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Cloud ComputingWie sich Frankfurt zum Cloud-Zentrum Europas entwickelt

Die amerikanischen IT-Riesen stecken ihre Claims in Deutschland ab, um für den bevorstehenden Cloud-Boom gerüstet zu sein. Frankfurt wird dabei mehr und mehr zum Cloud-Zentrum in Zentraleuropa.Michael Kroker 18.08.2016 - 16:33 Uhr

IT-Riesen: Frankfurt wird zum Cloud-Zentrum in Zentraleuropa.

Foto: Marcel Stahn, dpa, Montage

Der jüngste Brückenkopf in Deutschland durch einen amerikanischen IT-Konzern steht unmittelbar bevor: Der amerikanische Internetgigant Google will hierzulande ein eigenes Rechenzentrum für Cloud-Dienste aufbauen. Gemeinsam mit Equinix, einem in den USA börsennotierten Betreiber von Rechenzentren, hat der Internet-Riese dafür den Standort Frankfurt ins Visier genommen, wie die „WirtschaftsWoche“ Anfang Juli aus Branchenkreisen erfuhr.

Damit ist Google der vorerst letzte Vertreter eines Trends, der sich seit gut zwei Jahren im deutschen IT-Markt zeigt: Seit den Enthüllungen über den US-Geheimdienst NSA durch Edward Snowden im Jahr 2013 haben die amerikanischen IT-Anbieter auf die Datenschutzbedenken deutscher Kunden reagiert.

Weil beim Cloud Computing die Software auf den Rechnern des IT-Anbieters läuft und Nutzer darauf per Internet zugreifen, legen viele Kunden auf Rechenzentren und Datenspeicherung in Deutschland wert. „Die großen Vier Amazon, Microsoft, Google und IBM nutzen die deutsche Cloud als operatives und strategisches Marketing-Instrument, um jetzt den hiesigen Markt zu gewinnen“, sagt Axel Oppermann, Gründer und Chef des IT-Marktbeobachters Avispador in Kassel.

Vor- und Nachteile von Cloud Computing
Wer all seine Informationen in einer Cloud speichert, ist vom Anbieter abhängig. Sollte der sich möglicherweise nur unzureichend um seine Kunden kümmern, ist ein Wechsel zu einem anderen Anbieter meist schwierig, da die Datenmengen groß sind. Ein weiteres Problem: Für den Fall, das ein Anbieter pleite geht, gibt es keine klaren Regelungen. Erst wenn es Standards gibt, die einen Anbieterwechsel ermöglichen, sinkt die Abhängigkeit.
Dienstleister, die Clouds anbieten, beschäftigen sich in der Regel intensiv mit dem Thema Datenschutz. Allerdings sind große Datenmengen auch immer ein attraktives Ziel für Hacker. Die Auslagerung der eigenen Daten in eine Cloud bedeutet somit auch immer einen Kontrollverlust.
Die Menge des Speicherplatzes im Netz kann flexibel angepasst werden. Benötigt man mehr Speicherplatz, kann man einfach die angemieteten Kapazitäten erhöhen, anstatt sich teure Hardware kaufen zu müssen.
Der Administrationsaufwand sinkt, wenn man eine Cloud benutzt. Da die Installation auf dem eigenen Computer entfällt und auch Updates von den Cloud-Anbietern durchgeführt werden, kommt es hier zu einer großen Zeitersparnis.
Wer mit einer Cloud arbeitet, kann flexibel auf Daten zugreifen. Dabei spiel der Ort keine Rolle. Sowohl von Smartphones, als auch von Tablets und Computern aus können die Informationen abgerufen werden.

Allein bei Google dürften nach Schätzung von Brancheninsidern für Aufbau und Betrieb eines eigenen Rechenzentrums in Deutschland in den ersten zwei bis drei Jahren Investitionen im hohen zweistelligen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich anfallen.

Google hat bewiesen, dass sich Investitionen rechnen

Dass sich solche Investitionen jedoch rechnen, hat Google höchstselbst erst Ende Juli bei der Vorlage seiner Zahlen für das zweite Quartal 2016 bewiesen: So kletterte der zwischen April und Juni unter „Sonstige“ verbuchte Umsatz verglichen zum Vorjahr um ein sattes Drittel auf knapp 2,2 Milliarden Dollar. Laut Finanzchefin Ruth Porat entfällt der Großteil davon auf Apps und Cloud Computing für Unternehmen.

