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Mobile World Congress Der Mythos der zwei verlorenen Jahre

Mobile World Congress: Der Mythos der zwei verlorenen Jahre Quelle: AP

Gefährdet ein Verzicht auf Huawei den Aufbruch ins Gigabit-Zeitalter? Die Erfahrungen der Mobilfunkbetreiber in den USA beweisen das Gegenteil: Wegen des Embargos setzen sie nur Technik von Nokia, Ericsson und Samsung ein – und eroberten damit beim Bau von 5G-Netzen die Spitze.

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Europa hat Angst vor einem noch größeren Rückstand beim Sprung ins Gigabit-Zeitalter. Und diese Angst begleitet jetzt auch die Debatte um die Sicherheitsrisiken, die vom Einsatz der beiden chinesischen Technologielieferanten Huawei und ZTE in den superschnellen 5G-Mobilfunknetzen ausgehen. Zwei Jahre könnte Europa technologisch verlieren, sollte sich der alte Kontinent dem Embargo der USA anschließen, warnte kürzlich die Deutsche Telekom in einem internen Papier. Die 5G-Infrastruktur baue auf den bereits bestehenden LTE-Netzen auf. Und in denen spielt Huawei als einer von zwei großen Technologielieferanten bei allen drei großen Mobilfunkbetreibern in Deutschland – Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica – ein tragende Rolle.

Die Botschaft, die solche Horrorszenarien vermitteln, ist klar: Die beiden europäischen 5G-Lieferanten, Nokia aus Finnland und Ericsson aus Schweden, sind technologisch nicht so gut aufgestellt wie der chinesische Marktführer Huawei. Ein verstärkter Einsatz dieser beiden europäischen Ausrüster würde sich also negativ auf die Qualität und Ausrollgeschwindigkeit der neuen 5G-Netze auswirken.

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona lösen solche Worst-Case-Szenarien bei den aus den USA angereisten Mobilfunkmanagern nur Kopfschütteln aus. Denn ausgerechnet die USA, die beim 5G-Rollout im Moment der Schrittmacher sind, kommen ganz ohne Huawei- und ZTE-Technik aus. Die beiden größten Telekom-Konzerne in den USA, AT&T und Verizon, haben längst mit dem Bau der ersten 5G-Mobilfunknetze begonnen, und beide setzen dabei komplett auf Technologien von Ericsson, Nokia und dem südkoreanischen Technologiekonzern Samsung. „Wir bauen 5G so schnell wir können und alle drei Anbieter machen dabei einen guten Job“, sagt Kyle Malady, Chief Technology Officer von Verizon der WirtschaftsWoche. In vier Städten hat der 5G-Ausbau bereits begonnen: Houston, Indianapolis, Los Angeles und Sacramento. Bis Ende des Jahres sollen es 30 werden.

Genauso verwundert ist Andre Fuetsch, Technik-Vorstand bei AT&T. „Wir machen bereits Umsatz mit 5G“, sagt der Chef der AT&T Labs. Sein 5G-Netz ist bereits in zwölf Städten eingeschaltet, neun weitere Städte sollen im Laufe des Jahres dazukommen. AT&T setzt eine Vorversion des noch nicht endgültig beschlossenen 5G-Standards ein. Die endgültige Version werde dann direkt nach der Fertigstellung zügig in die 5G-Antennen eingespielt.

Für Borje Ekholm, Vorstandsvorsitzender von Ericsson, liegen die wahren Gründe, warum Europa hinter den USA und einige Länder in Asien zurückfällt, in den investitionsfeindlichen Regelwerken. Teure 5G-Versteigerungen, Unsicherheiten über die Laufzeit der Frequenzen und eine viel zu harte Regulierung der Mobilfunkbranche machen Europa zu einem unattraktiven Ort für Netzbetreiber, sagte der Ericsson-Chef. Würden die Frequenzen schnell und günstig vergeben, dann könnten die Mobilfunkbetreiber auch durchstarten.

Was aber die Inbetriebnahme der 5G-Netze tatsächlich hinauszögern könne, sind die jetzt in Europa diskutierten Sicherheitsüberprüfungen für alle 5G-Komponenten. Wenn die durch Huawei ausgelöste Sicherheitsdebatte dazu führe, dass alle Anbieter nach einer erfolgreich abgeschlossenen Produktentwicklung jedes Feature den staatlichen oder privaten Prüflaboren für nachgelagerte Security-Checks vorlegen müssen, dann könnte dies die Einführung von 5G-Produkten und -Diensten tatsächlich verlangsamen.

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