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Flughafen HahnMalu Dreyer räumt „schlimmen Fehler“ ein

Der Verkauf des verschuldeten Flughafens Hahn an einen chinesischen Käufer ist gescheitert und bringt die Regierung in Rheinland-Pfalz in Bedrängnis. Die Opposition plant ein Misstrauensvotum gegen die Ministerpräsidentin. 07.07.2016 - 15:45 Uhr aktualisiert

Flughafen Frankfurt-Hahn

Fluggäste 2015: 2,6 Millionen

2014: 2,38 Millionen

Zuwachs: ca. 9 Prozent

Noch ein Ryanair-abhängiger Flughafen: Der Hunsrück-Airport Frankfurt-Hahn hat nach eigener Prognose 2015 bei den Passagieren wieder zugelegt. Unter dem Strich bleiben die Ergebniszahlen für den krisengeschüttelten Regionalflughafen dennoch wohl tiefrot. In seiner Hochphase hatte der Hahn mehr als vier Millionen Passagiere. Jetzt übernimmt ein Investor aus China hier das Ruder.

Foto: dpa

Flughafen Tegel (Berlin)

Fluggäste 2015: 21,01 Millionen

2014: 20,69 Millionen

Zuwachs: 1,5 Prozent

Der neue Hauptstadtflughafen BER lässt weiterhin auf sich warten. Die zwei aktuellen Berliner Airports arbeiten daher seit Jahren an der Kapazitätsgrenze – und können sich kaum weiter steigern. Der Stadt-Flughafen Tegel legt 2015 gegenüber dem Vorjahr dennoch leicht zu. Doch viel mehr Passagiere sind kaum möglich.

Foto: REUTERS

Flughafen Schönefeld (Berlin)

Fluggäste 2015: 8,53 Millionen

2014: 7,29 Millionen

Zuwachs: 16,9 Prozent

Auch der frühere DDR-Zentralflughafen Schönefeld boomt: 2015 wurden rund 1,2 Millionen Fluggäste mehr abgefertigt. 2016 soll die Passagierzahl an den Altflughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt erstmals über 30 Millionen liegen. Das stellt den BER vor ein Problem, denn das sind deutlich mehr, als der noch nicht eröffnete Airport zunächst bewältigen kann. Der neue Hauptstadtflughafen soll Ende 2017 in Betrieb gehen und fasst in seiner jetzigen Form zum Start 22, später 27 Millionen Passagiere pro Jahr. Anders als ursprünglich geplant sollen daher die benachbarten alten Schönefelder Terminals ausgebaut und über 2017 hinaus zunächst in Betrieb bleiben.

Foto: dpa

Flughafen Düsseldorf

Fluggäste 2015: 22,45 Millionen

2014: 21,85 Millionen

Zuwachs: 3,2 Prozent

Auch der Düsseldorfer Flughafen kann bei den Passagierzahlen zulegen. Er ist der drittgrößte Flughafen Deutschlands und der größte von Nordrhein-Westfalen. 1996 kam es in Folge von Schweißarbeiten zu einem Großbrand, bei dem 17 Menschen starben und 88 verletzt wurden. Nach der Brandkatstrophe wurde umfangreichen neugebaut und saniert.

Foto: dpa

Flughafen Köln-Bonn

Fluggäste 2015: 10,3 Millionen

2014: 9,5 Millionen

Zuwachs: 9,4 Prozent

Der Flughafen Köln-Bonn ist die Heimat der neuen Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Von hier aus bietet die Airline seit November 2015 auch Low-Cost-Langstreckenflüge an. 2015 legte Köln-Bonn noch einmal ordentlich zu und durchbrach die Zehn-Millionen-Marke bei den Passagieren. Besonders groß war der Zuwachs im letzten Quartal. „Wir setzen sehr konsequent auf Low-Cost-Verkehre. Ich denke, der Erfolg gibt uns Recht“, sagte Flughafenchef Michael Garvens. 2016 soll die Zahl der Fluggäste erstmals über elf Millionen steigen.

Foto: dpa

Flughafen Hamburg

Fluggäste 2015: 15,6 Millionen

2014: 14,76 Millionen

Zuwachs: 5,8 Prozent

Der Flughafen Hamburger steigert sich weiter und profitiert dabei vor allem vom Trend zu größeren Flugzeugen. Die Zahl der Starts und Landungen lag laut Airport 2015 unter dem Niveau des Jahres 2000. Damals seien jedoch lediglich zehn Millionen Fluggäste in der Hansestadt abgefertigt worden. 2016 soll die Passagierzahl weiter steigen, aber langsamer als bisher. Der Flughafen setzt dabei auf neue Verbindungen von Eurowings, Easyjet, Ryanair, Blue Air, Germania, Sunexpress und VLM.

