China: Unter Kommunarden
Türöffner mit Rundum-sorglos-Service: Startup-Factory-Gründer Reitmeier
Foto: Egill Bjarke für WirtschaftsWocheJochen Ott wuchtet eine schwere Holzkiste aus dem Regal und öffnet die Verschlüsse. Dann hievt er ein glänzendes Metallteil von der Größe einer Bierflasche heraus. „Unser deutscher Kunde hier schickt die Spindeln immer in solchen Kisten“, sagt er in breitestem Schwäbisch. „Ich schau dann, wo der Fehler liegt.“
Der Mittvierziger ist der einzige deutsche Mitarbeiter der Firma Kern in China. Das Familienunternehmen aus Burladingen südlich von Stuttgart ist Deutschlands größter unabhängiger Reparateur von Schleif-, Fräs- und Drehspindeln. Die hoch spezialisierten Teile stecken in vielen Maschinen etwa der Autoindustrie. Ist eine Spindel defekt, kostet die Reparatur vor Ort nur halb so viel wie der Ersatz aus Deutschland. Deshalb hat Kern seinen Service-Mann Ott nicht zu Hause belassen, sondern in Kunshan, einer Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt gut eine Autostunde von Shanghai entfernt, stationiert.
Platz 20: Knorr-Bremse
Das Unternehmen aus München stellt Fahrzeugbremsen für Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven, Straßen- und U-Bahnen, Lastwagen und Busse her. Der Umsatz stieg 2011 um 14 Prozent auf mehr als 4,2 Milliarden Euro, vor allem dank der guten Geschäfte in Nordamerika und Europa. Unter dem Strich verdiente der Konzern 329 Millionen Euro, ein Plus von knapp 38 Prozent.
Mitarbeiter in China: 2200
Foto: ScreenshotPlatz 19: Heraeus
Der Edelmetall- und Technologiespezialist mit Sitz in Hanau bei Frankfurt beschäftigt weltweit knapp 13.000 Mitarbeiter. 2010 erwirtschaftete das Familienunternehmen 4,1 Milliarden Euro Produktumsatz und eine Edelmetallhandelsumsatz von 17,9 Milliarden Euro.
Mitarbeiter in China: 2750
Foto: WirtschaftsWochePlatz 18: Henkel
China soll bis zum Jahr 2015 der zweitgrößte Markt des Düsseldorfer Konsumgüterriesen werden. Derzeit liegt China im firmeninternen Länderranking auf Platz fünf, hinter Spitzenreiter USA, Deutschland, Frankreich und Russland. Rund 800 Millionen Euro setzt Henkel derzeit in China um und betreibt dort 14 Fabriken. Bei der Expansion in China setzt Henkel vor allem auf seine Klebstoffsparte, auf die schon jetzt 80 Prozent aller Umsätze in der Volksrepublik entfallen.
Mitarbeiter in China: 3600
Foto: PressebildPlatz 17: Evonik
Den Chemiekonzern plagen derzeit Sorgen um sein Joint Venture Evonik Sanzheng Fine Chemicals. Zwar wird das Chinageschäft immer wichtiger - Evonik möchte den Umsatz in Asien bis 2015 auf vier Milliarden Euro verdoppeln - doch die Kooperation ist alles andere vorzeigbar. Man habe einen Saustall entdeckt, sagte Evonik-Chef Klaus Engel kürzlich, den es schnellstmöglich auszumisten gelte. Von Betrug ist die Rede, Bilanzmanipulation und unerklärlichen Zahlungen. Ein Sprecher des Chemiekonzerns bestätigte: "Wir wollen das Joint-Venture so schnell wie möglich beenden."
Mitarbeiter in China: 4000
Foto: PressebildPlatz 16: Bertelsmann
Der deutsche Medienkonzern hat mit seiner Tochter Arvato 2009 ein neues Joint-Venture mit zwei chinesischen Handy-Vertriebsunternehmen geschlossen. Arvato ist ein international vernetzter Outsourcing-Dienslteister mit rund 68.000 Mitarbeitern in 35 Ländern.