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Glaubt man den Schätzungen von Analysten, steht der ganz große Drang von Anwendern und Anbietern in die Internet-Wolke ohnehin noch bevor: Laut Ende Juli veröffentlichter Prognose des IT-Marktforschers Gartner sollen sich die Investitionen für Cloud-Hardware und -Software bis zum Jahr 2020 auf IT-Ausgaben von mehr als einer Billion Dollar summieren.

Um für diese Welle gerüstet zu sein, stecken die US-Riesen daher jetzt ihre Claims ab. Beispiel Amazon: Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Sparte des US-Internet-Riesen, boomt in Deutschland – und wächst weiter stark: Allein bis Ende 2016 will AWS hierzulande 130 neue Mitarbeiter einzustellen, um die geschäftliche Expansion weiter voranzutreiben, wie die „WirtschaftsWoche“ Ende Mai berichtete.

Der Online-Speicher
Die meisten Nutzer verbinden mit der Cloud Online-Speicher-Dienste wie Dropbox, Google Drive oder Apples iCloud. Dieser Dienste haben sich in den vergangenen vier Jahren wachsender Nutzerzahlen erfreut. Doch der Cloud-Gedanke ist weitaus älter. Wo Sie die Cloud schon benutzt haben, bevor der Begriff Berühmtheit erlangte und wo Sie sie heute nutzen, ohne es zu wissen, erfahren Sie in den folgenden Bildern.

Foto: dpa

E-Mail

Jeder Nutzer eines E-Mail-Services wie GMX, Google Mail oder AOL nutzt einen Cloud-Service. Die Cloud ist nichts anderes als eine Anwendung, die sich auf den Servern eines Anbieters abspielt. In diesem Fall bietet etwa 1&1 mit seinen E-Mail-Diensten Web.de und GMX.de Postfächer, die über den Browser aufgerufen werden und im Gegensatz zu Microsofts Outlook beispielsweise nicht extra auf dem Rechner installiert werden müssen.

Foto: dpa

Spielen in der Cloud
Beim sogenannten Cloud Gaming laufen Spiele auf externen Servern. Die Spiele werden auf diesen Servern gestartet und berechnet – beim Nutzer kommen nur Bild und Ton an. Das hat einen Vorteil: Der Spieler braucht keine allzu starke Hardware sondern lediglich eine schnelle Internetverbindung. Die Belastung liegt auf den Servern. Eine Installation ist ebenfalls nicht notwendig. Zudem müssen Spiele vom Entwickler nicht mehr für das jeweilige Endgerät angepasst werden.
Der Nachteil: Sind die Server überfüllt oder wegen anderer technischer Probleme nicht erreichbar, muss der Nutzer sich auf lange Wartezeiten einstellen oder kann das Spielen ganz vergessen.

Foto: AP

Office-Programme
Google bietet neben dem Speicher- und dem E-Mail-Dienst mit Google Docs ein Programm für Textverarbeitung in der Cloud an. Auch Tabellenkalkulationen und Präsentationen können online erstellt werden. Mussten Nutzer vor einigen Jahren noch ein Office-Programme von Microsoft oder Apple auf dem Rechner installieren, können sie heute bequem über die Cloud arbeiten.
Auf Google Docs kann man einfach über den Browser zugreifen, die Dokumente werden bei Google-Drive gespeichert. Ein großer Vorteil: Mehrere Menschen können gleichzeitig in einem Dokument arbeiten – die Synchronisierung der Datei läuft automatisch.
Auch Microsofts neues Office-Paket 365 hat die Office-Anwendungen in die Cloud verschoben.

Foto: REUTERS

Adobes Kreativ-Programme
Adobe hat sein Geschäftsmodell für Software wie Photoshop, Flash und Indesign ebenfalls auf die Cloud ausgerichtet. Statt einmalig eine Lizenz zu kaufen, muss der Kunde, will er die aktuellen Versionen von Adobes Kreativ-Programmen nutzen, künftig ein Abo-Modell eingehen.
Der Vorteil: Der Nutzer muss keine Updates durchführen, nichts installieren und kann dank der CreativeSync-Technologie von Adobe auf dem Tablett begonnene Arbeiten auf dem Rechner fortsetzen.