Foto: dpa

Flughafen Memmingen

Fluggäste 2015: 883.000

2014: 750.000

Zuwachs: 17,8 Prozent

Starkes Wachstum auf niedrigem Niveau: Der „Allgäu Airport“ legt dank des Osteuropa-Billigfliegers Wizz Air deutlich zu. Langfristig gibt der Flughafen Memmingen eine Million Passagiere als Ziel aus. Der Airport ist nicht unumstritten, Kritiker bemängeln die Nähe zum internationalen Großflughafen in München. Doch zwei Bürgerentscheide geben Rückenwind: Das Geld aus Grundstücksverkäufen an die Stadt Memmingen und den Landkreis Unterallgäu soll in die Modernisierung des Airports fließen. Die Vergrößerung des Terminals wird in Betracht gezogen, falls die Passagierzahlen weiter wachsen.

Foto: imago images

Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden

Fluggäste 2015: 1,06 Millionen

2014: 997.000

Zuwachs: 6,7 Prozent

Der „Baden-Airpark“ überspringt die Marke von einer Million Passagiere. Der ungarische Billigflieger Wizz Air soll auch 2016 für Wachstum sorgen, große Sprünge sind aber nicht drin: Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden peilt eine Passagierzahl von mehr als 1,1 Millionen an.

Foto: dpa/dpaweb

Flughafen Weeze

Fluggäste 2015: 1,91 Millionen

2014: 1,81 Millionen

Zuwachs: 5,5 Prozent

Der Airport am Niederrhein lebt vom irischen Billig-König Ryanair und hatte daher in den vergangenen Jahren mit stark schwankenden Passagierzahlen zu kämpfen. Doch Weeze rühmt sich, als privatwirtschaftliches Unternehmen schwarze Zahlen zu schreiben – im Gegensatz zu anderen Flughäfen mit kommunalen Anteilseignern. 2015 lief es nach dem Einbruch im Vorjahr besser, 2016 sollen die Passagierzahlen stabil bleiben.

Foto: dpa

Flughafen Stuttgart

Fluggäste 2015: 10,5 Millionen

2014: 9,73 Millionen

Zuwachs: 8,2 Prozent

Neuer Rekord in Stuttgart: Der Flughafen übertrifft die bisherige Bestmarke aus dem Vor-Finanzkrisen-Jahr 2007. Mit drei Prozent Wachstum bei den Passagieren soll es 2016 weitergehen. Airport-Chef Georg Fundel sieht – wen wundert's – die Elf-Millionen-Marke in Reichweite.

Foto: dpa

Flughafen Kassel-Calden

Fluggäste 2015: 65.000

2014: 47.000

Zuwachs: 38 Prozent

Riesenwachstum in Nordhessen. Wenn einem bei dem Passagieraufkommen nicht glatt die Tränen kommen würden, könnte man sich über das Plus freuen. 2015 wurden gerade einmal 65.000 Fluggäste abgefertigt. Allein zehn Prozent der Passagiere sind momentan laut Flughafenchef Ralf Schustereder abgelehnte Asylbewerber, die in ihre Herkunftsländer zurückgeflogen werden. Der Flughafen Kassel-Calden, der sich mittlerweile Kassel Airport nennt, war erst 2013 eröffnet worden. Ursprünglich sollten 2020 bereits 640.000 Passagiere in Nordhessen aufschlagen, mittlerweile werden nur noch knapp 500.000 in 2024 prognostiziert.

Foto: dpa

Flughafen Dortmund

Fluggäste 2015: 1,99 Millionen

2014: 1,97 Millionen

Zuwachs: 1 Prozent

Die Zwei-Millionen-Marke knapp verfehlt hat der Ruhrgebiets-Airport Dortmund. Doch für den Regionalflughafen ist es ein Erfolg, vor Weeze gelandet und damit hinter Düsseldorf und Köln/Bonn weiterhin der drittgrößte Flugplatz in NRW zu sein. Die Streichung von Air-Berlin-Flügen nach Mallorca verhinderte ein größeres Wachstum. Mehr als die Hälfte des Verkehrs machen die Verbindungen des Osteuropa-Fliegers Wizz Air aus: Beliebtestes Ziel war daher 2015 das polnische Kattowitz. 2016 soll erstmals seit 2008 wieder die Zwei-Millionen-Marke geknackt werden.

Foto: dpa

Flughafen München

Fluggäste 2015: 40,8 Millionen

2014: 39,7 Millionen

Zuwachs: 2,8 Prozent

Der Münchner Flughafen liegt bei den Passagierzahlen unter Deutschlands Flughäfen auf Platz zwei. Er ist nach dem bayerischen Landesvater und CSU-Politiker Franz Josef Strauß benannt.

Foto: dpa

Flughafen Hannover

Fluggäste 2015: 5,43 Millionen

2014: 5,29 Millionen

Zuwachs: 2,8 Prozent

Der Flughafen Hannover landet beim Passagieraufkommen auf dem neunten Platz unter deutschen Flughäfen. Er ist Heimatbasis der Fluggesellschaft Tuifly. Bis 1990 fand auf dem Gelände die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) statt.