Mitarbeiter in China: 4200
Foto: dapdPlatz 15: Schenker
Die Logistiksparte der Deutschen Bahn nach eigenen Angaben seit über 45 Jahren in China aktiv. 2011 hat Schenker seine Präsenz nochmals ausgebaut und 15 neue Standorte eröffnet, jetzt ist der Logistikkonzern mit mehr als 50 Standorten vertreten. Seit Herbst 2011 rollt ein Containerzug mit Autoteilen aus dem BWM-Werk Leipzig direkt ins 11.000 Kilometer entfernte Werk Shenyang.
Mitarbeiter in China: 4700
Foto: dapdPlatz 14: Freudenberg
Der Automobilzulieferer unterhält unterhält seit über 100 Jahren Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Partnern in China. Die Unternehmensgruppe beschäftigt mehr als 5,500 Mitarbeiter an 70 Standorten. Im Jahr 2011 erzielte Freudenberg einen Umsatz von 3.67 Milliarden CNY.
Mitarbeiter in China: 5.723
Foto: PressebildPlatz 13: BASF
Nach Deutschland und den USA ist China für BAS der drittgrößte Markt. BASF lagert seit Beginn des Jahres schrittweise seine Spartenzentrale Dispersionen und Pigmente nach China aus. Die Leitung des Bereichs sowie etwa 50 Stellen werden peu a peu von Basel und Ludwigshafen nach Hongkong verlagert. Die Sparte, die unter anderem Zusatzstoffe für Lacke und Lichtschutzmittel herstellt, erzielte 2010 rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz - weltweit. In Asien erwirtschaftete BASF allein 25 Prozent des Gesamtumsatzes mit den Dispersionen und Pigmenten. Kürzlich korrigierte BASF-Chef Kurt Bock seine Prognose für China nach oben. Statt von einem Asienumsatz von 20 Milliarden Euro bis 2020 - wovon die Hälfte in China entstehen soll - geht er nun von 29 Milliarden Euro in Fernost aus.
Mitarbeiter in China: 7000
Foto: PressebildPlatz 12: Metro
Der Media-Markt-Konzern möchte bis 2015 rund 100 neue Elektronikfilialen in China eröffnen. Auch Cash&Carry-Märkte - die typischen Metro-Großmärkte - hatten es bisher in der Volksrepublik schwer. Die C&C-Märkte sollen daher kleiner werden und näher am Kunden am besten prominent in den Innenstädten gelegen sein, um besser mit den traditionellen und günstigen Straßenmärkten konkurrieren zu können. Bis Ende 2011 war Metro China in 37 chinesischen Städten mit 52 Läden präsent.
Mitarbeiter in China: 8000
Foto: PressebildPlatz 11: BMW
Im Februar erschreckten Meldungen von großen Rabattaktionen auf Luxuslimousinen deutscher Autobauer wie dem BMW 7er die Anleger. Im ersten Quartal konnte BMW seinen Absatz erneut um 37 Prozent auf 80.000 verkaufte Pkw steigern. Damit dürften die Bayern die Verkaufsmarkte von 300.000 im Jahr 2012 übertreffen. Im Premiummarkt rechnet der Münchener Autobauer jedoch mit einer Abkühlung, die kleineren Segemente sollen dagegen schneller zulegen. Derzeit eröffnet BMW jede Woche einen neuen Händler in China. Bis Jahresende sollen rund 350 chinesische Händler BMWs verkaufen.
Mitarbeiter in China: 8600
Foto: PressebildPlatz 10: Daimler
Der schwäbische Premiumautobauer verkaufte 2011 fast 200.000 Autos in China. Damit steigerten sie ihren Absatz um 35 Prozent. Daimler importiert bisher 70 Prozent seiner in China verkauften Autos aus Deutschland. Nur die C- und die E-Klasse werden in Peking gefertigt. Seit kurzem auch der GLK. Im Werk Fujian montiert Daimler die Transporter, Vito, Viano und Sprinter. Auf der Automesse in Peking hat Daimler gerade seinen neuen Elektro-Flitzer Denza enthüllt, den er gemeinsam mit Partner BYD speziell für den chinesischen Markt entwickelt hat.
