteller BMW, Audi und Mercedes-Benz verfügen laut globeone über einen besonders hohen Bekanntheitsgrad. In vielen Kategorien ist die Wahrnehmung deutscher Marken deutlich positiver als die von Wettbewerbern aus den USA, Japan oder Frankreich, hat die Unternehmensberatung herausgefunden. BMW ist in China nicht nur die bekannteste deutsche Marke (98% Bekanntheit), sondern auch – gemeinsam mit Mercedes Benz – die beliebteste (beide 88% Beliebtheit). Die befragten Konsumenten bewerteten deutsche Marken insbesondere in den Kategorien Qualität, Zuverlässigkeit und Leistung als außergewöhnlich.

Foto: dpa

Autos, Maschinen und Sport

Beim Vergleich der verschiedenen Unternehmenszweige liegen Automobilfirmen (78% Bekanntheit) vor dem Bereich Maschinen (57%), Fußball (47 %) , Medizintechnik (30%), Versicherungen (16 Prozent) und Mode (16%). Insgesamt wurden für die Studie über 1000 chinesische Verbraucher in Peking, Shanghai, Kanton, Wohan und Chengdu interviewt.

Foto: dpa

Sportartikel

Das Geschäft mit Sportartikeln boomt - und das deutsche Unternehmen adidas profitiert davon kräftig. Das Jahr 2011 brachte dem Dax-Unternehmen einen Umsatz- und Gewinn-Rekord. 2012 will der Sportartikelhersteller seine Rekordjagd fortsetzen - auch dank Fußball-EM und Olympischen Spielen. Bei der Imagestudie der Kölner schnitt das Unternehmen aus Herzogenaurach als bekannteste Firma aus diesem Bereich ab. Adidas hat beim Ranking der meist benutzten Artikel aus Deutschland zudem die Nase ganz weit vorne. Mit 56 Prozent liegen die Produkte vor denen von Siemens mit 48 Prozent. Im Bereich Preis-Leistungsverhältnis sind es allerdings eher die chinesischen Unternehmen, die bei den dortigen Verbrauchern Punkten können.

Foto: dpa

Nicht-Automobilfirma

Mit einem Bekanntheitsgrad von 85 Prozent liegt Siemens weit vorne beim Ranking der Imagestudie. Das Technologieunternehmen ist das einzige Nicht-Automobilunternehmen in der Top-Fünf der bekanntesten deutschen Marken in China.

Foto: dapd

German Beer

Deutsches Bier ist weit über seine Grenzen bekannt - das weiß jeder Deutsche, der ins Ausland reist und an den unterschiedlichsten Orten deutsches Bier entdeckt. Die Marke Becks ist laut der Studie von globeone besonders bekannt (61%), nah dran reicht nur die Marke Paulaner (56%).

Foto: AP

Premiumsegment

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Anziehungskraft deutscher Marken steigt mit der Höhe des Einkommens. 77 Prozent der städtischen Konsumenten in China mit einem monatlichen Brutto-Einkommen von mehr als 4000 Euro haben eine positive Einstellung gegenüber deutschen Marken – insbesondere gegenüber deutschen Premium-Automobilherstellern. Unter den dreißig bestplazierten deutschen Firmen sind insgesamt sieben Automarken. Neben den Topplatzierten BMW, Mercedes, Audi und Porsche folgen Volkswagen (73%), Mini (71%) und Smart (60%).

Foto: REUTERS

"deutsch"

Bei den Finanzhäusern liegt die Deutsche Bank mit einem Bekanntheitsgrad von insgesamt 35 Prozent vor der Allianz mit 27 Prozent. Beim Ranking der Firmen, bei denen die Herkunft am leichtesten zugeordnet werden kann, liegt die Deutsche Bank mit 93 Prozent auf Platz 2. Ein wichtiges Ergebnis, das die Studie hervorgebracht hat: Der Hinweis "deutsch" im Firmennamen hilft den Befragten enorm bei der Herkunftsbestimmung. So ist das beispielsweise auch bei der "Continental", die in ihrem chinesischen Namen "Deguo Taiyi" die Schriftzeichen für Deutschland trägt.

Foto: dpa

Eindeutige Herkunft

Die deutsche Telekom ist das deutsche Unternehmen, bei denen die befragten Chinesen sofort auf die Herkunft schließen (94%). Überraschend ist die gute Platzierung der Firma Zwilling (80 Prozent der Befragten konnten dem Unternehmen gleich die deutsche Herkunft zuordnen.) Weit vorne liegt beispielsweise auch MAN (77%), deren Übersetzung in China "German MAN" lautet.

Foto: dpa

Produktinformationen

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung des chinesischen Marktes hat ergeben, dass sich die dortigen Konsumenten am meisten über das Internet über ausländische Firmen informieren. 34 Prozent der 1000 befragten Verbraucher holen sich dort ihr Wissen über "foreign products". Gespräche innerhalb des Familien- oder Freundeskreises (17%) bringen die zweithäufigsten Informationen über ausländische Produkte und Unternehmen, gefolgt vom Fernsehen (16%) und den ansässigen Geschäften (12%) und Zeitungen (11%).