Foto: imago images

Flughafen Nürnberg

Fluggäste 2015: 3,36 Millionen

2014: 3,26 Millionen

Zuwachs: 3,3 Prozent

Der Flughafen Nürnberg ist der zweitgrößte des Freistaats Bayern, ist allerdings seit Jahren hochverschuldet.

Foto: dpa

Fluggäste 2015: 2,65 Millionen

2014: 2,77 Millionen

Rückgang: 3,9 Prozent

Der Flughafen der Hansestadt gehört zu den Absteigern bei der Anzahl der Passagiere: 14 Airlines fliegen von Bremen aus zu 48 Zielen in 23 Länder Europas, Nord-Afrikas und Asiens. Auch Ryanair fliegt von hier.

Foto: AP

Die CDU-Opposition in Rheinland-Pfalz kreidet Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den geplatzten Verkauf des Flughafens Hahn persönlich an und spricht ihr das Misstrauen aus. „Wir haben kein Vertrauen mehr“, sagte CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner am Donnerstag in einer Sondersitzung des Landtags. Sie warf Dreyer vor, bei Zweifeln gegen den Käufer aus Shanghai weggeschaut zu haben und die Schuld auf andere zu schieben. Die CDU will einen Misstrauensantrag stellen, über den der Landtag in einer der nächsten Sitzungen abstimmen soll – eventuell schon in der kommenden Woche.

CDU und AfD fehlen zusammen zwei Stimmen für eine Mehrheit. Bei den Koalitionspartnern FDP und Grünen wurde dem Antrag kaum Aussicht auf Erfolg beigemessen. Ein Abgeordneter sprach von „Politklamauk“.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat nach dem geplatzten Verkauf des Flughafens Hahn an eine chinesische Firma Fehler bei der Prüfung des Käufers eingeräumt. „Das ist bitter, dass dieser schlimme Fehler passiert ist“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag bei einer Sondersitzung des Landtags in Mainz.

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„Heute ist klar, und ich habe es erläutert, dass der zum Zuge gekommene Bieter kriminelle Absichten hatte.“ Dreyer sieht aber keine Notwendigkeit für personelle Konsequenzen: „Wir konnten rechtzeitig die Reißleine ziehen.“

Der verschuldete staatliche Airport sollte an die Shanghai Yiqian Trading gehen, die aber mit einer Zahlung und einer Kaufgenehmigung in den Rückstand geriet.

Erst am Mittwochabend hatte der rheinland-pfälzische Innenminister diese Entwicklung angedeutet: Es „zeichnet sich ein Abbruch des Verkaufsprozesses mit dem Unternehmen SYT ab“, teilte Innenminister Roger Lewentz (SPD) in Mainz mit. In einem ZDF-Interview fügte er später hinzu: „Es geht mit denen nicht weiter.“

Auslöser für die Erklärung: Innenstaatssekretär Randolf Stich erfuhr nach Angaben des Ministeriums, dass die Shanghai Yiqian Trading (SYT) bisher noch nicht einmal Unterlagen für die Genehmigung zum Kauf von Anteilen bei der zuständigen Behörde eingereicht hat. Das widerspreche Angaben des Käufers und seiner Anwälte.

Zweifel an Seriosität des Käufers

Der verschuldete Flughafen im Hunsrück gehört zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Der Vertrag zwischen Rheinland-Pfalz und dem chinesischen Käufer wurde schon am 2. Juni unterschrieben, doch der Landtag hätte noch zustimmen müssen. Zuerst wurden in den Medien, dann in der Opposition Zweifel an der Seriosität des Käufers laut.

Vor einer Woche legte Lewentz dann das Verkaufsverfahren auf Eis, weil das Unternehmen eine Zahlungsfrist für den Kauf von Grundstücken am Airport hatte verstreichen lassen.

Nun werden die Gespräche mit zwei Interessenten, die bisher nicht zum Zug kamen, wieder aufgenommen: mit der pfälzischen ADC GmbH, hinter der Ex-Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert steht, und mit einem amerikanisch-chinesischen Unternehmen.

Die Geschehnisse sind für die seit Mai amtierenden Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen heikel, da ihr Vorsprung im Parlament nur einen Sitz beträgt. Die Liberalen hatten Dreyers frühere rot-grüne Landesregierung vor der Landtagswahl im März gerade wegen missglückter Privatisierungsprojekte noch kritisiert, sind aber nun Teil der neuen Koalition.

Auch Hessen ist von dem drohenden Vertrags-Aus betroffen. Ein Landtagsausschuss hatte schon grünes Licht für den Verkauf gegeben, die hessische schwarz-grüne Regierung stellte sich im Juni hinter die Rheinland-Pfälzer.

dpa, rtr
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