Mitarbeiter in China: 9000
Foto: PressebildPlatz 9: ThyssenKrupp
Der Konzernumsatz mit Kunden in China betrug im Geschäftsjahr 2010/2011 rund zwei Milliarden Euro. Seit dem Geschäftsjahr 2006/2007 konnte ThyssenKrupp seinen Umsatz pro Jahr durchschnittlich um 13,2 Prozent steigern.
Mitarbeiter in China: 10.500
Foto: ScreenshotPlatz 8: Bayer
Der Pharmakonzern betreibt zwölf Fabriken in China und erwirtschaftet inzwischen neun Prozent seines Gesamtumsatzes in China (3 Milliarden Euro). Bis 2015 möchte Konzernchef Marijn Dekkers den Umsatz in China verdoppelt haben.
Mitarbeiter in China: 11.000
Foto: PressebildPlatz 7: Lufthansa
Die chinesische Frachtbeteiligung Jade Cargo hat die Bilanz der Lufthansa in den letzten Jahren belastet. Damit soll nun Schluss sein, die Lufthansa will aussteigen. Seit der Gründung 2004 steckte Jade Cargo, an der die Lufthansa-Tochter Cargo noch zu 25 Prozent beteiligt ist, immer wieder in finanziellen Schwierigkeiten. Auch eine Finanzspritze in Höhe von 50 Millionen US-Dollar des Merheitseigners Shenzhen vor einem guten Jahr konnte das nicht ändern. Im zweiten Halbjahr 2012 soll Jade daher ad acta gelegt werden.
Mitarbeiter in China: 11.000
Foto: dpaPlatz 6: Epcos
Epcos fertigt elektronische Bauelemente, Module und Systeme für die Informations- und Telekommunikationstechnik, der Automobil-Elektronik, sowie der Industrie- und Konsum-Elektronik. Seit 2005 ist der Hersteller an einem Jointventure mit den chinesischen Mischkonzern Xindeco beteiligt.
Mitarbeiter in China: 12.000
Foto: PressebildPlatz 5: Continental
Der Automobilzulieferer investiert derzeit 35 Millionen Euro in den Bau eines zweiten Werks in Changchun, im September 2012 soll die Produktion beginnen. Continental unterhält bereits 58 Standorte in China.
Mitarbeiter in China: 15.000
Foto: PressebildPlatz 11: DHL
"In China liegt unsere Zukunft", postuliert Deutsche Post-Chef Frank Appel. Bereits 12 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Deutsche Post DHL in China - mehr als in Deutschland.
Mitarbeiter in China: 19.000
Foto: dpaPlatz 3: Bosch
China ist hinter Deutschland und den USA der drittgrößte Markt für Bosch. 1926 eröffnete Bosch seine ersten Autowerkstatt in China. Mittlerweile ist der Konzern der drittgrößte deutsche Arbeitgebern in China. Zwischen 2005 und 2010 konnte Bosch seinen Umsatz jeweils um durchschnittlich 30 Prozent steigern. In China betrug der Jahresumsatz 2010 4,1 Milliarden Euro. Bei Kühlgeräten hält der Elektronikriese in China einen Marktanteil von 13,7 Prozent. Gerade baut der Haushaltsgerätehersteller gemeinsam mit Siemens (BSH) in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik, 2013 soll die Produktion beginnen. Bis 2015 will der Automobilzulieferer in China 50.000 Mitarbeiter beschäftigen.