Foto: WirtschaftsWoche

Diese Beschreibung passt auf Wolfgang Beuck. Er ist Geschäftsführer des oberfränkischen Autozulieferers Brose in Chongqing, der dort seit Kurzem Fensterheber und Türschlösser herstellt. Der Weg ins Werk führt über eine neu gebaute Autobahn durch hügelige Landschaften. Links und rechts der Schnellstraße pflanzen Bauern Kürbisse, Chilis und Pfeffer.

Beuck ist der einzige Ausländer in Taizi, einer Industriezone 30 Kilometer westlich von Chongqing. Begeistert führt der Manager seinen Besucher durch das neue Werk. Die Halle ist großzügig und sauber. In den Büroräumen riecht es nach Plastik, kleine Zimmerpflanzen sollen den Geruch vertreiben - ein Tipp seiner chinesischen Mitarbeiter. Seit März erst laufen die Bänder: Mit 140 Angestellten fertigen die Coburger für Volvo, VW und Ford, die große Fabriken im Umkreis von Chongqing betreiben.

"Es ist hier viel leichter, qualifiziertes Personal zu finden, als an der Ostküste", sagt Beuck. Dort haben deutsche Unternehmen mit jährlichen Fluktuationsraten im zweistelligen Bereich zu kämpfen. Gerade erst angelernte Arbeiter wechseln zur Konkurrenz, weil sie dort zehn Prozent mehr Lohn bekommen.

China

Auf der Schattenseite des Booms

von Philipp Mattheis

Sichuan und Chongqing geht es immer besser. Noch vor wenigen Jahren verließen junge Leute die bevölkerungsreiche, aber kaum entwickelte Heimat, um an der Ostküste Arbeit zu finden. Jetzt kehren die gut ausgebildeten Fachkräfte zurück. Einer von ihnen ist Frank Fang. Der 30-jährige IT-Experte richtet die Server in der neuen Brose-Fabrik ein: "Ich habe meine Heimat vor acht Jahren verlassen, weil es kaum gute Jobs gab. Jetzt ist das anders." Vor Ort kann sich Fang jetzt um seine Eltern kümmern.

Zulieferer Brose hat volle Auftragsbücher. 60 Kilometer nördlich des Werks baut US-Autohersteller Ford sein drittes Werk in China. Es wird für Ford der größte Standort außerhalb Nordamerikas. "Der Kunde verlangt, dass die Produkte zeitnah geliefert werden", sagt Fabrikchef Beuck. Das könne wegen der chronisch verstopften Straßen manchmal ein Problem werden. Bald aber soll eine neue Brücke über den Jangtsekiang den Verkehr entspannen.

Beuck kennt die bisherigen Boomregionen Chinas. Der Ingenieur hat in Nanjing und Wuxi an der Küste gearbeitet. "Chongqing steht der Küstenregion in nichts nach", sagt er. Die Infrastruktur sei mittlerweile so gut wie an der Ostküste, viele Arbeiter nicht minder gut ausgebildet. "Nur in Deutschland hat kaum einer den Namen je gehört."

Beuck ist freiwillig in die Provinz gezogen - was für die großen Autobauer nicht unbedingt gilt. Auf sie übt die Pekinger Regierung Druck aus, damit sie in der Provinz investieren. So baut Volkswagen sogar im weit abgelegenen und tatsächlich gering entwickelten Urumqui eine Fabrik. Eine Nachfrage für VW-Autos gibt es im landwirtschaftlich geprägten Nordwesten Chinas kaum. Aber China ist für die Wolfsburger ein zu wichtiger Markt, als dass man Pekings Wünsche ablehnen könnte.

Das Kalkül der Regierung: Fertigt ein Konzern in der Region, ziehen dessen Zulieferer nach. Peking hofft, dass so neue Jobs entstehen, die Kaufkraft steigt und damit der Wohlstand. Über die Entwicklung der Provinz will die Politik die gesellschaftliche Spannung entladen, denn noch immer sind die Unterschiede zwischen der reichen Küste und der armen Provinz sowie zwischen Stadt und Land gewaltig.

Die Strategie kann funktionieren. Großprojekte wie die Fabriken von Ford oder BASF sind keine Seltenheit mehr in Chinas Landesinneren. Zumal sich etwa die Ludwigshafener ihrer Abnehmer sicher sein können: Mit Hewlett-Packard und Foxconn sitzen zwei Elektronikriesen im Umkreis, die Unmengen an Klebstoff brauchen. Aber erst muss die Fabrik endlich produzieren.

Bis dahin ist der Weg noch weit. Seit gut einem Jahr dirigiert Bauleiter Misenta die größte Baustelle der "Nebelstadt", bis Ende 2014 wird er noch zu tun haben. Immerhin hat er bei den meisten Gebäuden Richtfest gefeiert - wenn wenigstens das Dach drauf ist, muss er nicht mehr jeden Tag knietief durch den Matsch waten.

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