Foto: AP

Musik-Streaming
Auch wer Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Napster oder Apple Music nutzt, befindet sich in der Cloud. Bei all diesen Streaming-Diensten werden Millionen Musik-Titel auf Servern gelagert, auf die der Nutzer von seinem Endgerät aus zugreift.
Dafür muss er entweder ein monatliches Entgelt bezahlen oder die kostenlosen Alternativangebote nutzen. Bei Spotify kann der Nutzer zum Beispiel die Gebühren einsparen, wenn er bereit ist, zwischendurch von Werbung beschallt zu werden.

Foto: dpa

Serien-Streaming
Filme und Serien werden ebenfalls immer öfter über das Netz angesehen. Anbieter wie Netflix, Sky Go, Watchever, Amazone Prime und Maxdome erlauben den Zugriff auf tausende Filme und Serien. Auch hier zahlen Nutzer eine monatliche Gebühr und können dafür so viel schauen, wie sie möchten.

Foto: dpa

Smartphone und Tablett
Wer sein Smartphone oder Tablett einrichtet – egal ob es nun von Apple, Google oder Microsoft ist, muss sich ein Konto für die jeweilige unternehmenseigene Cloud einrichten. Wer die Standardeinstellungen nicht ändert, speichert dann sämtliche Kalender- und Adressdaten in der Cloud. Gleiches gilt für Fotos und E-Mails.

Foto: dpa

Amazon hatte bereits Ende 2014 als einer der ersten US-Anbieter ein eigenes Cloud-Rechenzentrum in Frankfurt eröffnet. Inzwischen zählen Unternehmen wie der Berliner Musik-Streaming-Dienst SoundCloud, der Reinigungsgerätehersteller Kärcher, der Pharmariese Bayer und der Medienkonzern Axel Springer zu den Kunden. Laut AWS ist die Region Frankfurt die am schnellsten wachsende internationale Region in der Amazon-Geschichte.

Eine spezielle Strategie im deutschen Cloud-Markt verfolgt der Softwareriese Microsoft: Die Amerikaner sind eine Partnerschaft mit T-Systems, der IT-Tochter der Deutschen Telekom eingegangen. Die tritt als Treuhänderin der Daten auf, die Unternehmen im Cloud-Computing-Geschäft mit Microsoft außer Haus geben.

Das komplizierte Konstrukt mit der Telekom soll gewährleisten, dass keine Daten das Land verlassen. „Die Daten von Microsoft-Kunden verbleiben in Deutschland und werden ausschließlich von T-Systems verarbeitet werden. Microsoft hat keinerlei Zugriff auf die Daten“, so Anette Bronder, Geschäftsführerin Digital Division von T-Systems, gegenüber der „WirtschaftsWoche“. Microsoft selber nennt sein Angebot „Microsoft Deutschland Cloud“ und will in der zweiten Jahreshälfte starten.

Deutlich weiter ist da Microsoft-Rivale Oracle. Der amerikanische Hard- und Software-Anbieter hat sogar zwei deutsche Cloud-Rechenzentren in Deutschland gebaut, in Frankfurt und in München.

Geografische Nähe zum kontinentaleuropäischen Internetknoten

Die Investitionen von Google, Amazon und Oracle in der hessischen Finanzmetropole weisen zudem auf einen weiteren Trend hin: „Frankfurt wird ein wesentliches - wenn nicht sogar das wesentliche - Cloud-Zentrum in Kerneuropa“, sagt IT-Beobachter Oppermann. Dies liegt zum einen an der geografischen Nähe zum kontinentaleuropäischen Internetknoten in Frankfurt – eine wichtige Infrastruktur-Voraussetzung für eine möglichst optimale Anbindung eines Cloud-Rechenzentrums.

Der andere Grund sind die vielen Banken und Finanzdienstleister in der Region, die in Sachen Cloud und IT-Outsourcing oftmals Vorreiter sind – und für viele IT-Anbieter attraktive Kunden darstellen.

Aus beiden Gründen dürften die großen Vier am Standort Frankfurt nicht lange allein bleiben. Oppermann: „Innerhalb der kommenden zwölf Monate wird die Top Ten der amerikanischen Cloud-Anbieter, darunter auch die zweite Reihe wie etwa Rackspace oder CA, massiv in Frankfurt investieren.“

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