Mitarbeiter in China: 21.000
Foto: PressebildPlatz 2: Siemens
Der Weltkonzern aus München unterhält 16 Forschungszentren im Reich der Mitte. Im Geschäftsjahr 2010/2011 machte er dort 6,4 Milliarden Euro Umsatz. Die Geschichte von Siemens in China reicht zurück bis ins Jahr 1872, als das Unternehmen Chinas ersten Zeigertelegraphen lieferte. Bisher hat Siemens mehr als 69 Gesellschaften und 64 Zweigniederlassungen in China gegründet.
Mitarbeiter in China: 43.000
Foto: PressebildPlatz 1: Volkswagen
VW hat 2011 rund 2,26 Millionen Autos in der Volksrepublik abgesetzt und hält damit eine Marktanteil von 17 Prozent. Bis 2016 will der Autokonzern 14 Milliarden Euro in China investieren. Volkswagen unterhält bereits die meisten Werken aller deutschen Autobauern in China. Auf der Industriemesse in Hannover haben VW-Chef Winterkorn und Chinas Premier Wen Jiabao ein Abkommen zum Bau eines neues Werks im Norwesten Chinas unterzeichnet.
Mitarbeiter in China: 48.000
Foto: Pressebild
Teak und tropische Gärten
Dazu haben sich die Schwaben etwas einfallen lassen, was bisher in der Regel eher Studenten praktizierten. Sie gründeten mit elf deutschen Mittelständlern eine Wohngemeinschaft. Startup-Factory heißt die ungewöhnliche Kommune in Kunshan. Mit von der Partie sind Arku, ein Maschinenbauer aus Baden-Baden mit zuletzt 38 Millionen Jahresumsatz, und der Zahnradpumpenhersteller Scherzinger aus Furtwangen im Schwarzwald. Auf rund 15.000 Quadratmetern teilt sich das deutsche Dutzend Produktionsflächen, Büros, IT und Verwaltung. Keiner beschäftigt selber mehr als 20, viele gerade mal vier Leute.
Die Idee zur Fabrik-WG stammt von Bernd Reitmeier, einem 42-jährigen Bayern aus Freising im Norden von München. Seine Schuhsohlen hallen wider auf frischem Parkettboden. Die weißen Wände in seinem Domizil sind nackt, manches wirkt improvisiert. Draußen gedeihen tropische Pflanzen in kleinen Gärtchen. Die Terrasse, die von allen Büros aus zugänglich ist, zieren Teakholz-Möbel aus Bali und dekorative Buddha-Köpfe, die Reitmeier im Urlaub erstanden hat.
Start in China in der WG
Elf Jahre lang begleitete der Bayer für die deutsche Auslandshandelskammer in Shanghai Unternehmen beim Start in China. „Weil gerade kleine und mittelständische Unternehmen den Markteintritt wegen der sehr hohen Kosten scheuen“, sagt er, „lag die WG-Idee auf der Hand.“
Reitmeier nimmt nun als Vermieter den Mitgliedern der WG einen Teil der Kosten ab. In den zwei Jahren von der Idee bis zur Eröffnung Anfang 2012 trug die Stadt Kunshan die Ausgaben für das Gebäude, indem sie den Bau finanzierte. Jetzt kassiert Reitmeier zwischen 4000 und 5000 Euro monatlich von den Kommunarden für seine ständigen Dienste. Dafür übernimmt sein 25-köpfiges Team unter anderen Buchführung und Controlling, vor allem aber die Einstellung neuer Mitarbeiter.
Klein, aber mein: Reparaturwerkstatt der Firma Kern
Foto: Egill Bjarke für WirtschaftsWoche
Das kommunistisch regierte China ist mit gut 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.
Foto: dapdMit einer Fläche von knapp 9,6 Millionen Quadratkilometern ist es etwa 27 Mal so groß wie Deutschland.
Foto: ReutersTrotz eines Bruttoinlandsprodukts von 5,88 Billionen US-Dollar (2010) und einem Wachstum von 9,2 Prozent im vergangenen Jahr ist besonders die Landbevölkerung von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen.
Foto: dpa2010 exportierten deutsche Unternehmen Waren für 53,6 Milliarden Euro nach China. Im Vergleich zum Jahr zuvor entsprach das einem Plus von 43,9 Prozent. Die Einfuhren lagen 2010 bei 76,5 Milliarden Euro (35,0 Prozent mehr als 2010).
Foto: dpaAus der Bundesrepublik werden besonders Maschinen, Anlagen, elektrotechnische Produkte und Autos nach China verkauft.
Foto: dapdVon dort kommen vor allem Elektrotechnik und Kleidung.
Foto: dpaDie Direktinvestitionen deutscher Unternehmen beliefen sich 2010 auf 697 Millionen Euro nach 857 Millionen im Jahr zuvor.
Foto: REUTERSViele deutsche Unternehmen in China beklagen sich über einen schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheit.
Foto: REUTERSSchlechter Schutz des geistigen Eigentums ist seit Jahren ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen.
Foto: apMehr als die Hälfte aller vom Zoll in Europa sichergestellten Raubkopien stammt aus China. Bei dem seit 1999 laufenden Dialog über rechtsstaatliche Fragen zwischen Berlin und Peking geht es auch um ein Wirtschaftsrecht für China.
Foto: dpaGerade mit der Rekrutierung des Personals hilft der Bayer den WG-Mitgliedern. Denn überall im Reich der Mitte steigen die Löhne, zugleich schrumpft infolge der Westwanderung der Unternehmen die Zahl qualifizierter Arbeitskräfte in östlichen Küstenregionen wie Shanghai und Kunshan. 2011 nannten neun von zehn deutschen Unternehmen dies als ihre größte Herausforderung in China.
Ganz anders Reitmeier: „Wir haben kaum Probleme, qualifiziertes Personal zu finden.“ Arbeiter in Kunshan verdienten zwar mehr als ihre Kollegen 1000 Kilometer weiter westlich. Aber dafür seien sie auch deutlich besser ausgebildet. Ohnehin fielen für die hoch spezialisierten Mittelständler aus Deutschland die Lohnkosten nur gering ins Gewicht. Viel wichtiger seien gut ausgebildete Fachkräfte und eine funktionierende Infrastruktur vor Ort.
Die deutsche Startup-Factory liegt perfekt unweit der Metropolen Shanghai und Nanjing. Mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 20.000 US-Dollar pro Kopf gehört Kunshan zu den reichsten Städten Chinas, der Landesdurchschnitt liegt bei gut 5000 US-Dollar. Die Stadt rühmt sich guter Lebens- und Arbeitsbedingungen. Das Ambiente prägen wie in nahezu allen chinesischen Großstädten gewaltige Hochhäuser, mehrspurige Straßen und Luxusboutiquen in der City.
Zum ersten Mal in China? Dann überraschen Sie Ihren Geschäftspartner mit einem kurzen "Ni hao", also: "Guten Tag".
Foto: REUTERSSie kennen Ihren Gegenüber noch gar nicht? Dann fragen Sie Ihn höflich: "Nin gui xing?", "Wie heißen Sie?".
Foto: APWenn Ihr Gegenüber ihnen seine "Ming pian" anbietet, so meint er die "Visitenkarte".
Foto: FotoliaSollte Sie jemand nach dem "Lao ban" fragen, dann meint er den "Chef".
Foto: dapdOb inner- oder außerbetrieblich, die "Jing jeng", zu Deutsch "Konkurrenz", ist auch den Chinesen wohlbekannt.
Foto: REUTERSBei Verträgen ist Ihre "Qian ming", die "Unterschrift", unerlässlich.
Foto: AP
Falls Ihr Gegenüber Sie zum "Shang wu can" einlädt, dann meint er damit das "Geschäftsessen".
Foto: WirtschaftsWoche
Ein Wort, was auch in chinesischen Unternehmen immer groß geschrieben wird: "Zhi liang" - die "Qualität".
Foto: dapd
Ein "Joint Venture" bezeichnet man als "Hezi qiye".
Foto: REUTERSSollten Sie in China ein "Ban gong shi" aufsuchen müssen, so ist das "Büro" gemeint.
Foto: REUTERSDas Kompliment "Shanghai shi yi ge hen youyisi de chengshi", was soviel bedeutet wie: "Shanghai ist eine imponierende Stadt" dürfte ihrem Gastgeber sicherlich ein Lächeln entlocken.
Foto: REUTERS
Avantgarde Chinas
„Früher stand hier ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Dann kamen die großen Fabriken und die Wanderarbeiter. Heute setzen wir auf Forschung und Entwicklung und Umweltfreundlichkeit“, sagt Wang Wen aus der Bezirksregierung. Wang trinkt Kaffee, für einen Chinesen in etwa so ungewöhnlich wie für einen Deutschen, an Hühnerfüßen herumzukauen. Doch es passt – Kunshan gilt in China schließlich als Avantgarde.
So gründete die Stadt im Jahr 2000 eine „Export Processing Zone“. Auf dem Gelände konnten alle Waren – ähnlich einer Freihandelszone – zollfrei eingeführt, in Kunshan verarbeitet und anschließend wieder exportiert werden. So versucht Kunshan, sich von der Schwerindustrie weg zum High-Tech-Standort zu entwickeln. Funktionär Wang reiste kürzlich gar nach Dortmund, um Strukturwandel zu studieren.
Klar, dass solch ein Funktionär offen war für Reitmeiers Idee, eine Fabrik-WG für hoch spezialisierte deutsche Mittelständler aufzuziehen. Denn solche Neubürger passen in Wangs Konzept des Strukturwandels. Sechs Millionen Euro machte die Stadt locker, um statt eines 08/15-Gewerbebaus ein hochmodernes Gebäude hinzustellen.
Das Münchner Architekturbüro Mudi entwarf den schlichten und klaren Bau, das Stuttgarter Ingenieurbüro Energydesign sorgte für Energieeffizienz. Die Außenwand etwa trägt eine zusätzliche Schicht aus Polykarbonat – zur Wärmedämmung. Im Sommer kühlt die Zugluft, im Winter wärmt sie. Tageslicht dringt in möglichst viele Räume.
Zwar geriet die WG-Herberge durch solche Vorzüge am Ende fünf Mal teurer als eine Billigbude. Dafür erspart die Konstruktion im Vergleich zu herkömmlichen Gebäuden 60 Prozent der Energie, was die laufenden Kosten der WG-Mitglieder senkt.
Produktionshallen
Für Scherzinger aus Furtwangen ist all das ideal. Deren Zahnradpumpen gehen zum Beispiel an GEA Bock, eine Tochter des Düsseldorfer Maschinen- und Anlagenbauers GEA, die solche Teile in ihre Kompressoren und Klimageräte montiert. „80 Prozent der Pumpen gehen aktuell an deutsche Kunden – aber die sitzen alle in China“, sagt Reitmeier.
Dem ein oder anderem Fabrik-WG-Mitglied wurde es sogar schon zu eng in der gemeinsamen Unterkunft. Die Firma Sturm aus dem niederbayrischen Salching zum Beispiel, ein Hersteller von Förderbändern für Flughäfen, zählt zu den ersten Mietern der Startup-Factory. Weil die Geschäfte immer besser laufen, hat das Unternehmen Produktionshallen in Sichtweite angemietet. Bis der Mittelständler komplett auf eigenen Füßen steht und ein lokales Management installiert hat, bedient er sich weiter der Dienstleistungen der Wohn- und Arbeitsgemeinschaft.
Der Gedanke, das Kushan-Modell auch in viele andere Länder zu exportieren, liegt nahe. Für Reitmeier ist das keine Neuigkeit mehr: „Kosten senken, Erfahrungen teilen, Kontakte nutzen – darum geht es doch überall.“